Wenig spaltet die Meinungen von Deutschen und Niederländern so wie das Thema Brot. Noch nie bin ich jemandem aus Deutschland begegnet, der gut auf niederländisches brood zu sprechen ist. Begriffe wie pappig, pampig und labberig gehören da noch zu den schmeichelhaften. Ich selbst nenne es lieber fluffig ;-) Niederländer hingegen können oft wenig mit dem kompakten deutschen Brot anfangen.
Nicht ohne meine Brotbackmaschine …
Niederländisches bruin brood
Ein deutscher Freund von mir, der in die Niederlande gezogen ist, fand das niederländische Backerzeugnis so ungenießbar, dass er fortan bei jedem Besuch in seiner Heimat zwölf Landbrote einkaufte, die er als Schätze in seiner niederländischen Kühltruhe verwahrte. Und die Eltern eines Kollegen haben sich für ihre ausgedehnten Niederlande-Aufenthalte extra eine Brotbackmaschine angeschafft …
Umgekehrt finden viele Niederländer das deutsche Brot schwer und sauer. Tatsächlich ist das niederländische Brot viel luftiger und wird in den allermeisten Fällen mit Hefe zubereitet, statt mit dem in Deutschland weit verbreitetem Sauerteig (niederländisch: zuurdesem). Man isst es am besten ganz frisch, wenn es noch ein bisschen warm ist und die Kruste wunderbar knusprig.
Die meisten Brote in den Niederlanden werden aus Weizenmehl (tarwemeel) hergestellt. Das gilt auf jeden Fall für die drei bekanntesten Brotsorten wit (weiß), bruin (braun), und volkoren (Vollkorn). Andere Getreidesorten, wie das in Deutschland recht beliebte Dinkel (spelt), spielen eine ungeordnete Rolle. Das niederländische roggebrood ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem herkömmlichen deutschen Roggenbrot; es entspricht Pumpernickel.
Gehaltvoll
Das Sättigungsgefühl beim niederländischen und deutschen Brot unterscheidet sich gewaltig. Bin ich in Deutschland nach zwei Scheiben für die nächsten Stunden gerüstet, habe ich nach der gleichen Zahl niederländischer boterhammen bereits nach kurzer Zeit wieder kräftig Appetit.
Obwohl ich vor allem das niederländische Vollkornbrot und auch maisbrood (Maisbrot) gern mag und es mir hier in Deutschland manchmal richtig fehlt (nein, Toastbrot ist kein Ersatz!), hat die Fluffigkeit zwei entscheidende Nachteile: Einen boterham mit Butter zu bestreichen gelingt nur, wenn diese wirklich weich ist. Außerdem schmeckt niederländisches Brot höchstens zwei Tage. Brot von vorgestern verfüttert man am besten an die Vögel.
Deutsches Brot hingegen hält sich so ziemlich ewig, bleibt lange aromatisch und ist im Prinzip auch noch nach fünf Tagen für den Verzehr geeignet (obwohl es dann doch schon leicht angestaubt schmeckt). Die Kompaktheit finde ich auch von Vorteil wenn es um Belag wie Marmelade (niederländisch: jam) geht.
Sauer
Mit dem leicht sauren Geschmack, der den meisten deutschen Broten anhaftet, kann ich mich jedoch auch nach langen Jahren in Deutschland nicht anfreunden. Ich vermute fast, dass es hier um eine kulturell geprägte Geschmacksempfindung geht. Denn Brot, das für mich sauer schmeckt, finden die Menschen in meiner Umgebung meist geschmacksneutral. Aus dem Grund bin ich ziemlich wählerisch bei der Brotauswahl, greife auch kurzerhand zu Brötchen, wo das Problem weniger besteht. Und ebenso wie beim Brot ist hier die Auswahl in Deutschland unendlich groß.
Bio-Brot
Deutschen in den Niederlanden die ihr Heimatbrot vermissen empfehle ich einen Gang zum Bio- oder Reformladen (biologische winkel oder reformwinkel). Dort verkauft man zwar kein “echtes deutsches Brot”, aber es kommt diesem schon ziemlich nah. In Arnhem und Nijmegen soll es übrigens deutsche Bäcker geben – die Rettung für hungrige Deutsche in diesen zwei Städten.
Bild: mona binner PHOTOGRAPHIE
Für Niederländer in Deutschland ist die Lage weniger rosig. Niederländisches Brot ist hier nicht zu bekommen. Und der von Deutschen manchmal gern gemachte Vergleich zu Toastbrot geht, wie ich schon andeutete, nicht auf. Das eignet sich nun wirklich nur zum Toasten. Weil Hannover etwas zu weit weg ist, um “mal eben” im Nachbarland Brot zu holen, behelfe ich mich neuerdings mit einer Brotbackmischung. Habe ich Lust auf frischgebackenes Vollkornbrot, schmeiße ich einfach selbst den Ofen an – praktisch und lekker!
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Ha, ‘boterham’ als männliches Wort, das hört sich für mich ungewohnt an. In meinem limburgischen Dialekt, der in den Niederlanden gesprochen wird aber ziemlich viele deutsche Merkmale aufweist, ist ‘boterham’ (oder vielmehr ‘bótteram’, mit kurzem O und ohne H) entschieden weiblich. Maßgeblich fürs Niederländische oder Deutsche ist das allerdings auf keinen Fall. Mach das Wort ruhig weiblich, wenn Dir was passt!
Hi!
Letztens hab ich irgendwo gelesen, dass auch innerhalb Deutschlands die Brot-Geschmäcker sehr unterschiedlich sind, und zwar gibts da angeblich ein Nord-Süd-Gefälle: Hier oben im Norden steht man auf genau diese sauren Brote, im Süden aber eher auf süßliche, oder ich weiß nicht, zumindest weniger saure. Ob’s stimmt, kann ich nicht beurteilen, weil ich zu selten im Süden war und dann immer in Hotels mit ausreichen großem Brotangebot war bzw. bei einer Bekannten, die Dinkel im Haus hatte ;-)
Grüße, Jockel
@ongast,
witzig! Für mein (eher “Noordhollandse”) Sprachgefühl ist boterham männlich. Mein niederländisches Wörtenbuch (Koenen) erlaubt sowohl männlich als weiblich :-)
@Jockel,
das ist ja interessant. Mich würde interessieren, wie andere Deutsche das sehen. Gibt es wirklich eine unsichtbare “Brotgrenze” zwischen dem Norden und dem Süden? Wenn es stimmt wäre ich im Süden der Republik – zumindest was die Brotauswahl betrifft – besser aufgehoben ;-)
Übrigens backen auch Tschechen, Russen und Ukrainer ähnlich wie die Deutschen, und in New York sind ukrainische Bäcker sehr beliebt, weil die Einheimischen auch nicht allzuviel vom Brotbacken verstehen :)
Nun, ich lebe im Süden Deutschlands, und wenn ich kann, dann bringe ich mir ein richtig dunkles Roggen-Vollkornbrot mit Sauerteig aus dem Norden mit. Aber nur noch als besondere Reminiszenz an meine norddeutsche Vergangenheit! Für täglich ist es mir – nach Jahrzehnten im Schwabenländle – zu sauer.
Die Brotauswahl hier ist sehr vielseitig, und ich schätze inzwischen auch die hellen Brotsorten. Z.B. die Laugenbrezel, die es in Norddeutschland nicht gibt, und den Hefezopf, der hier an allen Fest- und Feiertagen gegessen wird (z.B. bei Beerdigungen – !) . Aber niederländisches Tarwebrot hat auch sein Gutes: im Juni mit Butter und Erdbeerhälften belegt und mit etwas Zucker bestreut – mhhhm!
Ah, das Nord-Süd-Gefälle scheint es tatsächlich zu geben ;-)
Brood met aarbeien (Erdbeeren) habe ich schon lange nicht mehr gegessen… Werde ich unbedingt diesen Sommer mal wieder machen, wenn ich in den Niederlanden bin!
@Alex Nou het lijkt dat mijn broodgezeur een invloed heeft gehad!
Als ich im Südwest Deutschland wohnte konnte ich immer leckere Brezeln mit frischen Butter in der Bäckerei finden (auch lecker von der Sparback!) Zwar hatten sie auch echtes dunkles Brot (das immer sättigend lecker war) aber was ich vor allem begann zu vermissen, als ich in die Niederlande kam, war die Qualität des Brötchen und die knusprige Rinde dass man angeblich in Holland unbeliebt findet.
Wenn man einfach Scheiben dunkles Brot zum Frühstück will, findet man das einfach im Supermarkt, normalerweise als “Rheinisches Schwarzbrot” oder “Zonnebloem Roggenbrood” (Sonnenblumenkernbrot) bezeichnet. Aber früh am Sonntag laufen zur Eckebäckerei um warmes, frisch aus dem Ofen Brot zu holen, existiert leider hier nicht.
Ah, ofenfrische Brezeln aus Süddeutschland sind kaum zu übertreffen :-) Hier im Norden bekommt man zwar auch welche, aber die schmecken längst nicht so gut.
Freue mich, dass Du wenigstens im Supermarkt ein annähernd vernünftig schmeckendes Brot bekommst, auch wenn es kein richtiges deutsches ist…
Ich sags euch: Zwiebelbrot.
Das ist “der” Wahrheit.
Nun, Alexandra ich geb Dir vollkommen Recht indem was Du schreibst, denn ich liebe dieses Brot. Aber ich bin so ziemlich der einzige und hab damit einen schweren Stand bei meiner Frau…:-)
Groetjes,
Simon
Das sind bestimmt Deine niederländischen Gene … ;-)