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Farblos

Ausländische Nummernschilder fallen mir sofort auf. Noch bevor ich irgendwelche anderen Details registriert habe, sehe ich: Yes, ein Engländer, , wat leuk, een Belg.

Ich erkenne die Kennzeichen nicht nur an ihrer Hintergrundfarbe, sondern auch an der Form der Buchstaben. Vor allem die kräftige und dabei trotzdem schlanke englische “Charles Wright”-Schriftart mag ich sehr.

Hier in Deutschland, wo ich seit 24 Jahren lebe, macht mein Herz immer einen kleinen Hüpfer, wenn ich ein niederländisches Nummernschild entdecke.

Es gibt auch Dinge in diesem Land, deren ich mir erst viel später bewusst wurde. Drüberhinwegschaudinge.

Aztekengold

Erst als ich schon eine ganze Weile in Deutschland war, wurde mir plötzlich klar: Ganz schön farblos hier auf den Straßen.

Mein erstes Auto war orange, mein zweites ein blasses Grün, mein drittes rot und mein letztes Aztekengold (nein, nicht mein Wort; so stand es im Opel-Katalog).

Des Deutschen liebste Autofarbe ist grau.

Terragrau, Eissilber, Uranograu, Mondsteingrau, Cavansitgrau Metallic …

Im Grunde sind die allermeisten PKW in meiner neuen Heimat hellgrau, mittelgrau oder dunkelgrau bis anthrazit. Und von denen, die eine andere Farbe haben, sind wiederum ein Großteil weiß (Polarweiß, Diamantweiß, Taubenkackeweiß …) oder schwarz.

Langweilig.

In den Niederlanden sind die Autos bunter. Auch dort bevorzugen viele Pkw-Käufer eine Farbe auf der Schwarz-Weiß-Skala, aber auf niederländischen Straßen sieht man insgesamt mehr Rot, Blau und andere Farbtöne.

Grau ist geil

Was hat es mit der deutschen Vorliebe für Fifty Shades of Gray auf sich? Hat sie womöglich etwas mit dem den Deutschen nachgesagten Hang nach Ernsthaftigkeit und Seriosität zu tun? Empfinden Viele sie als schicker? Oder ist der Grund pragmatischer? Auf Grau sieht man den sich unausweichlich ansammelnden Dreck natürlich nicht so schnell. Kosten graue Autos weniger? Oder haben sie eine höheren Wiederverkaufswert? Und wenn das so sein sollte: warum?

Ich wäre für ein bisschen mehr Farbe (und – um ehrlich zu sein – für ein paar weniger Autos in unseren Städten …). Das täte dem Stadtbild gut. Ziemlich grausam eigentlich, all dieses grau.


Foto: Parkende Autos an einem beliebigen Tag an einem beliebigen Ort in Deutschland.

15 Kommentare

  1. Tine Tine

    Also früher waren die Autos hier auch bunter.
    Für viele ist der Wiederverkaufswert ein entscheidender Faktor.
    Ich hatte eigentlich immer gebrauchte Autos und da war mir die Farbe egal. Mein erster Polo, Baujahr Anfang der 1970er Jahre war knallorange – ich dachte damals eher an ein Baustellenfahrzeug als an oranje.
    Und heute kosten die meisten schönen Farben Aufpreis. Ich kenne viele Menschen, die einfach sagen, ich zahl doch nicht extra, nur damit das Auto farbig ist.

    • Mein erster Polo, Baujahr Anfang der 1970er Jahre war knallorange …

      Ah, genau so wie mein kleiner Opel Corsa, ein Exemplar vom Ende der Siebziger. Das war irgendwie eine farbenfrohe Zeit ;)

    • Sabine Sabine

      Dem kann ich voll zustimmen. In den 1970er und noch 1980er Jahren gab es hierzulande viel mehr bunte Autos. In den Neuwagenkatalogen war selbst die Farbauswahl ohne Preisaufschlag größer als heute die Gesamtpalette inkl. Sonderfarben.
      Aber grau in grau scheint heute insgesamt der Megatrend zu sein, insbesondere was die Haus- und Wohnungsgestaltung angeht. Dem werden leider auch die Vorgärten mit farb- und leblosen Schotterflächen angepasst.

  2. Alina Alina

    Polnische Kennzeichenbuchstaben sind dünn

    • Die polnischen habe ich nicht vor Augen. Ich werde beim nächsten Mal darauf achten, Alina.

  3. Mein erstes Auto war rot.
    Das zweite silbergrau, und ich lackierte eines Tages jedes zweite Teil der „Außenhaut“ grün, weil mir das Silber zu langweilig war.
    das dritte war schwarz, hatte aber aufgeklebte bunte Streifen.
    danach hatte ich eins in marseille-rot (auch eine Farbnamenschöpfung von Opel)
    und das nächste (und bislang letzte) war himmelblau-metallic.
    Alle waren Gebrauchtfahrzeuge.

    Mein Fahrrad, so es zählt in dieser Liste, ist wieder rot.

    • Kai Gl. Kai Gl.

      Heutzutage wird der Hauptanteil der Neuwagen für zwei Zwecke gekauft: als Dienstwagen für Geschäftsleute und als Privatwagen für Ältere. Beide Gruppen sind nicht gerade für ihre mutige Farbenwahl bekannt.

      • Frank Frank

        Hallo Alex, meiner Meinung nach hat das einzig und allein etwas mit dem Wiederverkauf zu tun. Noch in den 80er bis 90er Jahren gab es eine größere Farbenvielfalt auf deutschen Straßen. Es stellte sich aber heraus, dass Autos in anthrazit und silber metallic sich am schnellsten und zu den besten Preisen wieder verkaufen ließen, Ich glaube, dass erst seitdem die deutschen Straßen so aussehen wie es heute ist.

        • Hi Frank, ja, jemand anderes meinte das auch schon. Irgendwie schade, denn so wird alles zum Einheitsbrei.

  4. Willem Antonie de Wilde Willem Antonie de Wilde

    Der Deutsche hat das Ganze im Blick, denn zu Aluminiumfelgen passt nach der Regel „Ton in Ton“ nun mal eine graue Lackierung am besten;-)

  5. Ich fahre seit 2015 einen knallblauen Toyota. Nach jahrelang schwarz und grau wollte ich mal eine richtige Farbe.

    Wenn ich in Holland bin, finde ich alles dasselbe wie gehabt, ich kenne es ja. Nur die gelbe Nummerschilder verwundern mich immer wieder. Ich hatte sie wohl vergessen.

    • Die fallen mir auch immer sofort auf. Dieses Gelb hat einfach was sehr vertrautes.

  6. Oliver Oliver

    In der Grenzregion um den Drielandenpunt sieht man täglich drei verschiedene Kennzeichenfarben (schwarz auf gelb, rot auf weiß und schwarz auf weiß). Dann weiß man wieder, dass man mitten in Europa ist ;-) Selten mal springt einem auch noch ein ganz altes schwarzes niederländisches Nummernschild (weiß auf schwarz) oder ein altes deutsches (ohne blaues EU-Länderkürzel links und mit breiteren Buchstaben) ins Auge.

    • Herrlich bunt muss es sein, dort am Drielandenpunt!

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