Wenn man beim Quickie nicht klarkommt …

Intermezzo am Küchentisch:

Schüler:

Wir hatten heute in Mathe wieder einen Quickie.

Mutter:

Schon wieder? Bist du denn klargekommen?

Schüler:

Ich hab’ schon eine Weile gebraucht. Zuerst konnte ich mich nicht so richtig konzentrieren, aber dann habe ich mir einen Ruck gegeben und es ging.

Ein typischer Quickie

Ein klassischer Quickie …

Je nach Lesergruppe dürfte der oben stehende Dialog ganz unterschiedliche Reaktionen hervorrufen.

Unter-25-Jährige werden sich kaum etwas dabei denken. Für sie (und ihre Eltern) gehören Quickies zum Alltag. Die Tests oder Mini-Klausuren haben sich einen festen Platz an Schule und Uni erworben.

Ältere Semester ohne Kinder kommen eventuell ins Grübeln. Kennt denn Jugend gar keine Tugend? Sie verbinden den Quickie in erster Linie mit einer “flotten Nummer”.

Niederländische Leserinnen und Leser – egal welchen Alters – werden bei einem solchen Gespräch vermutlich nur noch den Kopf schütteln. Quickie steht zwar in keinem niederländischen Wörterbuch, aber jeder kennt den Begriff aus dem Englischen. Selbst bezeichnen die Niederländer die beschwingte Begattung zwischendurch als een vluggertje – ein “Schnellerchen”.

Klarkommen ist ein klassischer falscher Freund. Das niederländische Verb klaarkomen bedeutet zwar auch “mit etwas fertig werden”, bezieht sich jedoch oft auf den Höhepunkt des Beischlafs. Deutsche sparen sich hier die Vorsilbe – sie würden in diesem Fall einfach “kommen”.

Rukken – zu allem Überfluss – ist im Niederländischen zumindest zweideutig. Neben der unverfänglichen Erstbedeutung zerren hat es sich in der Umgangssprache als saloppes Synonym für masturbieren etabliert. Dass es in dieser Bedeutung nur für Männer verwendet wird, bedarf wenig Vorstellungskraft.

Präpositionenwechsel?

Und wo wir gerade bei der Umgangssprache sind: Im Deutschen höre ich statt mit etwas klarkommen häufiger mal auf etwas klarkommen. Und ehrlich gesagt komme ich da gar nicht gut drauf klar.

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Was Andere zu diesem Thema meinen:

  1. Ein schönes Thema für einen Freitagmorgen. :-)
    Das mit dem Quickie für einen Test in der Schule war mir neu. Ich gehöre definitiv zur über 25 Generation.
    Mit dem klarkommen bzw. klaarkomen hatte ich auch schon so meine Erlebnisse. Habe ich auch schon mal in meinem “Sprachartikel” http://www.nach-holland.de/nach-holland-blog/96-sprache/128-sprachkuriositaeten erwähnt.
    LG Simone

    • Sehr schön! Mit “klarkommen/klaarkomen” werden wir, glaube ich, alle früher oder später konfrontiert ;-)

      • Tina sagt:

        Hihi, das stimmt allerdings. Seitdem ich die niederländische Bedeutung dieses Wortes kenne, benutze ich es nicht mehr (man weiß ja nie, wer zuhört) und muß mir jedesmal das Grinsen verkneifen, wenn ich es von anderen höre oder irgendwo lese, weil ich dann immer denke: Wenn die wüßten, was sie da gerade gesagt haben.
        Zur Zeit nehme ich an einem Programm für ältere Arbeitslose teil; und da sagte doch letztens einer der Dozenten:„Sie müssen mit Ihrem Chef gut klarkommen.“ Da weiß ich ja nun, was ich zwanzig Jahre lang falsch gemacht habe ;-). Und mein neuer Chef wollte natürlich auch prompt erst mal wissen, „wie wir miteinander klarkommen.“ Um jetzt irgendwelchen diesbezüglichen Fragen zuvorzukommen: Wir kommen sehr gut miteinander klar – bisher allerdings nur im deutschen Sinne dieses Wortes.

        Was das Wort rukken betrifft, da scheint es in der niederländischen Sprache noch andere Wörter mit gleicher Bedeutung zu geben. Vor einiger Zeit habe ich mal in dem Forum Holland-erfahren.de ein bißchen herumgelesen. In einem der dortigen Beiträge hat da ein Deutscher oder eine Deutsche seinen/ihren niederländischen Bekannten kundgetan, daß er/sie die Betten abgezogen hatte:„Ik heb het dekbed afgetrokken.“ Anläßlich des darauf folgenden Lachsturmes mußte der- oder diejenige (ich gehe mal davon aus, daß es eine Frau war, denn Männer pflegen diese Tätigkeiten für gewöhnlich den Frauen zu überlassen) dann erfahren, daß sie in Wirklichkeit das Bettzeug masturbiert hatte. In einem der Kommentare zu diesem Beitrag stand, daß es richtig „afgehaalt“ (runtergeholt) geheißen hätte. Hierüber hätten sich aber nun wiederum die Deutschen kaputtgelacht, denn „(sich) einen runterholen“ ist in Deutschland ein Synonym für – na ja, eben dafür. So gesehen, ist es eigentlich egal, ob man die Bettwäsche nun abzieht oder runterholt, es kommt doch immer wieder auf dasselbe raus ;-).
        Wer den Beitrag nachlesen will, hier steht er:
        http://holland-erfahren.de/blog/2009/deutsch-hollaendisch-daneben/

        • Toller Beitrag, Tina ;-D

          Ich benutze im Deutschen auch seitdem ich das Wort kenne nie wieder “klar kommen”. Es erinnert mich sofort und in sehr penetranter Weise an die niederländische Bedeutung und oft muss ich ein wenig grinsen dabei. Überhaupt geht es mir bei vielen falschen Freunden mittlerweile so, dass mir eher die niederländische Bedeutung ins Hirn schießt (tafel z.B., ich denke da an einen Tisch anstatt an die Tafel in der Schule).

          afrukken kannte ich vorher schon, die andere Bedeutung von aftrekken war mir nicht bekannt, bis ich auf der Arbeit natürlich in einem bestimmten Zusammenhang das Wort benutzte und alle ziemlich am Grinsen waren ;-D Na ja was solls, so bleibt es auf jeden Fall hängen ;-)

      • Ganz am Anfang hat mein Chef mich mal zu sich nach Hause eingeladen. Es gab ein formelles Abendessen für zwölf Personen. Während der gepflegten Konversation habe ich dann das Wort ‘rammeln’ verwendet – ich meinte es natürlich im Sinne von ‘schütteln’. Der ganze Tisch schwieg plötzlich stille – da verstand ich, dass ein falscher Freund mich reingelegt hatte.
        Aber mit meinem Chef kam ich immer gut klar.

  2. Marie sagt:

    Ist das mit dem Quickie vielleicht eine regionale Sache? Ich habe das auch noch nie gehört, und mit meinen 18 Jahren müsste mir der Ausdruck ja dann eigentlich geläufig sein.
    Vor klaarkomen/klarkommen wurde ich gnädigerweise von meiner Niederländischlehrerin gewarnt ;)
    LG

    • Der Quickie ist zumindest hier in Norddeutschland weit verbreitet. Wie es in anderen Teilen der Republik ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht andere Leser?

      • Boom sagt:

        Ich hab den Begriff in der Bedeutung auch noch nie gehört – weder in NRW noch in Hessen. Wo hast du das denn aufgeschnappt, Alex?

  3. Eine Kollegin von mir verwendete den Begriff “klaarkomen” einmal in der Bedeutung “fertig werden”, die ich aber damals noch nicht kannte (die andere natürlich schon). Und so war ich etwas befremdet, als sie in der Pause über ihre Kursteilnehmer sagte: “Ze komen niet klaar.” Sollten sie das? Habe ich bei meiner Unterrichtsplanung etwas übersehen?

    Das Quickie in der Bedeutung von Test kannte ich bisher übrigens auch noch nicht.

    Ach ja, nett war es mal, als ein Bekannter von mir in Deutschland Geflügel kaufen wollte und den Ausdruck “gevogelte” etwas sehr wörtlich übersetze. Das Gesicht der Fleischverkäuferin hätte ich gern gesehen.

  4. Und wo wohnen dann die Masturbanten? Es gibt in Hessen sowohl ein Dorf Rückershausen wie auch ein Wixhausen.

  5. Nashi sagt:

    Ich komme aus Norddeutschland, bin 19, kenne das Wort “Quickie” aber auch nicht als Synonym für einen kurzen Test in der Schule, etc. Nur als die schnelle Nummer. o_O Von der ersten Bedeutung weiß ich dann auch erst jetzt.^^

  6. Ich bin seit September nun 25 und kenne das Wort “Quickie” auch nicht im Sinne des kurzen und schnellen Schultests ;-) Ich bin aber auch in Rheinland-Pfalz zur Schule gegangen. Und ich bin nicht unter 25 ;-D

    “auf etwas (nicht) klar kommen” ist meiner Meinung nach eine jugendliche Floskel und klingt für mich “abwertender”. Es verstärkt für mich irgendwie das gewöhnliche “mit etwas (nicht) klar kommen”, es wird betont oder so.
    Außerdem glaube ich, dass es ebenfalls eher im Norden des Landes gesagt wird. Ich hab jetzt zwar keinen Kontakt zu Jugendlichen im südlicheren Raum, aber ich behaupte es mal ;-)
    Der Freund meiner Schwester (ü 30) ist aus dem Norden und benutzt diesen Ausdruck ab und zu. Vorher war der mir nicht bekannt ;-)

  7. Op het internet vond ik Quickie alleen bij een schoolboekenuitgever in NiederSachsen, een school in Holzminden en 1 in Hessen. Eigenlijk verdenk ik dat die schoolboekenuitgever de bron is. Misschien moeten we het Robert Koch Institut inschakelen. :-)

    • In diesem Zusammenhang fällt mir auch der schöne falsche Freund SOA ein.

      Auf Deutsch: Serviceorientierte Architektur (vom englischen service-oriented architecture; auf Niederländisch: seksueel overdraagbare aandoening (übertragbare Geschlechtskrankheit).

      • Met afkortingen kan het heel ver gaan. In de 90′er jaren werkte ik bij een bedrijf dat HTS heette en een klus had in de Ukraine. Daar hebben ze het cyrillische schrift en werd het als XTC opgeschreven. In hun winkels lagen destijds allemaal zwarte blikjes met groot XTC er op. Volgens mij was het een sportdrankje wat ook in andere landen op de markt was. Maar of je er van in ecstase geraakte is nog maar de vraag.

  8. Bouke sagt:

    Wat een leuke post Alex! Vor allem das ‘klarkommen’ ist etwas, worüber ich die Deutschen gerne mal informiere. Meine erste Begegnung mit dem Wortgebrauch war bei einer Jahresrückblick, wo ein Freund immer wieder erzählt hat das er sich so freut dass er “so gut mit seiner Schwester klarkommt”. Das war ja natürlich eine seriösers Angelegenheit, also musste ich mir echt wahnsinnig viel Mühe geben beim 20-isten mal nicht in heiteres Gelächter aus zu brechen. Wonder boven wonder habe ich dass geschafft. Ich habe es ihm dann nachher erklärt, und der fand das doch recht lustig.
    Meine Frau feiert seit sie das weiß auch total ab, und wir haben eine gute Freundin auch mal auf netter art und weise gefragt ob sie denn Geschwister (übrigens ein tolles Wort, dass es im Holländisch nicht gibt) hat. Auf ihr “ja, ein Bruder”, haben wir dann gefragt “und, kommst du gut mit ihm klar?”. Als sie dies bestätigte haben wir sam herzlich gelachen.

  9. Trijntje sagt:

    Dat aftrekken herinnert me aan één van de eerste lessen wiskunde die ik gaf aan een groep van 17-jarigen; ik was denk ik 24 jaar oud toen, en nogal naïef wat betreft seksueel getinte uitdrukkingen.
    Dus je kunt je wel voorstellen wat er gebeurde toen ik het woord aftrekken als rekenkundige term argeloos gebruikte in mijn lessen.

  10. Habe gerade einen bayrischen Quickie entdeckt: Dieses Fotografie-Blog nutzt Quickie als Synonym für einen schnellen Tipp: Lightroom-Quickie. Der Blogbetreiber wohnt übrigens in Oberkotzau, was wunderschön zu den hier bereits genannten auffälligen Ortsnamen passt …

  11. Ein Kollege von mir in der Firma heisst Kött mit Nachnamen. Es hat mich einiges an Überwindung gekostet diesen Namen laut und ohne zu schmunzeln aus zu sprechen. Ich habe ihm nie erzählt was das Niederländische Wort, das fonetisch genauso klingt, bedeutet.

    • Es hat mich einiges an Überwindung gekostet diesen Namen laut und ohne zu schmunzeln aus zu sprechen.

      Das glaube ich …

      Es wird Zeit, dass ich einen Post zum Thema “fluchen und schimpfen” schreibe :-)

  12. Karin sagt:

    Hier in NL erschrecke ich mich jedesmal, wenn irgendwo “een huis is afgefikt” oder selbst Kinder sich auf “een lekker fikkie” freuen. Hat lange gedauert, bis ich merkte, dass es sich hier um Brand handelt. Krieg es selbst immer noch nicht über die Lippen.

    • Dass Du Dich als Deutsche scheust, dieses Wort zu nutzen, kann ich gut verstehen. Da es Umgangssprache ist, kann man es zum Glück leicht durch “afbranden” oder – im Falles eines fikkie – durch “een vuurtje” ersetzen.

  13. Ein Straßenname begegnet mir in den letzten Tagen öfters und ich bekomme immer ein Grinsen dabei: Lange Voorhout.
    Kürzlich marschierte da ein ganzer Militärkapellenzug drüber. Und im Internet findet man Sätze wie “Suchen Sie ein Hotel in der Nähe der Sehenswürdigkeit Lange Voorhout in Den Haag?”
    Man stelle sich das nur mal vor. :-)

    • Ah, die deutsche Perspektive :-) Ich als Niederländerin wäre nie auf die Idee gekommen, das hout in Lange Voorhout mit dem deutschen Wort Haut in Zusammenhang zu bringen.

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  1. [...] Die Niederländerin und Sprachfachfrau Alex vermittelt zwischen Deutschen und Niederländern – und das mit Sprache und sogar Grammatik. Besser als sie kann man eine Sprache nicht lehren und die Lust daran vermitteln! Würde Alex auf diese Art das Periodensystem der Elemente erklären, ich würde mich wohl endlich mal dafür erwärmen können. Alle Artikel sind alltagsbezogen, oft sehr lustig und manchmal extrem erhellend in Bezug auf die Gemeinsamkeiten & Unterschiede in unseren beiden Kulturen. Lesetipp: Wenn man beim Quickie nicht klarkommt… [...]

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