Kennzeichenbasiert parken in den Niederlanden – so geht’s

Zuletzt aktualisiert am 15. März 2018

Wer mit dem Auto in den Niederlanden unterwegs ist, wird es vielleicht schon gesehen haben: In vielen niederländischen Städten muss man zum Parken am Parkautomaten sein Nummernschild eingeben. Wie funktioniert dieses System?

Kentekenparkeren heißt dieses Vorgehen auf Niederländisch. Es setzt sich zusammen aus kenteken — Autokennzeichen und parkeren — parken. Viele niederländische Orte haben das kennzeichenbasierte Parken inzwischen eingeführt.

So klingt parkeren:

Wie funktioniert es?

  1. Auto auf einem freien Parkplatz abstellen
  2. Kennzeichen am Parkautomaten eingeben
  3. Zahlen

1) Parken

Zunächst – und das dürfte oft die größte Hürde sein – ergattert man einen Parkplatz.

2) Kennzeichen am Parkautomaten eingeben

Am nächstgelegenen Parkautomaten gibt man das eigene Kennzeichen ein – ohne Striche. Für ein deutsches Nummerschild sieht das zum Beispiel so aus: HCZ695. Außerdem gibt man die geplante Parkzeit ein.

Das Autokennzeichen wird nun für die Dauer der Parkzeit in real-time im Nationaal Parkeer Register (NPR) – einer zentralen Datenbank des RDW – registriert. Nach Ablauf der Parkzeit wird der Eintrag wieder gelöscht.

Viele niederländische Parkautomaten “sprechen” Deutsch und Englisch, sodass man auch ohne Niederländisch-Kenntnisse durch den Vorgang geleitet wird. In unten stehender Tabelle zur Sicherheit aber die einschlägige niederländische Park-Terminologie mit deutscher Übersetzung.

Voer uw betaalpas in Geben Sie ihre Karte ein (Bankkarte oder Kreditkarte)
Voer uw kenteken in Geben Sie Ihr Autokennzeichen ein
Akkoord Einverstanden
Annuleren Abbrechen
Even wachten a.u.b. Bitte warten
Even geduld a.u.b. Einen Augenblick bitte
U heeft betaald Sie haben bezahlt
Verwijder kaart Bitte Karte entnehmen
Parkeerticket achter de voorruit is niet nodig Parkschein hinter der Windschutzscheibe nicht nötig
Wilt u een betaalbewijs? Möchten Sie einen Zahlungsbeleg?
Bevestigen Bestätigen

3) Parkgebühren zahlen

Anders als in Deutschland ist Zahlen mit Bargeld (Münzen) an niederländischen Parkautomaten nur noch in wenigen Fällen möglich. Die gebräuchlichste Art, die Parkgebühr zu begleichen, ist pinnen – das Zahlen mit pinpas – EC-Karte. Die Kartenzahlung sollte im Prinzip auch mit einer deutschen EC-Karte funktionieren, soweit auf dieser – und auf dem Automaten – das Maestro-Logo abgebildet ist.

Manche niederländische Parkautomaten akzeptieren auch Kreditkarte. Dabei sollte man dann auf jeden Fall die zugehörige Geheimnummer parat haben.

Auf Wunsch gibt der Automat einen Zahlungsbeleg aus. Da das Auto ab diesem Moment elektronisch als parkend registriert ist, braucht man keinen Parkschein hinter die Windschutzscheibe zu legen.

„Belparkeren“ oder „mobiel parkeren“

Eine von den Niederländern selbst viel genutzte Alternative zur Registrierung und Zahlung am Parkautomaten ist das sogenannte belparkeren oder mobiel parkeren. In dieser Variante kommt für die Abwicklung das eigene Mobiltelefon zum Einsatz. Hier lässt man den Parkautomaten links liegen und meldet den gewählten Parkplatz per SMS oder Anruf, per App oder über eine Website an. Wenn man wieder in sein Auto steigt, meldet man den Parkplatz wieder ab.

In den Niederlanden gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Anbietern für mobiel parkeren. Um dieses System zu nutzen, muss man sich einmalig registrieren. Zu den bekanntesten Anbietern gehören YellowBrick und Parkmobile. Yellowbrick hat für diese Art zu parken sogar ein neues Verb ins Leben gerufen. Mobiel parkeren heißt bei diesem Unternehmen bricken.

Ein- und Auschecken

Ein Vorteil von mobiel parkeren ist, dass man im Prinzip minutengenau zahlt, also nicht im Voraus schätzen muss, wie lange man parken wird. Der Vorteil ist gleichzeitig auch der Nachteil: Wer das Auschecken über App oder SMS vergisst, zahlt die maximale Parkdauer, die für die entsprechende Parkzone gilt.

Kontrolle

Die Kontrolle, ob die Parkgebühr bezahlt wurde, erfolgt in vielen niederländischen Gemeinden beim kentekenparkeren mittels sogenannter Scan-Autos. Sie scannen die Nummernschilder geparkter Autos im Vorbeifahren und gleichen sie mit den aktuell gemeldeten Einträgen in der Datenbank ab. Praktisch für die Behörden: Bei einem Verstoß kann auch der Strafzettel digital zugestellt werden.

Wo gibt es das “Kennzeichen-Parken”?

Parken mit Kennzeichen-Eingabe geht in den großen Städten Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht, aber zum Beispiel auch in Alkmaar, Leiden, Delft, Breda, Eindhoven, ’s-Hertogenbosch, Hengelo und Enschede.

Übersicht der am NPR angeschlossenen Gemeinden

Tipp: Park+Ride-Parkplätze

PS: Wer eine Großstadt wie Amsterdam oder Utrecht mit dem Auto besucht, steuert am besten einen der vielen P+R-Parkgaragen an. Dort lässt sich das Fahrzeug günstig abstellen und man hat von dort aus mit Bus, Straßenbahn oder U-Bahn einen super Anschluss an die Innenstadt. Die Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr wird auf die Parkgebühr angerechnet. Günstiger parken in niederländischen Großstädten geht kaum.

Mehr Infos zum Parken und Autofahren in den Niederlanden sind im Nach-Holland-Blog von Simone zu finden.


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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Hanspeter Otto 01-03-2018 at 21:25

    Der Artikel ist wie immer sehr informativ. Es fehlt aber der Hinweis darauf, dass in vielen Städten zumindest in Noordholland die Automaten – wenn man alles eingegeben hat – melden: „Karte nicht akzeptiert“, Maestro-Zeichen hin oder her. Und dann heißt es, alle wieder einsteigen und weiterfahren und ein Parkhaus suchen. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, steht irgendwo auf dem Automaten, dass deutsche EC-Karten nicht funktionieren. Warum das so ist, wüsste ich auch mal gern. Es soll Touristen geben, die das nicht so toll finden.

    Antworten

    1. „Grenzüberschreitende“ Zahlungen sind tatsächlich oft problematisch – auch in umgekehrter Richtung, Hanspeter.

      Wenn der Parkautomat Maestro „kann“ und die EC-Karte oder Kreditkarte auch, sollte es funktionieren.

      Antworten

  2. en wat gaat er met ons duitse kenteken gebeuren? „pakt“ de automaat dat ook? ik heb zo mijn twijfels, want op internet, als je je duitse langere telefoonnummer in wil geven, kan dat ook niet. ben sceptisch

    Antworten

    1. Da, wo es geht (in Hoorn beispielsweise), geht es problemlos mit deutschen Kennzeichen.

      Antworten

    2. Hallo Alex, liebe Mitleser,
      kann für Hoorn ebenfalls bestätigen, daß die Eingabe eines deutschen Kennzeichens ohne Leerzeichen oder Bindestriche funktioniert. Außerdem hab ich (ganz aktuell) am Olympiastadion in Amsterdam die Erfahrung gemacht, daß bei der Einfahrt auf den P+R Parkplatz auch ein deutsches Kennzeichen problemlos per Kamera erfasst und OHNE Leerzeichen oder Bindestriche automatisiert auf das Parkticket gedruckt wird (z.B.: MIC123).

      Antworten

      1. Danke für eure Bestätigungen, Hanspeter und Christian.

        Antworten

  3. Hallo Alex, vielen Dank für Deine interessanten Infos!
    Du schreibst „Die Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr wird auf die Parkgebühr angerechnet.“
    Kannst du noch erklären, wie das funktioniert? Muss man beim Fahrkartenkauf dann auch das „kenteken“ angeben?

    Antworten

    1. Hoi Peter, nein das geht ohne Kennzeichen :)

      Das Vorgehen unterscheidet sich je nach Stadt. Ich habe selbst zum Beispiel nur Erfahrung mit Park + Ride in Utrecht. Dort stellst du dein Auto in eine der P+R-Parkgaragen ab und kaufst dort ein sogenanntes „Parkeren + Reizen-kaartje“. Das kostet 5 Euro und dafür kannst du dann maximal 24 Stunden parken UND mit bis zu 5(!) Personen per Bus oder sneltram in die Innenstadt (und wieder zurück) fahren.

      Dieses Kombiticket legst du also nicht hinter die Windschutzscheibe, sondern du trägst es bei dir, weil es als Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr gilt.

      In anderen niederländischen Städten wird es vermutlich ganz ähnlich sein.

      Antworten

      1. In Amsterdam funktioniert es im Prinzip genauso. Aber ganz wichtig: Man muss mit dem Ticket aus der Innenstadt (!) zurück zum P+R fahren und natürlich beim Ein- und Aussteigen das Ticket in den Automaten im Bus oder in der Tram als Beweis registrieren und dann spätstens eine Stunde nach dem Aussteigen abfahren. Sonst kostet das auch auf dem P+R-Platz ganz normale teure Parkgebühren.

        Antworten

        1. Danke für die Ergänzung, Hanspeter.

          Antworten

        2. Nun war ich gerade in Amsterdam und Utrecht, konnte das von Euch vermittelte Wissen aber gar nicht anwenden, da ich ohne Auto unterwegs war, sondern mir ein Fahrrad geliehen hatte.
          Die unterste Etage unter dem Utrechter Bahnhof (-2) ist übrigens absolut beeindruckend: ein riesiger Gewölbekomplex voller privater und leihbarer Fahrräder. Und aus der Innenstadt heraus ließ es sich sehr schön entlang der Vecht nach Oud Zuilen radeln.

          Antworten

          1. Hoi Peter, schön, dass dir das Fahrrad fahren Spaß gemacht hat. Wie ich hier im Blog auch schon an vielen Stellen schreibe, ist radeln in den Niederlanden einfach viel entspannter als in Deutschland.

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