Verkehrspolitik in Deutschland – Radfahrer (vogel-)frei

Zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2018

Zwischen Autos und Fußgängern haben Fahrradfahrer in Deutschland einen schweren Stand. In diesem Beitrag nenne ich einige Ärgernisse, mit denen Pedalritter wie ich im Alltag konfrontiert werden.

CDU will bessere Radwege in Hannover

Sollte man etwa doch die CDU wählen …?

Verkehrsplanung – Radfahrer stehen hinten an

Gerade in der Stadt kommt man mit dem Fahrrad oft schneller und bequemer ans Ziel als mit motorisierten Verkehrsmitteln: keine Staus, keine lästige Parkplatzsuche oder teuren Parktickets, keine überfüllten und schmutzigen Straßenbahnen. Außerdem hält das Rad fahren fit und gesund.

Hindernisse

Leider lauern für Fahrradfahrer auch zahlreiche Hindernisse. Zum Beispiel ist die Schaltungslogik von Ampeln eindeutig auf das schleunige Vorankommen von Autos ausgerichtet. Ich weiß nicht, wer sich in deutschen Verkehrsplanungsämtern die Ampelschaltungen ausdenkt, aber Radfahrer sind es nicht. Und nicht nur bei den Ampeln werden Fahrradfreunde stiefmütterlich behandelt. Sofern ich weiß, hat lediglich die Stadt Münster – die deutsche Fahrradhochburg – eine halbwegs systematische Radverkehrsplanung, alle andern nicht.

Auch die restliche Infrastruktur in deutschen Gemeinden ist eindeutig auf den Autoverkehr ausgelegt.

Radfahrer auf dem Fußweg oder Fußgänger auf dem Radweg?

Was mich nach meinem Umzug nach Deutschland vollkommen irritierte, ist der deutsche Brauch, Fahrradwege nicht baulich von Fußwegen zu trennen. Die ganze Fläche sieht oft wie ein großer Bürgersteig aus. Manchmal trennt ein roter Streifen beide Bereiche, aber das ist eher die Ausnahme.

Der entscheidende Nachteil dieser Konstruktion: Fußgänger neigen dazu, beide Streifen für sich in Anspruch zu nehmen, zumal die verschiedenen Bereiche oft nicht deutlich, geschweige denn durchgängig, gekennzeichnet sind.

So sind Kollisionen vorprogrammiert.

Radwegzwang

Laut Straßenverkehrsordnung gilt in Deutschland keine generelle Radwegbenutzungspflicht. Grundsätzlich darf man also auf der Straße fahren. Allerdings begegnen einem überall drei blaue Schilder, die die Verwendung des Radwegs oder Fahrradstreifens häufig doch zur Pflichtübung machen.

Plichtradwege

Nur Radweg – getrennter Rad- und Fußweg – gemeinsamer Fuß- und Radweg

Das erste Schild kennt man in den Niederlanden auch, die beiden anderen nicht. Radwege, die mit dem zweiten Schild gekennzeichnet sind, sind wegen unaufmerksamer Fußgänger (mitsamt kleinen Kindern oder freilaufenden Hunden) in der Praxis für alle Beteiligten problematisch – wie oben bereits erwähnt.

Im dritten Schild steckt das gesamte Unverständnis der deutschen Verkehrspolitik. Ein so gekennzeichneter Weg ist de facto ein Fußweg – kein Radweg, da es Radfahrern hier unmöglich ist, im eigenen Tempo und ungehindert voranzukommen.

Hindernisparcours

Oft werden Radwege von Autobesitzern kurzerhand als Parkplatz benutzt oder es wächst plötzlich ein Baum darauf. Auch werden gerne mal mobile Verkehrsschilder oder Mülltonnen darauf abgestellt. Überall ist mit Hürden zu rechnen. Und wer sich den Namen Schutzstreifen ausgedacht hat, sollte selber mal einen befahren.

Baum auf Radweg

Kinderköpfchen

Und dort, wo man auf der Straße fahren darf, ist die Qualität des Belags manchmal so schlecht, dass Fahrradfahrer notgedrungen – aber verbotenerweise – auf den Fußweg ausweichen. Vor allem auf dem in Innenstädten beliebten Kopfsteinpflaster wird man ordentlich durchgeschüttelt.

Ein Polizist, der mich in einer solchen Situation mal auf dem Bürgersteig erwischte, erklärte den sturen Beibehalt der kinderhoofdjes mit der „Wahrung der historischen Kulisse“. Solange aber solche „historischen“ Straßen mit hochmodernem Blech zugeparkt werden dürfen, finde ich das Argument hinfällig.

Sattelfest

Trotz solcher Hindernisse lasse ich mir die Nutzung meines favorisierten Verkehrsmittels nicht verleiden. Als Niederländerin bin ich nun mal im Sattel geboren :-)


Möchtest du mehr zum Thema Fahrrad lesen? In diesem neueren Artikel stelle ich meine ganz persönlichen Empfindungen bezüglich der Fahrradsituation in Deutschland dar:

Ein Fahrrad im Hirn

Auch im niederländischen buurtaal-Blog habe ich etwas zu Rad fahren in Deutschland geschrieben:

Fietsen in Duitsland? Not for the faint of heart

Vielleicht auch interessant:

Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Netter Text, an der Realität in der Hauptstadt geht er immer noch meilenweit vorbei. Die Situation hier ist von der Unfähigkeit der Planer, gepaart mit massivem Unwillen, geprägt. Radwege sind hier in der Regel entweder zugewachsen, aufgerissen gesperrt oder nur 50cm (oder weniger) breit – also nicht benutzbar. Sind sie wider erwarten doch brauchbar stehen dort Autos, Fußgänger, Mülltonnen, Bushaltestellen oder ähnliches herum. Ein Ausweichen auf die Straße ist nicht ratsam, denn Radfahrer sind für viele Berliner nur zu beseitigende Verkehrshindernisse. Und was wird für die Sicherheit getan? Kontrollen, ob Radfahrer auch die richtigen Reflektoren benutzen.

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    1. Im Vergleich dazu haben wir hier in Hannover geradezu paradiesische Verhältnisse … Allerdings werden Radfahrer auch hier gerne als die Bösen gesehen, die auf nichts und niemand Rücksicht nehmen.

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  2. Ihr Niederländer seid nicht nur im Sattel geboren, Alex, ich bin auch noch keinem asozialen niederländischen Fahrradfahrer begegnet. Das ist in Deutschland aber leider ganz anders. Gefühlt würde ich sagen, dass sich hier nur 20% aller Radfahrer so in den Verkehr integrieren, dass sie auf Fußgänger achten und auch gegenüber Autofahrern mit dem nötigen Respekt agieren. Ich meine damit nicht, dass sie mit der Blödheit der Autofahrer rechnen müssen, sondern, dass sie sich eben so verhalten, dass du als Autofahrer nicht den Herzkasper bekommst, weil plötzlich ein Radler die Richtung ändert und einen grünen Fußgängerüberweg zu seiner Fahrbahn macht und auf dich schimpft, weil du das nicht vorhergesehen hast. Ich bin selbst auch Radfahrerin und ärgere mich über die Autofahrer mit dem blinden Fleck. Die Deutschen sind aber leider nicht im Sattel geboren und das merkt man!
    Dazu kommt tatsächlich noch, dass eine Vielzahl von Radlern bei Einsetzen der Dunkelheit kaum noch zu sehen sind, weil deren Fahrrad eben nicht verkehrstüchtig ist. Kein Radler regt sich über dieses Verhalten auf, sie fahren sich ja auch nicht gegenseitig über den Haufen. Es ist leider das ungleiche Kräfteverhältnis, das mich als Autofahrerin auf dem Weg zur Arbeit, den ich mit dem Rad nicht bewältigen könnte, zur Bösen macht und das uns Autofahrer ein wenig ins falsche Licht rückt. Gerade gestern erst hat mich ein Kleinkind plötzlich zu einer Vollbremsung gezwungen, weil der Vater es mit einer Handbewegung vom Bürgersteig auf die Fahrbahn dirigiert hat! Er selbst hat sich nicht einmal umgedreht!
    Ein respektvolles Miteinander wäre mir auch lieber!

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    1. Gerade im Straßenverkehr finde ich es immer wieder erstaunlich, wie viele Leute „alleine auf der Welt“ sind. Mit etwas mehr gegenseitiger Rücksicht wäre schon viel gewonnen. Ich kenne übrigens auch alle drei Perspektiven. Seitdem ich selbst Auto fahre und weiß, wie schrecklich schlecht man Radfahrer ohne Licht in der Dunkelheit erkennt, sorge ich auf meinem Drahtesel immer für funktionierende Beleuchtung.

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    2. Obwohl ich auch ganz deiner Meinung bin, hat das eine natürlich auch was mit dem anderen zu tun. Gerade die Niederländische fahrradfahrer sind alles ausser freundlich im verkehr (schon mal in einem studentenstadt wie Amsterdam oder Groningen gewesen?), der unterschied ist aber das sowohl sie als auch die autofahrer an einander gewohnt sind und der verkehr ‚lesen‘ können. Damit umgehen sie konfliktsituationen. Man rechnet auch immer mit fahrradfahrer – sie sind immer im blickfeld und man wird als autofahrer immer daran erinnert, dass es sie gibt.
      Deshalb bin ich auch sehr zufrieden als verkehrs-student (Uni Twente), dass Alex diesen sekundaire effekte der sicherheit benennt: auch wenn es gefühlsmäßig sicherer ist, fahrradfahrer und auto’s zu trennen, ist es gerade die konstante konfrontation zwischen beiden die letztere darauf aufmerksam macht und damit die algemeine sicherheit erhöht: aufmerksamkeit ist schlüsselbegriff.

      Sobald ich in Deutschland aber auf dem Fahrrad steige, bin ich im Auto-hass modus (auch wenn ich auto’s liebe und kaum etwas lieber tue als autofahren), gerade weil die Deutsche autofahrer den radfahrern offensichtlich nur hassen, ärgerlich finden und -immer- übersehen, oder zum teil einfach die verkehrsregeln nicht kennen. Ich wurde vor kurzem von einer Frau angehubt weil sie gemeint hat, sie hätte vorfahrt. Ich fuhr auf einem radweg an der seite von einer 3spurigen Allee (Gärtnerstraße in HH, falls sich jemand auskennt). Wo holen die das nur her?

      Ich glaube, dass die Fahrradfahrer in Deutschland sich nur so anstellen aus selbstverteidigung, sei es physisch oder psychologisch. Ich habe in ein paar wochen zeit D-fahrradfahren schon mehr finger gezeigt, geschimpft und geschriehen als in 27 jahren in den Niederlanden. Und glaub mir, das ist nicht ohne grund.

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      1. Das ist interessant zu hören Bouke. Ich habe Fahrradfahren in NL auch immer wesentlich entspannter gefunden als in Deutschland, vor allem weil man dort auf fietsers eingestellt ist und hier viel weniger. Allerdings war ich mir nach vierzehn Jahren in DE nicht mehr so sicher, ob sich die Erinnerungen nicht etwas schöner gefärbt hatten als die Realität ;-)

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  3. Ja, die Problematik mit den benutzungspflichtigen Radwegen ist in der Tat nicht schön: Laut StVO müssen Radwege ja gewissen Ansprüchen genügen, um als benutzungspflichtig gekennzeichnet zu werden. Aber oftmals werden dann quasi alle Radwege als benutzungspflichtig markiert, wo ich viel lieber auf der Straße fahren würde, weil es die reinsten Holperpisten sind und die Fußwege doch besser in Schuss sind.

    Grüße – aus Münster –
    Fabian

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    1. Aus der Vorzeigestadt Münster hätte ich auf bessere Nachrichten gehofft ;-)

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      1. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. – Das trifft auch auf Titel wie „Fahrradhauptstadt“ zu. ;-) Mit besonderem Augenmerk auf teils abenteuerliche Verkehrsführungen in Kreuzungen. Das „Rundum-Grün“ für Radfahrer sucht man hier vergeblich, beim Linksabbiegen darf immer zwei mal gestanden werden.

        Gruß
        Fabian

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    2. Das problem ist, dass die Deutschen nur regeln und richtlinien aufstellen (jaaa, damit lösen wir alle probleme! Einfach nochmehr regeln, noch mehr kontrolle, und wenns geht, einfach noch einer behörde der nur für sichselbst arbeitet!), aber nichts von vernünftige planung durchführen. Und das sieht man überall wieder.
      Wieso ist denn noch keiner auf die Idee gekommen die radwege einfach eine andere farbe zu geben und jede, keine ahnung, 50 meter mal ein fahrradzeichen oder text draufzumahlen? Wahrscheinlich weil es nicht in dem Straßengesetz oder sonstige offizielle texte steht. Nicht weil es eventuell ein Nutzen hat – das ist ja egal. Hauptsache, es ist verpflichtet oder gehört zum punktgenau festgelegte arbeits- und aufgabenbeschreibung.

      Tut mir leid, ich liebe Deutschland, es ist meine wahlheimat, aber dies ist (offensichtlich) ein sehr empfindliches thema… ich meine es nicht böse :)

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      1. Hier in Hannover gibt es vereinzelt farblich (rot) gekennzeichnete Fahrradstreifen. Leider bleicht die Farbe schnell aus … Auf Fußgänger hat die Signalfarbe meiner Erfahrung nach überhaupt keine Wirkung; bei den Autofahrern scheint sie aber etwas zu bringen.

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      2. In Münster sind quasi alle Radwege mit roten Pflastersteinen errichtet bzw. rot markiert worden. Außerdem werden in den letzten Jahren sämtliche Radfahrerfurten in den Kreuzungsbereichen knallrot markiert. – Ob es was hilft? Für Auswärtige, die nicht mit Radfahrern rechnen, könnte ich mir vorstellen.

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        1. Der problem besteht denn auch vor allem darin, dass die unterschiedliche farbe erstens oft nicht überall durchgeführt wird (in NL ist z.B. so gut wie jeder Fahrradweg rot angestrichen) und damit nicht die bedeutung kriegt die es bekommen könnte, und zweitens dass die kombination fahrradweg/farbe nicht gemacht wird, weil es angeblich nur ein angestrichener teil der bürgersteig ist.

          Gut, mann muss auch sagen dass es besser wird, auf jeden fall. Ich glaube schon man bemüht sich unterdessen immer mehr es den fahrradfahrern zurecht zu machen. Aber es reicht einfach nicht, keinswegen.
          Und ich muss auch gestehen dass meiner kleine Tirade vor allem die verhältnisse in Hamburg entsprechen. In München z.B. ist es schon wieder besser (aber auch nicht optimal). Da sind es aber vor allem die Touristen die einfach mitten auf dem fahrradweg stehen – das gibt es in NL auch genug, aber wenn sie nach zehn sekunden schon den haut vollgeschimpft bekommen von einem hollaender ist es auch gleich vorbei :p

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      3. hui, von wegen…“dass die Deutschen nur regeln und richtlinien aufstellen“….im letzten Sommer haben mir die Wachtmeister einmal die Berechtigung gegeben, bei ROT zu fahren, eben voll cool…. steht, Moment, ich suche mal,… da–>>

        http://dinkelschnitte.wordpress.com/2010/09/01/durfen-beamte-alles-in-germoney/

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        1. Hmm, das wär tatsächlich ein interessanter fall! Denn der ampel könnte nicht grün werden, weil das fahrrad (oft) nicht erkannt wird weil ihre masse zu klein ist. Da bleibt also nichts anderes übrig als durch rot zu fahren. Oder da zu stehen bis die Beamten heim gehen. Würde über sowas gerne mit einem Polizisten reden, ehrlich! Denn hier ist die altbekanne *eigentliche* bedeutung im spiel. Letzlich sind die regeln da um einen grund, und sind es nicht die regeln selbst, die einen grund sind. Eine kollegin von mir in München hat mir mal erzählt dass sie um ein uhr nachts, wo die strassen ausgestorben wahren (irgendein kleines pupsdorf in der naehe), von einem polizist ein strafzettel bekommen hatte weil sie durch rot gefahren war mit ihrem fahrrad. Für mich ist sowas unverständlich, weil obwohl es ein verstoss gegen den regeln ist, ist es kein verstoss gegen der grund weswegen es diesen regeln überhaupt gibt. Der tatsache, dass man ueberhaupt damit rechnen muss, dass man einen strafzettel bekommen könnte ist eigentlich schon deutlich genug, glaube ich.

          Allerdings kann es sein dass ich deinen/ihren blog und bedeutung dessen nicht gut oder vollständig verstanden habe. Mein Deutsch reicht aus um sogar gesetztexten zu verstehen und deuten zu können, aber mit literarisch-künstlerischen texten habe ich mehr als problematische beziehungen :$.

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          1. Das war dann so: Der Wachtmeister hat freie Fahrt bei ROT gegeben.

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            1. Wenn man lange genug gräbt, findet man in der deutschen Verkehrsordnung bestimmt einen Paragraphen, der sich genau auf diese Sondersituation bezieht ;-)

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            2. Habe noch eine Online- Übersetzung aus dem Blog. Ob das gut ist, weiß ich nicht. ;)

              http://www.bilder-hochladen.net/files/a324-8k-94f6-jpg.html

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              1. Het fietspad was helder en het stoplicht was rood.
                Baai-achtige bloemen van een mooie dame …
                Als het volle glorie van de linkerkant van het wachten lijkt …

                Wow, das ist ja mehr als poetisch ;-)

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  4. münster ist die stadt meines herzens und nicht erst, seitdem meine tochter dort wohnt. die stadt IST fahrradfreundlich. jeder fährt rad. und da kommt das problem: die straßen und radwege besonders in der innenstadt müssen gefühlte tausende an radfahrern aufnehmen, sind zu eng und zu schmal, die verkehrssituationen oft sehr gefährlich. und doch: das radfahren in münster ist die einzige alternative, man stelle sich nur mal vor, statt der räder würden autos fahren – das wäre das komplette chaos!

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    1. In Münster ist es nur leider so, dass viele Radwege mittlerweile in bedauernswertem Zustand sind (man denke mal an Hüfferstraße Richtung Uni-Klinikum oder an die Adenauerallee/Himmelreichalle, insbesondere Richtung Schloss!) und zur Zeit mehr Geld in Straßen mit nur sehr leichten Mängeln gesteckt wird (Vgl. fragwürdige Erneuerung der Fahrbahndecke Höhe York-Ring).

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  5. kinderhoofdjes werden in Deutschland ‚Katzenkoepfe‘ genannt. Katzenkoepfe sind abgerundete Pflastersteine, meist unbehauene, grosse (Kiesel- oder Feld)steine. http://tinyurl.com/3d6dk6x

    Kopfsteinpflaster hingegen sind kasseien, also behauene oder geformte (Beton), meist wuerfelfoermige Steine. http://tinyurl.com/3j658nt

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    1. Das Wort Katzenköpfe kannte ich in dieser Bedeutung noch nicht, interessant!

      Im Niederländischen sind kinderhoofdjes (manchmal auch: kinderkopjes) und kasseien Synonyme. Kopfsteinpflaster lässt sich also durchaus mit kinderhoofdjes übersetzen.

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      1. Auf Nachfrage wurde meine Aussage was kinderhoofdjes und kasseien betrifft aus Drenthe, Twente und Limburg bestaetigt.

        kinderhoofd: veldkei zoals vroeger gebruikt werd voor bestrating
        kasseien (straatkeien van natuursteen): zijn in kubussen of in langwerpige blokken gezaagd graniet

        Eventuell gibt es bei der Bezeichnung von Katzenkoepfen bzw. Kopfsteinpflaster regionale Unterschiede. Jemand aus Zuid-Holland, Friesland, Groningen, Gelderland anwesig?

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        1. Groningen aanwezig: ich übersetze kinderhoofdjes (de ronden) als Kopfsteinpflaster. Das Wort Katzenköpfe hab ich in dreissig Jahren Hamburg niet gehört.

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          1. Neben den genormten Natursteinpflasterbelägen gibt es weitere nicht genormte Pflasterarten:

            Kieselsteinpflaster: Mit Kieselsteinpflaster können Aussparungen geschlossen oder ein Ornament gebildet werden. Ihre Verwendung ist besonders häufig heute noch in Südeuropa oder Asien anzutreffen.
            Findlingspflaster: Findlinge sind von Flüssen oder Gletschern weit transportierte und somit abgerundete Steine. Sie werden mindestens 1/3 in den Boden eingegraben. Ihre eigentliche Wirkung erzielen diese Steine erst ab 80 cm Größe.
            Katzenkopfpflaster: Diese alte Pflastertechnik ordnet sich bezogen auf die Steingröße zwischen dem Kieselstein- und dem Findlingspflaster ein. Die runden Steine stammen von Feldern und aus Flussbetten und wurden dort aufgesammelt.
            Pflasterverbände
            http://de.wikipedia.org/wiki/Katzenkopfpflaster

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            1. Ich bin mit den Begriffen „Kopfsteinpflaster“ und „Katzenkopfpflaster“ als Synonyme groß geworden. Beide bezeichneten bei uns zuhause (erst in Niedersachsen, später dann in Schwaben) Straßen aus unbehauenen, glatten, meist runden Natursteinen. Alle anderen, behauenen Steine waren einfach „Pflastersteine“. So kenne und gebrauche ich die Wörter heute noch und bisher habe ich noch nirgends Missverständnisse erlebt.

              Ist die „richtige“ Definition denn tatsächlich so wichtig in einem Beitrag über das Radfahren in der Stadt? Ich finde nicht. Wie auch immer sie genannt werden, ich meide sie lieber, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin.

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  6. Bei uns in Stade hat es letztes Jahr eine aufgeregte Diskussion gegeben, ob man die Fußgängerzone für Fahrradfahrer freigibt. Natürlich nicht vollständig, das geht in Deutschland ja gar nicht. Nur Morgens bis 9.00 Uhr und Abends ab 19.00 Uhr. Also zu einer Zeit wo in Stade die Innenstadt fast tot ist. Aber selbst dieses „Wagnis“ wurde heftig diskutiert und dabei große Gefahren gesehen.
    Dass zur gleichen Zeit auch der Lieferverkehr in die Fußgängerzone darf, wurde dabei tatsächlich von einigen als weniger gefährlich betrachtet!
    Wie glücklich bin ich doch immer wieder über das viel unverkrampftere Verhältnis zum Fietsen in den Niederlanden.
    Ich bin trotzdem auch in Stade weiterhin konsequent mit meinem Fiets unterwegs.

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    1. Ich denke, die „Menge“ macht’s. In den Niederlanden sind Fahrradfahrer eine ernst zu nehmende Gruppe Verkehrsteilnehmer, sodass sie auch in den Planungen miteinbezogen werden. In Deutschland nicht.

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    2. Dazu eine nette Geschichte aus Münster:
      In den Fußgängerzonen ist Lieferverkehr bis 11 Uhr, Fahrradverkehr bis 9 Uhr zugelassen.
      Wie es so kam, brauchte eine Bäckerei (o.ä.) zwischen 9 und 11 Uhr schnell eine Nachlieferung aus einer anderen Filiale, der Bote wurde also schnell mit dem Firmenfahrrad und der Lieferung losgeschickt.
      Wie es so kommen musste, wurde dann auch gleich ein Verwarnungsgeld i.H.v. 10 Euro wegen unerlaubten Fahrradfahrens in der Fußgängerzone aufs Auge gedrückt. Nun streiten sich die Geister, ob Lieferverkehr nicht auch mit Fahrrädern durchgeführt werden darf…

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      1. Da kann man doch nur den Kopf schütteln, oder?

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        1. Sollte man sogar ;)

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  7. Kasseien hört sich für mich nach Flandern an, stimmt’s?
    Was auch immer für Köpfchen, für Radfahrer sind sie furchtbar. In meiner soundsovielten Wahlheimat Marburg hat man damals bei der Sanierung der Altstadt den Asphalt durch extra aus Spanien importiertes Kopfsteinpflaster ersetzt, damit alles historisch aussieht. Als ob die Höhenunterschiede nicht schon mühsam genug wären…

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    1. Kasseien verbinde ich selbst auch am ehesten mit Vlaams. Ich hab’s aber auch durchaus schon in den Niederlanden gehört.

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  8. De verschillen in Duitsland zijn erg groot. Grotere steden zoals Hannover verwmijd ik liever. Vaak wordt je er naar te smalle stoepjes verbannen en fiets ik gewoon op de weg. Veel racefietsers doen dat ook. Het snelheidsverschil met de voetgangers is te groot en je wordt gek van stoepie-op-stoepie-af. Een jaar of 20 terug kreeg ik nog wel eens een opmerking naar mijn hoofd van een asomobilist die het niet met mijn keuze eens was, tegenwoordig overkomt me dat bijna niet meer. Komt waarschijnlijk omdat het fietsen toch dusdanig is toegenomen dat menige automobilist nu ook af en toe op de fiets zit. Er zijn in Duitsland prima fietssteden al Herford, Münster en Tübingen. Daar onder zit een grote groep die kan concurreren met Nederlandse steden. Het gaat idd pas echt fout in de grotere steden van het Ruhrgebiet en bijvoorbeeld Köln, Frankfurt/Main en Nürnberg.

    Er zijn ook megameters goede fietspaden langs rivieren als de Main, Neckar, Mosel, Saar, Lahn, Sachsische Saale en noem maar op. Maar ook dan kan je opeens heel ander ‚beleid‘ treffen. De route langs de Sieg kan alleen met een mountainbike en zonder aanhangwagentjes of kleine kinderen. Langs de Elster heb ik het zelfs opgegeven. Ik liep/klom meer met mijn fiets op de schouder, dan dat ik op het zadel kon zitten. Maar ook langs stukken van de Rijn kan je lange stukken mijnkraterpad treffen.

    Het allermooiste zijn de oude spoorlijntjes die omgezet zijn naar fietspad. Zoiets moois als bijvoorbeeld tussen Bitburg en Echternach, Simmern-Emmelshausen, Bad Hersfeld-Schenklengsfeld en Brilon-Soest vind je nergens in Nederland. Probleem is alleen dat je daar als Duitse Wohn-Arbeitfietser niets aan hebt.

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    1. Vielen Dank für die ausführliche Übersicht! Selbst habe ich in Deutschland noch keine ausgedehnten Fahrradtouren gemacht – außer im Wendland, und da fährt es sich auch recht entspannt.

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  9. Hierzulande – das ist im Umfeld Stuttgarts – wird Radfahren, glaube ich, mit Freizeitbeschäftigung gleichgesetzt. Radwege gibt es also hauptsächlich als „Neckartalradweg“ und ähnlich. Und wenn ich lese, Alex, daß Du mit Deinem eigenen Tempo durch die Stadt radeln willst, hier wäre das undenkbar. Ich fahre gern Rad, wegen der hügeligen Landschaft hier seit 6 Jahren mit Elektroantrieb, aber ich ich passe höllisch auf. Meist muß ich auf der Straße fahren, und dann schätzen die Autofahrer mein Tempo völlig falsch ein (ich bin schneller als sie denken).
    Und auf den Wegen, die für Fußgänger und Radfahrer freigegeben sind: Selbstverständlich bin ich für Fußgänger nur eine Zumutung – sie gehen zu viert nebeneinander, ich schleiche langsam heran, muß dann leider doch klingeln, was offenbar für Erschrecken und Unverständnis sorgt, dann sage ich noch lieb „danke“ und fahre wieder schneller.
    Die Kinder, die hier in der Schule Verkehrsunterricht haben und eine Fahrradprüfung ablegen müssen, bevor sie mit dem Rad zur Schule fahren dürfen, lernen, daß sie von parkenden Autos nach links einen Meter Abstand halten müssen. Also müssen sie fast in der Straßenmitte fahren! Es könnte ja ein Autofahrer die Fahrertür öffnen ohne zurückzuschauen!
    Baden-Württemberg=Autofahrerland.
    Das hindert mich aber alles nicht. Ich mache die meisten Einkäufe und Besuche per Rad, weil ich gern fahre. Übrigens hindert mich auch unsere Fußgängerzone nicht. Zur Arbeit muß ich ja glücklicherweise nicht mehr fahren. ;-)

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    1. Hier im Ruhrgebiet auch. Autofahrerland. Selbst als Fußgänger muss man höllisch aufpassen.

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  10. Ein Thema das mir sehr am Herzen liegt. Ich habe auch schon verschiedene Male darüber publiziert auf meinem eigenen Blog (zum Beispiel hier
    http://hollander-in-duitsland.blogspot.com/2011/08/met-de-fiets.html )
    und einmal bei der NOS-Webseite:
    http://weblogs.nos.nl/berlijn/2009/09/08/politiek-voor-fietsers/

    Zum Thema gemeinsam Asphalt benutzen durch Autofahrer und Radfahrer: Ich halte das keineswegs für verkehrssicher. Eigentlich ist das nur sicherer wenn die Radwege zu schmal, unbefahrbar, oder unübersichtlich für den Autoverkehr sind. Das sollte die Ausnahme sein, aber hier in Erfurt und in vielen anderen Deutschen Städten ist das eher die Regel. Dazu kommt dass der Asphalt meist zu schmal ist um Autos und Radfahrer nebeneinander fahren zu lassen, so daß man als Radfahrer ein richtiges Verkehrsobstakel wird.

    Die viel gelobte Maßnahme daß Radfahrer den Asphalt benutzen dürfen ist also eigentlich ein Armutszeugnis für den Zustand der Radwege und ein Beweis dafür daß der Wille fehlt um vernünftige Radwege zu bauen.

    Reeds.

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    1. Schöne Blogbeiträge Bob. Vor allem der auf der NOS-Website stellt die Lage recht schonungslos dar.

      Du hattest Doch mal einen Beitrag, den Du aus der Perspektive des Autofahrers, des Fußgängers und zuletzt des Radfahrers geschrieben hast. Leider finde ich den in Deinem Blog nicht mehr wieder …

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        1. Genau den Post meinte ich! Dank je wel :-)

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    2. „Die viel gelobte Maßnahme daß Radfahrer den Asphalt benutzen dürfen ist also eigentlich ein Armutszeugnis für den Zustand der Radwege und ein Beweis dafür daß der Wille fehlt um vernünftige Radwege zu bauen.“

      Da muss ich leider doch was zu sagen. Es gibt nur einiges das besser funktioniert als geschwindigkeitsbegrenzungen: angemessener straßendesign (Funktioneel Ontwerpen wird das hier zulande genannt). Die straßen sind gut entworfen wenn sie gefühlsmäßig die geltende geschwindigkeitsbegrenzungen gleichen. Es soll sozusagen der Autofahrer dazu einladen so zu fahren wie er fahren sóllte. Ein guter beispiel sind bäume lang offene straßen. Die geben der autofahrer ein besseres gespür von geschwindigkeit, und machen dadurch dass er automatisch langsamer fahrt als ohne diese bäume der fall wäre.
      Dasselbe gilt auch für fahrräder (und für eigentlich alles im verkehr). Es stimmt das einfach die radfahrer auf dem asphalt werfen nicht ausreichend ist, und unsicher. Dazu bräuchte man eine physikalische andeutung auf die -möglichkeit- fahrradfahrer auf der straße zu begegnen. Also, was man in NL macht mit orangefarbige streifen lang der straße, mit oder ohne durchgezogen linie. Die vorteile sind besser aufpassende autofahrer, niedrigere geschwindigkeit der autos, und sicherere fahrradfahrer. Und das tolle daran ist, dass die autofahrer schon von alleine sicherer fahren, ohne irgendwelche kontrolle oder sonstwas.
      Es geht darum sie sachen so zu machen, dass sie automatisch das verhalten beeinflussen. Leider ist dieser sichtweise in Deutschland (und auch noch nicht vollständig in den Niederlanden) noch nicht durchgedrungen. Dazu befürchte ich, ist der pragmatismus noch zuviel abwesend.

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  11. ganz toller Text, du hast ja die wichtigsten zusammengefasst! die für mich ganz wichtig ist: die Radfahrer sind ja nicht allleine in der Welt! das wird immer mehr populaer, die müssen aber auch ins Verkehr integriert werden. Bei uns sind ganz schwierig mit den Fixie-Radfahrern, ich weiss, dass es ein ganz anderes Lifestyle ist, und immer mehr trendy, aber ich -als Rennradfahrer- finde die Fixies in der Stadt lebensgefaehrlich. Die sind ja ganz geschickt um ohne die Bremsen zu verkehren, aber in der Stadt können immer unerwartene Situationen kommen. Und die Fixie-Freaks haben nie eine Angst, bei einem Unfall sind sie aber immer die Schwaechsten. Fixie-s sind für die Bahn, zum Stadtverkehr braucht man ein gut ausgerüstetes bequemes Fahrrad und viel Verstaendnis, Toleranz und Achtung. lg

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    1. Wie schön ich Fixies auch finde: ohne vernünftige Hinterradbremse würde ich mich damit nie in den Stadtverkehr trauen …

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  12. Fixies, hab mal schnell nachgeschaut, was das ist: ohne Licht, ohne Bremse usw., ist das in D erlaubt? Hier in NL bekommt man schnell einen Strafzettel ohne Licht, mein Sohn hat schon ganz viele ;-).

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    1. Laut StVO dürfen Fahrräder in Deutschland ohne Licht, Bremse, Reflektor und Klingel genauso wenig auf die Straße wie in den Niederlanden.

      Fixies sind eine „Untergattung“ der sogenannten Singlespeed-Räder. Hauptmerkmal bei beiden ist die fehlende Gangschaltung. Ich sehe hier in der Stadt auch viele solcher Ein-Gang-Fahrräder, die mit vernüftigen Bremsen ausgestattet sind. Mit Licht und Klingel wären sie dann auch verkehrstauglich nach StVO …

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    2. Ich glaube, man kann im allgemeinen genommen annehmen, dass alles was in die Niederlanden nicht erlaubt ist, schon gar nicht in Deutschland erlaubt ist…
      Habe auch neulich rausgefunden dass man in Deutschland zwei dinge nicht darf die bei uns bei der grundausstattung des fahradfahrers hören sozusagen:
      1) Jemand hinten auf dem fahrrad nehmen – wie bitte?! das lernt man in NL schon wen man 8 ist oder so.
      2) Jedes fahrrad muss auch eine vorderbremse haben – ich hatte meine Frau eine klassische Oma fiets geschenkt zum geburtstag, weil sie sich immer schon eins gewünscht hat. Weil das fahrrad aber klassisch sein soll, hab ich sie in NL gekauft, weil die Oma fietsen die man in D kaufen kann alle vorderbremse haben und auch sonst nicht das klassische modell entsprichen. Wenn schon, denn schon, hab ich mir gedacht. Bis dann die Polizei sie angehalten hat und mitgeteilt dass sie eine vorderbremse haben muss. Super, nochmal umrüsten, hat soviel gekostet wie das fahrrad selbst.

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      1. Jemanden hinten drauf mitnehmen würde ich auch dringend unterlassen: Auf den meisten Gepäckträgern steht was von „25 kg“ drauf, und so sehen sie auch aus…
        Und ganz ehrlich: Zwei Bremssysteme finde ich schon sehr angesagt.

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        1. Stimm schon das man dafür natürlich geeignete gepäckträger braucht – diese dünne aludingen die man auf viele fahrradräder findet hier in D sind tatsächlich nicht dafür geeignet. Kann man aber auch selbst bedenken, dafür braucht man kein verbot…
          Und ich weiß, bis jetzt hab ich noch keinen Deutschen gefunden der dieselbe meinung war was die zwei bremsen angeht. Ich glaube, da ist einfach der unterschied in sicherheitskultur schuld :). Es ist bei uns einfach üblich nur eine rücktrittbremse zu haben, und keiner hat das gefühl irgendwas zu vermissen. Es gehört einfach dazu. Ich find es nur eine frechheit, dass ich gezwungen werde ein fahrrad nachzurüsten das auch so super funktioniert. Es muss bremsen und es bremst.

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      2. @Bouke Kinder hintendrauf sind, meine ich, auch in Deutschland erlaubt. Erwachsene nicht.

        @Fabian: Bin früher immer nur mit Rücktrittbremse gefahren. Hatte nie das Gefühl, unsicher unterwegs zu sein.

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        1. Nun, in NL fährt man ja auch eher selten einen Hügel oder gar Berg runter. Es sind 2 Bremsen schon besser.

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          1. Ich bestreite nicht, dass zwei Bremsen in manchen Fällen besser sind. Genauso wie Bouke sehe ich aber nicht ein, wieso das dann gleich verbindlich (gesetzlich) festgelegt werden muss. Auch hier in Deutschland fahre ich fast ausschließlich im flachen Terrain.

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            1. Es gibt nun mal gewisse Spielregeln, die als Straßenverkehrsteilnehmer einzuhalten sind. – Wenn dann zwei Bremsen dazugehören, ist das meines Erachtens genauso wichtig wie eine vernünftige Beleuchtung. Jeder wird es auch für richtig halten, dass Autos mit Ein-Kreis-Bremssystem oder ohne Blinker nicht zugelassen werden. ;-)

              Eine Bremse halte ich auch für grob fahrlässig eigentlich, wenn der Seilzug im passenden Moment reißt bzw. bei einer Rücktrittbremse die Kette abspringt, hat man schnell ein unglaubliches Problem.

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              1. PS.:
                Eine Bremse = genau eine Bremse. ;-)
                Schade, dass es im Deutschen den Unterschied zwischen „een“ und „één“ nicht gibt.

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                1. Nur eine Bremse ;-)

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                2. Hätte in dem Fall gepasst.
                  Aber „ich habe ein Haus“ = „ich habe nur ein Haus“ ist was unpassend, weil das „nur“ ja eher ins Negative geht. Da wäre „éín“ Haus gut. :-)

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              2. Ich glaube die frage ist nicht wieviele bremsen ein fahrrad haben sollte, da mehr dann immer besser ist. Fünf bremsen wäre dann noch besser glaube ich, könnte man genauso begründen.

                Worum es geht ist die bremskraft des fahrzeugs. Ein auto ist zu schwer um nur mit einfache bremsen aus zu können – sportwagen haben ja auch spezielle keramische bremsen, nicht weil es verpflichtet ist keramische bremsen zu haben, aber weil das fahrrad das braucht um eine gewisse bremskraft zu haben der passend ist zum fahrzeugsleistung.

                Das argument, dass eine bremse unsicher ist weil sie kaputt gehen könnte finde ich eigentlich auch nicht wirklich einen grund, weil man dann tatsächlich mit einem untüchtigen fahrzeug am verkehr teilnimmt. Das wäre erst recht fahrlässig. Das fahrrad sollte einfach gut funktionieren, und da sind wir wieder zurück bei dem grund warum es überhaupt bremsen gibt: nämlich dass das fahrrad geschwindigkeit mindern soll. Die frage ist deshalb nicht wieviele bremsen denn notwendig sind, sondern ob das fahrrad, egal wieviele bremsen, genügend bremskraft hat um genügend geschwindigkeit zu verlieren bei betätigung der bremsen. Lieber eine gute bremse als zwei schlechte. Und genau das ist es, was ich als schwäche dieser regelsucht sehe: das, worum es eigentlich geht, verliert man of aus dem auge.

                Übrigens muss ich gestehen dass es schon so ist, dass eine rücktrittbremse nur gut funktioniert wenn man gewohnt ist die zu nutzen. Wie ein wilder drauf treten heisst blockierende räder, und dass ist unsicher. Es kann deshalb durchaus so sein dass es gut ist auch eine vorderbremse zu haben, das bestreite ich nicht. Wie Alex zu recht sagt: es ist einfach typisch dass da gleich wieder ein verbot draufgeworfen wird.

                Dazu übrigens auch eine sehr interessante text auf die vorderseite von Die Zeit letzte woche. Ich könnte sie mal einscannen falls jemand interesse daran hat.

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                1. Nach der Logik bräuchte die KLM auch keine 2 Piloten. Und das Fahrrad nur 1 Rad.

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                2. „Das argument, dass eine bremse unsicher ist weil sie kaputt gehen könnte finde ich eigentlich auch nicht wirklich einen grund, weil man dann tatsächlich mit einem untüchtigen fahrzeug am verkehr teilnimmt. “

                  Nein! Nach dem fail-safe-Prinzip geht es darum, den Ausfall einer sicherheitstechnischen Einrichtung zu kompensieren, so dass das Fahrzeug mit nur einer Bremse noch sicher zu stoppen ist (das ist sowohl bei einer Bremse am Fahrrad gegeben als auch, wenn beim Auto ein Bremskreis ausfällt). Demnach könnte man ja auch Autos mit nur einem Bremskreis einsetzen, wie viele Bremsen angeschlossen sind, ist ja prinzipiell egal. Macht man aber natürlich nicht, denn wenn dieser Bremskreis ausfällt, ist keine geeignete Bremse mehr vorhanden.

                  Es geht natürlich nicht darum, dass man mit einer kaputten Bremse bei zwei vorhandenen noch losfahren könnte, sondern dass der Ausfall einer Bremse *während der Fahrt* kompensiert werden kann.

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                3. Da muss ich gesehen, habt ihr recht.
                  Es ist nicht, dass ich versuche mein recht zu bekommen, weil meiner meinung nach haben wir beide recht (wie gesagt, mehr bremse ist natürlich besser). Aber immerhin, wir reden hier von ein fahrrad, nicht von eine mörderische maschine. Kein flugzeug mit 200 passagiere oder ein auto mit einer masse und geschwindigkeit die bäume umfallen lässt.
                  Es ist natürlich auch nicht nur die chance dass was passiert, sondern auch was die folgen dessen sind. Ein radfahrrenner wird immer tüchtige bremsen haben, denn er weiß er fährt schnell und deshalb auch was die folgen sein können. Fahrräder mit rücktretbremsen sind fahrräder ohne schaltung, die sind langsam. Und degelijk; ich habe z.B. ein fahhrrad meiner mutter, was also schon über 40 jahre alt ist, wovon noch -nie- etwas kaputt gegangen ist. Geschweige denn der rücktretbremse – das ist gerade ein fahrradteil das einfach nicht kaputt geht. Und ich habe dieses fahrrad für meine tätigkeit als Postbeamte benutzt, sieben jahre lang.
                  Dahingegen sind gerade die fahrräder mit handtätigung sehr unsicher, und da ist fail safe wie sie sagen tatsächlich echt sehr wichtig. Es ist mir schon so oft passiert das da einfach ein kabel gesprungen ist beim bremsen.
                  Und genau solche dinge sind einfach wichtig, die muss man nicht wieder in ‚bestimmte regeln‘ festlegen wollen oder zumindest müssen. Die regeln kommen mir ‚meine nase raus‘ – jeder kann auch für sichselbst denken, aber manchmal krieg ich das gefühl in Deutschland das keinem den anderen das zutraut.
                  Wo ich auch jetzt wieder höre dass es stimmen gibt, die fahrradhelme verpflichten wollen. Das ist ein ‚outrage‘. Keiner wird mehr fahrradfahren. Wenn jemand ein helm tragen will weil er sich sicherer fühlt soll er das meinentwegen tun (sieht auch bescheuert aus, aber okay), aber sobald dieser person meint er sollte mich verbieten ohne helm zu fahren weil er selbst nicht fahrradfahren kann, dann ist das mir ein schritt zu weit.

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                  1. @Bouke: Ich fürchte auch, dass ein etwaiger Helmpflicht für Fahrradfahrer zu einer deutlicher verminderter Nutzungs dieses umweltfreundlichen und flexiblen Verkehrsmittels führen würde. Außerdem wird damit das Problem der Sicherheit wieder bei den Radlern gelegt, statt dass die Politik mal über strukturelle Lösungen nachdenkt.

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      3. Vielleicht schreibe ich mal einen Post über die verschiedenen Vorschriften, die in Deutschland und den Niederlanden für verkehrstaugliche Fahrräder gelten.

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  13. Danke. Bin ja kein Fahrradkenner aber sehe hier vor allem immer noch sehr alte Räder, um die man keine Träne lässt, wenn sie gestolen werden. Wusste gar nicht, dass man in D auf so modernen Rädern durch die Stadt flitzt.

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  14. Ik ken de kinderhoofdjes vanouds als kinderkopjes, in de stad Groningen; daar heb ik mijn vroege jeugd doorgebracht.
    Het woord kasseien wordt veelvuldig gebruikt bij wielerwedstrijden, als het parcours over wegen gaat met kasseien; dat is dan, is mijn indruk, vooral op etappes in Vlaanderen of in Frankrijk.

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    1. Kasseien wird in den Niederlanden in der Tat oft im Rennrad-Kontext benutzt. In Flandern ist es die ganz normale Bezeichung für kinderhoofdjes, bzw. kinderkopjes.

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  15. Etwas später mein Kommentar ;-)
    Hm, um es auf den Punkt zu bringen:
    Ich hasse Fahrradfahrer – in Deutschland…
    Seitdem ich in den Niederlanden lebe ist das ganz anders! Dort gehören die Fahrradfahrer einfach dazu und niemand stört sich gegenseitig. Das find ich super geregelt! In Deutschland nervt es mich furchtbar, wenn ich durch große Städte fahre und ich dann nicht überholen kann wenn vor mir ein Fahrrad da her tuckert…natürlich ist es ein Verkehrsteilnehmer wie jeder andere auch, aber er behindert mehr als alle anderen. Dasselbe ist es mit den Rollern und die machen einen furchtbaren Krach! In Deutschland ist Fahrrad fahren eher auf das Freizeitliche reduziert. Ich selbst bin auch nie in der Stadt gefahren, auch aus Gründen der Sicherheit. Und das schlimmste ist, wenn auf der Landstraße ein Fahrrad fährt wo nebendran extra ein Fahrradweg ist! Unglaublich! Jedes Mal muss ich mich aufregen…
    In den Niederlanden ist das super gelöst und ich störe mich gar nicht an den Fahrern, weil sie eine eigene Bahn haben. Wobei man auch schon mal gucken muss, beim Abbiegen oder so, denn eine rote Ampel wird auch schon mal gerne von einem übersehen ;-)
    Ich habe in den Niederlanden leider noch kein Fahrrad. Man wird aber ziemlich schnell von Anfang an dazu animiert das Fahrrad zu benutzen und es ist auch einfach eine ziemlich gute Art der Fortbewegung (und super zuinig, das passt ja zum Niederländer). In den Niederlanden gibt es auch nicht so furchtbare Steigungen (wobei bei mir in Arnhem ja doch so einige vor kommen…). Ein Niederländer ohne Fahrrad ist eine Ausnahme.

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    1. Gerade im Web gefunden: Die Niederlande haben die höchste Fahrraddichte der Welt :-) Erstaunlicherweise (für mich) steht Deutschland jedoch an dritter Stelle (nach Dänemark).

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      1. Aantal fietsen per inwoner volgens link:
        Nederland 1,1
        Denemarken 0,8
        Duitsland 0,8

        Das sagt gar nichts. In Deutschland haben viele Leute Fahrräder im Keller oder sonstwo in der Wohnung, und sie müssen sich dann richtig anstrengen, das Ding draußen zu kriegen. Ein wichtiger Grund, dass das Fahrrad vorwiegend im Freizeitverkehr verwendet wird.

        Apropos Fahrraddichte. Viel aussagekräftiger ist die Grafik „Safety in Numbers“, die es hier gibt: http://fahrradzukunft.de/14/helmpflicht-nein-danke/

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        1. In Deutschland haben viele Leute Fahrräder im Keller oder sonstwo in der Wohnung, und sie müssen sich dann richtig anstrengen, das Ding draußen zu kriegen.

          Das ist tatsächlich problematisch. Ich muss mein Fahrrad ja auch jeden Tag um vier Winkeln und über zwei Treppen tragen um auf die Straße zu kommen …

          Danke für den Link Rob. „Safety in numbers“ erlebt man in den Niederlanden jeden Tag. Davon ist Deutschland leider noch sehr weit entfernt.

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  16. Hier sind noch ein paar „Ausflugtipps“ für mutige Radler.

    http://www.igsz.eu/RV/RV1.htm

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    1. Aaaargh, gruselig, was da alles als Radweg herhalten soll ….
      Danke für den Link!

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  17. Kopfsteinpflaster (kinderhoofdjes) kenne ich auf Deutsch als Katzenköpfe (ist vielleicht nur in Hessen üblich).
    Übrigens darf man in Delft auch in der Fussgängerzone radeln und das geht erstaunlicherweise gut, langsam und umsichtig (psychologisch erklärbar: bei „Gefahr“ passt man mehr auf, gilt auch für künstliche „Schikanen“auf langweiligen Fernstrecken).
    Allerdings gibt es auch hier genügend Asos (leider meistens junge Leute -> Studenten) die sich immer Vorfahrt nehmen oder andere schneiden, weil sie unbedingt noch vor einer Ecke an dir vorbei wollen
    Also so zivilisiert sind Holländer auch nicht

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    1. Letzteres hat auch niemand behauptet ;-)

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  18. Wir sind uns ja sicher einig, dass ein Helm die Sicherheit im Unglücksfalle deutlich erhöht, denke ich mal. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied, wieso es auf dem Fahrrad keine Helmpflicht gibt, wohl aber Vorschriften, bzgl. der Verkehrstauglichkeit des Rades: Ein unsicheres Fahrrad ist eine latente Gefährdung für andere, ein Radfahrer ohne Helm nicht.

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  19. Schöner Beitrag! Obwohl ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, bin ich auch im Herzen Radfahrer. Autofahren tue ich, weil man es gelegentlich muss, aber echt Spaß macht es mir nicht. Aber der Perspektivenwechsel tut manchmal gut, man achtet dann mehr darauf, wie man selber auf andere Verkehrsteilnehmer wirkt.

    Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Niederländer auf dem Rad „zielstrebiger“ unterwegs sind als Deutsche, sie wollen so schnell wie möglich von A nach B.

    Vor Jahren habe ich mich mal zum Radfahren in den Niederlanden ausgelassen:
    http://grenzwanderer.wordpress.com/2010/10/13/de-fiets-des-niederlanders-liebstes-fortbewegungsmittel/

    Was die Radwegqualität in Deutschland angeht, ist es manchmal wirklich dramatisch, aber mein persönlicher Eindruck ist, dass sich da in den letzten zehn Jahren einiges getan hat.

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    1. Wow, Du hast das Pänomen Fahrad fahren in den Niederlanden ja sehr ausführlich beschrieben – unbedingt lesenswert, Dein Blogpost!

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  20. […] vielleicht schon, für mich war das Konzept neu: Der Hövding (“Häuptling”) schützt Fahrradfahrer bei einem Aufprall oder Sturz, indem er sich wie ein Airbag um den Kopf legt. Im Ruhezustand liegt […]

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  21. sehr hilfreich kommt man mithilfe dieser webseite durch den deutschen fahrradalltag:
    http://bernd.sluka.de/Radfahren/rechtlich.html
    leider sind einige beamte den daraus entstehenden argumenten nur dann zugaenglich, werden sie offiziell von einem anwalt darauf hingewiesen werden.
    radfahrer sind fuer viele leider immer noch sitzende fussgaenger.

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    1. Die Website von Bernd Sluka habe ich im Beitrag bereits verlinkt (im Abschnitt „Radwegzwang“). Sie ist wirklich sehr informativ.

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      1. stimmt. pardon. so ists, liest man quer. ;)

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  22. Als Fahrradfahrer hat man es wirklich oft schwer auf deutschen Strassen. Das mit der Ampelschaltung ist schon mal der erste Punkt. Sehr schnell ist die Ampel auch wieder rot. Auch Fahrradwege sind oft sehr eng eingezeichnet, so dass man fast mit Autos zusammen prallt. Ich fahre trotzdem weiterhin Mountainbike, weil es Spass macht und fit hält.

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  23. Hallo,
    werde einige Zitate aus dem Beitrag und aus den Kommentaren in meinem Blog verwenden…
    Hoffe es spricht nichts dagegen!?
    Auch wenn das Alles 2 Jahre alt ist – immer wieder aktuell!?
    Viele Grüße aus Wien und Österreich, einem „Radverkehrs-Unterentwicklungsland“!
    Hans (Honzo) Doppel

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    1. Hallo Hans, so lange es bei Zitaten bleibst und Du die Quelle angibst, spricht nichts dagegen :-)

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  24. […] Regionen Deutschlands Radfahrer weitaus seltener unterwegs und damit in den Köpfen der Autofahrer weniger präsent sind, so dass schon mal gerne der Blick über die Schulter beim Rechtsabbiegen vergessen […]

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  25. Ich werde morgen das erste Mal in den Niederlanden fietsen und zwar in der Gegend um Nordhorn.

    Ich bin schon sehr gespannt, denn bislang habe ich Radfahrer in den Niederlanden immer nur aus der Fußgängerperspektive gesehen.

    Das mittlere Ruhrgebiet mit Mülheim, Essen, Bochum, Herne und Dortmund ist eher Radfahr Niemandsland. Das Rad wird als Sportgerät angesehen.

    Dazu habe ich auch etwas in meinem Blog vor einigen Wochen geschrieben:

    http://sven-essen.de/?p=4418

    Ich bin mal gespannt auf morgen.

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    1. Ich wünsche Dir viel Spaß Sven!

      Vielleicht magst Du ja mal über Deine Erfahrungen und Eindrücke berichten?

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  26. Hallo,
    ich glaube, ich habe gelesen, dass Fahrradfahrer auf die Straße ausweichen dürfen, wenn der Radweg in sehr schlechtem Zustand ist. Wenn das stimmt, dann wäre man ja aus dem Schneider :-)
    Viele Grüße und vielen Dank!
    Thilo

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    1. Hi Thilo, das stimmt. Allerdings ist das Fahrrad fahren auf der Fahrbahn in Deutschland meist auch nicht wirklich entspannt da das viele Autofahrer überfordert …

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