Frei und ohne Schein: Bootsurlaub in den Niederlanden

Zuletzt aktualisiert am 12. Januar 2018

Ein Gastbeitrag von „Skipper“ über die Möglichkeiten eines Bootsurlaubs in den Niederlanden. Skipper ist Reisejournalist und befährt europäische Binnengewässer mit eigener Motorjacht.

Wassersportparadies Niederlande

Die vom Wasser umgebenen und von Flüssen durchschnittenen Niederlande sind zweifelsfrei Europas Wassersportparadies Nr. 1. Denn für den Wassertourismus ist eine Infrastruktur entlang der 6.000 Kilometer Flüsse, Kanäle und Seen angelegt worden, die man nur als beispielhaft bezeichnen kann – unabhängig von Nordsee und Wattenmeer.

Voraussetzungen

Für ein Motorboot oder eine Segeljacht unter 15 m Länge und mit einer Maximalgeschwindigkeit von unter 20 km/h braucht man in den Niederlanden auch als Ausländer keinen Führerschein, weil eben für diese Abmessungen und Werte gesetzlich keiner vorgeschrieben ist. Genau in dieser „Lücke“ setzen nun Charterunternehmen an und werben mit „führerscheinfrei“. In allen am Wasser gelegenen Städten findet man Anbieter, die das richtige Boot für 2 bis 12 Personen bereithalten.

Hat man aber selbst ein Fahrzeug, für das ein Führerschein Pflicht ist – das gilt zum Beispiel für Boote mit einer Länge ab 15 m und für schnelle Speedboote –, so wird für Niederländer het Klein Vaarbewijs oder het Groot Vaarbewijs und für Deutsche der Sportbootführerschein Binnen/See verlangt. Achtung: der deutsche Binnenschein gilt nicht auf Westerschelde, Oosterschelde, IJsselmeer, Waddenzee und Dollard; da ist „See“ vonnöten!

Hochamtlich ist alles nachzulesen im „Wateralmanak Deel I“, der niederländischen Wassersportbibel, die gesetzlich vorgeschrieben an Bord jedes Boots oder Schiffes mitgeführt werden muss. Dort findet sich das vom Minister van Verkeer en Waterstaat erlassene Binnenvaartpolitiereglement (BPR). In Deutschland erhält man den Wasseralmanach 1 2011/2012: Nederland – Belgie bei Amazon, in den Niederlanden beim ANWB, dem niederländischen Pendant des ADAC.

Absolute Fahranfänger erhalten vor Abfahrt neben der theoretischen Bootseinweisung und der Regelerklärung vor Ort auch immer einen 2-stündigen Praxiskurs. In den meisten Fällen fährt auch ein Mitarbeiter den ersten Kilometer mit.

Revierwahl

Schiffstau

Auch wenn die Meinungen hier auseinandergehen und jeder Skipper so seine ultimativ-subjektiven Geheimtipps hat: Die beliebtesten und großzügigsten Reviere sind die Provinz Friesland (mit ihren 600 Kilometern an Wasserstraßen und Binnenseen), das IJsselmeer, die Randmeren, die Provinz Overijsssel und die Maas. Letztere ist mit Hunderten Jachthäfen und Tausenden Booten das Wassersportrevier für halb Westdeutschland.

Der gute Ruf hat auch seine Schattenseiten: Anker- und Anlegeplätze sind in der Hochsaison erstens prinzipiell und zweitens faktisch ab 16 Uhr belegt, denn hier herrscht nicht das Handtuch- sondern das Fenderprinzip. (Fender sind die meist blauen Luftzylinder, die rechts und links am Boot baumeln. Bei neurotischen Fahranfängern kann dies schon mal zu einer Art Lichterkette ausarten!) Nach 18 Uhr ist meist alles dermaßen voll, dass ab dann nur noch im Päckchen angelegt wird: Seite an Seite mit bis zu sechs Booten.

Muss der Äußere des nächtens vom Land ins Boot, so geht’s meist geräuschvoll über die anderen Vorschiffe. Da kann man schon mal fast zu Fuß über die Maas laufen, da wird geschubst, gedrängelt und gemeckert („Duitsers, asjemenou!„). Letztendlich herrscht dann aber auf den niederländischen Wasserstraßen doch weniger Aufregung als in jedem deutschen Kreisverkehr. Das liegt in erster Linie an den Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Gemächlich

Denn mit „schnell-von-A-nach-B“ hat so eine (Haus-)Bootstour auf den niederländischen Flüssen und Kanälen rein gar nichts zu tun. Knapp 10-12 km/h läuft so ein (gedrosseltes) Charterboot maximal – führerscheinfrei eben. Und in den gut ausgebauten aber stark befahrenen Kanälen Frieslands sind aufgrund des Uferschutzes meist sogar nicht mehr als 6 km/h erlaubt. Wie auf der Straße sucht auch hier die von den deutschen Gästen liebevoll genannte „WaschPo“ alias Waterpolitie gerne Temposünder. Überschreitungen bis zu 6 km/h kosten rund 70 Euro, Überschreitungen von 6 – 15 km/h ab 100 Euro – Ende offen!

Alkohol

Und wo wir grad dabei sind: Für den Schiffsführer gilt auf allen niederländischen Wasserwegen eine 0,5-Promille-Grenze (0,25 mg/l) – also für den, der am Ruder steht; der Mieter/Besitzer selbst kann komatös darniederliegen. Alles darüber wird mit einem happigen Bußgeld geahndet. In schlimmen Fällen droht ein Fahrverbot oder sogar die Beschlagnahmung des Bootes. Ansonsten gilt: Altijd goede vaart!

Ein paar Zahlen

Laut Auskunft des niederländischen Wassersportverbandes gab es 2010 rund 300.000 sogenannte plezierboten mit einer mittleren Länge von 9 m im Privatbesitz, dazu kommen saisonal noch an die 10.000 Charterboote.

Mehr als 1.100 (!) professionell aufgezogene Yachthäfen mit 180.000 Liegeplätzen (von den rund 40.000 kleineren Anlegestellen entlang der Flüsse und Kanäle ganz zu schweigen) bilden eine satte Infrastruktur. Und 5.500 Firmen mit mehr als 30.000 Mitarbeitern erwirtschafteten im gesamten niederländischen Wassersportbereich einen jährlichen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro, Zuwachsrate: 10 Prozent. (Quellen: HISWA, NBTC-NIPO Research, Centraal Bureau voor de Statistiek)

Weiterführende Links

Kurze, knackige Berichte und keineswegs überfrachtete Überblick-Karten (in deutscher Sprache) für wirklich fast alle Flüsse, Kanäle und Bootsreviere sowie Charterunternehmen findet man unter http://www.water-ways.net. Bitte nicht von der aufdringlichen Werbung irritieren lassen – der Informationsgehalt ist wirklich sehr gut!

Bekannte und vertrauenswürdige Charterunternehmen sind:

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  1. Guten Morgen,

    vielen Dank für diesen überaus interessanten Artikel. Er gibt Einblicke in die Torusimusbranche.
    Warum aber nur die meist besuchten Orte immer überfüllt sind, ist mir schleierhaft, denn es gibt genug schöne andere Plätze.
    Was mich verwundert ist, dass nur der Schiffsführer einer Alkoholgrenze unterliegt. Was ist mit denen, die beim Fahren – in welcher Form auch immer – beteiligt sind?
    Die Geschwindigkeitsbegrenzung finde ich sehr gut, denn bei unerfahrenen Menschen, wie sie hier meist anzutreffen sind, sind sonst mehr Unfälle zu erwarten.
    Danke für den Artikel, der einem gute Einblicke gegeben hat.

    Antworten

    1. Nun, wirklich nur der Schiffsführer hat erstens nüchtern zu sein und zweitens hat er laut Chartervertrag die Verantwortung. Fällt also ein besoffener Mitfahrer als (Leinen-)Hilfe beispielsweise beim Schleusenvorgang zwischen Boot und Wand, so gibt´s bei Unfällen nur rein privatrechtlichen Ärger. Und prinzipiell kann sogar der Schiffsführer einer anderen (nüchternen) Person die Gewalt über das Boot geben… hauptsache, er/sie bleibt dabei… ist eine rein versicherungstechnische und vertragliche Frage – je nach Vercharterer.

      Abgesehen davon:

      Seltsamerweise hat sich bei den teutonischen Wassersportlern in den Niederlanden folgende Arbeitsteilung eingespielt – ich weiss beim besten Willen nicht, warum eigentlich; vielleicht kann mir das mal eine Landratte erklären:

      – Der HERR der Schöpfung ist bei 99,9 Prozent aller Schleusen und/oder Anlegemanöver am Ruder und am Gashebel.
      – Die DAME der Schöpfung steht meist am Bug und darf (kann/muss?) in der Schleuse die schwere Leine über die glitschigen Poller werfen und darf mit Leibeskraft das Boot von den Wänden fernhalten.

      Evolution? Typisch deutsch??

      Antworten

      1. Gerd Ziegler 15-06-2012 at 13:40

        Dann gehören meine Frau und ich zu den 0,1 % ;-)

        Aber besonders lustig sind die „Seemänner“ anzusehen, wenn sie ihre Insignien (weiße Kapitänsmütze und Badeschlappen) tragen anstelle einer automatischen Rettungsweste, wie sie in der Berufsschiffahrt vorgeschrieben ist.

        Antworten

      2. Die Männer haben vermutlich Angst, daß die Frauen den Kahn gegen die Wand fahren. Deutsche Männer trauen ihren Frauen in puncto Lenkung eines Fahrzeuges nicht sehr viel zu, ob das nun das Auto ist oder das Boot. Dabei ist es ja eigentlich erwiesen, daß Frauen weniger Unfälle verursachen als Männer; nicht umsonst müssen Frauen in Deutschland weniger in die Autoversicherung einzahlen als Männer. Deshalb greifen auch manche Ehemänner in die Trickkiste und melden das Auto auf den Namen der Frau an. Aber andererseits läßt kaum ein Mann seine Frau ans Steuer seines Autos, eher kauft er ihr ein eigenes. Ach, Männer… ;-).

        Antworten

        1. Tut mir Leid, aber das ist ein Märchen. Pro Kilometer verursachen Frauen mehr Unfälle, mit einem Verhältnis van ungefähr 4 zu 3 wenn ich mich richtig entsinne. Da sie aber im Schnitt viel weniger fahren, verursachen sie natürlich pro Versicherungsjahr weniger Unfälle.

          Fairerweise muß man sagen dass die Unfälle der Männer schlimmer ausgehen, weil die meistens mit überhöhter Geschwindigkeit zu tun haben. Die „weibliche“ Unfälle haben mehr zu tun mit falsch eingeschätzten Vorfahrtssituationen und natürlich mit dem einparken :-) So gesehen ist das steuern der Männer beim Bootfahren in den Schleußen eine kluge Entscheidung ;-)

          Falls es jemandem wirklich interessiert, kann ich gerne die Links zu meinen Behauptungen suchen, aber ihr könnt es mir glauben.

          Antworten

          1. „So gesehen ist das steuern der Männer beim Bootfahren in den Schleusen eine kluge Entscheidung ;-)“

            Ah, ich verstehe:

            Denn wo kann man denn heute noch mal so ein RICHTIGER Mann sein, ausser beim Strassenkartenlesen, beim Bootfahren… oder der Prostata-Untersuchung? Ebend! ;-)

            Duck und weg… der SKIPPER

            Antworten

  2. Gerd Ziegler 15-06-2012 at 08:37

    Hallo Skipper.

    Und das schönste ist, es geht alles ruhig und gemächlich vonstatten. An einigen der zahlreichen Dreh-/Klappbrücken steht der Wärter mit einer Angel, an deren Ende der Schnur ein kleiner bunter Holzschuh hängt. Dort hinein legt man dann das Brückengeld.

    Man tuckert von einem Maar ins Nächste – ohne Stress – vorbei an idyllisch gelegenen Häuschen mit Bootsanleger statt großem Garten, festliegenden Hausbooten, Naturschutzgebiete, Viehweiden, Windmühlen, kleinen Städtchen… Es ist die Entdeckung der Langsamkeit. Zeit zur Entschleunigung.

    Und mit Schein schippern wir dann unter Segel durchs Ijssel- oder Markermeer. Enkhuizen, Hoorn, Lemmer, Urk, Stavoren und wie sie alle heißen. Wer als Kontrast wieder das aufregende Stadtleben braucht, der fährt nach Amsterdam. Der kleine aber knuffelige Sixhaven liegt direkt gegenüber der Amsterdamer Innenstadt.

    Und wer einfach nur Mitsegeln will, kann dieses auf eines der zahlreichen Plattbodenschiffen tun. Ein wenig mit anpacken ist aber da schon angesagt. Es gehört einfach dazu und wann kann man schon mal Segel setzen…

    Antworten

    1. “ Zeit zur Entschleunigung. “

      Exact auf den Punkt getroffen, Gerd! ;-)

      Das ist Reisen mit einer weiten Fläche Zeit auf dem Wasser, nicht möglichst schnell von A nach B gelangen – nein, da existiert noch C, D und E. Anlegen, wo die Farben stimmen, wo das Wetter stimmt – ein verdammt großes Urlaubsparadies auf dem Wasser… in einem kleinen Land ;-)

      Skipper

      PS: Apropos Sixhafen in A´dam: Leider nicht mehr allzu gemütlich, sehr eng, da herrscht in letzter Zeit immer mehr Ellenbogenmentalität, ich persönlich würde den Aeolus-Hafen im Norden empfehlen: http://www.wsv-aeolus.nl/ Nebenan direkt die Fähre rüber Richtung Zentrum, nette Hafenmeister, vielleicht etwas viel Beton drumherum.

      Antworten

  3. Alexaandra 15-06-2012 at 09:15

    Schöner Beitrag! Lässt mein „Seemannsherz“ wieder höher schlagen.
    Allerdings: ich verstehe ja, dass Führerscheine häufig auch etwas mit Geschwindigkeit zu tun haben…aber ich stelle mir gerade einen Anfänger in einem 12 m Boot vor, ohne FS, ohne Ahnung wie anzulegen ist, von bestimmten Knoten ganz zu schweigen…Rangiermanövern bei denen eine Videokamera eigentlich nicht fehlen darf (Stichwort „Schleuse“) und dann noch die nicht vorhande Beherrschung der ‚Etikette‘ wie oben in der Pächkchensituation beschrieben…da gibt es doch sicherlich die dollsten Geschichten, oder?

    Antworten

    1. Gibt es, gibt es…

      …aber meist begründen sich diese Geschichten aus typischen Anfängerfehlern her, die wirklich jeder mal macht und auf allen Revieren und in jedem Charterhafen zu beobachten sind:

      Schnelles rumkurbeln am Steuer, hektisches Gasgeben, knutschende Fender, heulende Bugschrauben. Warum? Nun, man vergleicht als Anfänger die Steuerung eines Bootes oftmals mit der eines Autos. Falsch, aber sowas von falsch. ;-)

      Drehe ich als Autofahrer das Steuer nach rechts, so drehen sich die Vorderräder ebenso nach rechts und der PKW steuert vorne nach… richtig, rechts. Ganz anders auf dem Wasser: Ein Boot wird zwar auch mit einem Steuerad, aber mittels Antriebswelle und Ruderblatt im Endeffekt dann doch „von hinten“ gesteuert. Sprich: Jedes Boot schert somit beim Richtungswechsel nach rechts zuerst einmal HINTEN am Heck nach LINKS aus, bis es VORNE am Bug dann in die gewünschte Richtung RECHTS gedreht wird. Skipper-Neulinge gucken beim rechtsdrehen kaum über die Schulter nach hinten links – Fremdkontakt bei Schleusenausfahrten und engen Häfen ist somit garantiert! ;-)

      Noch so eine Sache, die zur allgemeinen Erheiterung in Häfen führen kann, ist die freundliche Bitte mancher Hafenmeister oder Stegnachbarn an den ankommenden Neuling, dass er aufgrund des nicht ganz „rund“ laufenden Motors bitte umgehend seine Kolbenrückholfeder schmieren sollte. (*)

      Grüße… SKIPPER

      (*) Es gibt sie nicht, diese angeblich in Zylindern verbaute Feder, die angeblich entgegen der Kolbenkraftrichtung wirkt und so den Kolben wieder in seine Ausgangslage stellen soll. Dieser Witz war früher weit verbreitet als Initiatonsritual unter Auszubildenden der Boots- und KFZ-Mechanikerbranche.

      Antworten

  4. „Het varen is maar iets voor de rijkaards. Arme hondjes als ik hebben er geen geld ervoor.“ … Sagte übrigens mein Freund Ruud van Ooijen aus Blerick, als ich ihm von meinem Gestaltungsprojekt erzählte.

    Für ein 3D-Gestaltungsprojekt habe ich mich im letzten Halbjahr tief in die Materie hinein begeben, ich weiß jetzt, daß eine Tjalk nicht nur eine Talk ist, sondern auch noch aus Unterkategorien wie Skute, Skutsje, Lemster Aak, Botter, Kwak, Schokker und was weiß der Deibel welchen Typen noch besteht. Bei all der Recherche ist mir klar geworden, daß all dies ein verdammt teures Vergnügen ist, das man sich allenfalls mal sporadisch mit einer Grupe von Leuten leisten kann. Die Mietpreise sind horrend, und für den Erwerb einer rostigen alten Tjalk muß man mindestens 80.000 Euro hinblättern.

    Ich frage mich langsam, wer sich in unserer Armutsrepublik sowas überhaupt noch leisten kann. Das ist wohl eher ein Hobby für die Sklavenhalter als für die 3.50 Euro-pro-Stunde-Lohnsklaven.

    Antworten

    1. Gerd Ziegler 16-06-2012 at 08:27

      Da muss ich Skipper Recht geben.

      Früher dachte ich, dass Segeln eine ausschließlich elitäre Veranstaltung ist. Klar – wenn man ein schickes Boot sein Eigentum nennen darf, kommt man schnell in den Verdacht, viel Geld zu haben. Segeljollen bekommt man schon für wenig Geld. Wer dann diesen Wassersport als seine Passion entdeckt hat, wird Zeit seines Lebens immer wieder mehr investieren wollen. Irgendwann gibt es ein Schnäppchen und das Boot wird eine Stufe größer, usw…

      Das ist wie beim Auto. Manch einer fängt mit einem 34 PS VW Käfer (gibt es heute nicht mehr) an und genießt heute um die hundert PS (fast gängiger Standard) Mittelklasse.

      Bootsferien ist Camping auf dem Wasser. Es gibt zwar genug Super-Luxus-Yachten in diversen Häfen zu bestaunen (z.B. Hindeloopen), aber das sind oft Abschreibungsobjekte derer, die sich auch Golfplätze in Bahrein kaufen würden. Die normalen Segel- und Motoryachten gehören oft der Bank von Eignern, die ihre Yachten im Charterbetrieb haben und selber nur zwei bis drei Wochen im Jahr das Schiffchen nutzen können/dürfen.

      Also wir chartern immer. Für ein eigenes Boot wohnen wir zu weit von der Küste entfernt. Und außerdem verringern sich die Kosten, wenn man sich das Boot mit mehreren teilt. Dann kann man auch längere Törns segeln, da man sich am Ruder oder Navigation abwechseln muss.

      Ein gechartertes Hausboot ist allerdings absoluter Urlaub zum Entspannen.
      Aber Vorsicht ! ! ! Hohe Suchtgefahr ! ! ! ;-)

      Antworten

  5. Horrende Mietpreise? Mooooooment – Einspruch, euer Ehren! ;-)

    Denn man stelle sich bitte einmal die Kosten vor, die bei privater Anmietung eines komfortablen Ferienhauses oder gar eines IKEA-Bungalows in einem CenterParc und/oder anderem, eingezäunten „Freizeitzoo“ für – na, sagen wir mal, 3 – 6 Personen entstehen. Dann bitteschön kalkuliere man für die Fahrten zu den Innenstädten/Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Region in den Niederlanden noch die dann exorbitanten Parkgebühren fürs Auto und den Sprit hinzu.

    Wo also Mietpreise für luxuriöse 6-Personen Boote mit 1000 Euro pro Woche/Nebensaison auf den ersten Blick als sehr hoch erscheinen, relativiert sich bei genauerer Kalkulation das ganze dann doch sehr schnell! Denn man sollte im Hinterkopf behalten, dass mit dem Boot die Ferienwohnung/das Hotelzimmer samt Einbauküche, Wasser, Strom und Bettwäsche ja „bewegt“ wird – sprich, es wird ohne wesentliche Transport- bzw. Mehrkosten das jeweilige Ziel erreicht… Heute hier, morgen da.

    Und wiegt nicht die Faszination der Reise auf dem Wasser (wo, außer in den Niederlanden, hebt sich schon einmal eine ganze Autobahnbrücke samt komplett gesperrtem Verkehr für ein einzelnes Familienboot?) und die Möglichkeit des entweder trubelhaften Übernachtens als Gastlieger im Yachthafen Sneek oder wahlweise an einer kleinen Insel im Veluve-Binnenmeer alles auf? Eben – es ist wirklich die schönste und faszinierende Art, die Niederlande von der „anderen Seite“ zu bereisen!

    Kaufen, ja, das ist die andere Seite. Die vielleicht „dunkle Seite“, die tritt dann in Erscheinung, wenn man nach einigen Jahren des Mietens dann doch auf eigenem Kiel durch Flüsse und Kanäle fahren möchte… verdammt heimtückische und ansteckende Krankheit, so ein Bootskauf, lässt viele Sinne schwinden ;-)

    Groetjes… der SKIPPER

    Antworten

    1. Übrigens: Einem Bootsurlaub-Frischling wünscht man in den Niederlanden vor dem allerersten Törn als Stegnachbar traditionell „schip en bemanning een goede en behouden vaart“ und stösst anschliessend (am besten erst bei Rückkehr im Hafen!) mit etwas „spraakwater“ an!

      der SKIPPER

      Antworten

  6. Danke fuer den informativen Bootsurlaub-Bericht. Ich haette bezueglich der Charterboote noch ein paar Fragen, vielleicht bekomme ich hier eine Antwort – spart das rumguhgeln :-)

    Funktioniert es auch in Schleusen, beim An und Ablegen und anderen Manoevern, wenn man nur zu zweit ist bzw das Boot chartert? Muss man Knoten koennen? Oder Bojen- und Schifffahrtszeichen kennen? Wir – mein Goettergatte und ich – haben uns noch nie auf dem Wasser bewegt – ausser in der Wanne. Aber der naechste Urlaub in NL soll eben mal nicht in einer FeWo sein.

    Danke im voraus…….. Susanne

    Antworten

  7. — JA! Es funktioniert zu zweit hervorragend in allen Schleusen – denn einer steuert erst rein, einer macht dabei die Taue fest und danach (Motorstillstand) sind beide eh nur noch damit beschäftigt, das Boot ruhig und sicher zu halten. Oder einen Schwatz mit grad den Bootsnachbarn zu machen, an deren Seite man in einer breiten bzw. überfüllten Schleuse festgemacht hat. Danach wieder im umgekehrten Sinne losmachen, loslegen und losfahren ;-)
    Und: Bis auf einige, wenige Schleusen auf den grossen Flüssen der Niederlande habe die Schleusen einen nicht allzu grossen Hub. (Das ist die Strecke von oben nach unten oder umgekehrt.) Keine Angst und vor allen Dingen KEINE hektisches rumkurbeln; nach ein, zwei Schleusungen geht das fast von alleine. Bei bestimmten Charterboot-Routen gibt es für Schleusenphobiker sogar spezielle Tourenvorschläge mit einer sehr, sehr geringen oder keinen Schleusung.

    — Und NEIN, man muss für einen Charterurlaub de facto (ja, liebe mitlesenden Profisegler, beisst jetzt bitte mal in die Faust!) keine Knoten können. Wirklich nicht. Denn im Endeffekt ist es erstens egal, wie das Boot im nunmal fest und sicher seinen Platz hält und zweitens ist ein aber auch kein Problem, vorher via Internetanleitung ZWEI Knoten für fast alles zu lernen. Einen zum festmachen der Taue an Bord und einen zum verbinden mit allem möglichen an Steg und Schleuse. Und drittens gibt es immer irgendwo eine helfende Hand.

    Palstek als wichtigster Knoten zum Festmachen des Bootes an einem Pfahl/Ring und den Kopfschlag für alle Klampen (die flügelähnlichen Festmacher auf dem Boot) – hier gibt´s mehr Infos:
    http://www.hausboot-boeckl.de/hausboote_wissen/hausboote_wissenswertes_knoten.htm

    — Bojen (ähem, räusper, die heissen übrigens Tonnen) und Schifffahrtszeichen sind in jedem Charterboot per A4-Schautafel in der Nähe des Steuerstandes oder im begleitenden Ordner erläutert, da reicht ein Blick.
    Ansonsten Augenmerk auf alles Rote und Grüne (Rechts, Links, Begrenzungen, Fahrwege, Verbote, Hinweise) und sehr grosse Obacht bei Gelben Zeichen (Gefahr, nix wie weg hier). Blaue Zeichen (Ankern, Info, Hafen) jeder Art sind freundliche Hinweise, kein Muss.

    Also, werte Susanne: Doe het – uw eerste vaarvakantie!

    der SKIPPER

    Antworten

  8. OK, verstanden. Herzlichen Dank fuer diese Infos. Vor Ort bekomme ich als Anfaenger die Einweisung, versichert wird per Chartervertrag. Muss ich noch einen Erstehilfeschein mitbringen wie in D beim PKW???

    Antworten

  9. Nein, Susanne: Ein Nachweis über einen Erste-Hilfe-Kurs ist in den Niederlanden für Bootsurlaub mit einem Charterboot gesetzlich derzeit weder vorgeschrieben noch nötig.

    Abgesehen davon passieren augenscheinlich dort meist mehr Unfälle am Steg oder rund ums Hafengelände durch, äh, ja, räusper, hüstel, „bewusstseinserweiternde Mittelchen“ als durch Ertrinken in einem ruhigen Seitenkanal Frieslands – so makaber das jetzt auch klingen mag.

    der SKIPPER

    Antworten

    1. Gerd Ziegler 25-06-2012 at 22:26

      Ich mische mich mal ein ;-)

      Erste Hilfe leisten zu können ist immer gut und wichtig und gehört zur allgemeinen Bürgerpflicht. Man braucht angesichts der dürftig ausgestatteten Erste-Hilfe-Kästchen an Bord jedoch keinerlei Scheine beim Vercharterer vorlegen. Es kann aber niemals schaden, E-H Kurse von Zeit zu Zeit aufzufrischen.

      Häufigste Verletzungen an Bord sind Quetschungen aufgrund von Selbstüberschätzungen beim „Boot festhalten“. Beim Segelboot kommen zudem „starke Kopfschmerzen“ hinzu, sollte man beim Halsen den Kopf nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen ;-)
      (Segelboote werden übrigens auch nur an Leute mit Segelschein vermietet!)

      Beachtet man peinlichst alle Sicherheitsanweisungen, kann nichts schiefgehen.

      Tipp: Auch wenn es albern aussieht. In Schleusen legen wir immer Rettungswesten an!

      Knoooten? (Aua, meine Faust) Sie sollten auch schnell wieder aufgehen können. Der Link von Skipper erklärt sehr gut, wie es gemacht wird. Es macht aber tierisch Spaß, wenn man das Knoten machen lernt…

      Antworten

      1. Danke fuer eure Bootsurlaubtipps ;-)

        Noch eine Frage zu den Westen: Sind die bei Charterbooten an Bord oder muss ich diese mitbringen?

        Susanne

        Antworten

        1. Gerd Ziegler 26-06-2012 at 08:06

          Feststoffwesten, das sind die orange farbenen Styropor-Westen, liegen auf allen Booten bereit und gehören unbedingt zur Grundausstattung. Etwas unbequem, aber eine gute Lebensversicherung.
          Wer oft und viel auf dem Wasser unterwegs ist, kauft sich eine bequeme automatische Rettungsweste. Das sind die Dinger mit Gasdruckpatrone, die im Ernstfall die Rettungsweste aufbläht.

          Viel Spaß an Bord

          PS an Skipper: Wir haben für einen spannenden Nordmeer-Segeltörn (Norwegen bis Færøer) noch einen Platz frei…

          Antworten

          1. Apropos Grundausstattung und „Rettung“: Zur Bootsurlaub-Vorbereitung hier noch mein ultimativ-subjektiver Skippertipp:

            In den – ansonsten gar unbestritten wunderfeinen – Niederlanden wird totes Fleisch vom Tier ja bekanntermaßen mit Vorliebe bis zur Unkenntlichkeit püriert, mit allem möglichen und unmöglichen gemischt, dann in die verschiedensten Formen gepresst, sodann anschliessend bis zur völligen Geschmacklosigkeit frittiert und mit allerlei lustigen Namen bedacht.

            Daher lautet nunmehr der politisch völlig unkorrekte Ratschlag an alle zukünftigen, fleischverzehrenden Bootsurlauber in den Niederlanden:

            Unbedingt vorher in heimatlichen Gefilden die guten (und haltbar eingeschweißten) Produkte einkaufen und mit an Bord bringen. Beugt spontan auftretende Frustmomente und begleitende Gesichtsentgleisungen vor – insbesondere beim Betrachten mancher Fleischregale in den lokalen Albert-Heijn, Jumbo, C1000 und sonstigen Konsumtempeln.

            Ja, und nun schlagt und steinigt mich und lasst böse Worte auf mich fallen ;-)

            der SKIPPER

            Antworten

            1. bekanntermaßen …

              Oh ja?

              Wenn dir das Angebot nicht zusagt, würde ich empfehlen den Fleischkonsum auf niederländischen Gewässern einfach mal zurückzufahren ;-)

              Antworten

              1. Soso, Alex;-) Wenn der männlichen Spezies im Alter die „fleischliche Lust“ abhanden kommt, so bleibt allerdings die „Lust aufs Fleische“. Auch auf niederländischen Gewässern. ;-)

                der (noch fleischeslustige) SKIPPER

                PS: Gibt´s diese Wortspiel mit der „Fleischeslust“ eigentlich auch im niederländischen?

                Antworten

                1. Das gibt es: vleselijke lust

                  Antworten

  10. Gerd schrieb: „Auch wenn es albern aussieht. In Schleusen legen wir immer Rettungswesten an!“

    Yepp – Ich gehe sogar soweit, zu behaupten, dass man daran die wirklichen Boots(urlaub)-Profis erkennt!

    Mag wirklich lächerlich aussehen – aber wer ohne Weste in einen Strudel zwischen Boot und Schleusenwand gerät, der hat auch mit allen Seepferdchen-Scheinen ohne eine Weste kaum Chancen. Einfach für ´ne halbe Stunde die Weste an und gut ist. Aber erkläre das mal den Wochenend-Schülerpraktikanten auf der südlichen Maas, mit Hauptfach Singen und Klatschen… seufz. ;.-)

    der SKIPPER
    (Ein Leben ohne Motoryacht ist möglich, aber sinnlos.)

    Antworten

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  12. Moin moin,

    danke für den Beitrag. Ich mach derzeit den SBF Binnen und möchte mit Anhang kurz nach der Prüfung ne Kurzwoche nach Overijssel (bzw bei http://www.turfskip.com) ein (führerscheinfreies) Boot chartern. Nun hab ich gehört, dass für einen Deutschen im Ausland sein narionales Führerscheinrecht gilt. Also mit dem SBF Binnen darf ich Boote bis 15m über 5 PS auf entsprechenden Gewässern fahren. Nun sind ja in NL Boote unter 15 m und unter 20 km/h Vmax führerscheinfrei, gilt das sicher auch für Deutsche, auch aus versicherungstechnischer Sicht? Das frag ich nur aus Interesse und falls die Prüfung vor dem Urlaub in die Hose geht.

    Und mich würde interessieren ob es ein Buch oder Ratgeber gibt, der über die Anlegemöglichkeiten (Kosten, sanitäre Anlagen etc.) informiert, damit man sich ein paar Zwischenstopps einplanen kann.

    LG

    Antworten

    1. Hi Ben, ich kann Dir nicht helfen, aber vielleicht weiß es Skipper, der Autor dieses Beitrags.

      Antworten

    2. Hallo Ben,
      in Holland sind Boote, die kürzer als 15 Meter sind und die nicht schneller als 20 km/h fahren können, führerscheinfrei. Auch für Deutsche. Schau mal hier, wir haben die Regelungen für die Niederlande mal zusammengefasst:
      bootssaison.de – Bootfahren in Holland, Voraussetzungen & Vorschriften .
      Wenn ihr in Echtenerbrug bei Turfskip chartert, fahr ihr in einem sehr schönen Revier mit sehr vielen Anlegemöglichkeiten. In den Städtchen gibt es immer Passantenhäfen mit Preisen von um 1 Euro pro Meter Bootslänge (mal etwas mehr, mal etwas weniger), meistens mit sanitären Einrichtungen irgendwo im Dorf (die muss man eventuell auch erst suchen), ansonsten gibt es viele Jachthäfen, etwas teurer und häufig etwas bessere sanitäre Einrichtungen, aber dafür nicht so zentral. Besonders schön sind auch die freien Anlegeplätze in der Natur, ohne sanitäre Einrichtungen, dafür kostenlos und mitten in der Natur. Eine unserer Lieblingsstellen ist z.B. ganz in der Nähe von Turfskip, eine der Inseln im Tjeukemeer.
      In Friesland (nördlich von Echtenerbrug) und im Norden von Overijssel (bis runter nach Zwartsluis) gibt so viele schöne Liegeplätze, dass man praktisch einfach drauflosfahren kann und da bleibt wo es einem gefällt.

      Viel Erfolg beim SBF und viel Spass im Urlaub!

      LG
      Simone

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  13. Ute Mangel 11-08-2014 at 11:15

    Hallo, können Sie mir ein Boot empfehlen für 6 Person für eine Übernachtung? Eventuell können es 2 Übernachtungen werden.
    Vielen Dank, freundliche Grüße, Ute Mangel

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    1. Es tut mir leid Ute, aber dafür ist dieses Blog nicht unbedingt der richtige Ort. Eventuell weiß jemand im Deutsch-Niederländisch-Forum rat.

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  14. Die 2.5 Milliarden € Umsatz plus Steigerung im Charterverkehr gehen den Deutschen wieder mal verloren. Dank ihrer Regulierungswut und dem Vorschriftenwahn. Ich fahre seit 1992 Boot in Holland. Ohne Schein. Angefangen mit 8 m dann bald auf 13 m gesteigert.14,99 m erlaubt. Egal ob 150 oder 250 PS unter Deck. Man darf sowiso nicht rasen. Aber es macht auch so Laune, wenn der 165 PS Volvo Diesel im Untergeschoss brummelt. Der deutsche Kindergarten darf mit 15 PS rumtuckern. Man reist mit 300 PS an und muß auf 15 umsteigen. Niemals. Müritz- warum? Paar km weiter ist die Freiheit. Der Holländer nimmt das Geld gern. 2000-3500 € pro Woche. Der Schäuble rollt mit leeren Taschen davon. Von Europa mit einheitlichen Freiheiten weit entfernt. Das Einzige bist jetzt, ist das Geld, was immer weniger wert wird. Geschwindigkeiten, Steuern, Preise, Spritpreise, Mieten, Boot fahren, nichts ist einheitlich geregelt. Ach ja, die Gurke mit ihrer Krümmung. Reguliert von der „Gurkentruppe“ Brüssel. Mein Lebensabendland heisst Holland. Nun muß ich den Schein auch nicht mehr machen. Nach 25 Jahren Praxis? Weg von den deutschen Vorsagern, Bestimmern, Regulierern. Ahoiiiiiiiiiiiiiiii

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