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Unverkäufliche Monster

Von Monstern halte man sich lieber fern – zumindest, wenn man ihnen in Albträumen, Märchen oder Filmen begegnet. Vor allem die deutschen Vertreter der Gattung, wie der legendäre Lindwurm, aber auch die eher unsympathischen Kobolde, können einem ganz schön auf den Geist gehen. Und Frankenstein kam zwar aus der Schweiz, schuf sein Monster aber während der Studienzeit im deutschen Ingolstadt.

Monster

Auf niederländische Monster trifft man vergleichsweise selten. Auch diese sind jedoch durchaus ernst zu nehmen, wie es zum Beispiel Paul van Loon in seiner Kinderbuchreihe De Griezelbus anschaulich darstellt. Die Serie ist unter dem Titel Der Gruselbus auch in einer deutschen Übersetzung erhältlich.

Monster ohne Wert

In den Niederlanden gibt es jedoch noch eine andere – harmlosere – Sorte von Monstern, die viel weiter verbreitet ist. Diese Spezies nennt man monster zonder waarde. Sie kommt zum Beispiel bei einem Einkauf in der Drogerie an der Kasse zum Vorschein. Der etwas lieblos klingende Name wird ihnen eigentlich nicht gerecht, denn die meisten Menschen finden Gefallen an ihnen. In Deutschland kennt man sie als unverkäufliche Muster oder kostenlose Warenproben.

Und dann sind da noch die zahlreichen bodemmonsters, veenmonsters, luchtmonsters und watermonsters in Feld, Wald und Flur sowie verborgen unter Wasseroberflächen. Wie sehr sie auch nach Ungetier klingen mögen: sie tun einem genauso wenig Gewalt an wie ihre deutschen Cousins, die Boden-, Moor-, Luft- und Wasserproben.

Dreierlei Monster

Während niederländische Monster also vielerlei Gestalt annehmen können, sind ihre deutschen Pendants nicht ganz so flexibel. Hier braucht man drei verschiedene Wörter um die genaue Sorte zu bezeichnen. In den Bedeutungen Warenmuster und Probe zeigt sich das niederländische Monster als falscher Freund.

Ab und zu trifft man im Niederländischen auch auf das Wort specimen, das ebenfalls ein Muster oder eine Probe bezeichnet. Genauso wie das deutsche Spezimen benutzt man es jedoch hauptsächlich in der Biologie und der Medizin sowie für Banknotenmuster.

Monster auf einen Blick

Niederländisch Deutsch
het monster (gedrocht) das Monster (Ungetüm)
de monsters die Monster
monster zonder waarde Warenmuster/Muster ohne Wert/unverkäufliches Muster, Probe
shampoo-monster Shampoo-Probe
bodemmonster Bodenprobe
watermonster Wasserprobe

Der Ort Monster

Zum guten Schluss gibt es in den Niederlanden auch einen Ort namens Monster. Er liegt direkt an der Nordsee in der Provinz Südholland, etwas südwestlich von Den Haag.

26 Kommentare

  1. Also, ich verstehe es richtig, daß dieses niederländische „monster“ i.S.v. „Probe“ etymologisch mit dem deutschen „Muster“ zusammenhängt, oder wie jetzt?

    • Ja, die beiden Wörter sind etymologisch verwandt. Das deutsche Wort Muster und das niederländische monster in der Bedeutung Muster/Beispiel sind beide vom lateinischen Verb monstrare (zeigen) abgeleitet und über das Altfranzösische ins Deutsche und Niederländische übernommen.

      Monstrare wiederum geht zurück auf das Verb monere, das aufmerksam machen auf/warnen/mahnen bedeutet. Das lateinische Substantiv Monstrum (Warnung, Vorzeichen, Wunderzeichen –> Wunderwesen –> Ungeheuer) kommt von diesem Verb. Auch in dieser Bedeutung gelangte es über das französische monstre ins (frühe) Deutsch und Niederländisch.

      • Jäp, danke, Alex, nachgeschlagen zu haben! :-)

        Es ist dann ja wirklich ein Wort mit einer Karriere: Von der Monstranz der katholischen Ritus bis hin zu Parfum-Fläschchen und dem Krümelmonster. :-) (Nicht zu reden von seiner fortdauernden Verwendung als „zeigen“ in den romanischen Sprachen… Öm, zumindest im Französischen…)

  2. Das ist ja beinahe unglaublich!!! In Holland ist ein gestandenes Monster also wirklich nix wert. Wie kann man denn Nessie, das gruselige „Watermonster“, in eine harmlose „Wasserprobe“ verwandeln?? Das kommt ja fast einer Demontage gleich.
    Alex, dir ist schon klar, dass Du jetzt einen Artikel über niederländische Monster (gedrocht…. pah!) und Schreckgestalten nachschieben musst…

    • Hmm, so spontan fallen mir wirklich keine niederländischen Monster ein. Vielleicht hat jemand von den niederländischen Lesern und Leserinnen einen Tipp?

      Wir kennen eigentlich nur die ausländischen Berühmtheiten wie Nessie und der gilt tatsächlich auch in NL als leibhaftiges watermonster.

  3. Im Spanischen gibt es für die Warenprobe „la muestra“ und für das Monster „el monstruo“ (Nessie ist dann „el monstruo del lago Ness).

    Da funktioniert die Ableitung aus dem Lateinischen auch – Kunststück, ist ja auch eine romanische Sprache. (lach!)

    Aber immer wieder spannend, was Du so ausgräbst.

    Veel groetjes

    • Danke Francisco, so wird dieser Beitrag wieder richtig international :-)

  4. Ach so, Nessie nennt man dann doch „Watermonster“. Na, das beruhigt mich jetzt wieder ;-)

    Griezelige Groetjes

  5. Ergänzung: Ich meinte auch nicht, dass Du über Monster aus den NL schreiben sollst, sondern über Grusel- und Schreckgestalten-Vokabular. Was sagen Niederländer zu Gespenstern, Monstern, Gruselfilmen, wenn sie sich fürchten, Mumien, Gruselkabinett…sowas alles. War aber nur eine Idee, weil das würde gut passen. So nach dem Motto: Wenn Monster schon keine sind, wie sagt man dann als Niederländer dazu? Ich fänds jedenfalls interessant.

    • Aha, die Idee finde ich super. Ich behalte das mal im Hinterkopf …

  6. Nicole Nicole

    ja, ich fände das auch interessant! Denn ich habe mich beim Lesen auch schon gefragt, was die Niederländer denn für gruselige Ausdrücke haben;-) Watermonster hören sich ja eher harmlos an…

  7. Huldra Huldra

    Ein kleiner Artikel über „spookjes en sprookjes“ fände ich auch interessant! Meine Vermutung wäre ja, dass es alles gar nicht so gruselig klingt im Niederländischen.
    So spontan fallen mir aber in der Tat keine niederländischen Monster oder Schreckgestalten ein … auch irgendwie bezeichnend, oder?

    • Hallo Nicole und Huldra,
      ich werde mir mal ein paar Gedanken dazu machen. Da lässt sich bestimmt was machen. Sprookjes en spookjes als Titel gefällt mir jedenfalls gut ;-)

      • Huldra Huldra

        Darfst Du gern verwenden! ;-)

  8. @Huldra: Hihi, „spookjes“ klingt ja schon goldig…und überhaupt nicht gruselig. Ich bin gespannt, was Du ausgräbst, Alex.

    • Spookjes (Diminutiv) sind in der Tat recht niedlich; vor denen braucht man keine Angst zu haben. Spoken hingegen sind schon ein anderes Kaliber …

  9. Huldra Huldra

    Es passt nicht zwingend in diese Diskussion, aber wohl zum Thema „gruselig“.
    Mich schaudert es übrigens immer beim niederländischen Sprichwort „aan iets een broertje dood hebben“ (übersetzt etwa „Eine Sache sehr unangenehm finden“; „etwas verabscheuen“).
    Das ist so plastisch, und auch recht drastisch, wie ich finde…

    • Die Redewendung aan iets een broertje dood hebben kommt tatsächlich aus einer Zeit, in der man häufiger mal ein Familienmitglied an einer Krankheit verlor… Für die Hinterbliebenen war das natürlich ein traumatisches Erlebnis.

      Übrigens gibt es den Ausdruck auch im Friesischen:

      Dêr ha’k in broer oan forlern (Das tue ich nur sehr widerwillig)

  10. tinie tinie

    heel lang geleden stond op de „Warenproben“ vaak – ‚gratis monster, niet te verkloppen‘. al verstond ik toen geen nederlands, dit zinnetje begreep ik wèl…en vond ik het ontzettend leuk…

    • Dat moet in Duitse oren inderdaad wel heel vreemd hebben geklonken ;-)
      Stond er trouwens echt „niet te verkoppen“ of bedoel je „niet (om) te verkopen“?

  11. tinie tinie

    er stond echt „niet te verkloppen“… het zal wel in de jaren 70 zijn geweest, en ik was toen één jaar of tien. ik was altijd blij dat dit buitenlandse monstertje niet mocht worden „verklopt“…

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