Typisch deutsche Wörter

Deutsch ist allgemein bekannt als eine Dichter- und Denkersprache. Weltschmerz, Angst, Schadenfreude – diesen begegnet man bis weit über die Landesgrenzen hinaus. Aber auch eher bodenständige Begriffe wie Schnapps, Wurst und Muesli haben es in die weite Welt geschafft. Für mich als Nicht-Deutsche in Deutschland gibt es jedoch noch ganz andere Wörter, die ich als „typisch Deutsch“ kennzeichnen [ … ]

Zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2017

Welche Wörter – insbesondere Substantive – verbinde ich als Niederländerin mit Deutschland?

Endlich Feierabend!

Deutsch ist allgemein bekannt als eine Dichter- und Denkersprache. Weltschmerz, Angst, Schadenfreude – diesen begegnet man bis weit über die Landesgrenzen hinaus. Aber auch eher bodenständige Begriffe wie Schnapps, Wurst und Muesli haben es in die weite Welt geschafft.

In meiner Muttersprache, dem Niederländischen, sind zum Beispiel fingerspitzengefühl und salonfähig fester Bestandteil der Alltagssprache. Gleiches gilt für die beiden Adverbien überhaupt und sowieso, die besonders beliebt sind.

Für mich als Nicht-Deutsche in Deutschland gibt es jedoch noch ganz andere Wörter, die ich als „typisch Deutsch“ kennzeichnen würde. Hier meine Top 5:

1. Prophylaxe

Ich habe nie verstanden, wieso sich für so etwas alltägliches eine so exotische Bezeichnung durchgesetzt hat. Prophylaxe steht im Prinzip für alle Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Krankheiten dienen. Es wird besonders für Kontroll- oder Vorsorgetermine beim Arzt verwendet. Vor allem wenn man zum Zahnarzt geht, kommt man um die Prophylaxe nicht herum. Auf Niederländisch würde man hier meist controle sagen:

Kommen Sie zur Prophylaxe?
Komt u voor controle?

2. Leistung

Leistung – des Deutschen Lieblingswort? 94.600.000 Ergebnisse spuckt mir Google aus, wenn ich der Suchmaschine dieses Wort in den Schlund werfe. Das ist mehr als Fußball (66.500.000 Treffer) oder Auto kaufen (87.400.000). Auf der Dudenschen Häufigkeitsskala erzielt Leistung 4 von 5 Punkten.

Leistung erzielt 4 von 5 Punkten auf der Häufigkeitsskala von DudenEs kann für so ziemlich alles stehen, was in irgendeiner Weise mit Arbeit, Arbeitskraft, Arbeitsergebnissen und sonstigen – auch finanziellen – Anstrengungen zu tun hat. Trotz – oder vermutlich eher gerade wegen – des etwas diffusen Charakters erfreut sich das Wort Leistung also einer enormen Popularität.

In vielen Fällen wird Leistung auch als Kurzform von Dienstleistung verwendet. Es ist nicht immer einfach, im Niederländischen ein passendes Pendant zu finden. Je nach Kontext kommen zum Beispiel prestatie, dienst, dienstverlening, vermorgen, capaciteit, uitkering und verrichting als Übersetzung in Frage.

die Dienstleistung –> de dienst, de diensverlening
leistungsberechtigt –> uitkeringsgerechtigd
leistungsfähig –> sterk, productief, krachtig, met groot vermogen (Maschinen)
die Leistungskompetenz –> het prestatievermogen
der Leistungskurs –> ≈ eindexamenvak (gibt es so nicht im Niederländischen)
Leistungsdruck –> de prestatiedruk, de prestatiedwang
Leistungsnachweis –> het bewijs over een geleverde (studie-)prestatie
Leistungsträger –> de dienstverlener, de uitkerende instantie, degene die het werk doet
die Nennleistung –> het nominaal vermogen (Maschinen)

3. Träger

Auch Träger ist ein Wort, das viele Bedeutungen hat. Einige davon erschließen sich für Nicht-Deutsche nicht sofort. Neben der Grundbedeutung – jemand/etwas, der/das etwas trägt – gibt es nämlich auch einige eher abstrakte Anwendungsfälle.

der Gepäckträger (Fahrrad) –> de bagagedrager
der Dachgepäckträger –> het imperiaal
der Spaghettiträger –> het spaghettibandje

der Bildungsträger –> de onderwijsinstelling
der Leistungsträger –> siehe oben bei Leistung
der Überweisungsträger –> de overschrijvingskaart, het overschrijvingsformulier

4. Datenschutz

Alle reden in Deutschland über Datenschutz. Schade nur, dass jeder unter diesem Begriff etwas anderes versteht. Das fängt schon bei der Frage an, was nun eigentlich vor wem geschützt werden soll. Der Bürger vor der Sammelwut von Unternehmen? Oder der Rechtsstaat gegen die Übergriffigkeit von Behörden, Geheimdiensten und anderen staatlichen Institutionen?

Bezogen auf den Schutz von personenbezogenen Daten lässt sich Datenschutz mit privacybescherming übersetzen. Die obligatorischen Datenschutzerklärungen auf Websites findet man meist unter der Bezeichnung Privacyverklaring oder einfach nur Privacy.

5. Feierabend

Für das Ende des Arbeitstags und die anschließende Freizeit am Abend haben die Niederländer kein eigenes Wort zur Verfügung. Wer in den Niederlanden also ein gepflegtes Feierabendbier genießen möchte, trinkt einfach een biertje na het werk.

Die ursprüngliche Bedeutung des mittelhochdeutschen Wortes vîr-âbent  war der Vorabend eines Feiertags.

Feierabend haben –> klaar zijn met werken
nach Feierabend –> na het werk

Das waren fünf Wörter, die ich spontan mit Deutschland verbinde. Welche Wörter findet Ihr typisch deutsch?


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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du fast 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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    1. waste separation kenne ich aber auch aus den USA.

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      1. Afvalscheiding gibt es in den Niederlanden auch, aber nur in Deutschland hat man es zur Wissenschaft erhoben ;-)

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        1. Das stimmt natürlich, hat aber eher mit der Gesellschaft in Deutschland zu tun und weniger mit der deutschen Sprache, die ja keineswegs auf Deutschland beschränkt, sondern z. B. auch eine der Nationalsprachen Namibias und Amtssprache in einigen Gemeinden Südbrasiliens ist.

          Oder andersherum: Deutsche sorbischer, dänischer oder friesischer Zunge sind meines Wissens nicht weniger pedantisch als ihre Mitbürger, deren Muttersprache das Deutsche ist.

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  1. Meine fünf typisch deutschen Substantive sind Ansatz, Zug, Stelle, Stellung und natürlich die von dir schon genannte Leistung.

    Ich gehöre übrigens noch zur Generation, die zur Vorsorgeuntersuchung geht, nicht zur Prophylaxe.

    Das mit dem Abend als Vorabend – wie auch in Halloween oder Chirstmas Eve – ist wohl eine kulturgeschichtlich irrige nachträgliche Interpretation. Wie heute noch für Juden und Muslime beginnt bei wirklich bibeltreuen Christen der neue Tag mit dem Sonnenuntergang, das ergibt sich schon aus dem Bericht von der Erschaffung der Welt. („Und es wurde Abend und es wurde Morgen: erster [zweiter usw.] Tag.“) Der Abend liegt also nicht davor, sondern ist der Beginn, der schon dazugehört.

    Nebenbei: eine wirklich schöne Liste, die du da aufgestellt hast.

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  2. Gar keine Frage: Kreislauf und Kreislaufbeschwerden. Weiß immer noch nicht so recht was die beiden bedeuten. Klar, wir Holländer haben einen bloedsomloop, aber der ist eigentlich durchaus unproblematisch.. Kann also nicht dasselbe sein.

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    1. bloedsomloop oder circulatie (Kreislauf) und circulatieklachten (Kreislaufbeschwerden)
      sind, wenigstens unter Ärzten, ganz normale Wörter.

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  3. O ja, der berüchtigte deutsche Kreislauf. Der ist einen eigenen Artikel wert. Ich habe ihn auf die Liste gesetzt.

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    1. Kreislaufbeschwerden scheinen in den Niederlanden tatsächlich ein Fremdwort zu sein; im Mordsgouda-Buch stand auch so etwas Ähnliches. Das kommt vielleicht daher, daß ihr so viel Fahrrad fahrt; dabei wird der Kreislauf natürlich trainiert. Wer dagegen den ganzen Tag im Büro sitzt und die Freizeit überwiegend auf dem Sofa verbringt, wird eher mal Probleme mit dem Kreislauf kriegen ;-).

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      1. In der Tat, nur Deutsche (und vielleicht Österreicher und Schweizer?) haben einen Kreislauf. Die K.-Beschwerden haben vielleicht mit dem Bio-Wetter zu tun, das es auch nur in Deutschland gibt. Oder mit dem zweiten Stück Kuchen, das in Holland fast Tabu ist.

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  4. Also, ich geh zweimal im Jahr zum Zahnarzt zur Kontrolle. Einmal im Jahr lass ich „Prophylaxe“ machen.
    Kontrolle ist Ankucken. Prophylaxe ist zum Beispiel Zahnstein entfernen, jedenfalls eine Art Behandlung.

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  5. Ein ausschließlich deutsches Wort ist auch der sog. Hexenschuss. Ein wirklich netter bildlicher Ausdruck. So etwas finde ich besonders schön bei Sprachen. Das gibt es meines Wissens nach in keiner anderen europäischen Sprache um einen eingeklemmten Ischiasnerv zu beschreiben. In den Niederlanden sagt man hierzu spit, verschot oder auch lumbago, wie es eigentlich medizinisch (lat.) korrekt lautet.

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    1. Michael, dieses „ausschließlich“ deutsche Wort gibt es genauso im Italienischen. colpo della strega heißt wörtlich „Schuss der Hexe“ und ist ebenfalls der übliche Ausdruck für Lumbago. Auch das Altenglische hægtessan bedeutet nichts anderes und ist viel früher belegt als das deutsch Wort.

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      1. Wieder was gelernt. Ich dachte tatsächlich, dass gäbe es nur im Deutschen. Aber Altenglisch ist doch mehr etwas für Wikinger, bzw. Angelsachsen die freudig Beowulf lesen…

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        1. Dass natürlich nur mit „s“in diesem Fall…

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        2. Das ja, aber italienischsprachige Weltgegenden sind doch noch immer eine Reise wert, oder etwa nicht?

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          1. Auf jeden Fall!

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  6. Mittagessen, Kaffeetrinken, heilig Abend…
    sinds ik met een Duitser getrouwd ben (en een Duitse schoonmoeder heb – inmiddels al meer dan 20 jaar:-) zijn dat voor mij DE typisch Duitse woorden.
    Ook al lunchen de Nederlanders vrijwel dagelijks en drinken ze maar al te graag een kopje koffie, het is gewoon niet hetzelfde;-)

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  7. Für mich wäre das wohl „Heimat“. Nicht nur, weil ich in meinen Amsterdamer Jahren erstmals begriff, welcher komplexe Gefühlscocktail sich dahinter verbirgt, sondern auch, weil es dafür im Niederländischen keine wirkliche Entsprechung gibt.

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    1. Thuis komen? Jedes Mal wenn ich ins Bocketal fuhr, hätte ich das Gefühl ‚thuis te komen‘.

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      1. Der Begriff Heimat umfasst für mich mehr als nur der Landstrich oder der Ort, aus dem ich stamme. Man kann sich, um ein Beispiel zu geben, auch in (s)einer Sprache „beheimatet“ fühlen, das hat für mich eine weiter gefasste Bedeutung als „sich zu Hause“ fühlen.

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        1. Mir geht’s genauso Katrin, auch für mich sind das zwei Paar Schuh’.

          Das merke ich besonders bei der Verneinung: heimatlos bedeutet eher entwurzelt und orientierungslos als obdachlos wie das Englische homeless.

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  8. Was zu denken von „Autobahn“ , bzw. alle zusammengestellten Wörter mit dem Begriff „Bahn“ wie Straßen- oder Eisenbahn, Bahnfahren, u.ä ?

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  9. Deutsch ist auch praktisch: z.B. ‚Rechner‘. Taschenrechner, Klapprechner. Und humoristisch: Klappkarabik für Sonnenbank.

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    1. Ja, da gibt es auch so nette Sachen wie Warmduscher oder Schattenparker und Turnbeutelvergesser. Wobei es fraglich ist, ob diese Worte in 20 Jahren noch als fester Bestandteil der deutschen Sprache gesehen werden können.

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    2. @ King Billy: Und nicht zu vergessen: den Urlaub auf Balkonien.

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  10. Ich habe zu dem Wort HEIMAT ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Für mich ist Heimat der Ort wo ich lebe, meinen Lebensmittelpunkt habe. Sie kann wechseln. Ich hatte z.B. über 30 Jahre meine Heimat in der Kurpfalz (Mannheim) und seit 2 Jahren nun am Bodensee. Klar, man kann statt Heimat auch das Wort ZUHAUSE verwenden, hat für mich aber nicht d i e Aussagekraft. Die Niederlande, wo ich geboren und großgezogen wurde ist mein VATERLAND.

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    1. Auch ich habe zur Heimat ein zwiespältiges Verhältnis, wennschon in einem ganz anderen Sinn.
      Vater- und Reisepassland sind die Niederlande, weil meine Eltern von dorther stammen, aber meine Heimatstadt ist unbedingt Antwerpen, wo ich aufgewachsen bin, bei den Pfadfindern war und die Matura machte. Das wird sich auch nach dreißigjährigem Aufenthalt im Vaterland nicht ändern.

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      1. Das mit der Heimat habe ich für mich so gelöst: Die Stadt in Bayern, in der ich aufgewachsen bin und wo ich immer noch Familie und Freunde habe, ist meine „alte Heimat“. Die niederländische Stadt, in der ich seit mehr als 15 Jahren lebe und mich sehr wohl fühle, ist meine „Wahlheimat“. Ich weiß allerdings nicht, wie ich es nennen werde, wenn es mich nochmal ganz woandershin verschlagen sollte. ;)

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  11. Mijn voorkeurslijstje:
    der Küchenfreund, in de betekenis bakspatel;
    der Schwiegerschwager, omdat het Duits de enige Germaanse taal is die een woord heeft voor ipar besan (Maleis);
    die Wollmaus, de stofvlok;
    die Hofratsecken, zoveel vriendelijker dan kalende slapen;
    beobachten, omdat mijn hoogleraar oogheelkunde ons aanspoorde ook de ‚Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde‘ te lezen, en wel met deze worden: ‚Duitse medische literatuur kun je lezen zodra je erachter bent wat ‚beobachten‘ betekent.
    En tenslotte, tot nu toe ongeslagen:
    die eierlegende Wollmilchsau, omdat die zoveel nuttiger – en produktiever – is dan een schaap met vijf poten.

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  12. Typisch Deutsch ist auch das Wort „Geschwister“, obwohl es eigentlich typisch Niederländisch ist daß wir dafür keinen Wort haben. In English ist es „Siblings“ und andere Sprachen haben für „Geschwister“ auch ein Wort!

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  13. Danke Euch für die schönen Ergänzungen!

    @Jan, statt „Hofratsecken“ kenne ich „Geheimratsecken“, aber das klingt doch etwas gruselig …

    @Tiny, stimmt. Viele andere Sprachen haben dafür ein Wort. Im Niederländischen fehlt es bislang, obwohl die Neuschöpfung brussen sich eventuell durchsetzen könnte.

    Antworten

    1. Ich weiß nicht.
      Einem Kind zu sagen: Du bekommst bald ein Geschwisterchen ist vollkommen angemessen, da ist das Wort echt praktisch. Aber einen entsprechenden niederländischen Satz mit brus oder brusje kann ich mir einfach nicht vorstellen. Meinem ganz subjektiven Empfinden nach ist das nix für Kinder. Andere mögen da anders fühlen.
      Bei diesem Satz hätte ich übrigens auch im Englischen Skrupel, sib oder sibling zu benutzen. Das klingt mir irgendwie zu technisch.

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    2. @alex,
      Ich kenne aus Österreich nur Hofratsecken, obwohl es in der alten Monarchie vielleicht mehr Geheimräte gegeben hat als in Deutschland. Vielleicht hat dies mit der Aufhebung der Adelstitel in der Republik der Nachkriegszeit zu tun. Obwohl … ein Hof hat es eh auch nicht mehr gegeben.

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    3. @ Alex, ich finde brussen wirklich schrecklich als neues NL Wort für „Geschwister“ und dann lieber das alt Niederländische Wort „Gesuster“ was wahrscheinlich zwischen 1200-1500 in die Niederlände genutzt wurde.

      Antworten

      1. @Tiny:
        Wenn ich nach gezusters google, kriege ich zehntausende Treffer. Das Wort scheint aber im Sinne von „Gesamtheit der Schwestern“ verwendet zu werden. Ein Wort in dieser Bedeutung – der Gegensatz zu Gebrüder – fehlt dem Deutschen.
        Und ja: brussen ist schrecklich! Aber andererseits: Gewohnheit führt die Menschen oft zu ungeahnten Neubewertungen.

        Antworten

        1. Korrektur: zehntausende → zigtausend (klingt deutscher, finde ich).

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        2. @ Charly, Gezusters ist tatsächlich die gesamtheit der Schwestern. Bei Gesuster geht es um die Schwestern und Bruder.

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          1. @Tiny:
            Im Middelnederlandsch Woordenboek finde ich unter gesuster keinen Hinweis darauf, dass das Wort etwas anderes bedeutet hätte, als das moderne gezuster. Es wird lediglich erwähnt, dass die entsprechende (neu-)hochdeutsche Form geschwister die Bedeutung „broeder en zuster“ hat. Kennst du vielleicht eine zuverlässige Quelle (einen alten Text), wo sich das Wort eindeutig auf Brüder und Schwestern bezieht? Oder ist der Bedeutungswandel möglicherweise nur eine Legende, wofür auch die moderne Bedeutung von gezuster spricht, die ja immer noch dieselbe ist wie die angelsächsische und frühere hoch- und niederdeutsche?

            Ist dein werter Name friesisch?

            Antworten

            1. @Charlie, anbei die Quelle
              http://www.nrc.nl/boeken/2011/10/04/voor-nieuwe-woorden-is-het-niet-te-laat/

              Ich weiß nicht ob meine Name Friesisch ist…denke nicht weil es einen „Moderne“ Name ist die nicht Uralt ist. Tiny kommt oft von Trijntje und die Name ist echt Friesisch aber da sind auch Frauen im Süden von die Niederlände die auch Tiny heißen und dort ist es einen moderne Variante von einen andere alte Name.

              Antworten

              1. @Tiny:
                danke für den Link. Darin zitiert Nicoline van der Sijs genau wie ich auch nur das MNW. Es kann sich dabei eigentlich nur um die Einträge gesuster und ghesustere handeln. Wenn du dir die anschaust und entweder oben am Bildschirm bei citaten ein Häkchen ☑ machst oder links unten den Pfeil ↪ anklickst, siehst du die Quellen.

                Das erste, was mir aufgefallen ist: alle Beispiele sind aus dem Süden, aus Brabant und den flandrischen Provinzen. Das bestätigt auch diese Karte.

                Das zweite: es fällt mir zwar sehr schwer, das zu entziffern, aber wenn ich berücksichtige, dass u manchmal für v stehen konnte und ich ein bisschen mit der Länge der Vokale spiele, komme ich doch halbwegs zurecht. Allein: ich finde kein Beispiel, das mir zeigt, dass diese Wörter für Schwester und Brüder zusammen gebraucht wurden. Hingegen sind Sätze darunter, in denen klar ist, dass nur Schwestern gemeint sind (insbesondere: “Si waren ghebroeder ende ghesuster kinder” — “marie ende lisebette ghesustren” — “beatricen, mabelien ende heylsoeten ghezusterre”).
                In deinem Link redet Frau van der Sijs ja eigentlich auch nur von Zitaten, die “misschien duiden op het bestaan van het woord”. Ja: misschien. Oder auch nicht, weil meistens unklar ist, welche Personen g(h)esuter(e) gemannt werden. Einen Beleg für Frau van der Sijs’ Spekulation scheint es nicht zu geben, obwohl es andersherum einige Sätze gibt, in denen Brüder nicht mitgemeint sein können.

                Warum sollten Leute im Süden keine friesischen Namen tragen? Wem ein Name gefällt, fragt doch nicht danach, ob der aus Leeuwaarden, Paris oder Tokyo kommt, oder?

                Außerdem hast du mich an unser Trijntje erinnert, von dem ich länger nichts mehr gelesen zu haben meine. (Der deutsche Name Trine kommt übrigens von Katharina, aber heutzutage bedeutet Trine auch „Tunte, extrem femininer Schwuler“, und vielleicht ist das einer der Gründe, warum niemand mehr sein Kind so nennt.)

                Antworten

                1. Charlie, wie interessant ich das Thema auch finde, wir schweifen ab …

                  Antworten

                  1. Hatten wir schon Gründlichkeit?

                    Antworten

                    1. Das ist in der Tat auch ein Wort, dass für viele typisch Deutsch sein dürfte. Manchmal taucht es auch in niederländischen Texten auf: Duitse Gründlichkeit.

        3. Ich habe keine Probleme mit dem Kunstwort brus. Es steht auch schon in meinem elektronischen Van-Dale-Wörterbuch aus 2006.

          Interessanterweise finde ich im Internet für dieses Wort auffällig viele Verweise zu Seiten, auf denen es speziell um die Geschwister eines Kindes mit Behinderung geht. Damit bekommt es eine Zusatzbedeutung, bzw. sogar eine neue Bedeutung, die im Wörterbuch nicht zu finden ist.

          Jetzt aber zurück zu den typisch *deutschen* Wörtern :-)

          Antworten

  14. Wie so mancher andere Titel wird laut Duden (Universalwörterbuch; digitale Ausgabe 2003) das Wort Hofrat in Österreich ja auch noch gebraucht, ist aber andernorts aus der Mode gekommen:
    Hofrat, der: 1. (veraltend, noch österr.) a) einem verdienten Beamten verliehener Ehrentitel; b) Träger des Titels Hofrat (1 a).

    Antworten

    1. Das ist jetzt völlig off-topic, aber mir gefällt Dein neues Profilbild, Charlie ;-)

      Antworten

      1. Danke schön. Ohne deinen Hinweis hätte ich gar nicht gemerkt, dass das hier zu sehen ist. Hängt damit zusammen, dass ich seit gestern Blogger bin. Über Mythen.

        Antworten

        1. Dann werde ich doch gleich mal schauen.

          Antworten

  15. Das Wort Schultüte gehört vielleicht auch noch in der Liste.

    Antworten

    1. Oh ja, sehr schön und absolut deutsch :-)

      Antworten

  16. …habt ihr den Eierschalensollbruchstellenverursacher schon? :-)) Den habe ich, als ich in 1989 nach Deutschland gezogen bin, kennengelernt. Das erste Exemplar ist leider kaputt gegangen. Vor einigen Wochen habe ich nun einen neuen E. gekauft. Auf der Verpackung steht die englische Übersetzung „eggshellbreakingandperforatingdevice“. Ist aber überhaupt nicht das Gleiche, finde ich. Herzlichen Gruß!

    Antworten

    1. Wow!

      In dem Teil meiner Familie, der kein Deutsch spricht, ist Krankenversicherungsnachweis das immer wieder ungläubig zitierte Beispiel für die überlangen deutschen Wörter, und es wird behauptet, antidisestablishmentarianism sei das längste (aber von niemandem benutzte) englische Wort. Ich bin gespannt, wie man auf eggshellbreakingandperforatingdevice für einen Alltagsgegenstand reagieren wird! … Wahrscheinlich werde ich bloß auf mangelnde Rechtschreibfähigkeiten des Begriffsschöpfers hingewiesen.

      Wenn es hier eine Abstimmung gäbe – was ich übrigens toll fänd’ –, bekäme Schultüte meine Stimme. Einfach genial und so sehr im Wesen des Deutschen verankert, dass Minderbemittelte auf Antrag behördliche Leistungen erhalten, um ihrem Kind auch ein anständiges Exemplar kaufen zu können.

      Antworten

      1. Unterirdischeschlechtauswendiglernendeschauspielergedächtnisvorhersager ist noch länger!

        Antworten

        1. Im Gegensatz zu einem Krankenversicherungsnachweis wurde noch nie von einem meiner Verwandten bei seiner Einreise in Deutschland ein Unterirdischeschlechtauswendiglernendeschauspielergedächtnisvorhersager
          abverlangt.

          Antworten

    2. Dieses Ding nennt man auch kurzerhand Eipick. Übrigens fällt mir in diesem Zusammenhang noch die „Jahresendflügelfigur“ ein; so wurde zu DDR-Zeiten der Weihnachtsengel bezeichnet (es ist ja bald wieder Weihnachten).

      Antworten

      1. Bald? Es dauert noch 3½ Monate bis zu Newtons Geburtstag am 25. Dezember!

        Antworten

        1. Ich sprach von Weihnachten, das ist in Deutschland am 24. Dezember. Und was sind schon dreieinhalb Monate, das ist doch so gut wie nichts. Du wirst sehen, wie schnell die rum sind ;-). In manchen Geschäften kann man jetzt schon wieder Schokoladenweihnachtsmänner sehen – ist das nicht auch ein typisch deutsches Wort? In den Niederlanden gibt es ja keinen Weihnachtsmann.

          Antworten

          1. Kauf dir einen deutschen Kalender! Der erste Weihnachtsfeiertag fällt auf Newtonmas.

            Antworten

            1. Kauf dir selber einen deutschen Kalender, ich habe nämlich einen. Und Weihnachten beginnt bei uns am Heiligabend, auch, wenn das kein Feiertag ist, aber an diesem Abend gibt es die Geschenke.

              Antworten

              1. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Weihnachten in Deutschland einen ganzen Monat dauert, und dass die Deutschen, wenn der Sommer schwache Momente zeigt oder sie in einem Jahr mal wieder „gar keinen Sommer“ haben, am liebsten gleich Weihnachten hätten.

                Antworten

  17. Einzelgänger ist auch typisch Deutsch aber auch Dirndl, Glühwein, Heilpraktiker und Schwächeanfall. Donnerwetter finde ich auch typisch Deutsch.

    Antworten

    1. Ojee, vergessen…Quatsch naturlich auch..nutze ich oft wenn ich Niederländisch spreche :-) Und Polterabend kennen wir auch nicht in die Niederlände.
      Rutsch im Sinne „einen guten Rusch ins Neujahr“ kennen wir auch nicht.

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    2. Dirndl sind in etwa so typisch deutsch, wie das carnaval typisch niederländisch ist. Beides gibt es zwar in Randgebieten, aber viel flächendeckender in Nachbarstaaten.

      Antworten

      1. Carnaval wird in den Niederlanden (gottseidank …) keineswegs flächendeckend gefeiert.

        Antworten

        1. Und Dirndl werden in Deutschland (gottseidank …) nur in einem Teil von Bayern getragen.

          Antworten

      2. @ Charly, Carnaval ist nicht typisch Niederländisch und ist typisch „Rooms Katholiek“ und wird auch in Deutschland, Rio de Janeiro unsw. gefeiert.

        @Alex, hast recht…carnaval wird hauptsächlich nur unter die „grote rivieren“ in NL gefeiert.

        Antworten

        1. Tiny, ich weiß. Ich wohne ja selbst in der Stadt, die wegen dieses Fests einmal im Jahr zur Stadt mit den zweitmeisten Einwohnern Deutschlands wird.
          Was ich sagen wollte: In Österreich und im italienischen Südtirol findet man fast überall Dirndl, aber in Deutschland fast nirgendwo.

          Antworten

          1. Das stimmt aber es bleibt ein typisch Deutsch Wort. Feierst du auch mit beim „Oktoberfest“? Ist ja auch ein typisch Deutsch Wort und kennen wir in NL auch nicht. Auch der Maßkrug ist ein typisch Deutsch Wort.

            Antworten

            1. Nein, das feiere ich bestimmt nicht. — Das Wort Oktoberfest ist in einer ganzen Reihe von Sprachen geläufig, so auch im Englischen. In den USA gibt es ja sowieso zu jedem Anlass irgendwelche fests, nicht nur die zahlreichen Oktoberfest-Imitationen. Seltsam, dass „wir in NL“ das nicht kennen.
              Die Gläser, aus denen man Kölsch trinkt, heißen nicht Maßkrüge, sondern Stangen, denn sie sind schlank und zylindrisch. Röhrenförmig könnte man das nennen. Gibt’s schon in Größen ab 0,1 Liter, weil ein Kölsch ja schneller verschalt, als ein Pils ordnungsgemäß gezapft ist. Wenn es ausreicht, dass ein deutsches Wort benutzt wird und ein Phänomen irgendwo in Deutschland vorkommt, muss das alles dann ja wohl auch typisch deutsch sein.
              Du könntest übrigens sorgfältiger bei der Schreibung von Personennamen sein; ich stehe kurz davor, Teeny o. ä. zu schreiben.

              Antworten

              1. Meine Eltern haben mich bei der Geburt die Name Tiny gegeben und ich kann nichts dafür!

                Das Oktoberfest kommt aus München und ist typisch Deutsch und das andere ländern mit imitationen kommen macht es nicht anders.

                Von Bier habe ich gar kein kenntnis, also wieder etwas dazu gelernt.

                Antworten

                1. Deinen Namen schreibst du bestimmt immer richtig, aber ich habe auch einen, und der ist nicht Charly, sondern Charlie.

                  Und ja: klar ist das Oktoberfest typisch deutsch, auch wenn es andernorts viel mehr Oktoberfeste gibt, als in Europa, besonders in den USA.

                  Antworten

                  1. Entschuldigung das ich ihre Name nicht gut geschrieben habe!

                    Antworten

          2. @Charlie
            Aus der Wikipedia:
            „Längst ist die Miesbacher Tracht [deren Frauengewand ein Dirndl ist, Jan] zu einem weltweiten Symbol für Bayern, aber auch Deutschland geworden. Die Miesbacher Tracht ist heute in ganz Bayern zu Hause. Im Oberland und in München und Umgebung ist sie am stärksten vertreten.“
            Und so ist es, wenigstens vom oberen Inntal aus gesehen.
            Habe die Ehre!

            Antworten

            1. Ich komme ja aus dem Lachen gar nicht mehr raus, Jan. In welchem Wikipedia-Artikel steht das denn und welcher stolze Miesbacher hat das geschrieben?
              Also in kulturell fränkischen, schwäbischen, hessischen Teilen Bayerns wird jetzt auch Miesbacher Tracht getragen, soso. Ist damit gemeint: auf Volksfesten, wie es im Wikipedia-Artikel Dirndl beschrieben ist? Dort steht, dass auf Volksfesten seit den 1990er Jahren das noch in den 1970ern wenig verbreitete Dirndltragen stark zugenommen hat. Was tut man nicht alles für den Tourismus! Als Werbegag sind Dirndl, Kimono und Sarong weltweit zu sehen, das stimmt.

              Wahrscheinlich ist dir auch bekannt, dass Lederhosen in Nordamerika mehr zum Inbegriff typisch volksdeutscher Kleidung geworden sind, als das Dirndl, auf das mehr die Europäer und Ostasiaten abzufahren scheinen.

              Als ich jung war, trugen nicht ganz wenige Frauen noch kunstvoll selbstgenähte volkstümliche Kleidung in lokalem Stil, und das nicht nur zu besonderen Anlässen. So etwas ist in den meisten Gegenden Vergangenheit; aber immerhin: sowohl in Südbayern als auch Österreich und den Dolomiten habe ich zu Beginn des Jahrtausends noch vereinzelt Damen gesehen, die das taten.

              War mir auch ein Ehre!

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  18. Charlie,
    Bin immer froh wenn ich einen Mitmensch zum Lachen gebracht habe :-)
    Zu deiner Frage: http://de.wikipedia.org/wiki/Miesbacher_Tracht
    Über Trachten nördlich von München fehlt mir jegliche Kenntnis.
    In Oberbayern, inklusive das Oberallgäu, im Gegenteil, dürfte ich als Zitherspieler mehrmals bei Veranstaltungen anwesend sein die weder für Touristen noch Schwaben und anderen ‚Ausländer‘ gedacht waren. Es gibt in diesen Regionen Abertausende Mitglieder der Gebirgstrachtenerhaltungsvereine die jede Woche zum Tanzen und musizieren ihre Tracht anziehen. Dass dabei versehentlich mal einige Touristen zuschauen ändert nichts an der Tatsache dass man das primär fürs eigene Vergnügen und für die eigene Unterhaltung macht. Man hält die Tracht auch für angemessen bei kirchlichen Feiertagen, Wallfahrten, Aufzüge, Almabtriebe, und andere traditionsreiche Ereignisse wie Maibaumaufstellungen und Leonardiritten. Natürlich gibt es auch Trachtler in Österreich. Man erlaubt sich da aber oft eine etwas lockere Handhabung der Tradition, während die Bayern und Allgäuer mit fast tierische Ernst und deutsche Gründlichkeit von Vereins wegen bis in den kleinsten Details festlegen wie die Tracht eines jeden aussehen soll und kaum Abweichungen der lokalen Usance tolerieren. Beim Preisplatteln auf Gauebene wie auf Landesebene beurteilen die Preisrichter auch das Gewand. Ich glaube sagen zu können dass diese Trachten in dem mir bekannten Teil Deutschlands fest gewurzelt sind. Dass die Turismusindustrie den Gästen eine ganz andere Wirklichkeit vortäuscht, darüber können wir uns einigen, wie auch über die sonderbare Deutschtümelei von Amerikanischer Turisten wenn es um Dirndln und Lederhosen geht.
    Vielleicht tröstest du dich mit dem Gedanken dass Niederländer auch nicht mit Holzschuhen in die Kanzlei gehen oder ständig mit dem Daumen Deichdurchbrüche vorzubeugen versuchen und dass Flamen ja nicht auf einem Diät von Pommes und Schankbier überleben.

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    1. Sehr interessant um zu lesen…Danke!

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    2. Ja, Tiny, das finde ich auch interessant.

      Zwei Fragen:
      1. Du schreibst ja von (ethnischen) Bayern und Allgäuern. Glaubst du, dass meine Vermutung richtig sein könnte, dass die Niederbayern tendenziell nicht mehr diese enge Beziehung zu fescher Traditonskleidung haben?
      2. Ich hatte ja oben erwähnt, wie sich vor einem halben Jahrhundert die Damen auch in anderen Teilen Deutschlands ihre Trachten noch selbst genäht hatten. Gibt es bei euch eine nennenswerte Trachtenindustrie (Nähereien, Fachgeschäfte)? (Bei uns gibt es z. B. Geschäfte, die ganzjährig von nichts anderes tun, als Karnevalskostüme und -zubehör zu verkaufen und anscheinend sehr gut davon leben können.)

      My honor,
      Charlie

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      1. @Charlie
        Zu 1.: Ich glaub schon dass du recht hast, kann es aber nicht aus eigener Anschauung nachweisen. Wie weit reicht das eigentliche, das ‚Ur-Bayern‘ hinauf? Wenn mir recht ist gehört Franken nicht dazu. Könnte es sein dass es in der Nähe von Eichstatt eine ‚Trachtengrenze‘ liegt‘? Es gibt da doch irgendwo auch eine Mundartgrenze?
        Zu 2.: Ich kenne keine Trachtenindustrie in den Niederlanden. Es gibt bei uns fast keine Trachtler mehr. In den fünfziger Jahren hat es die in Seeland noch gegeben. Das Gewand war ziemlich einfach, das konnten die Frauen bestimmt selber nähen. Die steife weiße Hauben mit goldenem Schläfenschmuck waren eine andere Sache. Die waren für jede Insel recht unterschiedlich. Meine Mutter hat am Kopfschmuck erkennen können ob die Trachtlerin katholisch oder reformiert war. Es Muss wohl in jedem Dorf Frauen gegeben haben die fürs anfertigen dieser Hauben eine besondere Gewandtheit hatten. Vereinzelt sieht man noch Trachten in Seeland, Scheveningen, Spakenburg oder Staphorst . Als ich mich in den siebziger Jahren in Holland niedergelassen hatte sind noch manche Scheveninger Trachtlerinnen in die Praxis gekommen, im neuen Jahrhundert nicht mal eine.

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  19. Ich würde ja gern auch einmal darüber sprechen, was typisch niederländisch ist. Dazu fällt mir wesentlich mehr ein, als nur das Verhältnis zu Wasser, Pflanzen und Tieren. — Belgien fänd’ ich übrigens auch interessant, meinetwegen auch Österreich und die Schweiz.

    OT:
    Inzwischen sind die digital und analog geleisteten Unterschriften von der europäischen Bürgerinitiative „Wasser ist ein Menschenrecht“ eingereicht worden. Es waren rund 1,36 Millionen Unterstützungsbekundungen. Damit kommt dieses Anliegen bei der Europäischen Kommission auf die Tagesordnung. Freu!

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  20. Hi Charlie, starte doch mal einen Thread im Deutsch-Niederländischen Forum. Der Ort eignet sich dafür besser. Ich werde aber bestimmt in Zukunft noch mal einen Post über in meinen Augen typisch niederländischen Wörter schreiben.

    Ja, die Wasserkampagne ist auf sehr viel Resonanz gestoßen. Das finde ich auch sehr erfreulich.

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  21. Ich brauchte eine Übersetzung für ‚brugdag‘, und hab die auch gefunden: ein Fenstertag oder ein Zwickeltag soll es auf Deutsch heißen. Ein Zwickel ist ein keilförmiger Einsatz an Kleidungsstücken, sagt der Duden.
    Und jetzt wird’s lustig. In Preußen hat es von 1932 bis 1942 einen ‚Zwickelerlass‘ gegeben.
    Der stellvertretende Reichskommissar Franz Bracht hat sich des Sittenverfalls an deutschen Stränden und Seen angenommen. Am 28. September 1932 erließ er die ‚Polizeiverordnung zur Ergänzung der Badepolizeiverordnung vom 18. August 1932‘.
    Die Fassung ist zu komisch um sie euch vorzuenthalten:
    § 1. (1) Das öffentliche Nacktbaden ist untersagt.


    (2) Frauen dürfen öffentlich nur baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der
    Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt,
    unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem
    Zwickel versehen ist. Der Rückenausschnitt des Badeanzugs darf nicht über
    das untere Ende der Schulterblätter hinausgehen.


    (3) Männer dürfen öffentlich nur baden, falls sie wenigstens eine Badehose
    tragen, die mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist.
    In sogenannten Familienbädern haben Männer einen Badeanzug zu
    tragen.


    (4) Die vorstehenden Vorschriften gelten nicht für das Baden in Badeanstalten,
    in denen Männer und Frauen getrennt baden.


    (5) Die Vorschriften des Abs. 2 gelten entsprechend für den Strandanzug der
    Frauen.“
    Bis dass jemand mir Gegenteiliges nachweist gehe ich davon aus dass dieser ‚Zwickelerlass‘ typisch Deutsch ist.

    Antworten

    1. @Jan:
      Du bringst mich immer wieder zum Lachen, Jan. Tausend Dank.

      Jetzt habe ich auch endlich eine Ahnung davon, wie es zum Wort verzwickt kommen konnte. ;-)

      Nun, wenn typisch deutsch ist, was preußische Erlasse einst regelten, dann müssen für unsere türkischen Mitbürger Moscheen auf Staatskosten errichtet werden, so wie vor 282 Jahren per Dekret zu Potsdam geschehen.

      Danke übrigens für deine Antwort i. S. Trachten. Dass es im Freistaat Bayern von Kultur- wie auch Mundartgrenzen nur so wimmelt, kann ich bestätigen. — Ich mag Scheveningen wegen der Synthese von „grüner Großstadt“ und Nordseestrand sowieso, und jetzt habe ich einen weiteren Grund, wieder dahin aufzubrechen: ich halte Ausschau nach Trachtlern. (Natürlich lasse ich auch diesmal Madurodam nicht aus; ich muss mich schließlich auf dem Laufenden halten, was für die Niederländer selbst als typisch niederländisch gilt.)

      Håbe die Ehre,
      Charlie

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  22. De reacties zijn hier en daar nogal afgedwaald…
    Für mich: vor einigen Jahre bin ich monatelang gestolpert über ‚Entsorgung‘ und konnte keine richtige Übersetzung finden…
    Das andere ‚typisch deutsche‘ wäre eher ein Sprichwort: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
    ;-)

    Antworten

    1. Entsorgen ist tatsächlich auch ein Wort, dessen Bedeutung sich für Nicht-Deutsche nicht auf den ersten Blick erschließt.
      Dank je wel, Bas.

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  23. „Zweites Standbein“ ist auch so etwas! Er waren de afgelopen jaren zo vaak Duitse woorden en spreekwoorden waar ik mijn hoofd behoorlijk over heb gebroken en lastig of niet te vertalen zijn…althans niet letterlijk.

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    1. Da habe ich noch nie drüber nachgedacht … Man kan ein „zweites Standbein“ in der Tat nicht wirklich gut wortwörtlich übersetzen. Ich würde auf Niederländisch wahrscheinlich een tweede bron van inkomsten o.ä. sagen.

      Antworten

      1. Ist eine schöne Übersetzung Alex…ich schreibe oft ‚tweede beroep of baan“ aber hängt von der Kontext ab was ich übersetzen muß. Es ist in jeden fall so einen Deutsche Ausdruck was echt bündig sagt was damit gemeint ist und leider kennen wir das nicht in die Niederländische Sprache want „Zweites Standbein“ geeft ook aan dat je niet afhankelijk wilt zijn van één beroep.

        Antworten

        1. Genau das sehe ich auch als das Problem bei dieser ansonsten eleganten Übersetzung. Wenn eine Bank schreibt, dass sich ein Geschäft zum zweiten Standbein entwickelt habe, geht es darum, dass die Einkünfte aus dieser einen ihrer zahlreichen Einkunftsquellen erheblich geworden sind, und nicht um eine neue Quelle von Einkünften.

          Antworten

          1. Charlie, das war nur ein Beispiel. Welche Übersetzung die passende ist hängt immer vom Kontext ab.

            Antworten

            1. Mir war nicht entgangen, dass du vorsorglich und zutreffend „Ich würde […] wahrscheinlich […] sagen“ geschrieben hattest. Mein Beispiel diente der Hervorhebung, dass der Bedeutungsumfang des Wortes wohl doch typisch deutsch ist (obwohl frz. deuxième béquille ihm schon recht nahe kommt).

              Antworten

  24. Gerade habe ich die ganze Seite durchsucht, doch ich habe mich gewundert, denn ich hatte sie nicht gefunden:

    Den „Besserwisser“ und den „Klugscheißer“.

    Typisch deutsche Worte und typisch deutsche Charaktere ….

    Antworten

    1. Den „Besserwisser“ kennen wir im Niederländischen aber auch:

      de betweter.

      Antworten

    2. Patricia,
      vielleicht solltest du lernen, deine Suchmaschine richtig benutzen. Der Besserwisser taucht im Mai 2012 hier auf. Übrigens in einem keineswegs negativen Sinn.

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  25. Sally Loren 18-09-2013 at 14:03

    Ich finde „Malzeit“ typisch. Dafür haben wir Briten gar keinen Ausdruck. Klar könnte man „Have a nice lunch“ sagen, aber es tut in Wirklichkeit keiner. Wahrscheinlich würde man einfach sagen „See you later“. Einer in meiner Bürogemeinschaft sagt es auch schon um 10 h morgens, wenn man gar nicht dran DENKT zu Tisch zu gehen. Bizarr! „Leistung“ ist übrigens ein blödes Wort zu übersetzen – es könnte so vieles bedeuten. Für „Aufwand“ gilt das Gleiche…

    Antworten

  26. „Mahlzeit“ sagt man nicht nur, wenn es ums Essen geht. Ein früherer Chef von mir hat mich immer ironisch mit „Mahlzeit“ begrüßt, wenn ich morgens ein paar Minuten zu spät kam.
    Man sagt es auch (ebenfalls ironisch), wenn man schlechte Nachrichten erhalten hat oder sonst aus irgendeinem Grund nichts Gutes ahnt. Das heißt dann soviel wie:„Na, das kann ja heiter werden.“

    Antworten

    1. Precies! Und in bei Herrn Duden sieht das so aus:
      gesegnete M.! (Formel zu Beginn od. am Ende einer Mahlzeit);
      M.! (ugs.; Gruß in der Mittagszeit, bes. zwischen Arbeitskollegen);
      *[na dann] prost M.!; M.! (ugs.; das ist ja eine schöne Bescherung!; das kann ja heiter werden!).

      Antworten

    2. Zu „Mahlzeit“ gibt es hier im Blog einen eigenen Beitrag.

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  27. Das Verb ‚ziehen‘ ist auch so ein Wort wie ‚Leistung‘ und ‚Träger‘. Es lässt sich nicht so einfach ins Niederländische übertragen. Die Deutschen ziehen sich aus und an, ziehen aus der einen Wohnung aus, in die andere ein oder sie ziehen zu ihrem Freund oder ihrer Freundin um. Dabei ziehen sie aber auch Nutzen aus etwas oder ziehen etwas in Betracht. Die Deutschen ‚trekken wat af‘ :)

    Antworten

    1. Ich habe noch nie drüber nachgedacht, aber es stimmt: Ziehen kommt sehr häufig und in allerlei Bedeutungen vor. Ein guter Hinweis!

      Antworten

  28. ‚Typisch‘ deutsch ist fuer mich „Schildbuergerstreich“:-) Dann folgt der „Jaehzorn“!

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    1. Logisch, daß der Schildbürgerstreich ein deutsches Wort ist, hat er doch mit den Einwohnern der deutschen Stadt Schilda zu tun. Aber der Jähzorn? Gibt es unter den Niederländern nicht auch den einen oder anderen Jähzornigen ;-) ?

      Antworten

    2. Ja, ja, Jähzorn. Oh, oh, ich hab’s doch geahnt, Du bist der Gernot Haßknecht aus der Heute-Show. Gernot, Du wirst IN DIESEM BLOG NICHT HERUMBRÜLLEN, HIER NICHT!!! (Voor Nederlanders verklaard: Dit was maar een grapje)

      Antworten

  29. „die Waldeinsamkeit“
    – laut einer Englischen Angabe: the feeling of being alone in the woods.
    – in der besten Tradition deutscher philosophischen Präzision sagt die Wikipedia:
    Mit Waldeinsamkeit, einem Aspekt des Motivs der Einsamkeit, wird ein religiöses
    asketisches Ideal umschrieben, das Bestandteil im asiatischen Mönchtum ist und ebenso
    bis ins mittelalterliche Mönchtum des Abendlands verbreitet war. Der Begriff erfuhr in
    der Romantik eine eigene Akzentuierung als literarisches Motiv.
    Wenn das nicht typisch deutsch ist :-)

    Antworten

  30. Stimmt auch!

    Goethe hat geschrieben:

    „Ich ging im Walde
    so fuer mich hin,
    und nichts zu suchen,
    das war mein Sinn.“

    Weil ich an fuer sich kein richtiges Englisch kann, konnte ich also nie eine englische Uebersetzung davon lese, was ich doch vermute, schon existiert. Irgendwie koennte ich mir kaum vorstellen, dass sich der Englaender ebenfalls der Amerikaner stundenlang gemuetlich in der Stille der Natur verlieren wuerde:-)

    Antworten

    1. Gernot, dies ist ein deutsch-niederländisches Blog, kein deutsch-englisches ….

      Antworten

  31. Abgesehen davon, liebe Alex, dass sich noch mehrere unserer Blog-Kollegen u.Kolleginnen auch schon gelegentlich mal aufs Englische verweisen:-)

    Apropos Goethes Gedichtlein erweist sich kaum die Moeglichkeit einer niederlaendischen Fassung, da eure Heimat dermassen waldarm sei im Vergleich zu meiner.

    Das sollte uebrigens ueberhaupt keine Blamage auf die Niederlande sein, denn dafuer habt ihr renommiertere Kunstmaler als wir ^^

    Antworten

    1. Gernot, zu Goethes Zeiten waren weite Teile der Niederlande bewaldet, am meisten die ostindischen und karibischen ;-)

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  32. Nur die Niederlande selber, d.h. dieses Deutschland benachbarte Land, eben nicht! Schon eh klar, Charlie, was wusste doch der Durchschnitts-Niederlaender davon, der sich von seinem kleinen Stueck Erde wohl sogut wie nie beruehrt hatte?

    Der Deutsche demgegenueber pflegte jahrhhundertenlang ein enges, fast inniges Verhaeltnis zu seinen einsamen Waeldern, Seen und Naturlandschaften, und pflegt es immer noch.

    Ich z.B. bin im Norden dicht bei Hamburg aufgewachsen, bevor meine Familie nach Berlin zog. Wir hatten dort naemlich knappe Waldgebiete, noerdlich der Lueneburger Heide und vom ueppigen Schwarz -auch Bayerischen Wald im Sueden aber weit entfernt. Wir fuhren allerdings im Urlaub oefter nach dem Sueden, in den Schwarzwald eigentlich, viele Jahre danach ebenfalls in den Thueringer Wald, und die Menschen suedlich unseres sogenannten „Weisswurst-Aequators“ haben ein ausserordentlich tiefes Gefuehl fuer die Natur, sowas haette ich in anderen europaeischen Laendern ja kaum erlebt.

    Antworten

  33. […] in eine speziell für sie ins Leben gerufene Rentenversicherung einzutreten. Bislang waren solche Leistungen nur für Angestellte […]

    Antworten

  34. […] Eigentlich hätte dieses Wort einen Platz in meiner Liste typisch deutscher Begriffe verdient. Sowohl die Sprache als auch die Gesellschaft sind nämlich davon […]

    Antworten

  35. Ik vind „KREISLAUF“ echt iets typisch Duits. Daarvoor blijven ze hier in Duitsland thuis… :-D

    Ik verheug me al op je artikel! :)

    Lieve groetjes,
    Cindy

    Antworten

    1. Schau mal Cindy: den Kreislauf enträtselt :-)

      Groetjes terug,
      Alex

      Antworten

  36. Hallo Alex,
    wir alle rätseln:
    – wie spricht sich Vincent van Gogh?
    – und wie Venlo und wie der Ortsteil Steyl ??
    Lieben Dank!
    Nadja

    Antworten

    1. Hoi Nadja,

      schau – oder besser – hör mal: Vincent van Gogh, Venlo.

      Zum Ortsteil Steyl kann ich leider keine Aussage machen. Da fragst du am besten einen „Einheimischen“ ;)

      Antworten

  37. Hallo, mir fällt noch ein typisch deutsches Wort ein. Egal um welche Tageszeit, viele Deutsche grüßen mit „Mahlzeit!“

    Antworten

    1. Das war mir auch schon aufgefallen :) Schau mal hier, Andrea:

      Moin und Mahlzeit

      Antworten

      1. Hi Alex,

        habe ich gar nicht gesehen, bin neu hier ;).
        Ich finde deinen Blog super.

        Als Kind war ich viel in NL bei Tante Ans und Onkel Albert.
        (waren gar nicht mit mir verwandt)
        Doch meine Mutter hat niederländische Wurzeln (Großmutter und Onkel und Tante aus der Provinz Limburg – die Tante hat aber darauf geachtet, dass meine Mutter „hochniederländisch“ (gibt es das Wort?) also ohne Dialekt sprach. Deshalb konnte sie auf dem Campingplatz übersetzen und so ist der tolle Kontakt zu Onkel Albert und Tanta Ans entstanden. Die wohnten allerdings in Friesland.)

        Antworten

        1. Das ist eine schöne Geschichte, Andrea. Besteht der Kontakt zu Tante Ans und Onkel Albert immer noch?

          „Hochniederländisch“ nennt man auf Niederländisch Standaardnederlands.

          Antworten

          1. Nein, da sie nicht mehr leben.
            Aber ich bin als Kind gerne zu Tante Ans und Onkel Albert gefahren. Es gab da immer diese leckeren Brötchen mit Hollandse Kaas.
            Oder Sinterklaas: Da gab es immer diese Schokoladenbuchstaben, was war ich froh, dass ich ein A als Anfangsbuchstaben hatte und kein I ;)
            (habe als Kind gedacht, die Ingo oder so heißen, sind betrogen.)
            Toll, dass ich diesen Blog gefunden habe.

            Ich suche auch so nach Redensarten: Es gibt doch die Redensart, wenn man sich übernommen hat, etwa wie
            „so viel Heu auf sein Forkje geladen.“ (Sorry, ist jetzt Sprachmischmasch, so etwas würde mich auch interessieren.)

            Antworten

            1. Ach, tut mir leid zu hören, dass sie bereits gestorben sind.

              Sinterklaas: Da gab es immer diese Schokoladenbuchstaben, was war ich froh, dass ich ein A als Anfangsbuchstaben hatte und kein I ;)

              Hihi, das ging mir als Kind genauso, Andrea ;) Obwohl die Buchstaben vom Gewicht her alle gleich sind, macht das A doch einfach mehr her als ein mageres I …

              Die Redensart, die du meinst, heißt: teveel hooi op je vork nemen.

              Hast du nicht Lust, Mitglied im neuen buurtaal-Forum zu werden? Das kostet nichts und dort kannst du dich mit ganz vielen Anderen über genau solche Dinge austauschen.

              https://forum.buurtaal.de

              Ich würde mich freuen!

              Antworten

              1. Ja, gerne. Ich
                finde deinen Blog super, Alex.

                Antworten

                1. Danke für das Kompliment, Andrea. Das freut mich sehr!

                  Antworten

  38. zu 3. Träger:
    Im österreichischen Deutsch heißt der Überweisungsträger übrigens „Erlagschein“. Der Sinn erschließt sich mir nicht. Bei „erlegen“ denke ich an Wild, das vom Jäger erlegt wurde.
    Überhaupt (!) fühlt man sich als deutscher Muttersprachler in Österreich oft fremd. Nicht nur bei Obst, Gemüse und zubereiteten Speisen, wo fast alles anders heißt.

    Antworten