Spekulatius – nicht nur im Winter gut

Spekulatius geht immer. Nicht nur in der kalten Jahreszeit. In den Niederlanden bekommt man dieses Gebäck das ganze Jahr hindurch. Besonders beliebt ist es aber in der Nikolauszeit. Aber wo kommt eigentlich die Bezeichnung speculaas, bzw. Spekulatius her? [ … ]

Zuletzt aktualisiert am 25. August 2017

Schade, dass Spekulatius in Deutschland eigentlich nur erhältlich ist, wenn die Adventszeit vor der Tür steht. Für mich als Niederländerin ist es eine Kekssorte, die zu jeder Jahrezeit schmeckt.

Gefüllter Spekulatius

Gefüllter Spekulatius

Exotisch

Speculaas gehört in meiner Heimat zum Standardsortiment eines jeden Supermarktes und Konditors.

Zugegeben: Das war nicht immer so. Lange Zeit galt speculaas als ein Luxusprodukt, das sich nur die Bessergestellten leisten konnten. Das lag an den besonderen Zutaten: exotische und dadurch kostbare Gewürze, die die Niederländer seit dem goldenen Zeitalter aus ihren Kolonien importierten.

Zu diesen speculaaskruiden gehören kaneel (Zimt), nootmuskaat (Muskatnuss), kruidnagels (Nelken), gember (Ingwer), kardemom und witte peper (weißer Pfeffer)

Ik ben dol op speculaas.
Ich liebe Spekulatius.

Spekulatius selber backen

Speculaas wird gemacht, indem man Butter mit braunem Rohrzucker und speculaaskruiden vermischt und dann (Roggen-)Mehl und Backpulver hinzufügt. Am besten lässt man den Teig anschließend eine Nacht im Kühlschrank ruhen, damit die Gewürze richtig einziehen können, bevor man ihn zum einem flachen Kuchen formt und in den Ofen schiebt.

Alternativ kann man den Teig auch in speculaasplankjes füllen und so Figuren oder Gegenstände backen. Beliebt sind Tierfiguren, Windmühlen und – im Dezember – Sinterklaas.

Spekulatiusform aus dem 18. Jahrhundert

Eine Spekulatiusform aus dem 18. Jahrhundert mit einer Abbildung von Sinterklaas/Nikolaus auf seinem Pferd. Quelle: Museum Catharijneconvent in Utrecht, via Wikimedia Commons, Lizenz: CC0 (Public Domain)

Hell oder dunkel?

Deutscher Spekulatius hat meist eine hellere Farbe als niederländischer speculaas. Ich vermute, dass die deutschen Backstuben meist weißen Zucker verwenden, statt – wie in den Niederlanden – braunen Rohrzucker – oder – für einen karamelligen Akzent – dunklen basterdsuiker.

Wie kommt Spekulatius zu seinen Namen?

In seiner ursprünglichen Form hieß dieses flache Würzgebäck speculatie. Dieses Wort, das es heutzutage immer noch gibt, hat das Niederländische (wie auch das Deutsche: Spekulation) aus dem Latein übernommen. Es geht auf das Verb speculārī, das betrachten oder erforschen bedeutet, zurück.

Im älteren Niederländischen hatte speculatie eine erweiterte Bedeutung, nämlich Lust oder Wohlbehagen. Es ist möglich, dass dieses Gefühl auf das Gebäck – das ja etwas für (wohlhabende) Feinschmecker war – übertragen wurde.

Eine andere Erklärung geht davon aus, dass es die Bedeutung des Verbs gewesen ist, die zum Namen des Gebäcks geführt hat. Von betrachten, annehmen und untersuchen ist es nur ein kleiner Gedankensprung zu ausdenken. Speculatie könnte demnach etwas sein, das der Phantasie entsprungen ist.

Gefüllter Spekulatius und Spekulatiusbrocken

Spekulatius geht immer, aber typisch für die jetzt bevorstehende Nikolaus-Zeit sind die beiden Varianten gevulde speculaas (gefüllter Spekulatius) und die besonders knusprigen, dicken speculaasbrokken.

Gefüllt womit? Gevulde speculaas hat eine Füllung aus Mandelmasse. Sie besteht aus gemahlenen Mandeln, Ei, Zucker und geriebener Zitronenschale. Ein schönes Rezept (auf Englisch und Deutsch) ist im Sinnesfreuden-Blog zu finden.

Mögt Ihr auch Spekulatius? Nur im Winter oder auch in anderen Jahreszeiten?

Spekulatius

Dieses Stück Spekulatius wird gleich in mehrere Speculaasbrokken geteilt …

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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Zo lekker ! Bedankt Alex.
    Wir sind gerade von Vlissingen zurück und im Gepäck – außer wunderschönen Bildern – auch ALLES was es in D nicht gibt ;-) vor allem Speculaas, gev. Koek, tompoezjes, stamppotkruiden, vla, bollen voor de tuin, heel verse groenten: aardappelen – de soort Opperdus, bloemkool, peertjes, boontjes, Boerenbont schotels en borden, enz. enz. Ja, in der Tat, D ist doch noch ein Entwicklungsland, was die Versorgung im besonderen Fall betrifft!
    Das Auto war so schwer beladen, daß die belgischen Lkws um Antwerpen herum ziemlich dicht auffuhren, um zu signalisieren, hoep hoep, gib Gas. Aber wir konnten nicht schneller, das Auto hatte seine Kapazität in puncto Schnelligkeit erreicht! Nun wir habens geschafft und sind wieder gut in D.

    Antworten

    1. Freut mich, dass Ihr wohlbehalten wieder zuhause angekommen seid, Gabi.

      Lasst es Euch schmecken :)

      Antworten

  2. Henk van der Veen 13-10-2016 at 17:56

    Mener Meinung nach hat man bei den Zutaten für Luxusspekulatius etwas vergessen. Das sind Mandeln, die ganz lecker sind in diese Kekse. Weiter kan ich noch hinzufügen, dass Spekulatius im Norden von Holland, sagen wir, Groningen, Friesland und Drenthe dunkler ist als im Süden. Woher das kommt kann ich leider nicht sagen. Wer weiss denn eine Antwort darauf??

    Antworten

    1. Hm, vielleicht hat das auch mit dem verwendeten Zucker zu tun (donkerbruine vs. lichtbruine suiker?)?

      Und ja, Mandeln auf (oder im) Spekulatius sind eine super Ergänzung!

      Antworten

  3. Frau Vorgarten 13-10-2016 at 18:08

    Ich hab mich einfach mal bei BUURTAAL bedient und serviere heute Spekulatius. Und eine Blogempfehlung.
    http://die-beste-juppi.blogspot.de/2016/10/smakkelijk-wissen-aus-der-nachbarschaft.html
    danke!

    Antworten

    1. Das ist toll, Frau Vorgarten! Ich freue mich wirklich sehr über Deine Empfehlung.

      Dank je wel!

      Antworten

  4. Weil das Weihnachtsgebäck immer früher angeboten wird, geniesse ich schon lange wieder Spekulatius. Und wenn man geschickt einkäuft kann man sich eindecken bis Februar.

    Im Supermarkt beobachtete ich neuerdings, wie ein große Ladung Spekulatius aufgemacht und über die Regale verteilt wurde. Aus der großen Umverpackung wurde es klar, das das Ursprungland die Niederlande war. Auf den Päckchen für die Endabnehmer war davon nichts zu sehen, nicht mal eine Adresse.

    Aber auch das deutsche Weihnachstgebäck ist ein Genuss! Lebkuchen, mmmm!

    Antworten

    1. Oh ja, das stimmt – Lebkuchen ist etwas Feines!

      Antworten

      1. Für alle Liebhaber deutscher Lebkuchen, das beste deutsche Rezept zum Selbstbacken:

        9 Eier / 500 g weissen Zucker / 125 g Orangeat / 125 g Zitronat / 50 g Lebkuchengewuerz / 500 g gemahlene Haselnuesse / 250 g geriebene Karotten (=Wortelen!!) / 5 g Hirschhornsalz (= Backtriebmittel) / 375 g Mehl / ca. 60-80 Oblaten 5-6 cm Durchmesser
        ** alles zu einem Ruehrteig verarbeiten
        ** auf einem Backblech die Oblaten in Abstand verteilen
        ** mit 2 Essloeffel den Teig auf die Oblaten setzen
        ** ca. 30 min bei 160 Grad Heissluft backen
        ** nach dem Abkuehlen mit Schoko- oder Zitronenglasur
        bestreichen und verzieren
        ** oder puuuuur zonder chocolaat! Heel lekker!

        Bewaar die Lebkuchen in een blik dan blijven zij heel goed en vers houdbaar i.v.m. de wortelen – maar voor de kerstdagen zijn deze lekker Lebkuchen zeker al op!
        Veel plezier en eet smakelijk!

        Groetjes Gabi

        Antworten

        1. Danke Gabi. Das klingt gut!

          Antworten

        2. Lucy van Pelt 19-10-2016 at 15:51

          Dankedanke!
          Ich werde das Rezept ausprobieren. Es kommt ja jetzt die Zeit der Weihnachtsbäckerei. Lebkuchen hatten wir bisher nie dabei.

          Antworten

          1. Prima Lucy – Viel Erfolg.
            Bitte genug Abstand mit den Oblaten halten!
            Der Teig läuft noch etwas auseinander beim Backen.

            Antworten

  5. Das erinnert mich an meine Großtante und Großonkel.
    Wenn wir zu besuch in NL waren gab es zu Mittag immer großen Spekulatius mit viel Kaffee :)

    Antworten

    1. Das klingt nach gemütlichen Stunden, Dirk.

      Antworten