Niederländische Partikeln: zeg und hoor

Der richtige Gebrauch von Partikeln in einer Fremdsprache ist nicht einfach. Besonders spannend sind die sogenannten Interjektionen. Diese Wörtchen dienen häufig dazu, die Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, Zustimmung oder Bestätigung zu signalisieren bzw. zu erbitten oder beim Zuhörer eine Einschätzung einzuholen. Auch [ … ]

Partikeln sind die Elementarteilchen der deutschen und niederländischen Sprache. In diesem Folgebeitrag sind die niederländischen Interjektionen zeg und hoor dran.

Katze spitzt die Ohren

Hoor wie klopt daar?

Der richtige Gebrauch von Partikeln in einer Fremdsprache ist nicht einfach. Besonders spannend sind die sogenannten Interjektionen. Diese Wörtchen dienen häufig dazu, die Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, Zustimmung oder Bestätigung zu signalisieren bzw. zu erbitten oder beim Zuhörer eine Einschätzung einzuholen.

Auch können sie klarstellen, dass Widerrede nicht erwünscht ist. Manchmal fordern sie zur Unterlassung einer bestimmten Handlung auf. Vor allem im Niederländischen eignen sie sich zudem gut dazu, Ironie, Spott oder auch Sarkasmus zu übertragen.

Zwei beliebte niederländische Vertreter dieser Gattung sind zeg und hoor. Sie leiten sich von den Verben zeggen (sagen) und horen (hören) ab. Genau genommen sind beide Formen Imperative. Ihre eigentliche, ursprüngliche Bedeutung spielt jedoch keine Rolle mehr.

Zeg

Zeg steht entweder am Satzanfang oder ganz am Ende. Leitet es den Satz ein, kann man es im Deutschen oft mit sag mal übersetzen. An dieser Stelle wird zeg häufig mit eens (deutsch: mal) kombiniert. Taucht dieses Wörtchen hingegen am Satzende auf, steht es immer für sich. Hier bekräftigt es das Gesagte.

Zeg, zullen we dit weekend gaan langlaufen?
Sag mal, wollen wir dieses Wochenende Langlauf machen?

Zeg, houd eens op!
Hey, hör auf (damit)!

Zeg eens, wat vind jij van mannen die rokken dragen?
Sag mal, was hältst du von Männern, die Röcke tragen?

Wat jammer zeg.
Ach, wie schade!

Wat leuk zeg.
Wie schön/nett/toll!

Wat goed zeg.
Das finde ich richtig gut!

Doe even normaal zeg.
Jetzt lass den Quatsch.

Kom nou zeg!
Na hör mal!

Nou ja zeg.
Ach komm! (Im Sinn von „Was ist das denn für ein Unsinn.“)

Hoor

Auch hoor kann am Satzanfang stehen. Dann aber zwangsläufig in Kombination mit einer anderen Partikel, wie eens. Steht hoor an dieser Stelle ganz allein, handelt es sich nicht um eine Partikel sondern um einen herkömmlichen Imperativ, wie im ersten der nächsten Beispiele:

Hoor wie klopt daar kinderen? (niederländisches Nikolauslied)
Hört, wer klopft da (an der Tür), Kinder?

Hoor eens, ik moet nu echt gaan.
Hör mal/Also, ich muss jetzt wirklich los.

Ja hoor eens even, daar ben ik het niet mee eens.
Also damit bin ich überhaupt nicht einverstanden.

Am Ende eines Satzes kann hoor verschiedene Dinge signalisieren. So wären da zum Beispiel:

Beruhigung, Beschwichtigung

Dat is niet erg hoor.
Ach, das ist nicht schlimm/nicht weiter tragisch.

Meine Meinung steht fest, keine Widerrede

Dat kan helemaal niet hoor.
Also, das geht nun wirklich nicht!

Dat klopt niet hoor.
Das stimmt doch gar nicht!

Jawel hoor, ik weet het zeker.
Oh doch, ich bin sicher!

Warnung

Dat is gevaarlijk hoor.
Das ist aber gefährlich!

Ironie, Sarkasmus (das Gegenteil wird gemeint)

Ja hoor …
Nee, ist klar …

Nou, leuk hoor.
Na super.

Lotse Intonation

In vielen Fällen ist die Art, wie solche Sätze betont werden, entscheidend für die Bedeutung. So kann das oben erwähnte ja hoor neben Ironie auch einfach nur Zustimmung oder Bestätigung ausdrücken oder aber Ungeduld. Im letzteren Fall würde man im Deutschen etwas sagen wie ja, ich weiß (aber lass uns jetzt endlich auf den Punkt kommen/weitermachen). Hier die Nuancen zu entdecken, erfordert einiges an Übung.

Was voran ging: Eine Prise Partikel
In einer nächsten Folge: Der kleine aber feine Unterschied zwischen und

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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Nou zeg, ik had niet gedacht dat daar zoveel achter zit hoor.

    Dit zijn precies het soort woorden die ik bij het schrijven van blogs en kommentaren altijd vermijd, om niet net als tante Betje te klinken. Het is typisch spreektaal.

    Nou, ik ben weer weg hoor! Doei!

    Antworten

    1. Nou nou, je bent me er eentje ;-)

      Antworten

  2. Pommes Teyer 11-04-2013 at 15:02

    De taalergernissen van Jan Mulder ;-)
    Over „een vuilnisbak van stopwoordjes“:

    http://dewerelddraaitdoor.vara.nl/media/221608

    Antworten

    1. Ein sehr schönes Videofragment. Partikeln haben jedoch oft eine deutliche Funktion im Satz. In sofern würde ich sie nicht unbedingt mit Füllwörtern in einen Topf werfen wollen.

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  3. Herzlichen Dank für die klärenden Beispiele, Alexandra. Bei der Position von „hoor“ am Satzanfang, handelt es sich doch eindeutig um das Verb „hören“. Aber bei der Position am Satzende scheint das ja nicht der Fall zu sein, auch wenn es genauso geschrieben wird. „Hoor“ am Satzende, bzw. den anderen von dir aufgeführten Kontexten, hat nicht dieselbe semantische Bedeutung.

    Antworten

    1. Hi Ute, dass sie in ihrer Bedeutung so flexibel sind, ist gerade das schöne, bzw. tückische an den Partikeln :-)

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      1. Ja, die Bedeutung variiert sehr. Ich selber habe Schwierigkeiten wirklich einen Unterschied zwischen „Dat klopt niet hoor“ und „Dat is gevaarlijk hoor“; könnte man Letzeres auch mit „Das ist doch gefährlich“ übersetzen und das erste mit „Das stimmt aber nicht“?

        Antworten

        1. Ja sicher, das ginge auch. Meine Übersetzungen sollen nur als Orientierungshilfe dienen; in vielen Fällen gibt es mehrere Möglichkeiten.

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  4. Vielen herzlichen Dank für diesen Blogbeitrag. Habe ich mal wieder was Wertvolles gelernt :)

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  5. Bedankt hoor!

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  6. @Alice, @Tiny: Jullie hebben de les goed begrepen ;-)

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  7. En niet alleen dat Alex, maar ook weer wat geleerd en me bewust geworden van deze „Partikeln“. Ik gebruik ze nauwelijks en vraag me af waarom ik dat niet doe. Vooral „zeg“ gebruik ik vrijwel nooit.
    Bedankt voor je „les“….enne, nee hoor, ik heb er geen slapeloze nachten van :-)

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  8. Interessant und als Niederländer habe ich mich nie realisiert, dass „zeg“ und „hoor“ für Ausländer fast unmöglich zu übersetzen sind.

    „zeg maar“ gehört ganz zweifellos auch dazu: Dat Bayern München – Dortmund de finale van de Championsleagu kan worden is, zeg maar, karakteristiek voor het Europese voetbal.

    „so zu sagen“ wäre hier eine Übersetzungsmöglichkeit, oder?

    Antworten

    1. Hi Gerard, ja, so könnte man es übersetzen. Ich habe aber das Gefühl, dass „zeg maar“ im Niederländischen viel häufiger benutzt wird als das deutsche Pendant.

      Kleiner Tipp: sozusagen wird als ein Wort geschrieben.

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      1. Tja… Duits is zeg maar niet echt mijn ding ;-)

        Antworten

  9. Bin mir gerade nicht 100 %ig sicher, aber ich glaube, bei den Flodders (in Originalsprache natürlich – auch wenn ich kaum was verstehe) fiel auch öfter mal „zeg maar“. Fällt mir gerade so auf, wo ich die Kommentare mitverfolge :). Bei „maar“ muss ich immer an „aber“ denken. Wieder was gelernt :)

    Antworten

    1. Zeg maar hört man sehr oft im Niederländischen, nicht nur bei den Flodders ;-) Das würde ich aber eindeutig der Kategorie „Füllwörter“ zurechnen.

      Antworten

  10. Ik zeg maar zo, ik zeg maar niks.
    Ein bedeutungsloser Zeitfüller. Keine Ahnung was es bedeuten soll.

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  11. Phantastisch guter und hilfreicher Blogpost, Alexandra. Kompliment!

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  12. „Zeg maar“ ist schwierig zu übersetzen auf Deutsch, aber ich glaube dass es leichter geht auf English: ein bisschen wie „you know“ – aber dann ironischer. (oder vielleicht hat es damit zu tun das mein Englisch viel besser ist als mein Deutsch; tut mir leid!) „Het is, zeg maar, soort van onzin“ kann man in Englisch übersetzen als „That is, you know, sort of nonsense“. Auf Deutsch kann man vielleicht sagen dass „zeg maar“ etwa wie eine ironischer/sarkastischer „ungefähr“ bedeutet.

    Antworten

    1. Hoi Sander,

      „zeg maar“ wird im Niederländischen jedoch in den allermeisten Fällen gar nicht ironisch verwendet. Wir reden hier von typischen Füllwörtern (stopwoorden).

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  13. Ein ganz toller Artikel, liebe Alex. Ich habe meinen Niederländischkurs-Mitschülern Deine Webseite schon ans Herz gelegt (meine Lehrerin kannte Deine Seite übrigens auch!!). Wir sind ja noch ganz am Anfang (Anfängerkurs) – aber schon jetzt sind Deine Beiträge für mich eine tolle Hilfe und Begleitung!
    Liebe Grüße an Dich!
    Lony x

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    1. Danke Lony, das freut mich riesig!

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  14. „Hoor“ erinnert mich immer an „Hömma, ….“, wie es rund um das Ruhrgebiet üblich ist. Es wird dort auch für die eher beiläufige und ausschmückende Aufmerksamkeitsgewinnung genutzt. Das unterscheidet sich klar vom standarddeutschen „Hör mal“, welches eher einen heftigen Befehlston inne hat.

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    1. „Hömma“ klingt für mich auch deutlich freundlicher ;-)

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  15. […] dem Blog von Alexandra Kleijn weiß ich was Interjektion und Partikel sind. Alexandra, ich danke […]

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  16. […] Wenn man eine Fremdsprache lernt, sind es oft die kleinen Wörtchen, die am schwierigsten sind. Im Niederländischen gilt das zum Beispiel für den Gebrauch von er und für Partikel wie hoor und zeg. […]

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  17. Hallo,

    ich habe heute in einer E-Mail folgenden Satz bekommen: „Ja, hoor. We kunnen het hierbij laten.“ (Das war eigentlich die ganze E-Mail). Wie ist »hoor« hier zu verstehen?

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    1. Als ein „ja“.

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