Niederländisches Fernsehen via Internet schauen

Manche niederländische TV-Sendungen kann man aus Deutschland heraus nicht anschauen – zumindest nicht, ohne eine geografische Sperre zu umgehen. Das klappt wunderbar mit Hilfe eines sogenannten VPN-Tunnels [ … ]

Zuletzt aktualisiert am 4. Oktober 2017

Oh nein!

Sie werden ihn doch nicht jetzt noch entdecken?

Wahnsinnig spannend fand ich sie immer: Filme, in denen der Held ins Gefängnis geworfen wird. Völlig zu Unrecht natürlich, denn er ist unschuldig. In jahrelanger, mühevoller Arbeit und unter Erduldung vieler weiterer Schicksalsschläge gräbt er sich mit einem Zinnlöffel einen Tunnel in die Freiheit.

Wir müssen draussen bleiben

Ich grabe auch Tunnel. Nicht jedoch, weil ich eingesperrt bin. Eher im Gegenteil: Manche Fernsehsendungen aus meinem Heimatland kann ich mir nicht anschauen.

Viele Sendungen des niederländischen Fernsehens sind nämlich aus lizenzrechtlichen Gründen nicht zugänglich, wenn sie man sie sich aus dem Ausland anschauen möchte. Manche Youtube-Videos auch nicht. Umgekehrt kann man aus dem Ausland heraus auf große Teile der Mediathek von ARD und ZDF nicht zugreifen. Man wird ausgesperrt.

Niederländisches Fernsehen – eine Geoblokkade für Deutschland

Geoblocking nennt sich diese Art von künstlicher Sperre. Je nachdem, in welchem Land man sich befindet, hat man keinen Zugriff auf bestimmte Medien-Inhalte.

Ärgerlich. Und in Zeiten des Internets auch nicht wirklich nachvollziehbar.

Wie funktionieren geografische Sperren?

Woher weiß ein Sender überhaupt, wo man sich befindet?

Das geschieht anhand der sogenannten IP-Adresse, einer eindeutigen Zahlenfolge, mit der man im Internet unterwegs ist. Wenn man eine Webseite aufruft – zum Beispiel diesen Blogartikel –, muss der Server, auf dem die Seite liegt, wissen, an wen er die Antwort schicken soll. Das kann er, weil der anfragende Browser seine IP-Adresse mitschickt.

An der IP-Adresse kann ein Server auch erkennen, aus welcher Gegend eine Anfrage kommt. Nach diesem Prinzip funktioniert das Geoblocking.

Kann man da was machen?

In der IT gibt es schon lange ein Verfahren, mit dem man durch das prinzipiell unsichere Internet eine abgesicherte direkte Verbindung bauen kann. Es nennt sich VPN – Virtual Private Network. Dieses virtuelle, nicht-öffentliche Netzwerk verbindet zwei sichere Endpunkte miteinander. Firmen nutzen diese Technik zum Beispiel, um ihren Mitarbeitern mit deren Laptops von unterwegs Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk zu gewähren.

Privatsphäre sichern durch einen VPN-Tunnel

Nicht nur Unternehmen nutzen VPNs. Wer mit seinem Smartphone in öffentlichen WLANs unterwegs ist, sollte bedenken, dass seine Daten kinderleicht von anderen Nutzern in diesem WLAN-Netz mitgelesen und manipuliert werden können.

Eine VPN-App verschlüsselt alle Daten und anonymisiert zudem die Verbindung. So schützt es die Daten – und die Privatsphäre – seines Besitzers.

Eine solche sichere Verbindung quer durch das Internet heißt VPN-Tunnel.

Ein Tunnel in die Niederlande

Jetzt wird es interessant.

Bei vielen VPN-Programmen und -Apps kann man als Benutzer wählen, in welchem Land der sichere Endpunkt der Verbindung stehen soll. Wenn ich einen niederländischen Endpunkt wähle, baut meine VPN-App einen Tunnel von meinem aktuellen Aufenthaltsort in die Niederlande auf. Wenn mein Browser danach eine Webseite aufruft, denkt der Server, dass ich mich in den Niederlanden befinde.

Ich habe also einen Tunnel in die Niederlande „gegraben“. Tausend Mal schneller und bequemer allerdings als unser Held aus dem ersten Absatz.

Die Software, die ich für die VPN-Verbindung nutze, heißt Tunnelbear. Sie wird von der kanadischen Firma TunnelBear Inc. entwickelt. Es gibt sie für Mac, Windows, iPhone & iPad und für Android.

Tunnelbear VPN-Verbindung in die Niederlande

Nach dem Start des Programms oder der App wählt man, in welches Land Tunnelbear eine VPN-Verbindung aufbauen soll. Nachdem das VPN aktiv ist, kann man die geo-geblockte Website, die man sehen möchte, ansteuern und sich die gewünschten Inhalte anschauen.

So einfach ist es?

Ja, so schnell kann man sich im Internet von Deutschland in die Niederlande beamen.

Tunnelbear – aktiver VPN-Tunnel

Tunnelbear – der Tunnel von Deutschland in die Niederlande ist aktiv.

Kostet das was?

In der kostenlosen Version kann man mit Tunnelbear 500 MB pro Monat streamen. Zum Testen oder sehr gelegentlichen Anschauen von niederländischen Sendungen reicht das. Ein uneingeschränktes Datenvolumen bekommt man für etwa 5 US-Dollar auf Monatsbasis.

Nach Gebrauch kann man den Tunnel mit einem Klick wieder deaktivieren. Man landet dann wieder in seinem Ursprungsland.

Ist das Umgehen von Geoblocking-Maßnahmen legal?

Darf man geografische Sperren umgehen? Die Frage kann ich als Nicht-Juristin nicht eindeutig beantworten. Ich – und viele mit mir – bin der Ansicht, dass es nicht gegen geltendes Recht verstößt. Letztendlich muss jedoch jede(r) für sich entscheiden, ob diese Lösung für ihn oder sie in Frage kommt.

Bildnachweis: Foto von Oscar Söderlund (via Unsplash. Lizenz: Public Domain)


Verpasse keinen Artikel – Alle neuen Beiträge bequem per E-Mail erhalten.

Vielleicht auch interessant:

Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du fast 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Hallo Alex, Persoonlijk gebruik ik een andere VPN aanbieder „Hide My Ass“. Ook daar betaal ik een bedrag per periode en kan dan de Nederlandse zenders zonder restricties ontvangen. Bij mij is daar maar een maar en dat is Netflix die de Nederlandse inhoud niet toelaat. Hoe men dat doet is mij vooralsnog een raadsel.
    Groeten, Jan

    Antworten

    1. Hallo Jan, van Hide My Ass heb ik gehoord. Fijn dat je daar tevreden mee bent.

      Wat raar dat het bij Netflix niet werkt. Heb je daar een Nederlandse of een Amerikaanse account?

      Antworten

  2. Ich kann noch berichten, dass man viele Inhalte von NPO, die geografisch geblockt sind, auf dem Umweg über des OnlineProgrammaGemistDownloaders sehen kann. Man kopiert ja da den Link der NPO-Sendung auf die niederländische Webseite des OnlineProgrammaGemistDownloaders und lädt die Sendung anschliessend herunter. NPO denkt in diesem Fall, dass ganze würde nach NL heruntergeladen. Die Tunnellösung plane ich nichtsdestotrotz auch schon lange, ich dachte an IPVanish… Die regionalen Omroepen kann man übrigens alle hier über Internet sehen (Omroep Gelderland, AT5, enz.)

    Antworten

    1. Hoi Joost, zu GemistDownloader gibt es hier auf buurtaal einen eigenen Artikel.

      IPVanish soll auch ein guter VPN-Client sein. Du kannst ja mal berichten, wenn du beschließen solltest, ihn zu installieren.

      Antworten

      1. Hoi Alex,

        mal eben eine Info ein wenig off topic – gerade wollte ich mir „Fons bij de buren“ herunterladen, stelle ich fest, daß NPO jetzt denselben Schiet macht wie noch vor einiger Zeit die Belgier: Ein Download wird in viele endlose Schnipsel zerkleinert, so daß ein Download faktisch nicht mehr möglich ist. Auch einloggen bei NPO ändert daran nichts. Jetzt muß ich wieder zu meinem Screenshot-Recording-Tool greifen. Wie gesagt, dies nur als Info, off topic.

        Antworten

        1. Noch eine Ergänzung zum Thema: Download geht noch bei tvblik.nl. Dort findet sich vieles, aber nicht alles neuere Material. Aber wenigstens werden hier die Streams nicht zerhackt – noch nicht. Aber wie lange noch??

          Tunnelbear funktioniert bei ausländischem Material übrigens auf beiden Sites nicht. Auf npo gehts nur mit einloggen und anmelden.

          Antworten

          1. Bedankt voor de tip, Patricia.

            Antworten

            1. Graag gedaan, Alex! Aber ich war etwas voreilig: Bei ganz frischem Material tut der Tunnelbear doch seinen Dienst. Also schnell zugreifen und downloaden, sonst muß man sich anmelden … und sich zu erkennen geben.

              Antworten

            2. Und hier noch ein Tip: Während man den Download auf NPO vergessen kann, funktioniert er offensichtlich noch auf allen Seiten der jeweiligen Fernsehgesellschaften, also z. B. VARA und NTR. Man begibt sich also auf deren Website, hier kann man die Auflösung mit seinem jeweiligen Dwonload Tool bestimmen und alles bequem am Stück herunterladen.

              Antworten

    2. Das stimmt, dass die regionalen omroepen problemlos als Livestream in Deutschland und anderen Ländern zu sehen sind. Wobei die Qualität der Streams sehr unterschiedlich ist, RTV Drenthe hat z. B. für einen Stream ein recht gutes Bild, während Omroep Zeeland im Vollbild schon ziemlich pixelig ist.

      Ich habe einen Receiver, mit dem man auch Livestreams als Sender abspeichern kann und diese somit bequem auf dem Fernseher anschauen kann, ohne dass man den PC dazu benötigt. Doch das funktioniert nur mit manchen Streams.

      Antworten

  3. Ute Schuurman 30-06-2017 at 21:16

    Machen wir auch so, allerdings mit Cyber Ghost. Die haben zur Zeit eine Aktion 1 Jahr für knapp 25€ . Funktioniert auch gut.

    Antworten

    1. Danke für den Tipp, Ute!

      Antworten

    2. Vorsicht, Cyber Ghost hat seinen Sitz in Rumänien. Von Firmen, deren Sitz in den östlichen Staaten ist, würde ich aus Datenschutz- und Datensicherheitsgründen immer die Finger lassen. Ransomware läßt grüßen.

      Antworten

  4. Kann mir jemand sagen, ob und wenn mit welchem VPN Anbieter Amazon prime Deutschland aus den Niederlanden funktioniert? Die Mediatheken von ARD und ZDF klappen bei geblockten Sendungen problemlos mit Opera als Browser mit meinem Mac.

    Antworten

  5. Geoblocking ist nix för mi! 01-07-2017 at 01:29

    Hi Alex, ich nutze jetzt nur Linux, habe ich auch die Möglichkeit ein Anbieter auf OpenSource-Basis/als Webstreamer mit Tunneling für niederländische TV Programme zu empfangen? Und gibt auch eine kostenlose App per Gnu Lizenz die mir das gleiche wie oben mit guter Qualität ermöglicht?

    Antworten

  6. Danke für Deine Mühe, liebe Alex! Dann werde ich mal den Tunnel graben … 500 MB sind ja gerade mal ausreichend für zwei bis drei Filmchen, aber das ist besser als nichts und schon einmal ein Anfang.

    Einiges von dem, was weggeblockt wird, findet sich ja auch auf youtube. Aber für mich mit meinem kreischenden Tinnitus und damit eingeschränkten Hörverständnis sind die Untertitel der niederländischen Sender schon sehr hilfreich.

    Antworten

    1. Gerne, Patricia.

      Bist du auf Twitter? Indem du über den Service tweetest, kannst du pro Monat 1 GB Datenvolumen „dazuverdienen“.

      Antworten

      1. Nee, Alex, bin nicht auf Twitter und auch nicht auf Gesichtsbuch. Nur in Google Plus bin ich mal reingetappt, ohne je gecheckt zu haben, wie das funzt. Aber StreetView hab ich gehackt, da stell ich nämlich meine Panos ein, ohne „trusted photographer“ zu sein!!!

        Ik ben ook een beetje aso, wil me niet te publiek maken, blijf schuil, speel verstoppertje, want in het achtergrond kijken misschien ook de naarlingen van het Jobcenter mee, wie weet … ?

        Antworten

  7. Einen Tunnel in die Niederlande graben? Als geborener Berliner kenne ich noch Tunnel zwischen Ost- und West-Berlin. Flüchtlinge flohen in die Freiheit. Im Osten sah man „Westfernsehen“. Aber es war verboten. Es musste heimlich geschehen. Jetzt müssen Menschen, die Niederländisch lieben, Tricks anwenden, um niederländisches Fernsehen zu sehen. Es gibt nämlich das Geoblocking. Es muß heimlich geschehen.

    Antworten

    1. Das Westfernsehen in der DDR verboten war, kann man so nicht stehen lassen. Zumindest in den späteren Jahren wurde es von den Behörden offiziell geduldet und ein großer Teil der DDR-Bevölkerung hat sowieso regelmäßig Westfernsehen geschaut. Gerade in den abgelegenen Regionen wie im östlichen Sachsen, wo der Westempfang sehr schlecht oder kaum noch möglich war, wurden sehr aufwendige Antennenanlagen errichtet, um das Westfernsehen einigermaßen sehen zu können. Es entstanden dort auch Gemeinschaftsantennenanlagen, die heute noch als Kabelnetze existieren. Und diese aufwendigen Installationen waren von den lokalen Behörden genehmigt.

      Übrigens kenne ich jemanden, der in den 80ern in Sachsen-Anhalt sogar eine selbst gebaute 1,80 m große Satellitenschüssel betrieben hat, wenn er auch die Genehmigung nicht gleich im ersten Anlauf bekam. Da er aber Rentner war, konnte er in den Westen reisen und hat sich in Düsseldorf eine Genehmigung für den Satellitenempfang von der Deutschen Bundespost besorgt. Mit dieser Genehmigung hat er die lokale DDR-Post überzeugt und durfte seine Schüssel legal zum Sat-Empfang benutzen. Die Schüssel funktioniert übrigens heute noch.

      Antworten

      1. Die Situation in den 80er Jahren war ja auch schon ganz anders gewesen als die Zeit der Tunnel zwischen Ost- und Westberlin nach dem Mauerbau. Ich meinte die Zeit in den 60er und 70er Jahren. Meine Verwandten in Ost-Berlin hatten Westfernsehen heimlich gesehen. Umgekehrt war es für Westberliner kein Problem, die Sendungen von Herrn von Schnitzler zu sehen.

        Antworten

    2. Es muß heimlich geschehen.

      Auch das stimmt so nicht, Nicolas. Es ist nicht illegal, Geoblocking zu umgehen.

      Antworten

      1. Beste Alex,

        ich habe nicht geschrieben, dass es illegal wäre, Geoblocking zu umgehen, sondern dass es „heimlich“ geschehen muss.

        Im Text steht: „Viele Sendungen des niederländischen Fernsehens sind aus rechtlichen Gründen nicht zugänglich, wenn man sie sich aus dem Ausland anschauen möchte“.

        Da diese Sendungen rechtlich nicht zugänglich sind, muss man sich also einen „Tunnel“ bauen und so tun, als ob man in den Niederlanden wäre. Man verheimlicht es, in Deutschland zu leben. Ein Trick, um es zu verschleiern.

        Nichts gegen deine guten Ratschläge für einen „Tunnel“ in die Niederlande. Vielen Dank! Aber wir leben in der heutigen Zeit doch gemeinsam in Europa? Da finde ich es „erg vervelend“ und „heel lastig“, dass man so einen Tunnel braucht…

        Daar ben ik dus een beetje boos op. Groeten, Nicolas

        Antworten

        1. Hoi Nicolas, heimlich trifft es für mich nicht, denn ich mache nichts im Verborgenen. Ich tausche – ganz offen – meine „deutsche“ IP-Adresse gegen eine niederländische aus.

          Mit „nicht rechtlich zugänglich“ meinte ich: aus lizenzrechtlichen Gründen nicht zugänglich. Das werde ich im Blogartikel anpassen, damit es deutlicher ist.

          Antworten

        2. Wenn die NPO z. B. Filme in England einkauft, hat sie dafür nur die Senderechte für die Niederlande. Für mehrere Länder würde es teurer. Ich denke, in diesem Falle bekommen die Filmhändler den Schwarzen Peter, die ja auch kontrollieren wollen, wo ihr Material zu sehen ist, und nicht die Sendeanstalten. Denn deren selbst produziertes Material wird ja nicht so rigide gehandhabt und kann international betrachtet werden.

          Antworten

  8. Bisher hatte ich mit der neuen NPO-App, die seit einigen Tagen downloadbar ist, noch keine rechtebeperking beim Live Fernsehen. Bei der Vorgängerversion war live in Deutschland nicht möglich.

    Ich habe mir gestern Abend die neue Folge Grantchester auf NPO 2 live angesehen.

    Bei den Tunnellösungen beachten, dass man ein Loch zum Rechner öffnet, durch welches auch ungebetene Gäste eindringen können.

    Antworten

  9. Leider hat seit heute die App wieder die bekannten Sperren. Schade.

    Antworten