Typisch Deutsch: Maultaschen

Maultaschen: Ein leckeres deutsches Gericht mit einem Namen, dessen Herkunft nicht genau feststeht. Diese mit Fleisch und Gemüse gefüllten Teigpäckchen erinnern an Ravioli. Woher genau sie kommen und was es mit dem Namen auf sich hat, ist nicht ganz klar. [ … ]

Ein leckeres deutsches Gericht mit einem Namen, dessen Herkunft nicht genau feststeht.

Maultaschen in der Pfanne

Typisch deutsch – schwäbisch, um genau zu sein – und ziemlich lekker sind Maultaschen. Diese mit Fleisch und Gemüse gefüllten Teigpäckchen erinnern an Ravioli, sind aber deutlich größer, sodass man von drei oder vier Stück schon ordentlich satt wird.

Herkunft in (Koch-)Dunst gehüllt

Der Name dieser Nudelvariation regte sofort meine Fantasie an. Waren es etwa Taschen, die man ins Maul stecken konnte? Und wer hat sie erfunden? Das scheint nicht so ganz klar zu sein.

Eine populäre Erklärung sowohl für Namen als auch für Herkunft führt die Zisterziensermönche aus dem Kloster Maulbronn als Urheber an. Der Überlieferung nach suchten sie nach einer nicht allzu offensichtlichen Art, auch in der Fastenzeit Fleisch essen zu können. Mit ihren Teigtaschen hofften sie, sogar den Allmächtigen hinters Licht zu führen. Daher auch der schwäbische Spitzname „Herrgottsb’scheißerle“.

EU-Schutz

Etwas prosaischer ist die Möglichkeit, dass italienische Einwanderer das Teiggericht nach Süddeutschland mitgebracht haben. Wer auch immer die „deutschen Ravioli“ erfunden hat, seit 2009 sind Schwäbische Maultaschen von der EU in ihrer Herkunftsbezeichnung geschützt. Das gilt zum Beispiel auch für Käse aus Nordholland.

Ohrfeigen …

Mein etymologisches Wörterbuch nennt jedoch noch eine andere mögliche Herkunftserklärung. Das Wort Maultasche wurde in früheren Jahrhunderten auch in der Bedeutung Ohrfeige oder Backpfeife verwendet. Der zweite Teil der Zusammenstellung – Tasche – ginge dann auf das Verb tatschen im Sinne von schlagen oder hauen zurück. Über die Assoziation „angeschwollen“ kann das Ohrfeigen-Synonym also Namensgeber der Teigtasche gewesen sein.

… und „Maulbirnen“

Diese ursprüngliche Bedeutung von Maultasche gibt es im heutigen Deutschen nicht mehr. Ohrfeige gehört noch zur Standardsprache. Im Niederländschen kennt man nicht nur de oorvijg sondern analog dazu auch das Wort muilpeer. Wortwörtlich würde man es mit „Maulbirne“ übersetzen und es bedeutet „Schlag ins Gesicht“.

Zu guter Letzt ist nicht auszuschließen, dass das Wort Maultaschen im Sinne von gut gefüllten Hamsterbacken zu verstehen ist.

Füllung

Zurück zur kulinarischen Schaubühne. Traditionell sind Maultauschen mit einer Mischung aus Wurstbrät, Spinat, Zwiebeln und eingeweichten Brötchen gefüllt. Variationen davon gibt es natürlich zuhauf. Eine beliebte Zutat ist Lachsfilet anstelle von Wurstbrät. Maultaschen in Brühe zu servieren ist der Klassiker.

Wer weder Fleisch noch Fisch isst, entscheidet sich für eine vegetarische, mit Gemüse gefüllte Variante. Seiner Kreativität kann man nicht nur bei der Füllung sondern auch bei einer Sauce freien Lauf lassen. Vielversprechend klingen zum Beispiel Pfifferling-Rahm-Sauce oder Salbeibutter.

Hand anlegen?

Ich muss gestehen, dass ich Maultaschen bislang noch nie selbst gemacht habe. Man kann sie hierzulande ja bequemerweise pfannenfertig kaufen. Das ideale Gericht für Tage, an denen man wenig Zeit hat: in der Pfanne mit ein paar gehackten Zwiebeln und darübergeschlagenen Eiern angebraten (schwäbisch: g’schmälzt) und vermischt ergeben sie mit Tomatenketchup serviert eine schnelle, nahrhafte Abendmahlzeit.

Die hier verlinkten Rezepte machen mir aber Lust, mich an dieser schwäbischen Spezialität zu versuchen. Habt Ihr schon einmal selbst Maultaschen gemacht? Habt Ihr vielleicht noch gute Tipps?

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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Ja, seeeehr lecker, vor allem die selbst gemachten!
    Im Schwabenländle gibt es heute noch bei ganz vielen Leuten immer an Gründonnerstag Maultaschen. Das ist wohl ein Überbleibsel aus der Fastentradition, so wie der Fisch an Karfreitag, den man ja in anderen Gegenden auch kennt.
    Ich habe ein altes schwäbisches Landfrauen-Rezept, nach dem ich Maultaschen ab und zu selber herstelle. Da kommt anstelle des Brötchens eine Laugenbrezel rein, die aber getrocknet und gerieben sein muss. Außerdem Eier, Petersilie und gerauchte Schinkenwurst und die oben schon erwähnten Zutaten.
    Das ist immer eine etwas aufwändige Aktion, aber ich mache dann eine größere Menge und friere sie portionsweise ein, dafür lohnt es sich dann. Und geschmacklich sind sie mit keiner gekauften Sorte zu vergleichen, das findet auch meine Familie :-)

    Meine allerliebste Variation für Maultaschen ist folgende: Ich schneide sie in Scheiben, schichte sie mit frischen Tomaten dachziegelartig in eine gefettete Auflaufform, dann kommen angebratene Zwiebeln drüber, mit etwas Sahne verquirltes Ei und geriebener Käse.
    Ca. 20 Minuten in den Ofen zum Überbacken – mmhh!!

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    1. Das klingt großartig – ich komme vorbei!

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  2. Muilzakken, heerlijk! Maar ze zelf maken lijkt me te veel werk.

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  3. Ganz schnelle Küche: Maultsche auf Teller, Scheibe Käse drüber und in die Mikrowelle.

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      1. Gestern wieder gemacht, unbedingt danach den Teller einweichen, das schafft die Spülmaschine nicht.

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        1. Das kann ich mir vorstellen ;-)

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  4. „Maultasch“ war auch der Beiname einer Herzogin… Der Wikipedia-Artikel ist zwar schlecht geschrieben, aber die Deutungsversuche für „Maultasch“ sind doch ganz interessant: http://de.wikipedia.org/wiki/Margarete_von_Tirol

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