Machen und tun

Zuletzt aktualisiert am 17. Oktober 2017

Auch bei scheinbar ähnlichen Wörtern verhalten sich das Deutsche und das Niederländische nicht immer gleich …

Tatendrang

Machen heißt auf Niederländisch maken und tun heißt doen (Aussprache-Tipp). Einfach, oder?

Na ja, doch nicht so ganz. Denn es gibt viele Situationen, in denen man es in der jeweils anderen Sprache genau umgekehrt macht. Oder genauer gesagt: Wo man im Deutschen machen nutzt und im Niederländischen doen.

Lampe

In einer deutschen Beziehung hört man zum Beispiel:

Schatz, machst du bitte das Licht aus?

Ja, ich mache es gleich aus.

In einer niederländischen Beziehung klänge das gleiche so:

Lieverd, doe je het licht even uit?

Ja, ik doe het zo uit.

Schluss machen

Wer in einer interkulturellen Beziehung lebt, sollte sich hüten, hier

Ik maak het uit

zu sagen.

Niederländische Muttersprachler werden bei diesen Worten unwillkürlich zusammenzucken. Mit diesem kurzen Satz beendet man nämlich eine Beziehung. Der Ausdruck het uitmaken heißt nämlich mit jemandem Schluss machen.

Maken

In den meisten Fällen ist die Verwendung des richtigen Verbs zum Glück jedoch nicht so kritisch wie in der oben geschilderten Situation. Als Faustregel ist maken etwas „kreativer“ und tun etwas „prosaischer“. Das gilt jedoch längst nicht immer.

Maken nutzt man zum Beispiel, wenn es darum geht

1) etwas zu schaffen, das vorher noch nicht da war:

Het kleinkind maakt een tekening voor oma en opa.

De buren (Aussprache) maken weer ruzie – die Nachbarn streiten sich wieder.

2) jemanden oder etwas in einen bestimmten Zustand zu versetzen:

Het kleinkind maakte opa en oma blij met een tekening.

Geld maakt niet gelukkig.

In solchen Fällen unterscheidet sich das Niederländische kaum vom Deutschen.

Etwas heil machen

Ferner kann maken im Sinne von reparieren verwendet werden.

Fahrrad

Mijn fiets was kapot. Ik heb hem weer gemaakt.

Kranke Personen jedoch werden beter gemaakt. Oder auch: genezen.

De arts maakte de patiënt snel weer beter.

Türen, Fenster, Vorhänge, Schubladen

Dinge, die zu-, auf-, an- oder ausgehen können, kombiniert man im Niederländischen mit doen, statt mit maken:

Ik doe de gordijnen dicht.

Doe jij het raam even open en het licht aan?

EinbrecherErfordert das Öffnen etwas mehr Aufwand, dann sagt der Niederländer wieder maken:

De inbreker maakte de brandkast open. – Der Einbrecher öffnete den Tresor.

Briefe

Auch Briefe werden opengemaakt:

Met trillende handen maakte hij de brief van de belastingdienst open. – Mit zitternden Händen öffnete er den Brief des Finanzamtes.

Wer sich hier nicht zwischen maken und doen entscheiden möchte, kann auch openen (öffnen) sagen. Bei Türen und Fenstern ist die Form opendoen jedoch wesentlich geläufiger. Gleiches gilt für sluiten (schließen) und dichtdoen.

Sich verhalten

Wenn jemand sich auf eine bestimmte Art und Weise benimmt oder verhält, nutzt man im Niederländischen doen:

Doe niet zo raar. – Sei nicht so komisch.

Zij doet alsof ze niets hoort. Sie tut so, als würde sie nichts hören.

Hij doet nogal uit de hoogte. Er benimmt sich ziemlich herablassend.

Platzieren

Doen ist auch das Verb der Wahl, wenn es darum geht, etwas irgendwo hinzustellen, hinzulegen oder hineinzutun:

Einkaufskorb

Ik doe de dop op de fles. – Ich mache den Deckel auf die Flasche.

Hij doet de boodschappen in het winkelmandje. – Er legt die Einkäufe in den Einkaufskorb.

Noch mehr maken und doen

Zum Schluss noch eine kleine Liste mit festen Ausdrücken, in denen maken und doen vorkommen. Sie ist keineswegs erschöpfend. Wenn Du eine schöne Ergänzung hast, kannst Du sie gerne als Kommentar hinterlassen.

Doen

geen oog dichtdoen – kein Auge zumachen
Wat kan ik voor u doen? – Was kann ich für Sie tun?
(umgs.) Doe mij maar een biertje. – Ich hätte gern ein Bier.
zaken doen – Geschäfte machen
Hij doet het heel goed op school. Er kommt prima zurecht in der Schule.
pijn doen – schmerzen, wehtun
(ironisch) je doet maar – mach nur!
Ik doe aan sport. – Ich mache/treibe Sport
Ik kan er niets aan doen. – Ich kann nichts dafür.
Daar is niets aan te doen. Da kann man nichts machen/ausrichten
Hij doet twee uur over de reis. Er braucht zwei Stunden für die Reise.
Al doende leert men. – Übung macht den Meister.
iemand de groeten doen – jemanden grüßen lassen
een aanbetaling doen – eine Anzahlung machen/leisten
het doen – es tun (Sex haben)
boodschappen doeneinkaufen
het in zijn broek doen – in die Hosen machen
Waar doet hij het van? – Wie kann er sich das leisten (finanziell)

Maken

een afspraak maken – einen Termin machen
plannen maken – Pläne schmieden
een verslag maken – einen Bericht verfassen
aanspraak maken op iets – auf etwas Anspruch erheben
Hoe maakt u het? – Wie geht es Ihnen?
het huis schoonmaken – das Haus sauber machen (putzen)
Maak het kort! – Fasse dich kurz!
het niet lang meer maken – es nicht mehr lange machen (bald sterben)
Daar heb ik niets mee te maken. – Damit habe ich nichts zu tun.
Je kunt me niets maken. – Du kannst mir nichts anhaben
het (helemaal) maken – (unheimlich) erfolgreich sein
een kans maken – eine Chance haben
een keuze maken – eine Auswahl treffen


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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du fast 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Ich habe mal gehört dass der Ausdruck ‚Dat kun je niet maken!‘ aus dem Deutschen stammt. Tatsächlich würde man eher ‚Dat kun je niet doen‘ erwarten. Aber sagt man heutzutage auf Deutsch nicht eher ‚Das kannst du nicht bringen‘?

    Antworten

    1. Dat kun je niet maken aus dem Deutschen übernommen? Interessant! Lässt sich da eine Quelle auftreiben?

      Ich höre in der Praxis sowohl das kannst du nicht machen als auch das kannst du nicht bringen.

      Antworten

    2. Heinz Asmus 25-05-2016 at 18:31

      „Das kannst du nicht bringen“, erscheint mir eher als jugendsprachlich. Ich selber (66) benutze es nicht, kenne es aber von meinen Kindern. Und ich verstehe es sogar ;-))

      Antworten

      1. Sehe ich ähnlich – ich benutze beides, aber in unterschiedlichen Kontexten bzw. Situationen bzw. je nachdem mit wem ich es zu tun habe (ich bin 46):
        wenn ich besonders „flapsig rüberkommen will“ benutze ich „das kannst Du nicht bringen“, normalerweise verwende ich aber „das kannst Du nicht machen“.

        Antworten

    3. Danke für Eure muttersprachlichen Rückmeldungen, Heinz und Andrea!

      Antworten

  2. Hallo Alex,
    wie schaffst Du es nur immer genau die Themen anzusprechen, die mich gerade beschäftigen? :-) In meinem Kurs werden die Wörter zwar benutzt und übersetzt, aber so wichtige Details fallen unter den Tisch.
    Vielen lieben Dank. Und mach weiter so!

    Antworten

    1. Das freut mich, Andrea. Danke!

      Antworten

  3. Stimmt, über die unterschiedliche Verwendung von „tun“ und „doen“ musste ich anfangs oft schmunzeln. Kinder neigen ja dazu, im Deutschen viel „tun“ zu verwenden. Das wird Ihnen in der Schule dann aber sorgsam abgewöhnt. Das Niederländische erinnert mich in diesem Punkt an die kindliche Sprache. Niedlich ;-).

    Antworten

    1. Hoi Momo, eine Frage aus der anderen Perspektive: Was ist denn eigentlich so schlimm an tun?

      Antworten

      1. Bettina Voigt 22-05-2016 at 19:18

        In der Schule hat man uns eben nun mal beigebracht, daß es schlechter Ausdruck ist, dieses Wort zu verwenden. Man tut z. B. nicht lesen, sondern man liest. „Tuten tut der Nachtwächter“ hieß es dann immer. Ebenso sollten wir nicht sagen „es gibt“, denn „Gips gibt´s in der Gipsfabrik“. Einen Sinn sehe ich da, ehrlich gesagt, auch nicht drin, aber es war eben so (und ist es vielleicht auch noch heute).

        Antworten

        1. Das ist ja interessant. Ein Deutsch ohne die Konstruktion „es gibt“ kann ich mir überhaupt nicht vorstellen …

          Antworten

          1. Es geht auch weniger um „es gibt“, sondern eher um die Kurzfassung „gibt’s“.
            „Es gibt“ ist durchaus gebräuchlich.

            Antworten

            1. Dann bin ich ja beruhigt ;-)

              Antworten

        2. „Tun“ ist eher umgangssprachlich und Kinder verwenden es häufig auch doppelt gemoppelt, z. B. ‚ich tut lesen tun‘. Die Sache mit ‚es gibt‘ ist mir kein Begriff. Ist vielleicht etwas Regionales.

          Antworten

          1. Diesen (sehr) umgangssprachlichen Gebrauch von „doen“ trifft man im Niederländischen manchmal auch an:

            Doe jij eens even opschieten …

            Antworten

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