En dan is er koffie … Kaffee in den Niederlanden

Die Niederländer sind Kaffeetrinker. Die niederländische Entsprechung zu Milchkaffee ist koffie verkeerd – „falscher oder verkehrter Kaffee“. Unter „Kaffeezeit“ versteht man in den Niederlanden jedoch etwas anderes als in Deutschland…

Zuletzt aktualisiert am 14. November 2017

Genauso wie die Deutschen trinken die Niederländer gern Kaffee. Nur die Zeiten, an denen sie dies tun, sind unterschiedlich.

Kaffee gehört für viele Niederländer und Deutsche zu einem guten Start in den Tag. Im Schnitt verbrauchen beide Nationalitäten in etwa gleich viel der braunen Substanz: etwa 7 Kilo pro Kopf oder umgerechnet knappe 150 Liter pro Jahr. Das sind schon ein paar Tassen am Tag.

In den Niederlanden trinkt man genauso gerne wie in Deutschland zwischendurch mal einen Latte Macchiato oder einen Milchkaffee. Die niederländische Entsprechung zu letzterem ist koffie verkeerd („falscher Kaffee“). Das verkeerd im Namen bezieht sich auf das Mengenverhältnis: mehr Milch als Kaffee – im Prinzip also ein café au lait.

Wie Latte Macchiato wird koffie verkeerd meistens im Glas serviert. Wer als Deutsche(r) in den Niederlanden einen koffie verkeerd bestellt, darf sich jedoch nicht über das vergleichsweise kleine Glas wundern. Milchschalenformat ist man im Nachbarland nicht gewohnt.

Pünktlich zum Kaffee …

Wird man in Deutschland zum Kaffee eingeladen, handelt es sich eigentlich immer um eine Verabredung am Nachmittag – so ab vier Uhr. Den Begriff koffietijd kennt man in den Niederlanden auch, allerdings bezeichnet man damit die Zeit zwischen 10 und 11 Uhr morgens. Den gemütlichen Plausch am Nachmittag nennen die Niederländer theetijd – selbst wenn sie dann durchaus auch Kaffee trinken ;-)

Kaffeezeit und koffietijd entpuppen sich also gewissermaßen als kulturelle falsche Freunde. Wenn man nicht über die jeweiligen Gepflogenheiten Bescheid weiß, führt das schnell zu Missverständnissen. Ich selbst habe tatsächlich in meiner Anfangszeit in Deutschland eine Freundin an einem Sonntagmorgen aus dem Bett geklingelt, weil sie mich zum Kaffee zu sich geladen hatte. Seit diesem Erlebnis wissen wir beide um diesen kulturellen Unterschied …

Wieviel ist ein Pott?

Auch der in Norddeutschland beliebte Pott Kaffee ist ein falscher Freund. Im Niederländischen ist mit een pot koffie immer eine ganze Kanne gemeint.

Pott Kaffee

Niederländische Tradition: Kaffee nach dem Abendessen

Eine typisch niederländische Angewohnheit ist auch der Kaffee nach dem Abendessen. Ich meine hier nicht den Espresso beim Tafeln im Restaurant, der auch in Deutschland durchaus üblich ist, sondern den heimischen Filterkaffee. Spätestens wenn der letzte Teller in der Geschirrspülmaschine verschwunden ist, surrt schon het koffiezetapparaat (die Kaffeemaschine). Trinken tut man diesen abendlichen Kaffee gerne vorm Fernseher, wo er die Acht-Uhr-Nachrichten verdaulicher machen soll.

Kaffee in der Presskanne

In Deutschland ist „normaler“ Kaffee nach dem Abendessen eher ungewöhnlich. Ich kenne sogar viele Leute, die schon ab vier Uhr nachmittags dankend ablehnen. Die Begründung: Sonst kann ich nicht schlafen.

Kekse auf Ration

Ach übrigens: Dass man bei den Niederländern zuhause zum Kaffee immer nur einen Keks gereicht bekommt, möchte ich bei dieser Gelegenheit gern als Ammenmärchen entlarven (es wird mir nicht gelingen, ich weiss …) Das mag in den calvinistischen Fünfzigern tatsächlich der Fall gewesen sein, hat mit der heutigen Realität jedoch wenig zu tun. Allerdings ist das durchschnittliche Aufgebot an Keksen und Kuchen zum deutschen Kaffee aus niederländischer Sicht schon sehr üppig. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Post.

Vielleicht auch interessant:

Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Ach übrigens: Dass man bei den Niederländern zuhause zum Kaffee immer nur einen Keks gereicht bekommt, möchte ich bei dieser Gelegenheit gern als Ammenmärchen entlarven (es wird mir nicht gelingen, ich weiss …)

    :mrgreen:

    Mir war sogar die Legende neu, und ich will sie unbedingt weitertratschen!

    Wieder ein sehr interessanter Artikel, danke. (Zum veränderten Kaffeetrink-Verhalten der Deutschen ließe sich auch einiges sagen, also zu den Themen „obskure Tütenkaffeemischungen“, „Latte macchiato“ etc.)
    .-= Harkis letzter blog ..Weg mit § 307! =-.

    Antworten

    1. Ich habe das selbst erlebt, als ich bei meinen zukünftigen Schwiegereltern zu Besuch war. Da wurde Tee serviert, und dann stand meine Schwiegermutter auf, holte eine Keksdose (koektrommel) aus dem Schrank und reichte diese herum. Jeder nahm sich einen Keks, und danach verschwand die Dose wieder im Schrank. Ich hätte gern mehr gehabt, traute mich aber nicht zu fragen. War schon irgendwie ungemütlich.
      Ich muss dazu sagen, dass meine Schwiegereltern 1925 geboren sind, und zu diesem Zeitpunkt schon über 70 Jahre alt waren.

      Antworten

  2. Mir war sogar die Legende neu, und ich will sie unbedingt weitertratschen

    Nur zu ;-)

    Und ja, über die heutige „Kaffee-Mode“ könnte man in der Tat einiges schreiben…

    Antworten

  3. Ich kannte mal jemanden, der bei einer bekannten Kaffeefirma in Bremen gearbeitet hat. Das war zu der Zeit, als die Kaffeepreise gerade so ganz im Keller waren, also so gegen 2004. Und zumindest zu der Zeit waren diese Tütchenmischungen, so ist mir berichtet worden, zusammen mit den Pads sozusagen der Rettungsanker für die Röstereien, weil sich mit Röstkaffee (also „normalem“ Kaffee) einfach kaum noch was verdienen ließ. Also hatte diese Mode zumindest damals also auch ihr Gutes. ;-)
    .-= Harkis letzter blog ..Weg mit § 307! =-.

    Antworten

  4. Gerade die Pads („Senseo“) haben auch die Niederlande im Sturm erobert. Einerseits durchaus praktisch, diese Kaffee-Portiönchen, andererseits kommen sie geschmacklich nicht an „echten Kaffee“ heran, finde ich. Aber vielleicht bin ich auch altmodisch – ich mache meinen Kaffee am liebsten mit dem „French Press“-Verfahren…

    Antworten

  5. Gerade die Pads (“Senseo”) haben auch die Niederlande im Sturm erobert.

    Ah, sieh da!

    Und Du hast ja gar nichts über die (traditionelle) holländische Methode der Kaffeezubereitung geschrieben. Daher vermute ich, daß sie sich nicht großartig von der deutschen (also eben Aufgießen oder Filtern) unterscheidet?
    .-= Harkis letzter blog ..Weg mit § 307! =-.

    Antworten

  6. Bevor Senseo (Philips) seinen Siegeszug durch die Niederlande begann kochte man Kaffee tatsächlich meist so wie in Deutschland auch, wobei die Filtermethode die meisten Anhänger hat(te)…

    Antworten

    1. Der Siegeszug der Senseo ist in den Niederlanden vorbei. Man kocht Kaffee wieder auf herkoemmliche Weise, und natuerlich nur mit D&E rood ;-)

      Antworten

      1. Zurück zum guten alten Filterkaffee? Gar keine schlechte Entwicklung :-)

        Antworten

    2. Ich habe noch eine andere Art der Kafffeezubereitung in den Niederlanden mitgemacht: Man machte ganz starken Kaffee (Extrakt), der dann im Laufe des Tages mit kochender Milch aufgegossen wurde. Dazu noch „een schepje Buisman“ = gebrannte Zichorie) = dunkles Puder, das dem Kaffee aufhalf, ihn meist aber bitter machte.

      Den schlimmsten Kaffee habe ich mal bei einer Zeeuwschen Bäuerin getrunken.
      Sie verwendete wahrscheinlich frisch gemolkene Milch: auf dem Kaffee schwammen dicke Fettaugen.
      Heutzutage trinke ich am liebsten Kaffee im Restaurant aus den modernen Automaten. Wenn der Kaffeeschaum an den Wänden der Kaffeetasse hängenbleibt, ist der Kaffee ausgezeichnet. Nur sind mir die Tassen hier gemeinhin zu klein. Zwei Schlucke und der Kaffee ist alle. Der eine Keks zur Tasse Kaffee ist noch nicht völlig unüblich geworden. Ist wohl auch eine Generationsfrage.
      In Deutschland trank ich am liebsten Kaffee bei Eduscho oder Tchibo am Stehtisch. Als Kaffeefirma mussten die guten Kaffee servieren und preiswert war er auch.

      Antworten

      1. Vielen Dank für diesen Einblick in Deine Erfahrungen Elise.

        Antworten

  7. Gut, danke für die Bestätigung! :-)
    .-= Harkis letzter blog ..Weg mit § 307! =-.

    Antworten

  8. […] geef de loodgieter en de leden van het kamerorkest een kopje koffie . Ich gebe dem Klempner und den Mitgliedern des Kammerorchesters eine Tasse […]

    Antworten

  9. […] kann man eigentlich zu jeder Gelegenheit essen, sie schmecken aber besonders gut zu einer Tasse Kaffee oder Tee. Als ich noch in den Niederlanden lebte, fand ich sie witzigerweise nie besonders […]

    Antworten

  10. […] Ich bin damit flexibler, nicht an Zeiten gebunden und kann mehr Kostbarkeiten wie alten Gouda und niederländischen Kaffee mit zurück nach Hannover […]

    Antworten

  11. Es gibt einige Mythen ueber den hollaendischen Kaffee, die haltlos sind. So hat das Fehlen eines waardebon (Gutschein) auf der Verpackung keinen Einfluss auf den Geschmack des Inhalts. Ebensowenig der Einsatz von Zuckerstuecken, Suessstoffpaeckchens oder Kaffeeweissers, die man in irgendwelchen Restaurants stibitzt hat. Ob der Kaffee im Keller oder anderen unterirdischen Lokalitaeten aufgebrueht wird macht keinen Millimeter Unterschied. Und das Umruehren mit einem Loeffelchen, dass eine Woche lang im Spuelwasser gelegen ist, bedeutet hoechstens das Ende des Loeffelchens, nicht aber des Kaffees.

    Antworten

  12. Mein Mitbewohner hatte auch eine Senseo Maschiene….ab 21h wurde die angeworfen. Mir war das immer zu spät. Ich fand es immer faszinierend, wie man so spät Koffein verträgt und danach schlafen kann…..Ist sicher genetisch;)

    Antworten

    1. Ich glaub‘ eher, dass es Gewöhnung ist :-)

      Antworten

  13. […] Ihren charakteristischen Geschmack erhält diese Variante durch die Zugabe von Karamell und Kaffee, zwei Dinge, die ich besonders gerne […]

    Antworten

  14. Volgens mij is een koffie verkeerd een koffie met slagroom in plaats van melk.
    Men noemt dit ‚verkeerd‘ vanwege de extra calorieen die niet goed zijn voor de lijn.

    Antworten

    1. Leuk bedacht Fred, maar koffie verkeerd is toch echt koffie met erg veel (warme) melk.

      Antworten

  15. […] Tage zu haben, in denen ich ausschlafe, lange Spaziergänge mache, mich mit guten Freunden zum Kaffee treffe und stundenlang Bücher lese. Was macht Ihr in diesen […]

    Antworten

  16. […] Gebieten kaufen ihren Kaffee anscheinend lieber in den Niederlanden. Dabei geht es nicht um niederländischen Kaffee, sondern um herkömmliche deutsche Marken. Sie sind hinter der Grenze nämlich günstiger zu haben […]

    Antworten

  17. […] es sich bei diesem Phänomen um ein weiteres calvinistisches Überbleibsel aus Zeiten, in denen des Pfarrers Wort Gesetz war? Wer gottesfürchtig, rechtschaffen und sparsam […]

    Antworten

  18. […] frage ich mich, in welchen Kreisen sich die beiden Autorinnen bewegen, denn dieser eine schlichte Keks zum Kaffee, über den sich beide beschweren, ist schon längst ein […]

    Antworten

  19. […] mehr als 20 Jahren immer wieder ins benachbarte Ausland in den Urlaub fahren, sich nicht mal den Kaffee auf Niederländisch bestellen können? Dass sie nicht einmal so freundlich sind und fragen, ob das […]

    Antworten

  20. Ik ben een keer in Venlo geweest en heb daar voor het eerst een „koffie verkeerd“ besteld. Maar dat zal ik niet meer doen, want die was van kondensmelk gemaakt en niet van „echte“ melk. Dus daarom bestel ik in Nederland liever een „café au lait“. Wat ik ook in Nederland wil drinken is een equivalent van de Duitse „Milchkaffee“.

    Antworten

    1. Hm, einen echten Milchkaffee wirst Du, glaube ich, in den Niederlanden nicht so schnell finden. Koffie verkeerd kommt dem noch am nächsten, aber die Becher/Gläser sind viel kleiner als in DE. Er sollte übrigens mit normaler Milch gemacht werden – da hast Du in Venlo wirklich pech gehabt.

      Antworten

  21. […] je koffie of thee? –> Möchtest du Kaffee oder […]

    Antworten

  22. Zum Thema Kaffee kann ich eine Anekdote beitragen:

    Als ich noch in Berlin wohnte, war ich die letzten Jahre lang regelmäßiger Stammgast bei einem monatlich stattfinden „niederländischen Abend“: Wir waren eine Gruppe aus ca. 20 Leuten. Ich war der Jüngste, die meisten waren niederländisch-stämmige Seniorinnen und Senioren.

    Die letzten Male habe ich immer meine ganzen CDs mit alten niederländischen Liedern mitgebracht + meinen CD-Player. Über diese „Hintergrundbeschallung“ haben sich wirklich alle sehr gefreut, manchmal waren einige sogar zu Tränen gerührt…

    Nun ja, jetzt zum eigentlichen Thema: Zu Beginn eines jeden niederländischen Abends schenkte die Frau des Initiators Kaffee für die Teilnehmer ein. Und genau in diesen Augenblicken, während sie einschenkte, hörte man immer aus meinem CD-Player Rita Corrita mit „Koffie, koffie, lekker bakkie koffie…“
    Dass die ganze Gruppe darüber immer geschmunzelt und sich gefreut hat, kann man sich sicher vorstellen…

    Groetjes van Ricardo!

    Antworten

    1. Heel toepasselijk :-)

      Antworten

  23. […] morgendlichen ausprobieren. An der Poolbar genieße ich zunächst gemütlich im Bademantel einen Koffie verkeerd und stöbere in der Zeitung, die mit einem Gutenmorgengruß bereits an der Hotelzimmertüre hing. […]

    Antworten

  24. Ein Bekannter aus Amsterdam hat mir beigebracht, dass man nur einen Keks pro Kaffee bekommt. Das geschah beim Kaffeetrinken, er hatte eine größere Auswahl an Keksen und ich hätte gerne mehr probiert, wurde dann aber aufgeklärt oder besser „belehrt“.

    Von ihm stammt auch das Sprichwort, das sinngemäß sagt: „Wer nichts ausgibt, hat schon wieder was verdient.“
    Ich habe mich nicht getraut, etwas dazu zu sagen, da ich in den Niederlanden immer das Gefühl hatte, ganz besonders vorsichtig sein zu müssen.

    Antworten

    1. Das Adagium „einen Keks pro Kaffee“ hat vielerorts längst ausgedient. Schade, dass du offensichtlich nur diese eine, eher negative Erfahrung gemacht hast, Lutz.

      Antworten