Hausgeburt oder ab ins Krankenhaus?

Zuletzt aktualisiert am 12. Januar 2018

Eine Hausgeburt oder eine Entbindung im Krankenhaus? Niederländische und deutsche Frauen beantworten diese Frage ziemlich unterschiedlich.

Ein kultureller Unterschied

In den Niederlanden liegt die Hausgeburtenrate deutlich höher als in Deutschland, wo schwangere Frauen zur Entbindung in den allermeisten Fällen ein Krankenhaus aufsuchen.

Deutschland: Risiken und Nebenwirkungen

Deutsche Eltern, die ihr Kind in den eigenen vier Wänden auf die Welt kommen lassen möchten, fühlen sich bei dieser Entscheidung oft mit einem gewissen Rechtfertigungszwang konfrontiert. Denn die Hausgeburt gilt hierzulande als risikobehaftet und unsicher.

Die Niederlande: Geburt als natürliches Ereignis

In den Niederlanden ist das anders. Dort wird die Entbindung weniger als medizinische Prozedur betrachtet. Stattdessen sieht man sie eher als das vollkommen natürliche Ereignis, das sie eigentlich ist. In der Folge werden knappe 30 Prozent der Kinder zu Hause geboren – in der Umgebung, die der Mutter vertraut ist. Und obwohl der Trend rückläufig ist – unter anderem durch einen Mangel an Hebammen – führt das Land damit unangefochten die europäische Hausgeburten-Statistik an.

Was besser ist – darüber streiten sich die Geister.

Einen sehr interessanten Einblick in die Gepflogenheiten sowohl der Niederlande als auch Deutschlands gibt der unlängst erschienene Artikel im NiederlandeNet:

Schwangerschaft und Geburt in Deutschland und den Niederlanden

Lesenswert!

Update August 2016
Super spannend ist auch der (auf Niederländisch geschriebene) Erfahrungsbericht der Journalistin Ulrike Nagel, die zwei Kinder in den Niederland bekam und ein drittes in Deutschland:

Zwanger in Nederland of Duitsland: waar bevalt het beter?

Eine deutsch-niederländische „Geburtskunde“

Deutsch Niederländisch
schwanger zwanger
(die) Schwangerschaft (de) zwangerschap
(die) Geburt (de) geboorte
(die) Hausgeburt (de) thuisbevalling
die Entbindung (de) bevalling
die Krankenhausgeburt (de) geboorte in het ziekenhuis
(die) Hebamme (de) vroedvrouw, (de) verloskundige
(der) Gynäkologe/(die)Gynäkologin (de) gynaecoloog/gynaecologe, de verloskundige
(das) Wochenbett (het) kraambed

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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Also, wenn ich ein Kind bekäme, würde ich auch lieber ins Krankenhaus gehen. Das ist einfach sicherer. Bei einer Geburt können immer Komplikationen auftreten. Im Krankenhaus hat man ruckzuck einen Arzt rangeholt; zu Hause muß man den Arzt erst anrufen, und bis der dann da ist und festgestellt hat, was los ist, da geht wertvolle Zeit verloren, die mitunter für das Leben oder die Gesundheit der Mutter oder des Kindes entscheidend sein kann.

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    1. Obwohl du natürlich recht hast dass man im Zweifelsfall schneller im OP ist, ist es umgekehrt auch so dass im Krankhaus tatsächlich eher Komplikationen eintreten. Das liegt daran dass eine Geburt ein sehr empfindlicher Prozess ist, der zuhause viel konstanter und intuitiver ablaufen kann.

      Die meisten Gebärenden reagieren zB schnell darauf, wenn unter der Geburt (und damit meine ich nicht die Austreibungsphase, also die letzte halbe Stunde, sondern die Eröffnungsphase, also die 5-24 Stunde davor) jemand Unbekanntes den Raum betritt. Oft tritt dann ein Geburtsstillstand ein. Und das ist im Krankhaus natürlich wesentlich häufiger der Fall als bei einer Hausgeburt, wo in der Regel nur Familienmitglieder und eine (im Idealfall bereits vertraute) Hebamme anwesend ist. Das Personal im Krankhaus wechselt je nach Schicht, es kommen Kollegen und manchmal Studenten/Azubis dazu. Für eine Frau unter der Geburt ist das eine grosse Belastung. Das ist ungefähr so als würdest du versuchen über 24 Stunden eine Kokosnuss auszuscheiden und dabei kommen abwechselnd unbekannte Menschen rein, die die dabei zusehen :)

      Es gibt auch Studien die zeigen dass Privatversicherte mehr Notkaiserschnitte haben (da verdient man mehr dran). Und es ist selbstverständlich dass sich bestimmte medizinische Massnahmen nach dem Terminkalender des Krankhauses richten müssen. Wenn abends um 23 Uhr ein Geburtsstillstand eintritt, wird eventuell eher kein Wehentropf gegeben (schmerzhafte Prozedur die die Geburt vorantreiben soll) damit das Personal nachts nicht noch zusätzlich auf Trab gehalten wird. Morgens um 8 natürlich eher. Nach dem Rhythmus der Gebärenden und des Babys richtet sich da weniger.

      Wenn die Gebärende und das Baby gesund sind, die Schwangerschaft problemlos verlief und das Baby in Kopflage liegt würde ich immer eine Hausgeburt empfehlen. Bei einer Risikoschwangerschaft ist das natürlich anders – da muss man individuell abwägen.

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  2. Als ik weer eens door Duitsland fiets zal ik een keer Krankenhausgemachte Kuchen bestellen. :-)

    In NL (3,8) is het promillage kindersterfte iets hoger dan in Duitsland (3,4). Het beste scoort IJsland, maar ik heb geen idee of dit thuis of in het ziekenhuis bevallen.

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    1. Krankenhauskuchen? Da nehme ich doch lieber beschuit met muisjes;-)

      Eine Hausgeburt ist nicht zwangsläufig gefährlicher als eine Entbindung im Krankenhaus. Folgender Artikel dazu fand ich ganz interessant:

      http://nos.nl/artikel/85782-thuisbevalling-even-veilig-als-in-ziekenhuis.html

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  3. Ich finde eine Hausgeburt aus den oben von Anna genannten Gründen auch eine schöne Sache und den Umgang in Deutschland mit dem Thema durchaus überdenkenswert. Und sicher ist es so, dass eine Geburt im Krankenhaus oft nicht im eigenen Rhythmus laufen kann, da es dort viele Einflüsse durch den Klinikalltag gibt, die mitbestimmen.

    Allerdings glaube ich, dass ein großer Teil der heutigen Gebärenden (und ihre Partner) mit einer Hausgeburt sozusagen überfordert wären. Der Trend geht meiner Beobachtung nach seit Jahren dahin, die Instinkte und das Gefühl für den eigenen Körper zu verlernen. Frauen wollen Beruf, Karriere, Partnerschaft, Hobbys, Selbstverwirklichung uvm. erleben, die Welt gesehen haben und dann noch das eine oder maximal zwei perfekte Kind(er) bekommen. Und das bitte von Anfang an, nach Plan, zum gewählten Zeitpunkt. Schwanger werden, wenn es in den Lebensplan passt und natürlich auch zum geplanten Zeitpunkt gebären. Dann liest Frau in Vorbereitung auf das Baby und, wenn geplant, das Stillen 10-15 Bücher und besichtigt sechs Geburtskliniken, damit sie auch genau weiß, was auf sie zukommt und wie alles laufen wird. Das Ergebnis ist eine immense Erwartungshaltung, die es den Frauen oft sehr erschwert sich auf das Abenteuer Geburt und Baby einzulassen.
    Da passt es dann besser in die Klinik zu gehen und sich dort in Sicherheit zu fühlen, evtl sogar einen geplanten Kaiserschnitt machen zu lassen, weil der Wehenschmerz so unplanbar und auch nicht trainierbar ist. Ein erschreckender Trend, nicht nur in Deutschland!
    Es kann nicht gesund für die weitere Entwicklung eines Kindes sein, wenn es (in der Regel eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin) ohne medizinische Notwendigkeit, deutlich vor dem Zeitpunkt, an dem es geboren werden will, aus dem Bauch der Mutter gerissen wird.

    Die Geburt eines Kindes ist meiner Meinung nach ein ganz großes und unvergleichliches Erlebnis. Ein Baby, das auf natürlichem Wege geboren wird, leistet schon zu Beginn seines Lebens ein großartiges Stück Arbeit, und zwar mit seiner Mutter zusammen. Ich kann wirklich nicht verstehen warum Frauen sich und ihrem Kind dieses Erlebnis bewusst verwehren.

    Wo eine Geburt stattfinden soll muss letzten Endes jede Frau für sich entscheiden. Es bringt nichts, wenn man zuhause bleibt und sich damit unsicher fühlt, oder wenn man in die Klinik geht, obwohl man z.B. einen Krankenhauskoller hat. Entspannt gebären und die Geburt in guter Erinnerung behalten kann man nur, wenn man sich dabei in seiner Umgebung gut aufgehoben und wohl fühlt.
    Es gibt übrigens auch noch Alternativen, wie Geburtshäuser, Hebammengeführte Kreißsäle, oder in manchen Kliniken die Möglichkeit, die eigene Hebamme mitzubringen.

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  4. Vielen Dank Euch, Anna und Sieke, für Eure einsichtigen und sehr differenzierten Kommentare zu diesem Thema.

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  5. Ich weiß nicht, ob ich heute Nacht schlafen kann, nachdem ich die Geschichte von Christiane Körber gelesen habe. Heftig!

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    1. Das ist eine sehr traurige Geschichte Charlie, aber damit sind Hausgeburten nicht pauschal schlecht, bzw. nicht zu empfehlen.

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      1. Ja, Alex, Hausgeburten sind selbstverständlich erst einmal etwas Gutes, Natürliches, Normales. Ich komme ja noch aus einer Zeit, als das die absolute Regel war und bis auf mein ihr letztes Kind – da war sie 47 – hat meine Mutter all ihre fünf Kinder in ihrem vertrauten Umfeld auf die Welt gebracht, natürlich auch mich.

        Aber ich werde wütend, wenn ich wiederholt höre, dass Hebammen nicht rechtzeitig erkennen, wann ärztliche Hilfe benötigt wird. Das ist eine ihrer Grundaufgaben, sicherheitstechnisch gesehen sogar die Hauptaufgabe. Susan (meine oben erwähnte Bekannte) hat mir da schon ganz schlimme Horrorgeschichten von völliger Inkompetenz erzählt, aber weil Hebammen in Deutschland eben Mangelware sind, dürfen diese Leute ihren Beruf eben weiter ausüben. Es ist einfach nicht zu fassen, wie hier mit diesem Thema umgegangen wird!

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        1. Vielleicht sollte man sich mal fragen, *warum* Hebammen in Deutschland „Mangelware“ sind. Das hat sehr viel mit der extrem schlechten Entlohnung und den hohen Haftpflichtbeiträgen dieser Berufsgruppe zu tun.

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          1. Ganz genau! Die Doctores wissen nicht, wohin mit dem vielen Geld, aber die niedrigeren Etagen auf dem medizinischen Sektor werden wie die Hilfsarbeiter entlohnt und z.T. auch so behandelt. Und Susan musste sogar erst vor Gericht ziehen, damit ihr hoch qualifizierter britischer Berufsabschluss hier entlohnungstechnisch anerkannt wurde.

            Wie heißt Frühchen eigentlich auf Niederländisch? Auf Englisch sagen wird immer salopp premie [‚priːmi]; offiziell heißt es wohl Frühgeburt bzw. premature baby/infant.

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            1. Man kann prematuurtje sagen, aber üblicher ist die Umschreibung: een te vroeg geboren baby.

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    2. P.S.
      Ich habe eine deutsch-britische Bekannte, die Hebamme ist, in Schottland ausgebildet wurde und jetzt in Deutschland arbeitet. Die hat mir auch erzählt, dass die Hebammen-Ausbildung in Deutschland viel schlechter sei, als im Vereinigten Königreich.
      Sie selbst hat auch einmal ein Frühchen zu Welt gebracht, das nicht überlebt hat…

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  6. Also in Frankreich sind Hausgeburten m. W. noch unüblicher als in Deutschland quasi völlig exotisch und es ist wohl auch nicht leicht, überhaupt eine Hebamme zu finden, die sich darauf einläßt. Ich bin ein Mann und mache mir daher darüber etwas weniger Gedanken, aber ich muß sagen, auch in dieser Hinsicht hat Frankreich mich für sich eingenommen! ;-)

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  7. Danke für diesen unaufgeregten Beitrag, Alex, und den Link zu dem interessanten Artikel. Ich hab mein erstes Kind hier in Nürnberg ambulant geboren. Beim zweiten waren wir mutiger und es kam zu Hause auf die Welt. Da gab es natürlich auch Bedenken aus dem Umfeld. Ich kann das auch verstehen. Man muss sich schon überlegen, wie schnell man in der Klinik ist, wenn ein Notfall eintritt – wie bei dem schrecklichen Fall, über den im Spiegel berichtet wurde. Aber heute – nur 5 Jahre später – ginge Hausgeburt bei uns eh schon nicht mehr, weil die wirklich hervorragenden Hebammen, die uns betreut haben, gar keine Hausgeburten mehr anbieten. Es lohnt sich finanziell für sie nicht mehr wegen der extrem gestiegenen Haftpflichtbeiträge. Ich finde das schade. Und es ist für mich noch nicht abschließend geklärt, wie die Risikoverteilung wirklich aussieht, denn es gibt ja durchaus auch Risiken, die in der Klinik höher sind (Infektionen mit Krankenhauskeimen etwa können auch lebensbedrohlich sein für Mutter und Kind). Da sollte noch viel mehr geforscht werden!

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    1. Ich freue mich, dass Ihr mit der Hausgeburt gute Erfahrungen gemacht habt. Im Prinzip sollte jede Frau die Wahl haben, wo sie ihr Kind gebärt, finde ich. Leider wird das tatsächlich immer schwieriger; auch in den Niederlanden geht der „Trend“ immer mehr zur Krankenhausgeburt.

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  8. Gibt es auch einen Ausdruck wie „Betriebsunfall“ für eine ungeplante Schwangerschaft?

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    1. Das würde man auf Niederländisch „een ongelukje“ nennen.

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  9. bin hollandisch und wohne seit 4 jahre in deutschland.
    jetzt bin ich schwanger..
    und es stimmt wie es geschrieben ist. ich hat immer in holland gedacht das es eigenlich von selbe sprechend was hausgeburt. nur wann es ein risico schwangerschaf ist das mann denn zum krankenhuas geht.

    jetzt in deutschland. bin ich von aus gegangen das eigentlich jede frau im krankenhaus entbindet.
    wuste gahr nicht das es woll mogelich ist ein hausgeburt zu machen. gleich mall geguckt aber was ich so kann finden, ist die nähste praxis wer hausgeburt macht ein stunde fahren. dann bleib ich woll was ich vor hat und fahr ich zum krankenhaus in 10min.

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