Falscher Freund mit tödlichem Ausgang

Zuletzt aktualisiert am 1. Mai 2018

Falsche Freunde gibt es so einige in der deutsch-niederländischen Kommunikation. Und obwohl sie zu Missverständnissen führen, sind sie meist relativ harmlos und sorgen nicht selten für Heiterkeit.

Fatal

Etwas anders verhält es sich mit dem niederländischen Verb verongelukken. Obwohl es dem deutschen verunglücken sehr ähnlich sieht, gibt es einen entscheidenden Bedeutungsunterschied. Wer in den Niederlanden verongelukt, segnet das Zeitliche. In Deutschland kommt das Opfer mit etwas Glück mit dem Leben davon.

Ein deutscher Muttersprachler sollte sich also hüten, sich bei einem niederländischen Bekannten, dessen Frau verongelukt ist, nach deren Wohlbefinden zu erkundigen. Hier ist nämlich nur eine Beileidsbezeugung angebracht – und vielleicht noch das Beiwohnen der uitvaart, ebenfalls ein falscher Freund.

Überlebt

Für Unfälle ohne tödlichen Ausgang nutzt man im Niederländischen also nicht verongelukken sondern een ongeluk krijgen oder gehad hebben, je nach Zeitform.

Fahrzeuge und auch Flugzeuge können auch verongelukken. Damit ist dann gemeint, dass sie durch einen Unfall schwer beschädigt und funktionsunfähig werden.

Das niederländische Wort ongeluk bedeutet übrigens sowohl (Verkehrs-)Unfall als auch Unglück im Sinne von Pech oder Schicksalsschlag.

Auf einen Blick

Er is een ongeluk gebeurd.
Es ist ein (Verkehrs-)Unfall passiert.

een dodelijk ongeluk/ongeval
ein tödlicher Unfall

Zijn vrouw is vorig jaar verongelukt.
Seine Frau ist letztes Jahr tödlich verunglückt.

Zes toeristen zijn omgekomen bij een ongeluk/ongeval met een sneeuwscooter.
Sechs Touristen sind bei einem Unfall mit einem Schneemobil umgekommen.

Hij heeft een zwaar auto-ongeluk gehad en zit nu in een rolstoel.
Er hatte einen schweren Autounfall und sitzt jetzt in einem Rollstuhl.

Het vliegtuig verongelukte bij de start.
Das Flugzeug verunglückte beim Start.

Je verjaardag vieren voordat je echt jarig bent brengt in Duitsland ongeluk.
Den Geburtstag vorzufeiern, bringt in Deutschland Unglück.


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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Hallo Alex,

    sehr interessanter Artikel und bestimmt auch sehr nützlich wenn man die Feinheiten der niederländischen Sprache meistern will.

    Allerdings wird im niederländischen Sprachgebrauch, gerade auch in den Medien, gerne die Kombination „dodelijk verongelukken“ gebraucht: „De bromfietser is dodelijk verongelukt“, also eigentlich doppelt gemoppelt, wie der weiße Schimmel. Ist dann glaub ich ein Pleonasmus, oder?

    Antworten

    1. Hi Michael, Du hast recht: dodelijk verongelukt hört und liest man in der Tat recht häufig, aber genau genommen ist es ein Pleonasmus.

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  2. Rein formell hast Du bestimmt recht, aber ich würde im Dt. echt nicht sagen, das jemand verunglückt ist, wenn er noch lebt!! Im Sprachgebrauch so wie ich ihn kenne schwingt das ‚tödlich‘ vor verunglückt immer mit, auch wenn man es nicht tatsächlich ausspricht. Wenn jemand ’nur‘ verletzt war/ist, dann sage ich auch im Dt. „der hatte einen Unfall“.

    Antworten

    1. Der Duden sagt zu verunglücken: einen Unfall haben/erleiden, zu Tode kommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass für viele Deutsche die zweite Bedeutung überwiegt. Wenn man jedoch in die Zeitung (oder das Internet) schaut, stellt sich heraus, dass die erste Bedeutung, also einen Unfall haben, aber mit dem Leben davonkommen, sehr häufig vorkommt.

      Fahrradfahren verunglückt
      Deutsche Jugendgruppe verunglückt mit Bus

      Um klarzustellen, dass der oder die Betroffene(n) zu Tode kommen, würde ich sicherheitshalber immer „tödlich“ hinzufügen.

      Antworten

  3. Hallo Alexandra,

    Wat schrijf jij toch interessante stukken!
    -Het is niet overal gebruikelijk dat ‚verongelukt‘ ook dodelijk is. Vroeger had het net als het Duits, een toevoeging ‚dodelijk‘ als het om een ongeluk met fatale afloop ging.
    Ik kom uit de Nedersaksische streek, waar we lui zijn en genoeg hebben aan een half woord (in dit geval ‚verongelukt‘).
    Toen mijn zwagertje in 1977 verongelukte en ik mijn baas daarover belde, vroeg hij of het ernstig was … Dat leek mij wel bij een dodelijke afloop, zeker van een kind!
    Mijn baas was zich echter van geen kwaad bewust: hij kwam uit ‚het westen‘, waar toen ‚verongelukken‘ nog in de betekenis ‚een ongeluk hebben gehad‘ werd gebezigd.

    De fatale afloop is er dus blijkbaar ingeslopen, maar is wellicht nog niet overal vanzelfsprekend. Ik vermoed dat ‚dodelijk ongeval‘ nog van de oude regels afstamt. Er wordt dan ook niet van ‚ongeluk‘ gesproken, maar van ‚ongeval‘.
    Het lijkt me geen pleonasme.

    Hartelijke groetjes,
    Marjolein

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    1. Hoi Marjolijn, wat naar van je zwagertje. En jij kwam dus precies in de situatie terecht die ik hierboven heb beschreven …

      Ik denk dat het goed mogelijk is dat er regionale verschillen zijn en ik weet zeker dat heel veel mensen het – ter verduidelijking — over een dodelijk ongeval hebben. Misschien heeft er ook inderdaad een betekenisverschuiving plaatsgevonden. Toch zeggen de actuele bronnen die ik heb geraadpleegd (Van Dale en Koenen) dat het bij „verongelukken“ om een ongeval met dodelijke afloop gaat. Dat wordt ook door de Taaladviesdienst bevestigd.

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  4. Hoi Alex,
    Het is al lang geleden hoor, 1977. Hij overleed 4 dagen voor Elvis Presley, dus dat vergeet ik daardoor nooit.
    Ik kwam inderdaad in de omschreven situatie terecht: als je verongelukt, ben je dood.
    Wellicht is de betekenis verschoven naar ‚dodelijk‘, (misschien bij de herziening de spellingsregels van 1995?) een eenduidige uitdrukking gekomen.
    Men spreekt eerder van een dodelijk ‚ongeval‘ dan van een dodelijk ‚ongeluk‘, maar dat is formele taal.

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  5. Je kunt niet genoeg oppassen bij dit soort woorden. Voor je het weet begin je met condoleren, of juist niet. Ik moest vorige week twee keer lezen en nog even navragen toen in een mail stond dat iemand ‘bezweken was’, = ± einer Krankheit erliegen. Misschien was het taalkundig toch ondubbelzinnig, maar je wilt sommige sterfgevallen eerst gewoon niet geloven en dan heb je meer duidelijkheid nodig.
    Het heeft ook lang geduurd voor ik begreep dat erschlagen ook dodelijk is. Gelukkig ken ik dat laatste alleen uit de krant.

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    1. … maar je wilt sommige sterfgevallen eerst gewoon niet geloven en dan heb je meer duidelijkheid nodig.

      Daar heb ik nog nooit zo over nagedacht, maar ik vind het een rake observatie, Emigrant.

      Das deutsche erschlagen und erliegen und das niederländische bezwijken sind gute Beispiele für Verben, die verschiedene Bedeutungen haben können. In Kombination mit „Krankheit“ oder „ziekte“ bedeuten die beiden letzteren jedoch immer, dass die betroffene Person stirbt oder gestorben ist.

      Für erschlagen hat mein „Van Dale“-Wörterbuch noch ein schönes, etwas doppeldeutiges Beispiel:

      jemanden mit Beweismaterial erschlagen

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  6. Was mir beim Lesen des Posts und der Kommentare als erstes auffällt ist die Uneinigkeit, die immer wieder aufkommt, wenn es um die Bedeutung der Wörter geht. Da drückt verongelukken für Marjoleins Schwager etwas gar nicht so schlimmes aus als für sie selbst; Olivia würde im Gegensatz zu mir und der von Alex verlinkten Presse verunglücken nur bei tödlichem Ausgang benutzen; und für manche Niederländer bedeutet om het uur nicht „stündlich“, sondern „alle zwei Stunden“. Auch bin ich immer ganz verwirrt, dass im Südwesten des deutschen Sprachraums das Wörtchen da nicht wie hier in Köln „dort“ bedeutet, sondern das genaue Gegenteil, nämlich „hier“ (z. B. hier und da vs. da und dort.) Wenn ich über all das nachdenke, heißt das ja: im Grunde wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass wir dasselbe meinen, nur weil wir dieselbe Sprache sprechen und dieselben Wörter benutzen, das trügt.

    Das mit dem erschlagen hat natürlich Methode: erledigen, ertrinken, ertränken, ersaufen, ersäufen, ersticken, erwürgen, erdrosseln, erschießen, erdolchen, erstechen, erlegen, erschlagen, erhängen: in allen diesen Wörtern (und bestimmt noch einigen weiteren) bedeutet das unbetonte/untrennbare Präfix er- soviel wie: „solange, bis der gewaltsam herbeigeführte Tod eintritt“. Mich hat gewundert, dass unserem humanistisch gebildeten und vielsprachigen Emigrant diese Regelmäßigkeit nicht bereits im Schulunterricht beigebracht wurde. Aber vielleicht legte man in seiner Schule mehr Gewicht auf die Formen und weniger auf die Inhalte.

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    1. Da fällt mir ein blöder Witz ein, Charlie.

      Fragt ein Brite einen Deutschen:

      „Ist geprügelt und geschlagen das gleiche?“
      „Ja, aber sicher!“
      „Oh, dann hat es eben zwölf Uhr geprügelt!“

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    2. Emigrant hatte seine Schulbildung, so fern ich weiß, in den Niederlanden, Charlie. Dort gibt es diese Regelmäßigkeit mit „er-“ nicht.

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  7. Ob das er-Präfix im Deutschunterricht an meiner Schule in Holland behandelt wurde weiß ich nicht mehr. Ich habe nicht immer aufgepasst.
    Es gibt auch er-Verben, die nicht sofort den Tod zu Folge haben: erkranken, erschöpfen, ermüden.

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  8. @Alex:
    Ja, das vermute ich auch. Trotzdem ging ich davon aus, dass von den ca. acht Sprachen, die ich ihn schon habe benutzen sehen (meiner Erinnerung nach: Niederländisch, Deutsch, Englisch; Arabisch, Hebräisch; Latein, Französisch; und Griechisch) er die Sprache Goethes nicht als letzte und wahrscheinlich lange Jahre in der Schule gelernt hat.

    @Emigrant:
    Ja, natürlich. er- ist übrigens eine abgeschwächt Form von ur-. Im Wortpaar Urlaub—erlauben sind bis heute beide Formen erhalten geblieben. Aber eigentlich ist mir mein Punkt, dass wir — meistens, ohne es überhaupt zu bemerken — falsche Freunde innerhalb unserer jeweiligen Muttersprachen haben, viel wichtiger und auch ganz beim Thema des Blogposts.

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  9. Sally Loren 18-09-2013 at 14:08

    Ich habe selbst lange nicht kapiert, dass man in Deutschland verunglücken kann, ohne dass man ums Leben kommt. Interessant ist der Prefix „er-“ – was bedeutet, dass man auch tot ist – Er wurde erwürgt, erschossen etc. Wie genial ist Sprache?!

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    1. Nicht immer enden „er“-Verben tödlich, wie Emigrant weiter oben schon schreibt :-)

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