Ein Jahr buurtaal

Seit einem Jahr schreibe ich auf buurtaal über sprachliche und kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden. Grund für einen Rückblick und einen Ausblick. Welche waren die beliebtesten Posts, welche die kontroversesten?

Zuletzt aktualisiert am 18. April 2012

Vor einem Jahr, Ende Oktober 2009, startete ich hier auf buurtaal mit dem Post
Niederländisch oder Holländisch? Seit Mitte November 2009 verfasse ich die buurtaal-Beiträge im Wochenrhythmus. 57 Stück sind es inzwischen. Sprachliche und kulturelle Themen wechseln sich dabei meistens ab.

1 Jahr buurtaal

Die Idee eines eigenen Blogs hatte ich schon eine Weile mit mir herum-getragen. Als Online-Redakteurin beim Heise-Verlag war Schreiben auch lange mein täglich Brot. Nur ging es dort um Linux und Open Source; für mein Blog war von Anfang an klar, dass Sprachen im Mittelpunkt stehen sollten.

Genauso stand fest, dass es um Niederländisch und Deutsch gehen sollte: um die zwei Sprachen, in denen ich mich als Niederländerin in Deutschland bewege. Und weil mir auch nach dreizehn Jahren im Ausland immer noch Unterschiede zwischen deutschen und niederländischen Gewohnheiten und Eigenarten auffallen, wollte ich den kulturellen Aspekt nicht außen vor lassen.

Leser

Nun ist es Ende Oktober 2010. Buurtaal hat inzwischen eine feste – wenn auch keine riesige – Leserschar. Die meisten Leser und Leserinnen kommen aus Deutschland, ein Drittel etwa aus den Niederlanden. Zum „Publikum“ gehören auch mehrere in den Niederlanden lebende Deutsche sowie ein paar Niederländer, die wie ich Deutschland zur Wahlheimat auserkoren haben.

Ein gutes halbes Jahr nach dem Start schaffte es buurtaal in die jährliche Top 100 der Sprachenblogs. Ich habe mich riesig darüber gefreut! Außerdem habe ich durch diese Auszeichnung einen neuen Schwung Leser bekommen.

Favoriten

blanke vla
Zu den beliebtesten Posts gehören die Rezepte für poffertjes und stroopwafels sowie andere „essbare“ Themen wie vla und niederländische Pommes. Der Beitrag, der bislang am meisten aufgerufen wurde, ist aber der zu den niederländischen Vornamen.

Erwartungsgemäß sorgten die Themen deutsches vs. niederländisches Brot und mein Plädoyer für Untertitel (statt der in Deutschland üblichen Synchronisierung von fremdsprachlichen Filmen und Fernsehserien) für hitzige Diskussionen. Es sind die Posts mit den meisten Kommentaren.

Viel Spaß hatte ich selbst auch beim Schreiben der diversen Sprachen-Posts, zum Beispiel zu Friesisch und Afrikaans, zwei mit dem Niederländischen verwandten Sprachen. Und in der Serie Falsche Freunde ist das Ende noch lange nicht in Sicht, denn über solche stolpert man in den beiden Schwestersprachen Deutsch und Niederländisch ständig.

Auch zum Thema Verkehrsverhalten ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Da wären zum Beispiel die fehlende Maximalgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen und die tolldreisten niederländischen Fahrradfahrer, zu denen ich mich ehrlichkeitshalber auch selber rechnen muss … Außerdem scheinen Niederländer und Deutsche ein ziemlich unterschiedliches Grundverständnis von Ampeln und Zebrastreifen zu haben.

Freunde im Netz

Durch das Bloggen habe ich einige wunderbare virtuelle Bekanntschaften gemacht. So habe ich im Netz Deutscherin.NL entdeckt, das Blog der deutschen Claudia, die seit Ewigkeiten in den Niederlanden lebt und die kulturellen Unterschiede aus ihrer Perspektive beleuchtet.

Sehr empfehlenswert ist das Deutsch-Niederländisch-Forum. Bei Fragen zur deutschen und/oder niederländischen Sprache und Kultur bekommt man hier eine schnelle Antwort. Außerdem macht der Austausch mit Gleichgesinnten einfach Spaß.

Mit politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen, die das niederländisch-deutsche Verhältnis betreffen, beschäftigt sich das Blog Deutsch-Nederlands, das diesen Sommer an den Start ging. Die Beiträge sind auf Niederländisch geschrieben.

Ausblick

Weitblick

Für das Recherchieren und Schreiben und nicht zuletzt für das Erstellen der begleitenden Bilder oder Zeichnungen kommen schon einige Stunden pro Woche zusammen. Der wöchentliche Erscheinungsrhythmus neuer Beiträge auf buurtaal hat sich aber in der Praxis als gut machbar herausgestellt.

Bislang habe ich mich eher luftigen Themen gewidmet. In Zukunft möchte ich aber auch etwas schwerere Saiten anschlagen. Dabei habe ich zum Beispiel die (Un-)Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Ehe, die Euthanasie-Problematik oder auch den mehr oder weniger großen Gestaltungsspielraum bei Bestattungen im Hinterkopf.

Auf jeden Fall freue ich mich auf ein weiteres Jahr buurtaal und bin gespannt auf weitere Entwicklungen.

Wenn Ihr Anregungen oder Ideen habt, dann lasst es mich bitte in den Kommentaren wissen. Vielen Dank für Eure Unterstützung!

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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Sehr herzlichen Glückwunsch und weiter so!

    Ich kann wirklich ehrlich sagen, daß ich aus diesem Blog einiges über die Niederlande gelernt habe.

    Auch den Wochenrythmus würde ich beibehalten, wenn es denn vom zu investierenden Arbeitsaufwand her möglich ist.

    Und die Themen werden Dir schon — Du deutest es ja an — wegen der vielen, vielen „falschen Freunde“ nicht ausgehen. :-)

    Auf die kontroverseren Themen wäre ich gespannt.

    Und was ich Dir immer schon einmal sagen wollte: Glückwunsch zu dem wirklich perfekten Deutsch, das Du schreibst. (Ich hätte niemals gemerkt, daß Du keine Muttersprachlerin bist, wenn es nicht aufgrund Deiner Themen offensichtlich wäre.)

    Antworten

  2. Glückwunsch zum Jubiläum deines tollen Blogs, Alex, zu dessen treuer Leserin ich mich auch gerne zähle! Mögen dir nie die Themen ausgehen … mir würde schon etwas fehlen!

    Noch vor 10 Jahren hätte ich übrigens ziemlich verdattert geschaut, wenn mir jemand etwas von virtueller Freundschaft/Bekanntschaft erzählt hätte ;-) Unser beider Aktivitäten, die sich wunderbar ergänzen, zeigen aber durchaus, dass es so etwas gibt.

    Antworten

  3. Auch meine herzlichsten Glueckwuensche zum weiteren Erfolg des „Buurtaal“ moechte ich mich Euch hiermit anschliessen! Ich finde die Diskussionsthemen spannend und das Personal recht informativ, wirklich wahr.

    Also mag Euer Blog bis in die kommenden Jahre fortbestehen, ich werde nur mal hoffen, ich bin der Teilnahme daran noch wuerdig-:))

    Antworten

  4. Herzlichen Dank an Euch!

    Harki,
    ich lasse alle meine Posts vor der Veröffentlichung sicherheitshalber gegenlesen ;-)

    Susa,
    ich finde auch, dein Forum und mein Blog ergänzen sich super!

    Gernot,
    den Pluralis Majestatis hatte ich bislang noch nicht für mich als Blogbetreiberin beansprucht, denke über die Anregung gerne noch mal nach ;-)

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    1. Es gibt ja auch noch den pluralis modestatis, allerdings nur in der ersten Person — und außerdem wird er von den allermeisten Leuten nicht mehr verstanden. (Man ihn daher manchmal ganz Gegensatz zu seinem ursprünglichen Zweck zum Auffallen und zum Leuteärgern verwenden. :-) )

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      1. Danke, Harki-:))

        Zum Leuteaergern hier definitiv nicht verwendet, ist doch gut zu wissen. Das ‚Euer‘ entspricht so ungefaehr ‚Uw‘ in Niederlaendisch, wenn ich mich nicht irre. Aber ich lasse gleich mal dieses Nebenthema, sonst kriege ich ja Aerger von unserer Blogbetreiberin (…und mit gutem Recht) LOL!!

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        1. Das deutsche euer entspricht dem niederländischen jullie, Gernot. Beides ist 2. Person Plural.

          Euer als Possessivpronomen der Höflichkeitsform der 2. Person Singular ist für eine einfache Blogbetreiberin aus dem 21. Jahrhundert fast zu viel der Ehre …

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  5. Hej Alex,

    Gefeliciteerd! Ik vind het steeds leuk om je bijdrages te lezen, ik hoop dat er nog veel meer erbij komen!

    Groetjes!

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    1. Dankeschön Huldra! Ich bleibe dran… ;-)

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  6. Michael K. 31-10-2010 at 13:16

    Gratulation und beste Wünsche, Alex!
    Nicht nur Inhalt sondern auch Form des blogs gefallen mir sehr und ich hoffe, du machst noch lange im selben Sinne und Stil weiter.
    Die „schwereren Saiten“ anzuschlagen wird aber ein spannendes Experiment. Geh es locker an :-)
    Met vriendelijke groetjes
    Michael K.

    Antworten

    1. Herzlichen Dank Michael!

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  7. Lucy van Pelt 31-10-2010 at 18:12

    Meine Güte, Alex,

    ist schon wieder ein Jahr vorbei?
    „Waar blijft de tijd?“ (Ausspruch meiner Schwiegermutter)
    Ich gratuliere Dir zu Deinem interessanten Blog und grüße herzlich!

    Lucy.

    Antworten

    1. Genau das sagte meine Oma früher auch immer ;-)
      Vielen Dank Lucy!

      Antworten

      1. Scheint landesweit ein Oma-Spruch zu sein, ich kenne das nämlich auch von meiner Großmutter, und meine Großtante sagte es letzte Woche beim Blättern durch ein Fotoalbum bei jedem dritten Bild, abgewechselt von „Jeetje, da’s lang geleden …!“ und „Goh, dat waren wel andere tijden!“ :-) Nur einmal wurde diese recht starre Routine unterbrochen durch folgenden Ausbruch beim Anblick eines nicht sehr gemochten Nachbarsjongen: „Waarom staat eigenlijk die vervelende stommerik in mijn album?!“ :-D

        Antworten

        1. Hihi …

          Auf “Jeetje, da’s lang geleden …!” habe ich mich selbst übrigens auch schon ein paar Mal ertappt. Ich werde alt …. ;-)

          Antworten

  8. Hoi Alec,
    Wat leuk, alweer een jaar! En jeetje… wat veel! Ik vind ze leuk en lekker compact, en deze keer vind ik de discussie over het ‚Euer‘ een topper. Wat mij betreft mogen ‚Jullie‘ ;-) doorgaan…

    Bas

    Antworten

    1. Dat zullen „wij“ doen Bas, bedankt ;-)

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  9. […] schon wieder ist ein Blogjahr rum! Ende Oktober 2009 schrieb ich hier auf buurtaal meinen allerersten Post. Zeit […]

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