Buchrezension: Holland für die Hosentasche

Nicht nur für Urlauber: Auf fast 300 Seiten ist Ulrike Grafbergerin „Holland für die Hosentasche“ eine schöne Mischung aus Reiseführer und kulturellem Niederlande-Ratgeber gelungen. Man erfährt etwas über [ … ]

In diesem Artikel stelle ich den im März 2016 erschienenen Niederlande-Reiseführer von Ulrike Grafberger vor.

Buch Holland für die Hosentasche

Praktisch – quadratisch – gut. So könnte man den Niederlande-Reiseführer von Ulrike Grafberger bezeichnen. OK, quadratisch stimmt nicht ganz. Mit seinem handlichen, rechteckigen Format passt das Büchlein aber viel besser in die Hosentasche – zumindest wenn man eine Trekkinghose trägt.

Und auch wenn ich kein Fan der Bezeichnung Holland für meine Heimat bin: Alliterieren tut „Holland für die Hosentasche“ natürlich wesentlich besser als „Niederlande für die Hosentasche“. Das sehe ich ein.

Bunte Themenauswahl

Auf fast 300 Seiten ist der süddeutschen Autorin aus Den Haag eine schöne Mischung aus Reiseführer und kulturellem Niederlande-Ratgeber gelungen. Man erfährt etwas über die Geschichte des Landes, über das Verhältnis der Niederländer zum Königshaus, über die Eigenarten der verschiedenen Regionen, über besondere Feiertage und über den Umgang mit dem allgegenwärtigen Wasser.

Aber auch die Haustierfreundlichkeit der Niederländer kommt zur Sprache, ebenso wie der fehlende Kreislauf der Niederländer, ihre Abkehr von Hierarchien und ihr eher autonomer Umgang mit Regeln.

Schuhe, Eisenbahnen und eine Irrenanstalt

Schön sind die Ausflugstipps jenseits der ausgetretenen, Windmühlen-, Tulpen- und Käsebestückten Wege, zum Beispiel in das Dolhuys (Irrenhaus) in Haarlem, die Museumseisenbahn in Stadskanaal oder auch das virtuelle Schuhmuseum.

Erfrischend: Anders als einige andere Autoren und Autorinnen von Büchern über die Niederlande hat Ulrike Grafberger – die seit zwölf Jahren in den Niederlanden wohnt und mit einem Niederländer verheiratet ist – in Holland für die Hosentasche nicht ausschließlich die „deutsche Brille“ auf.
Das führt zu einem Buch, das Klischees durchaus hinterfragt und so aufschlussreiche Einblicke darin liefert, wie „die Niederländer“ wirklich ticken.

Wenn ich pingelig sein darf:

* Benauwd (Seite 92) ist nicht die „nächste Stufe des Unwohlseins“ nach zich niet lekker voelen. Das Wort bedeutet, dass man Atembeklemmungen hat und nicht gut Luft kriegt.

* Es gibt sehr wohl Niederländer, die Wert auf ein qualitativ hochwertiges – und damit teures – Fahrrad legen. Das sind nämlich die Heerscharen von Leuten, die damit jeden Tag eine längere Strecke zur Arbeit und zurück fahren. Und auch im Bereich der Tourenfahrräder weiß man sehr wohl, dass Qualität ihren Preis hat.

* Ich verstehe nicht so recht, warum so viele Deutsche zu denken scheinen, dass „wir Niederländer“ immer nur am Frittieren sind. Ich persönlich kenne jedenfalls kaum Leute, die eine eigene Fritteuse besitzen. Und wenn, dann steht sie meist eingestaubt auf dem Dachboden. Wer Lust auf einen Snack hat, kommt in einer der zahlreichen Snackbars viel einfacher auf seine Kosten.

Fazit

Mit diesen Kritikpunkten bewege ich mich jedoch im Bereich „Meckern auf hohem Niveau“. Holland für die Hosentasche bringt einem die Niederländer und ihr Land tatsächlich näher. Man merkt der Autorin an, dass sie – gerne – Teil der niederländischen Gesellschaft ist und keine Beobachterin von außen. Ein gelungenes Buch, finde ich – nicht nur für Urlauber sondern für alle Deutschsprachigen mit Niederlande-Interesse.


Holland für die Hosentasche: Was Reiseführer verschweigen ist im Fischer Verlag erschienen und kostet 10,00 €.


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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du fast 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Liebe Alex,
    vielen Dank für deine Buchbesprechung. Habe mich sehr gefreut. Aber auf die Fritteuse möchte ich doch noch gerne mal zurückkommen, denn das haben wir gestern wieder einmal diskutiert. Ein Freund von mir behauptete gestern fest und steif, dass von zehn seiner Nachbarn in der Straße mindestens sieben eine Fritteuse besitzen würden, die dann am Samstag in der Garage angeschmissen wird. Man könne dann in der ganzen Nachbarschaft den Geruch nach Frittiertem genießen.
    In Deutschland wird dafür sicherlich mehr gegrillt, oder?
    Lieben Gruß aus Holland, Ulrike

    Antworten

    1. Hi Ulrike, offensichtlich verkehren Dein Freund und ich in unterschiedlichen Kreisen ;-)

      Ja, Deutschland habe ich als das Land der Griller kennengelernt.

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      1. Dann sei gewarnt und wandere nie an einem Samstag durch die Straßen von Hoek van Holland ;-)

        Antworten

        1. Ich werde mich aus der Gegend fernhalten ;-)

          Antworten

    2. In den niederländischen Supermärkten gibt es sehr viele Schnacks (wie „fricandel“, „bitterbal“ und „kroket“) die man frittieren muss. Und viele niederländische Familien besitzen ein „frituur“ oder „vetpan.“
      Ich bin wie Alex der Meinung, dass mindestens die Hälfte dieser Geräte kaum mehr benutzt werden. Vor allem auch, weil alles rundum dem Topf auch fett wird. Aber wenn man auf „frituurhapjes“ hunger hat, vergisst man gerne, dass das Putzen auch gemacht werden soll ;-)

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  2. Petra Geschwandtner 13-05-2016 at 19:54

    Tolles Buch!
    Habe jede Seite genossen, viel Neues erfahren und über so Manches geschmunzelt. Natürlich habe ich „Holland für die Hosentasche“ auch schon weiterempfohlen :-)

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