Gutes Durchkommen

Mein täglicher Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit führt größtenteils über Radwege durchs Grüne. Ganz ohne Kreuzungen geht es jedoch nicht, und spätestens dort merke ich, dass mit einer vernünftigen Fahrradinfrastruktur hier in Deutschland vermutlich erst zu meiner Rentenzeit zu rechnen ist.

Die vielbeschworene Verkehrswende bedeutet einen Kulturwandel, und solche gehen bekanntlich nicht so schnell vonstatten.

Rundum grün

Als ich Anfang Oktober eine Woche in meiner Heimat verbrachte und dort auch als Radfahrerin unterwegs war, sah ich, wie es auch gehen kann. Das Prinzip heißt Alle Fietsers Tegelijk Groen (AFTG) und bedeutet, dass die Ampeln für Fahrradfahrer aus allen Richtungen gleichzeitig auf Grün schalten. Für den gesamten Autoverkehr an der Kreuzung steht das Licht in dieser Zeit auf Rot.

Wow.

Eine größere Kreuzung mit dem Rad auf einmal diagonal zu queren ist einfach ein großartiges Gefühl.

Ich nenne es Lebensqualität.

Ohne Regeln? Geht das?

Ja, das geht.

Wo Rundum-Grün-Ampelanlagen aktiv sind, gelten die gewohnten Verkehrsregeln wie rechts hat Vorfahrt nicht – auch wenn es in der Praxis oft so ist, dass diejenigen, die von rechts kommen, von den anderen Vorfahrt erhalten. Auch die in den Niederlanden überall üblichen Haifischzähne haben bei AFTG keine Bedeutung mehr. Die Radelnden müssen sich also selbst einigen. Und das funktioniert, auch wenn es bedeutet, dass man bei hohem Verkehrsaufkommen auch mal einen Fuß auf den Boden stellen muss.

Blicken und nicken

In den Niederlanden ist radeln auch deswegen wesentlich entspannter als in Deutschland, weil Fahrradfahrer dort viel mehr miteinander kommunizieren. Mit Augenkontakt, mit einem Kopfnicken oder Handzeichen klappt die Verständigung meist hervorragend.

Was ist mit der Sicherheit?

Für unbedarfte fietsers aus dem Ausland mag das organisierte Chaos gewöhnungsbedürftig sein. Statistiken habe ich nicht, aber tatsächlich dürfte Alle Radfahrer Gleichzeitig Grün allein schon deswegen sicherer sein, weil Zusammenstöße mit Autos, Bussen oder LKWs an Rundum-Grün-Kreuzungen im Prinzip nicht vorkommen.

AFTG-Ampelschaltungen sind auch nicht in allen Fällen möglich. Überschreitet der motorisierte Verkehr eine bestimmte Gesamtmenge (die Grenze liegt etwa bei regelmäßig 25.000 Autos innerhalb von 24 Stunden), sind sie für ein gutes Durchkommen aller Verkehrsteilnehmer nicht praktikabel. Aber wo es sie gibt, sind sie für fietsers ein echter Gewinn.

Lebensqualität eben.

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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. Bij de drukste kruising van Alkmaar is 4-richtingen groen weer afgeschaft. Als fietser ben je nu een stuk sneller over en het totale verkeer loopt er niet meer vast. Bij 4-richtingen groen liep de totale cyclustijd op tot 120 seconde. Dat systeem heeft een slecht rendement. Nu wacht je als fietser voor een enkele oversteek maximaal 40 seconde en een aanvullende oversteek 20 seconde. Linksaf (moeilijkste richting) duurt nu maximaal 60 seconde.

    Antworten

    1. Ha Ximaar, het belangrijkste is dat er een goede doorstroom is voor alle weggebruikers én dat fietsers niet lang op groen hoeven te wachten. Wat dat betreft is Nederland Duitsland echt tientallen jaren vooruit. Maximaal 40 seconden … dat zijn tijden waar we hier alleen maar van kunnen dromen …

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  2. Jobst Ubbelohde 01-11-2019 at 17:55

    Hallo Alex,
    schön dass es weitergeht mit buurtaal. Und was an niederländischen Fahrrad-)Ampeln auch Klasse ist: 3 – 2 -1 – Go! Wenn die Ampel „runterzählt“ vom Rot zum Grün, damit man nicht vor Ungeduld nervös wird und zu früh losfährt. Einzige Möglichkeit, niederländiche RadfahrerInnen zu zähmen! Denn eine rote Ampel ist für sie kein Befehl, sondern eine Empfehlung.
    Gruß, Jobst

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  3. Mike Rausch 01-11-2019 at 17:59

    Hi Alex, toll daß du wieder neue Artikel schreibst!
    Ich mag deine Artikel sehr und habe vermisst, daß neue nachkommen.
    Und nun ausgerechnet noch über Fahrradfahren (ist mir ein wichtiges Thema – ich ärgere mich immer wieder über die Zustände in Deutschland).
    Vielen Dank, ich freu mich auf mehr…

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  4. Robert Schindhelm 01-11-2019 at 18:16

    Schön das Du wieder da bist! groetje

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  5. Fijn dat je de draad weer oppakt!
    Ik weet dat in Nederland het niet overal goed uitpakt, dat groen voor alle fietsers tegelijk.
    Dat zal verschillende oorzaken hebben.
    Een van mijn dochters woont in Frankfurt. En als ik me goed herinner is men daar nu langzamerhand bezig de situatie voor fietsers te verbeteren.
    Zij fietst er in elk geval altijd naar haar werk.

    Antworten

  6. Lucy van Pelt 01-11-2019 at 19:09

    Hallo Alex, willkommen zurück!
    AFTG – was für eine einfache Idee, und dabei so praktisch!
    Allerdings nur da, wo es Fahrradampeln gibt. In der süddeutschen 43 000-Einwohner-Stadt, in der ich wohne, gibt es vielleicht 4 Stück. Aber immerhin: Es werden mehr.
    Hier werden Radfahrer sowohl von den Fußgängern als auch von den Autofahrern eher als Störenfriede wahrgenommen. Da liegt noch viel Kopfarbeit vor uns, und ich werde hier eine fahrradfreundliche Stadt überhaupt nicht mehr erleben …
    Liebe Grüße, Lucy.

    Antworten

  7. Eva Schweikart 01-11-2019 at 19:11

    Wieder Buurtaal, wie schön, liebe Alexandra. Ich freue mich …

    Antworten

  8. Hoi Alex,
    in meiner Wohngegend geht es zur Zeit darum, den Fahrrad-Verkehr zu optimieren: Mit großer Veranstaltung, damit alle Beteiligten miteinander mal reden. Ob was dabei rauskommt bezweifle ich – aber es ist ein Anfang.

    Wie sehr würde ich mich freuen, wenn etwas niederländisches Rad-Ambiente hierher käme. Diese Leichtigkeit und Praktikablität in den Niederlanden bewundere ich seit Jahrzehnten.

    In deutschen Köpfen spukt leider eigentlich immer eine autozentrierte Sichtweise herum. Da ist Umstellung auf eine andere Perspektive schwer.

    Sollte was ‚Bahnbrechendes‘ in unserem Städtchen passieren, melde ich mich später mal… ;-)

    Groetjes,
    Werner

    Antworten

  9. In einer Sache ist Deutschland den Niederlanden weit voraus. Mitnahme des Fahrrads im SPNV. In den Ballungsräumen oft um sonst möglich. Daran ist in NL nicht zu denken.
    Schön, das Buurtaal wieder da ist!

    Antworten

    1. SchienenPersonenNahVerkehr moest ik even opzoeken. En helaas het klopt. Vooral de NS is waardeloos vergeleken met de Duitse RE-treinen. IN NL gaat het ook veel beter bij Arriva.

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      1. Arriva is (nog) in eigendom van de Deutsche Bahn ;-)

        Antworten

  10. Wolfgang Surges 02-11-2019 at 07:06

    Toll, dass es deine immer lesenswerten Blogartikel wieder gibt. Danke.
    Wolfgang

    Antworten

  11. Danke euch für die vielen tollen Rückmeldungen, ich freue mich darüber!

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  12. Leuk dat je (je!) weer wat meer gaat schrijven!

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  13. een mooi verhaal en met zelfs nieuws voor mij. Als voorheen verkeerskundige in Nederland kende ik het allesgroenvoorde fietsers nog niet. Wel kende ik andere , meer experimenten met het verminderen van regels. Het heeft het voordeel dat iedereen alert en oplettend is, en dat lijkt de veiligheid erg ten goede te komen. In Den Haag had je al heel lang geleden een kruising waarbij de fietsers in een baan met links twee banen voor autoos en rechts drie banen autoos een kruising moeten oversteken. Dit leverde veel aandacht op van de betrokkenen, maar onder de fietsers waren nog maar weinig 65 plussers. Je kunt zeggen dat die toch al om andere redenen achter de geraniums zitten. Toch is het belangrijk om ook de medemens in ‚de rentestand‘ de fietsmogelijkheden te geven.

    Antworten

    1. Toch is het belangrijk om ook de medemens in ‚de rentestand‘ de fietsmogelijkheden te geven.

      Dat ben ik helemaal met je eens, Jan. Hier in Duitsland is fietsen inherent onveiliger dan in Nederland en ik ken best veel mensen die – uit onzekerheid of angst – liever niet de op fiets stappen (niet alleen „Rentner“ trouwens).

      Antworten

  14. Katrin Bosse 03-11-2019 at 08:58

    Hoi Alex,
    wie schön, dass Du wieder für buurtaal schreibst!
    Ich werde Dein Blog auch meinen Schülerinnen und Schülern an der Montessori empfehlen, wo ich seit Kurzem Lehrerin für Niederländisch in der Oberstufe bin. :-) Ich übernehme die Stunden von Wim Ruijsendaal – damit geht an der Montessori eine Ära zu Ende …
    We moeten echt eens weer een kopje koffie gaan drinken om bij te praten!
    Een fijne zondag en tot gauw,
    Katrin

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    1. Das sind ja spannende Nachrichten Katrin. Ich antworte dir bald mal per Signal, okay?

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  15. Silvia Meier 03-11-2019 at 11:07

    Hoi Alex,

    schön, dass Du wieder da bist und wieder Blogeinträge schreibst. Auch ich habe Deine Beiträge sehr vermisst. ;-)

    Groetjes
    Silvia

    Antworten

    1. Dank jullie wel, Silvia en Heijo :)

      Antworten

  16. Hans-Michael van Eijsden 04-11-2019 at 07:04

    Schön, das ich wieder von dir höre. Ich hab dich doch ab und zu vermisst, da ich die Artikel gut geschrieben und interessant finde. Ich bin Jahrgang 1958 und seid 1961 hier in Deutschland, (also schon sehr, sehr lange, aber meine Heimat bleibt natürlich Holland. Schön, das es dich und deine Seite gibt.
    Bedankt.

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    1. Graag gedaan, Hans-Michael. Als Nederlander die al zo lang in Duitsland woont ken je beide „kanten“ waarschijnlijk ook heel goed :)

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  17. Wir kommunizieren auf dem Fahrrad auch anderswegen ;-)

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