Afrikaans

Afrikaans, eine Sprache die heutzutage von etwa sechs Millionen Menschen in Süd-Afrika gesprochen wird, hat ihre Wurzeln im Niederländischen des siebzehnten Jahrhunderts.

Zuletzt aktualisiert am 14. Mai 2014

In Süd-Afrika tobt gerade die Fußball-Weltmeisterschaft. Ein schöner Anlass, den Blick mal etwas weiter schweifen zu lassen in Richtung Afrikaans. Diese Sprache, die heutzutage von etwa sechs Millionen Menschen in Süd-Afrika gesprochen wird, hat ihre Wurzeln im Niederländischen des siebzehnten Jahrhunderts.

Mitte des siebzehnten Jahrhunderts setzten die Niederländer im äußersten Süden von Afrika Fuß an Land. Die Leute der Verenigde Oost-Indische Compagnie (VOC) unter der Leitung von Jan van Riebeeck gründeten am Kap eine Siedlung. Hier wollten sie frisches Obst, Gemüse und Trinkwasser an Bord nehmen für die lange Seefahrt nach Indonesien.

Jan van Riebeeck geht am Kap an Land

Jan van Riebeeck geht 1652 am Kap an Land – ein Gemälde von Charles Davidson Bell (1813–1882). Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: Public Domain.

Aus der Siedlung wurde im Laufe der Zeit eine Kolonie. Schiffsleute ließen sich nieder, neue Immigranten kamen aus Europa. Das waren nicht nur Niederländer und Flamen sondern auch Deutsche aus den Grenzgebieten zu Holland und Belgien sowie französiche Hugenotten. Hierzu kamen noch asiatische Sklaven aus portugiesischen Kolonien und die einheimischen Khoikhoi, die von den Kolonisten als Hottentotten – Stotterer – bezeichnet wurden.

Bei dieser bunten Sprachmischung achtete die VOC als Herrscherin des Gebiets sehr darauf, dass in der neuen Kolonie das Niederländische die Amtssprache war. Für Verwaltung, Kirche und Rechtsprechung blieb es das auch bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts, als die Briten in Süd-Afrika die Macht übernahmen und das Englische diese Rolle bekam.

Aus Kap-Niederländisch wird Afrikaans

Bis Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hatte sich jedoch in der gesprochenen Sprache eine eigene Variante entwickelt: das Kap-Niederländische und spätere Afrikaans. Einerseits war diese stark von den süd-holländischen Dialekten von Jan van Riebeek und seinen Mannen geprägt, andererseits war sie durchzogen von den vielen Lehnwörtern vor allem aus den Sprachen der Sklaven.

Tausende weiße Kolonisten niederländischer, flämischer, deutscher und französicher Abstammung – die sogenannten boeren (deutsch: Buren) zogen in den Dreißigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts weg vom Kap in Richtung Norden und Osten. Die Hauptgründe dieses Großen Trecks: Überbevölkerung sowie Unzufriedenheit mit der britischen Besatzung.

Auch wenn die boeren in den Republiken Transvaal und Oranje Vrijstaat einige Jahrzehnte Unabhängigkeit genossen, wurden diese Gebiete Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach den zwei Burenkriegen (ndl. boerenoorlogen) vom britischen Reich einverleibt. Zusammen mit der Kap-Provinz und Natal bekamen die Republiken als Südafrikanische Union Selbstverwaltung. Die Union blieb bis 1961 bestehen. In diesem Jahr zog sich das Land aus der Commonwealth of Nations zurück und gründete die unabhängige Republik Südafrika.

Sprachenvielfalt

Das Afrikaans indes war 1925 neben Englisch und Niederländisch als offizielle Landessprache anerkannt worden. (Das Niederländische verlor den Amtssprachenstatus 1983). Nach Aufhebung der Apartheid 1990 kamen neun offizielle (Bantu-)Sprachen dazu. Diese werden von 75 Prozent der Bevölkerung als Hauptsprache gesprochen.

Afrikaans ist für 15 Prozent der Einwohner Südafrikas die Muttersprache. Damit ist es nach isiZulu und isiXhosa die drittgrößte Sprache im Land. Die restlichen 10 Prozent der insgesamt etwa 45 Millionen Süd-Afrikaner sprechen als erste Sprache Englisch. Auch im Nachbarland Namibia wird Afrikaans gesprochen. Hier fungiert es zudem als Verkehrssprache zwischen den verschiedensprachigen Bevölkerungsgruppen.

Die augenfälligsten Merkmale des Afrikaans

ein Genus, ein bestimmter Artikel

Während es im Niederländischen zwei Kategorien von Substantiven gibt – de-Wörter und het-Wörter, kennen Afrikaanse Substantive nur ein Geschlecht und einen bestimmten Artikel: die. Der unbestimmte Artikel ist ’n. Die zwei Mehrzahlformen, die am häufigsten vorkommen, sind -e und -s:

die piesang – die Banane
die huis – das Haus
die eggenoot – der Ehegatte
’n vrou – eine Frau
die vorms – die Formen
die dinge – die Dinge

(Keine) Beugung des Verbs

Verben werden im Afrikaans kaum gebeugt. Für den Infinitiv und die Gegenwart gibt es nur eine Form:

ek loop, jy loop, ons loop, hulle loop
ich laufe (gehe), du läufst, wir laufen, sie laufen

Statt des Imperfekts benutzt man im Afrikaans das Perfekt, um anzugeben, das etwas in der Vergangenheit stattgefunden hat:

ek het geroep – ich rief / ich habe gerufen / ich hatte gerufen

Ausnahmen gibt es bei den Hilfsverben kan, sal, moet, mag, wil und beim Verb wees (sein):
ek was siek – ich war krank
hulle kon vlug – sie konnten fliehen

doppelte Verneinung

Will man im Afrikaans etwas verneinen, benutzt man dafür zwei Elemente. Die Konstruktion erinnert stark an das Mittelniederländische:

Sy het nie geslaap nie – sie hat nicht geschlafen

Internet auf Afrikaans

Mehr als das Niederländische, das viel aus dem Englischen übernimmt, prägt das moderne Afrikaans eigene Wörter für neue Begriffe. Im Bereich Internet sind das zum Beispiel:

Afrikaans Niederländisch Deutsch
aflaai download Download
e-pos e-mail E-Mail
inmandjie/uitmandjie postvak IN/postvak UIT Posteingang/Postausgang
aanlyn, gekoppel online online
varkpos, geraaspos, strooipos spam, ongewenste mail Spam
blaaier, leser webbrowser Browser
webwerf, webbladsy, webblaai webpagina Internetseite
inprop plug-in Plug-in
tuisblad homepage, startpagina Homepage, Startseite

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Geschrieben von alex

Ursprünglich komme ich aus den Niederlanden, seit 1997 ist Deutschland meine Wahlheimat. Hier im Blog findest Du mehr als 400 Artikel über die Unterschiede zwischen der deutschen und der niederländischen Sprache und Kultur.

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  1. […] Niederländischen Antillen, Aruba und in Suriname. Das in Süd-Afrika noch recht weit verbreitete Afrikaans ist eine Tochtersprache des […]

    Antworten

  2. Ah, freut mich wirklich sehr, daß Du was zu dem Thema geschrieben hast! :-)

    Völlig neu war mir die Tatsache, daß sich die Buren (und die anderen Afrikaans-Sprecher, es sind ja auch die Farbigen) mehr als die Niederländer bemühen, Anglizismen anzupassen. Das ist wohl auch (und ich meine das ganz wertneutral) charakteristisch für Sprachgruppen, die sich in irgendeiner Form „bedroht“ fühlen.

    Ich finde es übrigens wirklich faszinierend, wie sehr man eine indogermanische Sprache reduzieren kann. Da ist Afrikaans wohl wirklich der Rekordhalter. ;-) Von drei Kasus runter auf keinen, von acht Fällen runter auf einen und damit keinen, und Verben flektieren auch nicht mehr. Also, ich würde wirklich lieber Afrikaans als Sanskrit lernen! ;-)

    Hm, eine persönliche Bemerkung. Als in Plattdeutschland Aufgewachsener fühlt man irgendwie eine brüderliche Verbundenheit mit dem Afrikaans, obwohl man erstmal wenig Hörverständnis hat (weil halt zuviele grundlegende Vokabeln anders sind). Es klingt „vertraut“, „nah“, auch irgendwie noch mehr als das Niederländische… Wie soll ich das erklären? Der Tonfall ist gröber, er klingt ruraler als das sehr zivilisierte, „feinere“ (Hoch-)Niederländisch… Völlig subjektiv und vielleicht imaginiert, klar…

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  3. Dir vielen Dank noch mal für die Anregung :-)

    Dein Gefühl zum Afrikaans kann ich übrigens gut nachvollziehen. Vielen Niederländern (mir zumindest!) dürfte es ganz ähnlich gehen.

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  4. Interessant und klingt leicht zu erlernen, dieses Afrikaans. Keine gebeugte Verben nur ein Artikel – ein Sprachschlaraffenland. ;o)
    „gekoppel“ für „online“ find ich witzig… Bist du auch gekoppelt? Ja, klar, bin ich gekoppelt. **lach**

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  5. Hallo shan_dark,

    die varkpos („Schweinepost“) und die inprop (das „Hineingepropfte“) finde ich auch sehr gelungen. Sowieso mag ich den kreativen Umgang mit Sprache wie er im Afrikaans stattfindet.

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  6. […] Wereldkampioenschap voetbal (die Fußball-Weltmeisterschaft) in Süd-Afrika hält diese Wochen viele Sportfans in Atem. Während das deutsche Team den Pokal 1954, 1974 und […]

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  7. Dagsê Mense

    Ek is baie bly om te sien dat daar belangstelling in Afrikaans is.
    Hier is iets wat julle dalk interesant sal vind en hoopenlink benut.

    Groete André.
    http://www.vhs-leipzig.de/index.php?id=37&urlparameter=katid:350;katvaterid:224;katname:Afrikaans;kathaupt:11;knr:C47000H

    Antworten

  8. Dankie für den Link zum VHS-Schnupperkurs Afrikaans in Leipzig, André. Das dürfte sicher den einen oder anderen interessieren.

    Schade, dass Leipzig für mich ein bisschen zu weit weg ist, sonst hätte ich gern teilgenommen :-)

    Alex

    Antworten

  9. […] auszusprechen ist. Gar nicht so selten haben sie auch etwas abfälliges. So wurde das einheimische afrikanische Volk der Khoikhoi von den europäischen Eroberern im siebzehnten Jahrhundert kurzerhand als Hottentotten – […]

    Antworten

  10. Afrikaans is inderdaad naby aan Nederlands. Ons kan mekaar heelwat verstaan as ons stadig praat. Julle sal my youtube videos dalk heel grappig vind!
    http://www.heinsuniverse.com/afrikaans.html

    groete,

    Hein

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    1. Bedankt voor de link, Hein.

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  11. Ich habe einen Bekannten in Namibia, der als Drittsprache (nach (Südwester-)deutsch und Englisch) auch Afrikaans spricht, ich fühle mich manchmal ein bißchen an das belgische Niederländisch erinnert vom Klang her! Lesen kann ich viel, verstehen tu ich nur, wenn langsam und deutlich gesprochen wird.

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    1. „Lesen kann ich viel, verstehen tu ich nur, wenn langsam und deutlich gesprochen wird.”

      Das geht mir, offen gestanden, auch so. Zwischen Lesen und Hören ist wohl doch ein Unterschied. Neulich marschierte eine achtköpfige Truppe Holländer an mir vorbei, die sich lautstark unterhielt. Ich hörte nur am Klang, daß es Niederländisch sein mußte, was sie sprachen; verstanden habe ich kein einziges Wort.

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      1. Vön Leibsch ous hasde da ooch schlechde schangsen, mei Guodesde. Do muost de emool hier riebergeblaudsd gömmen. Nooch Westdeidschland. Hindorm Moschndroodzaun. Mein Angebot steht noch. Sehen wir uns im Sommer?

        Ansonsten wäre doch der Hanggleiter-Bob in Thüringen noch eine Option. Ist doch bei Dir in der Nähe. Oder Du machst mal einen VHS-Kurs in Niederländisch. Von nix kommt nix, Mädel. Was meinst Du dazu, Alex?

        Antworten

        1. Wer oder was ist denn der Hanggleiter-Bob??? Ein heimlicher Verehrer von dir ;-)? Den Typen kenne ich jedenfalls nicht. Und für einen Niederländisch-Kurs muß ich erst noch im Lotto gewinnen, ebenso für eine Reise nach Holland. Übrigens, dein Sächsisch, falls das welches sein sollte, ist äußerst drollig. Du solltest da vielleicht auch mal einen Kurs machen ;-).

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          1. „Hanggleiter-Bob“ ist der Blogger „Hollander in Duitsland“, der hier mal einen Gastbeitrag geschrieben hat und auch regelmäßig kommentiert.

            Antworten

            1. Ach, der ist das; danke, Alex. Aber dort steht fast alles in Niederländisch, das ist mir momentan noch zu schwer ;-).

              Antworten

              1. Und ich kann nicht nach Leipzig, um von Dir dortselbst ein makelloses Sächsisch zu erlernen. Ach, (heul, schluchz,) es ist schon traurig.

                Sollten wir uns jemals begegnen, könnten wir uns ja heulend und jammernd in die Arme fallen und gemeinsam unser böses Schicksal beweinen, das uns zu solch armen Würstchen gemacht hat. Schnief!!!

                Antworten

  12. Ist es möglich als Niederländischlerner auch parallel Afrikaans zu lernen? Oder bringt das nur Probleme und Verwechslungen im Vokabular und in der Grammatik? Mich reizt es irgendwie auch vielleicht die Grundlagen des Afrikaans zu beherrschen. :-D

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    1. Ich lerne beide Sprachen und gehe im Falle von Afrikaans auch ziemlich weit (Ich habe alle relevanten Afrikaansen Zeitungen als e-paper im Abo (Paket für 100 Rand – 6,50 Euro pro Monat nach momentanem Kurs) und kann über ShowMax das Programm von KykNet und Via sehen). Und ja, ich habe manchmal Probleme damit, dass ich Elemente beider Sprachen vermische, allerdings mehr in die Richtung, dass etwas Ndl. in Afrikaans einfließt (mir ist es ein paar Mal passiert, dass ich das Ndl. „die“ statt „wat“ als Relativpronomen verwendet habe). Ein größeres Problem stellt dar, dass es kaum Lehrmaterialien für Fortgeschrittene gibt und natürlich prinzipell die Entfernung, die den Import von Büchern, Filmen etc. ziemlich verteuert.

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