Wer in den letzten paar Jahren schon einmal in einem niederländischen Geschäft an der Kasse gestanden hat, kennt das Phänomen: Bei Barzahlungen wird der Gesamtbetrag auf ein Vielfaches von fünf Cent gerundet. Ein- und Zwei-Cent-Münzen rücken die Ladeninhaber nicht raus.

Seit 2004 haben Ladenbesitzer in den Niederlanden offiziell die Möglichkeit, den Gesamtbetrag zu runden. Aus 9,98 € werden so 10 €; statt 2,87 € bezahlt man 2,85 €. Viele Geschäfte kassieren nach dieser Regelung. Sie müssen jedoch durch Aufklebern an Fenstern und Kassen klar auf diesen Umstand hinweisen.
Leere Portemonnaies
Diese Vereinbarung ist übrigens keine gesetzliche Maßnahme sondern eine Absprache zwischen verschiedenen Interessenverbänden unter dem Vorsitz der Nederlandsche Bank. In erster Linie geht es dabei um Kosteneinsparungen für den Mittelstand. Ladenbesitzer müssen nun nämlich keine Eurocents mehr bei den Banken beschaffen. Weil es an den Kassen keine Hantiererei mit Kleinstmünzen mehr gibt, kann auch das Bezahlen an sich schneller verlaufen. Und das ist sowohl im Interesse von Läden als auch von Kunden.

Für Letzere von Vorteil ist zudem, dass man nicht mehr mit einem ausgebeulten Portemonnaie voller Kleingeld durch die Gegend läuft. Mir zumindest passiert es hier in Deutschland regelmäßig, dass ich nach dem Einkaufen plötzlich festelle, dass ich haufenweise Ein- und Zwei-Cent-Münzen angehäuft habe.
Kein Runden bei Kartenzahlung
Wer mit pinpas (EC-Karte), chipknip (Geldkarte) oder creditcard bezahlt, merkt von alledem nichts. Hier wird centgenau der Betrag abgebucht, der auf der Rechnung oder auf dem Kassenbon auftaucht.
Gültige Zahlungsmittel
Dass der niederländische Mittelstand selbst keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen rausgibt heißt nicht, dass man mit diesen grundsätzlich nicht mehr bezahlen kann. Sie sind nach wie vor ein gültiges Zahlungsmittel in den Niederlanden. Allerdings können Ladenbesitzer auch hierfür mittels einer deutlichen Kennzeichnung in ihrem Geschäft angeben, dass sie diese Münzen nicht annehmen.
Der EU sind solche Regelungen indes ein Dorn im Auge. In einer Empfehlung zum Status der Euro-Banknoten und ‑Münzen von März 2010 heißt es: “Die Mitgliedstaaten sollten keine neuen Rundungsregeln in Bezug auf die nächsten fünf Cent annehmen.”
Neben den Niederlanden hat auch Finnland die kleinsten Euromünzen weitgehend aus dem Barzahlungsverkehr verbannt.
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Gefällt mir gut, wünsche ich mir auch. Zumal ich als Betagter ohne Lesebrille an der Kasse die Cent-Stücke nicht immer gleich unterscheiden kann. Weil wir Männer keine Handtasche mitführen, beulen die Hosentaschen nicht so aus ;-)
Hi Frank,
selbst finde ich das Runden auch ganz praktisch. Ich muss mich nur jedes Mal wieder umstellen, wenn ich nach ein paar Tagen in den Niederlanden nach Deutschland zurückkomme ;-)
Ich finde das auch spontan gut. Erstens nerven mich die Haufen von Rotgeld in meinem Portemonnaie auch immer – zumal ich viel bar und wenig mit Karten zahle. Zweitens ist mir alles, was ins Unpräzise, jedenfalls ins Nicht-Knickerige tendiert, sympathisch.
Noch etwas, bitte, das fällt mir jetzt erst auf: Bequemer als das Runden an der Kasse wäre natürlich schon, die Preise auch gleich auf 5 Cent gerundet festzusetzen und auszuzeichnen, oder? Also eben keine Schwellenpreise (heißt doch so, oder?) von “4,99 €”, sondern dann halt von 4,95 €.
Oder unterläuft mir hier ein Denkfehler?
So sehe ich das auch, zumal die -,99er – Summen doch eh immer nur Augenwischerei sind. 9,99 z. B. sehen besser aus 10,–!
Etwas in der Art habe ich auch schon mal gedacht. Ich glaube aber, dass “marketingpsychologische” Gründe dagegen sprechen, Beträge grundsätzlich zu runden. 4,99 € würden in dem Fall automatisch zu 5,00 € und das fühlt sich einfach viel teurer an. Auch wenn wir alle wissen, dass das tatsächlich Augenwischerei ist…
Man könnte natürlich alles abrunden, so wie in Deinem Beispiel, Harki. Dann hätten die Kunden bestimmt nichts dagegen ;-)
Mir sind noch zwei weitere Sachverhalte eingefallen, die einen Einzelhändler, der dieses 5-Cent-System anwenden möchte, dazu nötigen könnten, es erst an der Kasse durch Runden, nicht aber schon durch die Gestaltung seiner Preise zu implementieren:
1. Er verkauft Dinge, deren Preis der Hersteller festlegt, für die es also de facto (oder auch de jure) eine Preisbindung wie bei Zeitschriften gibt, und der Hersteller legt eben so einen krummen Preis fest.
2. Er verkauft lose Dinge, die nach Gewicht bezahlt werden. 203 g Käse führen nolens volens sofort zu einem krummen Preis, der dann gerundet werden muß.
Ich bäte um Nachsicht, eine Frage zunächst aufzuwerfen und sie dann selbst (vielleicht und/oder zumindest teilweise) zu beantworten, ich weiß, daß das nicht der allerbeste Stil ist… Man sieht immerhin: ein interessantes Thema :-) , vor allem, wenn man keine Ahnung hat. :-D
Alles auch eine Frage der Gewohnheit.
Mir als Nachkriegskind fällt es nicht schwer, centgenau zu zahlen, denn ich habe noch gelernt:
“Wer den Pfennig nicht ehrt ist des Talers nicht wert”.
Ich erinnere mich auch gut an die 2-Pfennig-Briefmarke “Notopfer Berlin”, die man zur regulären Briefmarke dazukleben mußte in meiner Kindheit. Sie hatte die Größe einer halben Marke und war blau. Niemandem stellte sich damals die Frage nach der Knickerigkeit – und das ist mir halt im Blut geblieben.
Gruß: Lucy.
Hi Lucy, für viele aus der Nachkriegsgeneration dürften Pfennig und Cent in der Tat noch eine andere Bedeutung haben als für die Jüngeren.
Unterm Strich ist das Ergebnis beim Runden gleich: Mal “verliert” man ein oder zwei Cent, mal “gewinnt” man sie.
Es gibt sogar genügend Leute, die Bar bezahlen wenn’s weniger wird (z.B. von 4,87 auf 4,85), und Elektronisch wenns mehr wird (also, von 4,88 auf 4,90), weil man mit Pin ja der genaue Betrag zahlt.
Immerhin wird der Verlust maximal zwei cent pro mal sein, aber wird sich sehr oft ausgleichen, wie Alex auch schon sagt. Wenn wir davon ausgehen, dass es vielleicht in 20% der Fälle nicht auskommt, gibt es ein Verlust von ca. 1 euro im Jahr wenn jeder fünf mal pro Woche etwas kauft. Es tut mir leid, aber die Stún-den die alle Kunden immer warten müssen bei der Kasse weil eine es mal wieder auf dem Cent genau abrechnen muss (und dabei ewig rumwuschelt in 20 kilo Kleingeld), sind deutlich mehr wert als diesen einen Euro.
Man kann es die Leute noch nicht mal übel nehmen; ich tue es unterdessen auch, weil wie soll ich sonst diesen Haufen Kleinkram los werden?
In vielen Läden steht ein Sparschwein an der Kasse. Dort kann man überflüssiges Kleingeld für einen guten Zweck spenden.