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Sterbehilfe

02-02-2012

in Wissenswertes

Was der Gesetzgeber in Deutschland verbietet, ist in den Niederlanden unter bestimmten Bedingungen erlaubt: die aktive Lebensbeendigung durch einen Arzt auf ausdrückliches Verlangen des Patienten, wenn dieser für sein Gefühl unerträglich leidet und die Situation aus medizinischer Sicht aussichtslos ist.

Echinacea

Gesetz

Schwer kranke Menschen, die unerträglich leiden und für die keine Aussicht auf Besserung besteht, müssen in den Niederlanden nicht warten, bis der Tod von alleine kommt und sie erlöst. Ein 2002 eingeführtes Gesetz erlaubt es Ärzten, aktive Sterbehilfe zu leisten. Sie dürfen das Leben eines Patienten auf dessen ausdrücklich geäußerten Wunsch hin durch die Verabreichung eines tödlichen Mittels beenden, ohne mit rechtlichen Konsequenzen rechnen zu müssen.

Das niederländische Gesetz über die Kontrolle der Lebensbeendigung auf Verlangen und der Hilfe bei der Selbsttötung (PDF-Datei) stellt Ärzte, die der Bitte ihres Patienten oder ihrer Patientin nach aktiver Unterstützung bei der Lebensbeendigung nachkommen, von Strafverfolgung frei. Das allerdings nur, wenn bestimmte – im Gesetz festgeschriebene – strenge Sorgfaltskriterien eingehalten wurden. In allen anderen Fällen bleibt diese Form des Eingreifens strafbar; also auch, wenn der Sterbehelfer kein Arzt ist sondern zum Beispiel ein Krankenpfleger oder ein Angehöriger.

Sorgfaltskriterien

Nur unter folgenden Bedingungen ist aktive Sterbehilfe erlaubt. Der Arzt:

  • muss sich davon überzeugt haben, dass der Patient sein Verlangen nach Sterbehilfe freiwillig und wohlüberlegt äußert,
  • muss zu dem Schluss gekommen sein, dass ein für den Patienten unerträgliches Leiden ohne Aussicht auf Heilung oder Besserung besteht,
  • muss den Patienten über seine gesundheitliche Lage sowie über dessen Prognose aufgeklärt haben,
  • muss sich mit mindestens einem anderen, unabhängigen Arzt beraten haben. Dieser muss den Patienten auch selbst gesehen und untersucht haben und eine schriftliche Stellungnahme zur Einhaltung der in den ersten drei Punkten genannten Sorgfaltspflichten verfasst haben,
  • muss zusammen mit dem Patienten zur Überzeugung gelangt sein, dass es in der Situation keine andere annehmbare Lösung gibt,
  • muss die Lebensbeendigung oder die Beihilfe zur Selbsttötung medizinisch fachgerecht durchführen.

Schwer kranke Menschen ohne Hoffnung und Aussicht auf Besserung haben in den Niederlanden also grundsätzlich die Möglichkeit, selbst den Zeitpunkt ihres Todes zu bestimmen. Allerdings haben sie nicht automatisch einen Anspruch auf Sterbehilfe. Nicht jeder Bitte um Sterbehilfe wird entsprochen. Viele Betroffene empfinden es jedoch als eine große Beruhigung, dass sie mit ihrem Arzt offen über das Thema einer möglichen Lebensbeendigung sprechen können. Für den Arzt selbst stellt die Sterbehilfe immer einen Ausnahmezustand dar. Auch nicht jeder Mediziner ist bereit, am Tod eines Menschen aktiv mitzuwirken.

Kontrollinstanz

Jeder nicht-natürliche Tod muss dem amtlichen Leichenbeschauer gemeldet werden. Im Fall von levensbeëindiging op verzoek (aktiver Sterbehilfe) oder hulp bij zelfdoding (Beihilfe zum Suizid) prüft eins von fünf regionalen Kontrollgremien, ob der Arzt die Sorgfaltskriterien eingehalten hat. In diesen Kommissionen sind jeweils ein Arzt, ein Ethiker und ein Jurist vertreten. 2010 erhielten die Prüfungskommissionen insgesamt 3136 Meldungen über aktive Sterbehilfe. Im Jahr davor waren es 2636.

Euthanasie – der gute Tod

Das niederländische Wort für aktive Sterbehilfe ist euthanasie. Auf Griechisch bedeutet es “der gute Tod”. In Deutschland stößt dieser Begriff auf starken Widerstand, da er sofort Assoziationen mit dem Nationalsozialismus hervorruft. Unter dieser verschleiernden Bezeichnung wurden nämlich im Dritten Reich zehntausende psychisch kranker und körperlich behinderter Menschen systematisch ermordet

Medizinische Handlungen wie palliative Sedierung oder auch die notwendige und vom Patienten gewünschte Verabreichung von schmerzlindernden Mitteln, die den Todeseintritt beschleunigen können, fallen in den Niederlanden nicht unter den Begriff euthanasie. Gleiches gilt für den Verzicht des Patienten auf lebensverlängernde Maßnahmen sowie für den Abbruch von aus medizinischer Sicht sinnlosen Behandlungen.

Situation in Deutschland

Aktive Sterbehilfe – also die Tötung auf Verlangen – ist nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in den übrigen Benelux-Ländern Belgien und Luxemburg erlaubt. In Deutschland ist sie auf Grund von § 216 des Strafgesetzbuches verboten und strafbar.

Indirekte Sterbehilfe (die vom Patienten im Endstadium seiner Krankheit erbetene Schmerzmittelgabe, die den Tod beschleunigen kann) sowie passive Sterbehilfe (der Verzicht auf oder die Beendigung von lebensverlängernden Maßnahmen, weil dies dem Wunsch des Patienten entspricht, oder weil eine solche Behandlung medizinisch nicht mehr indiziert ist) sind jedoch auch in Deutschland erlaubt.

Auch die Beihilfe zum Suizid ist nach deutschem Recht an sich kein Straftatbestand. Ein Arzt darf seinem Patienten also theoretisch ein tödliches Medikament bereitstellen. Allerdings kann ihm in diesem Fall eine Anklage wegen unterlassener Hilfeleistung drohen. Er ist nämlich aufgrund seiner Garantenstellung dazu verplichtet lebensrettende Maßnahmen einzuleiten, sowie der Patient das Bewusstsein verloren hat. Ein trauriges Paradox.

Was machen deutsche Ärzte, die mit der Bitte um Hilfe bei der Lebensbeendigung konfrontiert werden? Ein Teil von ihnen kann sich – laut einer Umfrage der Bundesärztekammer – vorstellen, diese Hilfe tatsächlich zu leisten und hätte dafür auch gerne eine gesetzliche Regelung. Tatsächlich verschärfte aber dieselbe Bundesärztekammer 2011 die Berufsordnung, indem sie ein Verbot auf die ärztlich assistierte Selbsstötung aussprach.

Auch wenn die hiesigen Ärzte also aus juristischer Sicht ihre Patienten beim Suizid unterstützen dürfen, wird ihnen diese Möglichkeit standesrechtlich verwehrt. Weshalb es auch in Deutschland höchste Zeit ist, die Debatte um Sterbehilfe neu zu führen, beschreibt Ingrid Füller eindrucksvoll in ihrem Artikel beim Deutschlandfunk: Der ärztlich assistierte Suizid – Zwischen Straf- und Standesrecht.

Blätterfarben

Zum Sterben ins Ausland?

Anders als in der Schweiz, wo auch Ausländer Suizidhilfe in Anspruch nehmen können, ist die Sterbehilfe in den Niederlanden den eigenen Einwohnern vorbehalten. Die bereits genannten Sorgfaltskriterien setzen ein über längere Zeit gewachsenes, tiefgehendes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient voraus.

Aktive Sterbehilfe ist in der Schweiz übrigens genauso verboten wie in Deutschland. Nur die sogenannte Beihilfe zum Selbstmord, also die Bereistellung eines tödlichen Mittels, mit dem der Patient dann selbst sein Leben beendet, ist rechtlich erlaubt.

Meine Erfahrung – wenn das Leben nicht mehr geht

Dass ein Arzt Menschen dabei helfen darf, ihr Leben selbstbestimmt zu beenden, finde ich gut. Kein Arzt wird dies leichtfertig tun. Die Tötung eines Menschen, auch wenn die Lage aussichtlos ist und der Patient das Ende herbeisehnt, stellt immer eine schwere emotionale Belastung dar.

Einer der 2636 Menschen, die im Jahr 2009 auf diese Weise in den Tod gingen, war jemand aus meinem eigenen Familienkreis. Ich bin froh und dankbar, dass er selbst den Zeitpunkt bestimmen konnte, sich aus dem Leben zu verabschieden.

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{ 37 comments… read them below or add one }

Boom February 2, 2012 at 23:28

Das ist ein wirklich schwieriges Thema. Ich möchte natürlich nie in der Haut desjenigen stecken müssen, der so schwer krank ist, dass er sich das Leben nicht mehr vorstellen kann. So jemandem möchte man es dann natürlich auch nicht verwehren, sein Leben zu beenden. Es wäre eine Anmaßung, zu behaupten, man wisse, wie es ihm gehe und dass man selbst an seiner Stelle die Krankheit ertragen könne. So etwas kann nur der beurteilen, der selbst in der Situation ist.

Andererseits will ich auch nicht in der Haut eines Arztes stecken, der den Sterbeprozess begleitet, egal ob aktiv oder passiv. Beides finde ich unfassbar schwierig und ich finde auch nicht, dass dazwischen ein großer Unterschied liegt. Denn in beiden Fällen trägt man irgendwie mit die Verantwortung für den Tod eines Menschen. Und das ist natürlich eine Frage des Gewissens. Niemandem sollte zu Sterbehilfe verpflichtet werden.

Ich will auch nicht einer der Angehörigen eines Menschen sein, der sich bewusst zum Tod entschieden hat. Ich glaube nicht, dass ein Tod nach Termin einfacher ist als ein unerwarteter. Im Gegenteil.

So generell finde ich die Thematik total schwer zu beurteilen, weil das von so vielen verschiedenen Faktoren abhängt und so viele Menschen involviert. Aber eines ist sicher: Wenn jemand sterben will, findet er auch einen Weg, ob jetzt unter der Beaufsichtigung von Ärzten oder irgendwie anders. Durch Sterbehilfe kann man ihm den aber sicherlich angenehmer machen und ihm helfen, dabei seine Würde zu bewahren.

Reply

emigrant February 3, 2012 at 08:16

“Wenn jemand sterben will, findet er auch einen Weg …”. Normalerweise ja, aber es gibt auch Menschen, die das nicht mehr können: bettlägerig, gelähmt, weit von jedem Giftschrank oder sonst was sind. In solchen Fällen sollten die Ärzte und die Gesellschaft als Ganzes besonders viel Empathie walten lassen.
Oder ist es wirklich möglich, sich selbst zu Tode zu dursten, wie man manchmal hört? Ich weiß es nicht; bin selbst noch nicht so weit.

Reply

Trijntje February 3, 2012 at 17:31

Ik heb het ook wel eens gehoord, dat iemand het einde laat komen door niet meer te drinken.

Dat kan overigens ook een ‘natuurlijk’ iets zijn, dat iemand die in de stervensfase is niet meer wil eten en drinken. Het lijkt me dan wel het minste om aan die wens te voldoen, en het hem of haar verder zo comfortabel mogelijk te maken.

Reply

Bouke February 4, 2012 at 15:08

Obwohl ich alles was zu sagst zustimme, ist mir doch einen Satz im Augen gefallen: “Ich glaube nicht, dass ein Tod nach Termin einfacher ist als ein unerwarteter. Im Gegenteil.”
Weil es natürlich immer eine Meinung ist, würde ich doch das gegenteil davon begründen mit dem Argument, dass es die Angehörigen vorbereitung schafft und die möglichkeit gibt ins Klare zu kommen mit dem Tot eines Geliebten. Ich habe es selbst auch (leider) miterleben müssen, dass ein sehr guter Freund sich für Euthanasie entschieden hat. Natürlich reagiert man zuerst sehr negativ darauf, aber der Grund dafür ist, wie hart das auch klingt, purer Egoismus.
Man liebt den Anderen, und will ihn nie verlieren, einfach weil das weh tut. Wenn der Andere sich dafür entscheidet, Euthanasie zu machen, fühlt sich as als Verrat, als ob der Andere dich nicht genauso viel liebt als du ihn. Als ob dieser Person dich etwas weg nimmt.
Darüber hinweg zu kommen ist nicht leicht, aber wenn man das geschafft hat, versteht man die Schmerzen besser, und versteht warum die Tot kommt, oder zu kommen hat. Es gab keinen Ausweg mehr, niemand hätte mehr etwas tun können. Euthanasie sagt das für mich aus. Wenn jemand nicht aus eigenem Willen stirbt, bleibt die Frage immer in der Luft hängen. “Hatte jemand noch was tun können” und “Hätte jemand noch was tun sollen”. Es sind Fragen die nie mehr beantwortet werden können. Bei (reine) Euthanasie sind sie das aber. Das ist einer der Gründe, und ich kann sie gar nicht alle nennen, warum ich glaube dass es im Prinzip auch für den Angehörigen das bessere ist. Ein Geliebter verlieren ist immer Schmerzhaft, die Weise worauf ist darin aber sehr wichtig, und so ist das Leben danach.

Reply

Laura February 3, 2012 at 06:00

Inderdaad een heftig onderwerp. Naar mijn mening heeft Boom gelijk: “So generell finde ich die Thematik total schwer zu beurteilen, weil das von so vielen verschiedenen Faktoren abhängt und so viele Menschen involviert.”
Ik vind het mooi dat Boom aangeeft dat er zoveel mensen bij betrokken zijn. Uiteraard gaat het in eerste instantie om de patient. Voor die persoon is het een heel lang proces om te beslissen voor euthanasie en het daarna ook echt zelf te regelen. De man of vrouw moet bij volle verstand een verklaring schrijven waarom er echt geen andere uitweg mogelijk is. Hierbij zijn veel mensen betrokken. Ook de familie en vrienden moeten een manier vinden om hier mee om te gaan. 2009 was inderdaad een zwaar jaar voor mij toen Hans overleed. Bedankt voor je steun en respect voor de situatie. Je hebt in je blog goed de criteria omschreven wanneer euthanasie in Nederland is toegestaan. Het blijft een moeilijk onderwerp, waar veel mensen niet over willen/durven praten. Elke situatie, persoon en beleving van kwaliteit van leven is voor iedereen anders. Fantastisch dat je het noemt in je blog. Dank je wel. 1 februari 2012 zou Hans 66 geworden zijn.

Reply

Lucy van Pelt February 3, 2012 at 08:22

” wenn jemand sterben will, findet er auch einen Weg”

Das ist nicht so sicher. Man muß nur bei klarem Verstand bettlägerig sein, dann wird es schwierig. Ich gehe davon aus, daß auch in Deutschland die indirekte und die passive Sterbehilfe in sehr vielen Fällen geschieht, es ist eine für den Helfer sehr belastende Geschichte, aber eine humanitäre Maßnahme. Nur wird sie nicht dokumentiert.
Daß Deutschand sich mit Gesetzen zur Euthanasie schwer tut wegen deren Pervertierung im Dritten Reich, das ist wohl notwendig.

Reply

Andrea Kluitmann February 3, 2012 at 09:44

Liebe Alexandra,

danke für den guten, fundierten und wertvollen Text zum Thema Sterbehilfe. Ich bin auch sehr froh, dass es diese Möglichkeit hier in den Niederlanden gibt.
Hartelijke groet,
Andrea

Reply

Bob February 3, 2012 at 13:18

Schon alleine die lebensverlängernde Maßnahmen sind in vielen Fällen überhaupt nicht im Sinne des Patienten. Damit wird manchmal das Leiden nur verlängert, ohne daß es Aussicht auf eine Verbesserung gibt. Ich denke dass hier der medizinische Eid am Ziel vorbei schiesst.

Die starre Haltung in z.B. Deutschland i.B.a. Sterbehilfe kann man auch verstehen als eine Weigerung der Ärzteschaft um zusätzliche Verantwortung auf sich zu nehmen, mit anderen Worten: Angst.

Es ist wirklich traurig um zu sehen wie mache, oft ältere Leute, mit unnötigen zusätzlichen Behandlungen und OP’s belastet werden. Eine angetraute Oma von mir wurde ein halbes Jahr bevor sie starb noch ein Bein abgesetzt. Echt wahr. Das war übrigens in den Niederlanden.

Reply

alex February 3, 2012 at 13:53

Ein Schritt in die richtige Richtung finde ich die Patientenverfügungen, die seit zwei Jahren in Deutschland rechtlich verbindlich sind. Darin kann jemand zum Beispiel bestimmen, dass er in bestimmten Situationen keine lebensverlängernden oder lebenserhaltenden Maßnahmen möchte.

Reply

Bouke February 4, 2012 at 15:20

Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht dass es die Ärzteschaft ist, die es nicht will. Gerade die Ärzte sind die Menschen, die mit dem Leid konfrontiert werden, und die Schmerzen der Leute fühlen. Meine Schwiegermutter ist lange Zeit Hausarzt gewesen, und kann bestätigen, dass es einen nicht kalt lässt.
Es müssen doch wie immer die Leute sein, die gar erst nichts damit zu tun haben; die aus ihre Elfenbeinturm glauben zu wissen wovon sie reden, und glauben die Anderen vor zu schreiben, was sie zu tun, und was sie zu denken haben. Es sind nicht die Ärzten, es sind die nicht-Ärztlichen Gesetzgebern die von Tuten noch Blasen Ahnung haben. Diesselben die es so geschaffen haben das viele Ärzte die Medikamenten ihren Patienten aus eigener Tasche Zahlen müssen (und ja, das passiert. Sehr oft sogar).

Reply

alex February 3, 2012 at 13:55

Ganz lieben Dank an Euch alle für die tollen, feinfühligen Kommentare.

Reply

Feli February 3, 2012 at 13:57

mal wieder ein sehr gut recherchierter und wunderbar geschriebener artikel. wir sind gut beraten, wenn wir uns bei klarem verstand mit dem thema tod und/oder sterbehilfe auseinandersetzen. dann können wir uns, wenn es soweit ist, auf den prozess des sterbens konzentrieren. diesen prozess würde ich gern mit würde erleben, und dazu gehört für mich selbstbestimmtheit.

Reply

Uwe February 3, 2012 at 15:58

Bob,

Du sagst …

“Ich denke dass hier der medizinische Eid am Ziel vorbei schiesst.

Die starre Haltung in z.B. Deutschland i.B.a. Sterbehilfe kann man auch verstehen als eine Weigerung der Ärzteschaft um zusätzliche Verantwortung auf sich zu nehmen, mit anderen Worten: Angst.”

Der hypokratische Eid ist die ethische Grundlage der Ärzte in der ganzen Welt, nicht nur in Deutschland oder den Niederlanden. Wenn man sagt, die deutschen Ärzte würden sich der Verantwortung entziehen, könnte man umgekehrt genauso gut argumentieren, die niederländischen würden sich es sich mit dem hypokratischen Eid zu leicht machen und sich so einer ebenso schwer zu tragenden Verantwortung entziehen (dies ist wohlgemerkt NICHT meine Argumentation).

Deutschland hat eine geschichtliche moralische Altlast, die es uns nicht leicht macht, derartige ethische Fragen mit derselben Unvoreingenommenheit zu behandeln, wie das in anderen Ländern möglich ist. Ich denke, die deutsche Ärzteschaft verdient denselben Respekt wie die niederländische für die Art, wie sie mit diesem Thema umgeht. Die Entscheidung, einem Menschen gezielt das Sterben zu ermöglichen, ist meines Erachtens genauso schwer wie die, es NICHT zu tun und im damit ein längeres Leiden zuzumuten.

Reply

alex February 3, 2012 at 17:19

Danke Dir für Deinen Kommentar Uwe. Ich denke auch (ebenso wie Lucy weiter oben), dass die Situation in Deutschland aufgrund der furchtbaren “Euthanasie”-Praktiken im Nationalsozialismus noch um einiges komplizierter ist als in vielen anderen Ländern.

Nur zur Ergänzung: Anstelle des Hypokratischen Eides ist nach dem Zweiten Weltkrieg das Genfer Gelöbnis gekommen, das den Weg für manch eine ethische Reform geebnet hat. So ist weder aktive Sterbehilfe noch Abtreibung – ein anderes in manchen Kreisen sehr umstrittenes Thema – darin verboten.

Reply

Bouke February 4, 2012 at 14:44

Das Meiste, was sehr einfach dagestellt wird, ist im Endeffekt doch auf mehrere Weisen zu erklären. Grundsetzlich bin ich der Meinung, dass man immer hinterfragen sollte was mit bestimmte Stellungen/Regeln/Gesetzen/usw. gemeint wird, und auch wie sie entstanden sind.
Mann muss doch auch einsehen, dass es heutzutage dermaBen* viele medizinische Möglichkeiten gibt, die nichts mehr mit dem Gesundwerden zu tun haben, aber nur da sind um das Leben zu verlängern. Ist es nicht so, dass es in dem heutigen Verständniss von dieser Eid sich nur um ‘Weiterleben’ dreht? Also das diese Eid nur an das Leben verknüpft wird, und nicht an dem Wohlsein? Ich glaube, die Eid wird einfach zu eng verstanden. Was auf jeden fall klar ist, ist dass unser jetzigen Verständnis der Welt vom Christentum geprägt ist, anders wie damals bei den Griechen.
Wenn es nichts mehr gibt, dass ein Artzt machen kann um die Gesündheit und das Wohlsein seiner PatientIn zu verbessern, hört aus meiner Sicht die reichweite der hypokratische Eid auf. Ab diesem Punkt fängt die Frage der Euthanasie/Selbsttötung an.

Auch haben wir eine Gesellschaft geschaffen worin man, auch wenn man wollte, nicht selbst an andere totende mitteln gelangen kann ohne krasse Umwege, die einen eine ‘angenehmere’ Tot erlauben als zB. das Aufhängen oder Zugspringen. Das ist natürlich was gutes, aber es heisst auch, dass selbstbestimmung wie sie ohne solche Kontrolle geschehen würde und könnte, unmöglich gemacht wird. Aus meiner Sicht schafft das eine Verpflichtung, diese Einschränkung der Selbstbestimmung zu kompensieren – und dass ist genau, wo diese gesetzliche Regelung der Euthanasie einspringt.

*(schuldigung, meine UK-Extended Tastatur erlaubt mir keine sz)

Reply

Lebensschutz February 3, 2012 at 18:38

Leider sieht die Realität in den Niederlanden in Bezug auf die aktive Sterbehilfe nicht ganz so ideal aus.

So steigt die Anzahl der Menschen, die aktive Sterbehilfe erhalten, ständig an, man hat das Gefühl, dass das Angebot hier erst die Nachfrage schafft. Als Begründung haben die Angst vor Einsamkeit und die Bedenken, anderen zur Last fallen zu müssen, die Angst vor unerträglichen Schmerzen – die Hauptbegrüng für das Gesetz – längst abgelöst.

Noch bedenklicher ist, dass zunehmend auch Menschen euthanasiert werden, die einer Sterbehilfe nicht explizit zugestimmt haben oder Minderjährig sind (siehe z.B. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47990 oder http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Sterbehilfe/Sterbehilfe-in-Holland.html). Daher tragen inzwischen auch einige Holländer eine Credo Card mit der Aufschrift “Maak mij niet dood, Doktor = Töte mich nicht, Doktor” bei sich, um nicht versehentlich euthanasiert zu werden. Das Bestreben den Menschen durch die Palliativmedizin und Hospize ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen, wird durch die schnelle (und für die Gesellschaft bequemere?) aktive Sterbehilfe abgelöst.

Insoweit ist es gut, dass sich die deutschen Ärzte klar gegen die aktive Sterbehilfe und die Suizidassistenz ausgesprochen haben, denn der Weg unseres Nachbarlandes sollte nicht der Deutschlands sein – vielleicht hilft uns hier unsere schlimme Geschichte, schleichende Bedrohungen für den Wert des Lebens zu erkennen und abzuwehren.

Reply

alex February 3, 2012 at 21:21

Nein, ideal ist die Situation in den Niederlanden nicht. Das hat hier auch niemand behauptet. Aber es findet in meinem Heimatland eine öffentlichte Debatte statt, die aus meiner Sicht auch bitter nötig ist. Darin gilt es einerseits, den Respekt für das Recht auf Selbstbestimmung eines jeden Menschen zu wahren und anderseits zum Schutz der Patienten für möglichst gute Kontrollmechanismen und Transparenz zu sorgen.

Du findest aktive Sterbehilfe schnell? Das ist sie keineswegs. Genauso wenig handelt es sich um eine “für die Gesellschaft bequemere” Variante des Sterbens.

Ja, auch Minderjährige dürfen, wenn sie 12 Jahre oder älter sind, in den Niederlanden um Sterbehilfe bitten. Bei Patienten zwischen 12 und 16 müssen die Eltern oder Erziehungsberechtigten dieser Bitte zustimmen. Ansonsten gelten selbstverständlich die im Artikel beschriebenen Sorgfaltskriterien.

Euthansie bei demenzkranken Menschen stellt den absoluten Ausnahmefall dar und kommt überhaupt nur in Frage, wenn der Patient sich noch über seinen Zustand im Klaren ist. Ärzte sind in solchen Fällen noch zurückhaltender, der Bitte um Sterbehilfe nachzukommen, als sie es ohnehin schon sind. Das kann auch bedeuten, dass eine vom Patienten vor Eintritt der Demenz erstellte Willenserklärung (“Patientenverfügung”), in der er um Sterbehilfe bittet, nicht zum Tragen kommt.

Palliativmedizin und Sterbehilfe sehe ich nicht im Widerspruch. Ich denke, beide ergänzen sich.

Reply

Lucy van Pelt February 4, 2012 at 07:50

“(und für die Gesellschaft bequemere?)”

Nicht zu vergessen: auch billigere Lösung als Palliativmedizin!
Ich persönlich schätze sehr, daß es in Deutschland Hospize gibt.

Reply

Trijntje February 4, 2012 at 08:12

In Nederland zijn ook hospices. Die doen heel goed werk.
In Nederland worden stervende mensen op allerlei manieren begeleid, ik heb dat bij mijn ouders, mijn man en nog enkele anderen van nabij meegemaakt.

De artsen gingen daar heel integer mee om.
Wat ik heb gezien komt hierop neer: zo lang er redelijke hoop is dat behandeling genezing kan geven, of verbetering van de gezondheidstoestand, en levensverlenging, dan zetten ze zich daarvoor in.
Als er een stadium komt waar behandeling voornamelijk ongemakken veroorzaakt, en geen positief resultaat meer heeft ( misschien nog een korte pijnlijke periode erbij), dan geven ze zo’n behandeling niet meer en richten ze zich op een zo comfortabel mogelijke laatste levensfase, thuis, in een hospice of in het ziekenhuis, afhankelijk van de feitelijke gezondheidssituatie, en de wensen van de patiënt en zijn naasten.
Vaak wordt daarbij morfine gebruikt, om pijn en benauwdheid, en de daarmee soms samenhangende angst, te bestrijden. Daardoor kan het sterven mogelijk iets worden versneld, dat zie ik niet als euthanasie.

Ik heb in mijn naaste omgeving niet meegemaakt dat er euthanasie is gepleegd. Ik weet wel dat artsen hier niet gemakkelijk mee omgaan en niet zomaar tot euthanasie overgaan, Alex schrijft ook over de voorwaarden waaraan moet worden voldaan. En artsen genezen ook veel liever dan dat ze euthanasie toepassen.

Ik weet ook dat palliatieve sedatie alleen wordt toegepast als zeker is dat de patiënt in de stervensfase verkeert: de moeder van vrienden van mij wilde dat de artsen dat bij haar gingen doen, terwijl er nog medische behandeling mogelijk was die haar nog enige goede levenstijd zou geven, en de artsen deden dat niet: ook mijn vrienden waren het hierin met de artsen eens dat de artsen die sedatie niet wilden gaan toepassen, en drongen er bij hun moeder op aan om nog iets moois te maken van de tijd die ze nog had.

Reply

Bouke February 4, 2012 at 14:07

Ich glaube dass es deshalb vielleicht wichtig ist, an diese dreiköpfige Kommissionen einen Psychologen hinzuzufügen. Andererseits kann diese steigende Zahl auch bedeuten dass der Tot immer weniger ein Tabu ist; und deshalb eine bisher versteckte Menge an Leid aufgedeckt wird. Aber ich stimme zu, dass der Tot nicht leichtfertig zu nehmen ist, oder aus Angst für die Zukunft, oder sonstiges. De Kriterien für Euthanasie sind deutlich festgelegt, und beinhalten sowas nicht.

Allerdings kann es nicht so sein, dass Leute ‘geholfen’ werden zu sterben, wenn sie es nicht so gewünscht haben. Es wird kein Artzt geben ausser Mengele & Co., der sich sowas leistet. Pardon my French, aber ich würde das auf gutes Niederländisch ein ‘broodje aap’ nennen. Und sollte es doch passieren, hat das nichts mit Euthanasie, aber mit strafbare Taten zu tun. Das ist kein Euthanasie, das ist Mord.

Reply

Sylvia February 3, 2012 at 21:49

Ich habe mir die Zeit genommen und auch alle Kommentare komplett gelesen. Alle Argumente sind nachvollziehbar, sowohl pro als auch contra .
Im Krankenhaus habe ich so viele Patienten erlebt, die um ihre Erlösung gebettelt haben. Ich habe meine Mama bis zu ihrem Tod gepflegt, sie hat so oft darum gebeten, nicht mehr aufwachen zu dürfen. Diese persönlichen Erfahrungen haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass es Menschen zugestanden werden sollte, selbst über ihren Tod zu entscheiden.

Reply

Bouke February 4, 2012 at 14:26

Genau das ist es, dieses Recht auf selbstbestimmung. Vielleicht liegt einiges darin wie liberal der Eine oder der Andere ist, aber im grunde genommen kann es meiner meinung nicht sein, dass andere Leute bestimmen was jemand mit seinem Leben macht. Die Regeln der Gesellschaft sind doch auch da, um das Zusammenleben zu ermöglichen. Schon nur die Gedanke, dass die Entscheidung über den eigenen Tot vielleicht von jemand zugestanden werden müsste, ist für mich völlig absurd.

Klar, gibt es unterschiedliche Sichtweisen, auch in die Niederlanden. Oft hat das Christentum oder Ähnliche Religion damit was zu tun. Die christliche Parteien bei uns wollen Euthanasie und Abortus beide am liebsten Heute noch vom Tisch werfen. Ich kann das als Christen aber gar nicht nachvollziehen. Für mich ist (Nächsten-)Liebe das höchte Gut vom Christen sein, und dazu gehört ausdrücklich nicht, jemand aussichtslos leiden zu lassen. Es ist arrogant und hochmütig jemand das an zu tun mit der Bibel in der Hand. Genau das Leiden, was du beschreibst, sollte doch einen Menschen nach dem Herzen und der Seele, und nicht nach den Regeln greifen lassen.

Reply

Trijntje February 4, 2012 at 14:32

Ook ik ben christen, en daarom wel terughoudend als het gaat om abortus of euthanasie. Maar ik ben het met Bouke eens: die wetgeving terugdraaien, daar ben ik helemaal niet voor.
Ik zet liever in op goede adviezen aan stellen die een abortus overwegen, zonder de weg van abortus uit te sluiten, maar wel goed kijken naar de mogelijkheden als het kindje wel geboren zou worden.
En ook bij de vraag naar euthanasie, goed overleg, is degene er inderdaad aan toe om te sterven, of is er bijvoorbeeld angst voor veel pijn, die nog wel bestreden kan worden?

Ruimte voor verantwoordelijkheid van een ieder, ook voor artsen die goede adviezen moeten geven, en goede uitleg over alle mogelijkheden; ook dat is niet eenvoudig!

Reply

Bouke February 4, 2012 at 14:54

Klopt, ik zie nu dat ik het op een hoopje gegooid heb; Abortus is een ander geval, waar ik vroeger nogal zwart/wit over dacht, maar tegenwoordig toch enige straatlengtes moeilijker vind. Euthanasie is wat mij betreft zo klaar als een klontje*, Abortus is dat zeker niet (alhoewel ook daar naastenliefde voor mij de boventoon zou moeten voeren).

*d.w.z., precies zoals jij dat beschrijft, onder de hoogste mate van integriteit en inzet. Wat mij betreft is er een taak weggelegd voor alle takken van sport; de ‘klassieke’ geneeskunde, psychologen en psychotherapeuten en in het verlengde daarvan geestelijken (dominee, pastor), evenals de alternatieve geneeskunde die soms wonderbaarlijke gevolgen kan hebben. Wat in ieder geval pertinent niet mag gebeuren, is dat iemand anders denkt te moeten beslissen; iedereen heeft daarin een adviserende rol te spelen – de uiteindelijke beslissing moet bij de patient liggen. De arts (en de psycholoog; dat vind ik eigenlijk ook een vereiste) heeft slechts over de randvoorwaarden te beslissen.

Reply

Finallyfast.com February 4, 2012 at 06:50

Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel zu einem heiklen Thema.

Ich würde mir grundsätzlich einen offeneren Dialog zu diesem Thema von allen Seiten in der Gesellschaft wünschen wollen.
Der Freitod ist so alt wie unsere menschliche Geschichte und findet in jeder Gesellschaft statt. Wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen aus dem Leben scheiden möchte, der trifft in keinem Fall eine “aus dem Bauch heraus” einfache Entscheidung.
Ich empfinde es als humaner diesen Menschen mit ihrem Anliegen beizustehen im Sinne des Respekts der eigenen Entscheidung, als sich davor zu verschließen. Vielleicht würde eine gesellschaftlich umfangreichere Auseinandersetzung mit diesem Thema dazu beitragen eine Regelung zu finden, mit der alle Parteien umgehen und akzeptieren können.

~Anja~

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scrooge February 4, 2012 at 17:58

Ein sehr guter, sorgfältig recherchierter Beitrag zu einem sehr sensiblen Thema.
Ich habe ebenfalls alle Kommentare gelesen und kann beide Zeiten verstehen. Ich selbst bin der Meinung, dass, wenn es einfach nicht mehr geht, man das Recht haben sollte, in Würde zu gehen.
Was auch noch bedacht werden sollte, ist, dass heutzutage auf dem Gebiet der lebensverlängernden Massnahmen sehr viel möglich ist – viel mehr als früher. Aber (wie weiter oben schon geschrieben wurde) geht es dem Patienten dadurch nicht notwendigerweise besser. Deswegen finde ich, dass man nicht alles, was man einsetzen kann, auch einsetzen muss.
Auf jeden Fall ist es wichtig, offen über diese Dinge zu sprechen, denn der Tod und alles, was damit zusammenhängt, wird immer noch sehr stark tabuisiert.

Reply

Gernot February 5, 2012 at 23:13

Meine gottselige Grossmutter ist vor ca. zwanzig Jahren an Bauchspeicheldruesenkrebs gestorben. Vor ihrem Ableben im 96. Lebensjahr, auf jeden Fall einem gesegneten Alter, fragte uns ihr Arzt, ob wir sie retten, trotz einer urschmerzvollen bevorstehenden Operation, oder sie einfach (wunschgemaess) entschlafen lassen wollten. Nach zweitaegiger Bedenkzeit entschieden wir uns fuers Letztere.

Auch bis heute noch bereuen wir diese Entscheidung nicht und zum Thema Sterbehilfe wuerde ich sie irgendjemandem empfehlen, dessen Glaubensbekenntnis sie nicht verstoesst!

Reply

alex February 5, 2012 at 23:30

Danke Euch allen für Eure Kommentare zu diesem Schwierigen Thema.

Reply

Rappelkopf February 8, 2012 at 22:45

Ich finde, dass Ärzte nicht aktiv Sterbehilfe leisten dürfen. Wenn ein Patient jedoch seinem Leben selbst ein Ende setzen will und der Arzt das nicht verhindert, weil diese Person eine entsprechende Patientenverfügung gemacht hat, sollte er dafür nicht unter Strafe stehen. Und die Missachtung des hippokratischen Eides muss der Arzt ohnehin mit seinem Gewissen ausmachen.

Eine literarische Vision einer Gesellschaft, die es sich mit der Euthanasie zu leicht macht, ist übrigens Aldous Huxleys “Schöne neue Welt”, mit ihren Moribundenkliniken. Das Buch wurde schon 1931 geschrieben, man ist bis heute nicht sicher, ob es als Beschreibung eines wünschenswerten Paradieses oder als Anklage gegen die beginnende faschistische Verblendung gedacht war. Huxley selbst hat erst 30 Jahre später versucht, die zweite Auslegung zu seiner zu machen.

Rappelkopf

Reply

Gernot February 8, 2012 at 23:49

Rappelkopf,

normalerweise bin ich dir einverstanden, bloss im Fall meiner Grossmutter hatte sie es in ihrem Testament eindeutig (von ihrem Anwalt aufgesetzt!) dargelegt, der Arzt solle das Recht haben, ihrem Leben ein Ende zu setzen, wenn sie sich einer solchen Operation unterziehen muesste.

Reply

alex February 9, 2012 at 16:05

Dann seid Ihr doch einer Meinung, Gernot. Denn das ist im Prinzip auch, was Rappelkopf sagt. In der Zeit, in der Deine Großmutter starb, gab es noch keine Patientenverfügungen wie jetzt und war die Lage wahrscheinlich noch um einiges schwieriger.

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Giselle February 9, 2012 at 10:22

Danke für diesen Beitrag. Ja, es ist schon schwer, wenn man unmittelbar in seinem Umkreis betroffen ist. Es ist in Deutschland sogar mit der Patientenverfügung sehr schwer. Meine 85-jährigen Mutter ist im Juni letzten Jahres an Speiseröhrenkrebs gestorben und hatte vorher mehrmals mitgeteilt, dass sie nicht mehr in ein Krankenhaus will. Und doch wurde sie dreimal in ein solches eingeliefert. Das liegt einfach daran, dass niemand in den Pflegeheimen die Verantwortung übernehmen will. Aber für mich hat es auch etwas mit Respekt und Würde des Menschen zu tun.

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Bob February 9, 2012 at 16:01

“Weil niemand die Verantwortung übernehmen will”. Genau.

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alex February 9, 2012 at 16:06

Die Angst regiert …

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Bob February 9, 2012 at 15:55

Die Kritiker gehen immer wieder davon aus dass die (der?) Euthanasie auch auferlegt werden kann von jemand anderem als der Patient selber. Dass ist natürlich nicht der Fall (z.B. in den Niederlanden), en das soll natürlich auch nicht so sein. Ich verstehe nicht warum man diese Grenze nicht sehen will. Wenn du sterben willst weil das Leben nur noch ein unerträgliches und aussichtslose Leiden ist, und du bist zu krank um das selber durch zu führen, was sollte denn dagegen sprechen dass ein Arzt die nötige Handlungen durchführt? Wo ist da das Problem? Weil in der Bibel steht dass es nicht erlaubt ist oder was?

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Giselle February 18, 2012 at 23:07

Es gibt eine ganze Reihe von prominenten Menschen, die ihren hohen Bekanntheitsgrad “nutzen”, um sich für die Sterbehilfe bzw. gegen das Verbot der Sterbehilfe einzusetzen. So auch der britische Schriftsteller Terry Pratchett (den ich an anderer Stelle zu einem anderen Thema schon zitiert habe), bei dem bereits im Alter von 59 Jahren eine spezielle Form der Alzheimer-Krankheit diagnostiziert wurde. Er hat einen interessanten Doku-Film zu dem Thema gedreht. Wer sich dafür interessiert, kann hier mehr dazu lesen: http://www.heise.de/tp/artikel/34/34946/1.html

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Alex February 18, 2012 at 23:17

Interessant! Danke für den Link, Giselle.

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