Zwei Begrüßungen, an die ich mich hier in Deutschland richtig gewöhnen musste, sind Moin und Mahlzeit.
Morgenstund hat Moin im Mund
Mit Moin oder der auch häufig vorkommenden Verdopplung Moin Moin begrüßt man sich nicht nur am Vormittag sondern eigentlich zu jeder Tageszeit. Auch ein Moin zum abendlichen Treffen mit Freunden ist durchaus üblich.
Das norddeutsche Moin erinnert stark an Morgen. Ob es jedoch tatsächlich eine Verballhornung dessen ist, darüber sind sich die Sprachkundigen nicht einig. Ebensogut möglich ist, dass Moin seine Herkunft im plattdeutschen (“ostfriesischen“) Adjektiv moi findet, das schön bedeutet. Auch im Niederländischen heißt schön mooi : mooi weer –> schönes Wetter.
Egal ob Moin nun von Morgen oder von moi herrührt: Seit einigen Jahren steht das Wort im Duden – ein Zeichen dafür, dass der Gruß inzwischen auch außerhalb der norddeutschen Tiefebene Einzug gehalten hat oder zumindest nicht auf Unverständnis stößt.
Mahlzeit stößt mir auf
Konnte ich mich mit Moin recht schnell anfreunden, finde ich das in Deutschland und Österreich recht weit verbreitete Mahlzeit als Gruß befremdlich. Ob man tatsächlich gerade vor hat etwas essen zu gehen, tut bei Mahlzeit nichts zur Sache. Gegen ein beherztes Mahlzeit! am Tisch im Sinne von Guten Appetit! habe ich nichts einzuwenden – aber im Park oder im Fahrstuhl?
Nun bin ich mal gespannt: Verwendet Ihr Moin und Mahlzeit? Oder habt Ihr schöne Alternativen?
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{ 21 comments… read them below or add one }
Nun, “Mahlzeit” ist (Gott sei Dank…) als Bürokraten- und Schlichtmenschenfloskel weithin verschrien, würde ich sagen. Es ist wirklich scheußlich.
Bei den “Oberen Zehntausend”, also in der wirklich Schönen Welt, ist “Guten Appetit!” bei Tisch tabu, soweit ich weiß, es gilt als (klein)bürgerlich. Na, vielleicht hat sich das mittlerweile auch schon wieder geändert, seit Asserate dieses Insiderwissen popularisiert hat.
Eine wirklich schöne Floskel zum Beginn einer Mahlzeit kennt ich nicht…
“Moin” verwende ich selten (obwohl ich aus Plattdeutschland stamme), “Moin Moin” nie, um mich nicht dem Verdacht auszusatzen, ein Hamburger zu sein. :-)
Witzigerweise kenne ich hier in Hannover zwar einige “Mahlzeitsager” aber in der Tat habe ich noch nie jemanden gesprochen, der den Gruß schön findet.
Ach, und was sagen denn “die oberen Zehntausend” zu Tische, wenn Guten Appetit nicht in Frage kommt?
Es ehrt Dich, niemanden zu kennen, der das schön findet. :-D Wenn man in einem größeren Laden arbeitet, in dem das Usus ist, bleibt einem aber kaum etwas anderes übrig, als mitzumachen, wenn man nicht permanent lehrerhaft wirken will. Das ist eine scheußliche Situation, weiß ich aus eigener Erfahrung. :-D
Die sagen gar nix, sondern fangen grußlos an zu essen, wenn es opportun ist.
Nur um nochmals Mißverständnissen vorzubeugen. Ich finde das nicht nachahmenswert und sage natürlich “Guten Appetit!”. Es ist so ein Klüngel- und Abgrenzungsritual, das mit Sicherheit wieder verschwinden wird, sobald es rum ist, d.h. bei den Typen am Prenzlauer Berg etc. angekommen ist.
Hm, ich überlege auch gerade, wo “Moinsen” herkommen könnte. Für mich hört sich das haargenau und ganz natürlich an wie einer von diesen ach so witzigen Diminutiven, die dann alle begeistert mitmachen, eben so à la “Tschüßilein”. Das Dumme ist nur: es ist eben kein Diminutiv. Im Moment vermute ich, daß das so eine Art “Pseudodialekt” ist; daß also die intuitiv empfundene Pointe darin liegen soll, ein Dialektwort noch dialektaler zu machen. (?) Jedenfalls ist es scheußlich! :-D
Und kommt “Tschö!” nicht aus Schwaben? Das hört man hier mittlerweile auch schon im Aldi…
Sie sagen wohl “gesegnete Mahlzeit” – so habe ich mal gelesen. “Mahlzeit” ist davon ja nur ein Rudiment.
Nein, “tschö” kommt nicht aus Schwaben! Hier heißt es eher “ade” oder auch “tschüß” – aber das kommt aus dem Norden und ist hier eingebürgert.
Ach so! Ich kenne einen Oberschwaben, der sagt das immer, daher… Daß “Tschüß” norddeutsch ist, ist klar. “Tschö” ist aber mit Sicherheit eine west- oder süddeutsche Varianten, vielleicht wirklich aus dem Rheinland?
Kommt “Tschö” nicht eher aus dem Rheinischen?
Hallo, buurtaal! Ich komme aus Wilhelmshaven – nah dran an Ostfriesland, aber historisch dem Oldeburgischen zugehörig, bis es die Preußen gekauft haben, damit Kaiser Wilhelm dort seinen Hafen errichten konnte! Wir verwenden dort auch “Moin” zu jeder Tageszeit; wenn man sich besonders gesprächig zeigen will, nimmt man “Moin, Moin”! Die Erklärung aus Schultage ist wie Deine – es leitet sich von “guten” ab bzw. bei dir “schönen” und ist daher immer möglich!
Mahlzeit ist für mich eher so ein Wort für lange Flure in grauen Büro- und Ämtergebäuden! Würde ich auch am Tisch nicht verwenden! Bessere Alternative am Tisch: “Haut rein!”
Hier im Hannoverschen geht “Moin” eigentlich auch; und viele Bekannte südlich des Weißwurstäquators kennen es spätestens seit der Jever-Werbung (oder war es ein anderes Bier?) im Fernsehen! Momentan höre ich allerdings überall “Moinsen”!!!
Doei
Francisco
Hi Francisco,
“Moinsen” finde ich ein wenig gruselig. Es ruft bei mir unwillkürlich Assoziationen mit “Hallöchen”, “Hallöle” und “Tschüsschen” hervor ;-) Weißt Du mehr über die Herkunft?
“Moin” mag ich auch als Berlinerin gern, meine Mutter stammt aus Dithmarschen. :) (Und genau, “Moin Moin” sagen nur die Hamburger, aber das sind ja auch Sabbelbüddel – sagt meine Mama.) “Mahlzeit” – never! Finde ich und fand ich schon immer ganz fürchterlich. Dieselben Leute, die das verwenden, sagen auch mit einem Kopfnicken “Na-beeend!”, wenn sie einem in der Ferienanlage begegnen. Weiß ich aus Erfahrung. Ist nur mit einer guten Flasche Rotwein zu ertragen. :)
Die Verbindung mit “Na-beeend” war mir noch nicht aufgefallen, aber jetzt, wo Du es sagst: ich glaub’, es stimmt tatsächlich ;-)
Mahlzeit … Einfach nur grausam! Persönlich finde ich es auch bei Tisch nicht schön, aber da ich im öffentlichen Dienst arbeite, wird mich dieser Gruß noch ein paar Jahre verfolgen. Wenn möglich, pariere ich ihn mit “Lassen Sie es sich schmecken”, wenn ich weiß, dass der Grüßende auch zum Essen geht. Allen anderen erwidere ich einen “Guten Tag”.
Freue mich über die vielen Kommentare! Ich stelle fest, dass ich mit meiner Abneigung gegen “Mahlzeit” nicht alleine da stehe… ;-)
Zum Thema “Mahlzeit!” als Mittagsgrussformel sagt man sie normalerweise ausschliesslich in Norddeutschland, z.B. um ca. zwischen 12-13ooUhr mittags beim Betreten sowohl eines Lokals als auch der Kantine, Mensa, was weiss ich… anstatt einfach “Guten Tag!” zu sagen. Die Speisegaeste wuenschen sich “Mahlzeit!” sowie irgendjemand der den anderen Tischen mit Blickkontakt auf seine Tischnachbarn vorbeigeht. Ist nur eine Hoeflichkeitsfloskel bei uns.
Wie es jetzt in Holland ablaeuft, habe ich leider keine Ahnung mehr-:)
Der Gruß “Mahlzeit” ist eine Abürzung für “gesegnete Mahlzeit” und wird ausschließlich in der Arbeitswelt verwendet. Ich selbst habe ihn zum errsten Mal gehört, als ich als 17-jähriger zum ersten Mal gearbeitet habe. Er ist eine Art Erkennungszeichen der Arbeitnehmer in einer Firma. Im privaten Leben wird er niemals vertwendet. Aber er ist “gesamtdeutsch”. Denn sonst sind Begrüßungsformeln in Süddeutschland/Österreich ganz verschieden von denen im Norden.
Wir Schwaben erkennen uns immer am “Grüß Gott”, was in der Schweiz zu dem bekannten “Grüezi” abgekürzt ist. Ich wohne seit 32 Jahren in Köln und verwende diesen Gruß absichtlich, um bestimmte Leute (nicht Menschen, das sagt kein Mensch außerhalb des Rheinlandes und von Angehörigen der Politikerkaste) zu begrüßen was immer einen Kommentar hervorruft. .
“Moin moin” ist mir nur als Hamburger Spezialität bekannt.
Zum Abschied sagt der Schwabe “Ade” (von Adieu), der Bayer zu einer Person “Pfüat Di” oder zu mehreren Leuten “Pfüat enks” und die Österreicher sagen “Servus”, was auch sonst in Süddeutschland bekannt ist. Die Schweizer sagen “Uf wiederluege”, was eine Übersetzung des schriftdeutschen “Auf Wiedersehen” ist.
No, griass Gottle d’m Heahhn uss ‘m Schwobalaendle!-:)
Spass beiseite ist mir geborener Kieler Sprotte das Schwaebische wirklich eine fremde Sprache, auch wenn in demselben Land gesprochen. Ich lebe seit beinahe 45 Jahren in Hannoversch-Muenden, komme aus dem Norden Deutschlands und habe eine Zeitlang in Berlin gearbeitet.
Apropos Schwaben kann ich mich nur an folgenden Mittagsgruss erinnern; “Aah’ guete mit’nand!” (“Guten Appetit miteinander!”, und zwar immer waehrend des Essens, nie vor.
Also, jetzt muss ich doch mal ein kleine Lanze für das hier so unbeliebte “Mahlzeit” brechen. Ich kenne es als durchaus freundlich gemeinten Gruß zum Mittagessen, sowohl unter Arbeitskollegen auf dem Weg in die Kantine als auch unter Handwerkern, die zur Pause gehen und z.B. ein Lokal betreten, das Mittagstisch anbietet. Und da, aber auch nur da finde ich es passend. Zu anderen Tageszeiten oder Örtlichkeiten und direkt am Tisch würde ich es nie verwenden.
Grüßle, Sieke
Eben, Sieke! So wie bei uns-:))
Wie für Franciso ist das Wort “Mahlzeit” auch für mich ein “Gruß” für lange Flure in grauen Büro- und Ämtergebäuden.
Je nachdem, in welchem Zusammenhang es mir entgegengebracht wird, antworte ich mit einem freundlichen Guten Tag oder Guten Appetit/Guten Hunger.
Das “Moin/Moin moin” hat sich in unserer Gegend wie der Gruß “Hallo” genutzt.
Ach, wie erläuternd! Habe mich schon ständig gewundert warum die leute mir (so hab ichs aufgefasst) guten apetit gewünscht haben wenn ich ganz und gar nicht beim essen war, noch nicht mal eine tasse kaffe in der hand hatte…
Ich bin diese begrüßung erst hier in München in der firma begegnet bei meinem praktikum, kannte ihn vorher nicht. Könnte gut sein das die leute es ein wenig un freundlich von mir empfunden haben das ich immer nichts zurück gesagt haben, weil sie z.B. nur im flur an mir vorbei gekommen sind. Wieso sollte ich jemand guten apetit wünschen wenn er sich grad was aus dem drucker holt?
Das erste Mal, wo mir jemand “Mahlzeit” wünschte, konnte ich das auch überhaupt nicht einordnen. Man hört es hier in der Gegend aber so oft, dass ich mich schnell daran gewöhnt habe ;-)
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