Lange und kurze Vokale

09-01-2010 · 0 comments

in Sprache

Das Niederländische unterscheidet zwischen kurzen – eher “dunkel” ausgesprochenen – und langen Vokalen. Mit deutschen Augen betrachtet ist es nicht immer so offensichtlich, ob ein Vokal in der Nachbarsprache nun lang oder kurz ist. So ist das “o” im niederländischen tot (bis) kurz und wird ganz anders ausgesprochen als das gleich geschriebene deutsche tot.

So klingt das niederländische tot

Manche Vokale sind immer lang. Das gilt zum Beispiel für eu und oe. Bei anderen, wie a, o, u, i und e hingegen ist es nicht auf Anhieb klar. Der Kontext, also die Stellung im Wort, entscheidet über die Aussprache.

Über kurz oder lang

Dabei ist es hilfreich zu wissen, dass in der Aussprache des Niederländischen zwischen so genannten offenen und geschlossenen Silben unterschieden wird. Während die offenen mit einem Vokal oder Diphthong enden, schließen die geschlossenen mit einem Konsonanten.

Offen Geschlossen
ko-pen (kaufen) kop (Tasse oder Kopf) So klingt’s ….
ma-ken (machen, erstellen) appelflap So klingt’s ….
bu-ren (Nachbarn) mus (Spatz) So klingt’s ….
ki-lo kind So klingt’s ….
we-ten (wissen) wet (Gesetz) So klingt’s ….

appelflappen

Lekkere appelflappen (Foto: Suzanne Mennink)

Doppelt gemoppelt

In der Mehrzahlbildung von Substantiven findet im Niederländischen bei geschlossenen Silben mit kurzem Vokal eine Konsonatendopplung statt. Sie ist nötig um die richtige Aussprache zu erhalten. So ist die Mehrzahl von wet wetten. Ohne das zweite t müsste das e ja lang ausgesprochen werden und dadurch würde sich eine ganz andere Bedeutung ergeben. Das gleiche gilt bei der Beugung von Verben – ik bak (ich backe) → wij bakken (wir backen) – sowie beim Anfügen der Beugungsendung -e(r) bei Adjektiven – krom (krumm) → kromme, oder auch Edammer (Käse aus Edam).

Analog dazu wird in geschlossenen Silben der Vokal verdoppelt wenn der Vokal lang gesprochen werden soll:

buurtaal (Nachbarsprache)
waarheid (Wahrheit)
telefoon (Telefon)
mees (Meise)
Das klingt dann so ….

In geschlossenen Silben werden lange Vokale also gedoppelt, in offenen Silben treten sie immer einzeln auf.

Ausnahme “ee”

Die einzige Ausnahme ist das lange “e”, das auch in offenen Silben (es kommt zum Beispiel häufig am Wortende vor) eine Doppelung bekommt:

twee (zwei),
mee (mit)

Dies ist nötig, um den Unterschied zu Wörtern klarzustellen, die mit einem kurzen “e”, dem so genannten Schwa /ə/ enden. Hier klingt das “e” so wie die Endung im deutschen bitte:

me (mich)
we (wir)
ze (sie)
te (zu)

Nach diesem kleinen Grammatikausflug sage ich auf Wiedersehen mit dem niederländischen Abschiedsgruß tot ziens!

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