Für den Doppellaut (Diphthong) /ɛi/ gibt es im Niederländischen zwei mögliche Schreibweisen: ij und ei. Das bereitet nicht nur den Niederländern selbst hin und wieder Schwierigkeiten sondern vor allem auch Anderssprachigen, die hier verzweifelt nach Halt bietenden Regeln suchen.

Alles ei-ns …
Die unterschiedliche Schreibung von ij (im Niederländischen lange ij – langes “ij” – genannt) und ei (korte ei – kurzes “ei”) ist historisch begründet. ij hat seinen Ursprung in einem langen i, das in der Schriftsprache oft gedoppelt wurde. Aus diesem ii enstand ij. Im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts änderte sich die Aussprache von /i/ nach /ɛi/.
Die Schreibweise ei entwickelte sich aus Wörtern mit /e/. Auch die Aussprache dieses langen e wandelte sich über fast zwei Jahrhunderte zu /ɛi/.
So existieren eis (Forderung) neben ijs (Eis), aardbei (Erdbeere) neben rijstebrij (Reisbrei, Milchreis), paaseitjes (Ostereier) und paleizen (Palaste) neben vrij (frei), fijn (angenehm,fein), zijn (sein) und andijvie (Endiviensalat).
Leider ist es in den wenigsten Fällen auf Anhieb klar, ob das lange ij oder das kurze ei zum Einsatz kommt. Hier hilft eigenlich nur stures Auswendiglernen. Bei starken Verben mit /ɛi/ im Infinitiv und Präsens darf man jedoch getrost davon ausgehen, dass sie mit ij geschrieben werden:
rijden – reed – gereden (fahren)
snijden – sneed – gesneden (schneiden)
Bei den Substantiven bieten bestimmte Suffixe Halt. So schreiben sich Wörter die auf -heid und -teit enden immer mit ei:
vrijheid (Freiheit)
waarheid (Wahrheit)
spontaniteit (Spontaneität)
Substantive mit den Suffixen -(d)ij, -erij, -ernij, -arij, -cijn sowie Adverbien auf -lijk(s) bekommen das lange ij:
abdij (Abtei)
boerderij (Bauernhof)
slavernij (Sklavernei)
ambtenarij (Beamtenschaft, Bürokratie)
medicijn (Arzneimittel, Medikament)
dagelijks (täglich)
mogelijk (möglich
Gut sortiert
Weil das lange ij formal gesehen aus den Buchstaben i und j besteht, sortieren Wörterbücher es korrekterweise unter dem i ein. Nachschlagewerke wie das Telefonbuch hingegen packen das ij häufig nach hinten und stecken es zwischen das x und das z. An dieser Stelle im niederländischen Alphabet steht (genauso wie im deutschen) der Buchstabe y (Ypsilon, niederländisch: i-grec).
An sich ist dieses Vorgehen nicht unlogisch: Das in den Niederlanden entstandene ij und das importierte y wurden Jahrhunderte lang beide für Wörter mit einem /i/-Klang verwendet. Varianten eines Nachnamens, wie Kleijn und Kleyn, lassen sich so viel besser erkennen und aufspüren. Allerdings muss man um die dritte Schreibweise – Klein – zu finden wieder nach vorne blättern. Denn die findet man naturgemäß wieder unter dem i …
Am Satzanfang (und bei Personennamen) schreibt man übrigens beide Buchstaben des ij groß.
IJsselmeer
IJs is lekker (Eis ist lecker)
Während alte mechanische Schreibmaschinen in den Niederlanden eine eigene Taste für das lange ij hatten, ist diese im Computerzeitalter abhanden gekommen. Das ist auch nicht weiter tragisch, denn die Kombination aus i und j ist auf der Tastatur leicht getippt. Für Puristen: Es bestehen Unicode-Zeichen für sowohl ij (hex 0133) als auch IJ (hex 0132). Der Unterschied zur Kombi i+j zeigt sich am deutlichsten, wenn man eine Monospace-Schrift verwendet:
Zeilen op het IJsselmeer en daarna een ijsje eten (Unicode)
Zeilen op het IJsselmeer en daarna een ijsje eten (i+j)
Mit der Hand geschrieben ähnelt das niederländische lange ij einem Ypsilon mit entweder Pünktchen oder einem Strich oben drauf. Auch in diesem Fall bilden das i und das j eine Einheit. Seitdem ich festgestellt habe, dass die meisten Deutschen mit meinem geschriebenen langen ij nicht so viel anfangen können, habe ich mir hierzulande die Schreibweise i j angewöhnt:

Mein Name “auf Niederländisch” (links) und “auf Deutsch” geschrieben.
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