Krankfeiern und Baaldagen

15-05-2010 · 11 comments

in Kultur,Sprache

Den (umgangssprachlich verwendeten) deutschen Ausdruck krankfeiern habe ich nie so richtig einordnen können. Er bedeutet wegen Krankheit nicht arbeiten können, klingt aber in meinen Ohren, als würde man keineswegs schwächeln sondern einfach nur mal einen Tag blau machen wollen. Dieses Empfinden teile ich mit meinem deutschen Bekanntenkreis.

krankfeiern

Beim Nachschlagen im Duden musste ich feststellen, dass feiern tatsächlich – neben der herkömmlichen festlichen Bedeutung – umgangssprachlich auch verwendet wird um zu kennzeichnen, dass jemand (gezwungenermaßen) mit der Arbeit aussetzen muss. Eine niederländische Entsprechung dazu fällt mir nicht ein. Man sagt in diesem Fall einfach ziek zijn, also krank sein:

ik ben ziek / ik meld me ziek / ik kan vandaag niet werken
ich bin krank / ich melde mich krank / ich kann heute nicht arbeiten

Gelber-Schein-Zwang

Was ich in diesem Zusammenhang nie so richtig verstanden habe ist der deutsche Zwang, sich die Krankheit durch einen sogenannten gelben Schein bescheinigen zu lassen. Zum Einholen dieses ärztlichen Attestes, das als Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sowohl gegenüber dem Arbeitgeber als auch der Krankenkasse dient, wird man als Angestellte(r) spätestens am dritten Krankheitstag per Gesetz verdonnert.

Natürlich meldet man sich auch in den Niederlanden möglichst schnell beim Arbeitgeber wenn man krank ist und nicht zur Arbeit kommen kann. Und ebenso selbstverständlich holt man sich ärztlichen Rat, wenn einem wirklich was fehlt. Aber man ist nicht verpflichtet gleich zum Arzt zu rennen, nur weil man sich nicht in der Lage fühlt zu arbeiten. Eine formlose ziekmelding (Krankmeldung) genügt.

Meiner Meinung nach ist es auch nicht gerade gesundheits- oder genesungsfördernd, sich mit seinem geschwächten Körper zum Mediziner zu schleppen um dort im Wartezimmer zwischen anderen schniefenden und hustenden Mitbürgern auszuharren – nur um in den Besitz dieses obligaten Scheines zu gelangen.

Baaldagen und snipperdagen

Jede(r) in den Niederlanden hat hin und wieder mal einen baaldag: einen Tag, an dem die Dinge einfach nicht so laufen wie sie sollten und man “nicht gut in seiner Haut steckt”. Das in diesem Wort enthaltene Verb balen ist umgangssprachlich und heißt so viel wie die Nase gestrichen voll haben. Es ist durchaus nicht unüblich, sich in dieser Situation für den Tag krankzumelden um sich so eine kleine Auszeit zu gönnen.

Korrekterweise nimmt man jedoch in dem Fall eher einen snipperdag – einen einzelnen Urlaubstag. Das Wort kommt von snipper, das Fetzen oder Schnipsel bedeutet. Es unterstreicht den vereinzelten Charakter dieses freien Tages. Urlaub und Ferien heißen im Niederländischen übrigens gleichermaßen vakantie. Hier wird also nicht nach arbeitsfrei und schulfrei unterschieden, wie es im Deutschen der Fall ist.

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1 Wim Haver May 15, 2010 at 15:39

Er is een Nederlands bedrijf voor archiefvernietiging die op de vrachtwagens de slogan “Bij ons is elke dag snipperdag” hebben staan.

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2 alex May 15, 2010 at 15:46

Hihi, zeer toepasselijk ;-)

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3 Frank May 16, 2010 at 23:43

Darum rennen Deutsche im Durchschnitt 18 mal im Jahr zum Arzt, Skandinavier zum Beispiel nur dreimal. “Feiern” erklärt meine schlaue Etymologie auch aus dem Begriff “ausruhen”, das passte gut. Aus Beamtenkreisen kenne ich übrigens die “Tapeziergrippe”: wenn man freie Tage benötigt, um die Wohnung zu renovieren ;-)

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4 alex May 17, 2010 at 08:33

18 (!) mal? Ist das inklusive Zahnarzt und diversen diverser Vorsorgeuntersuchungen? ;-) Ich habe selbst mal irgendwo gelesen, dass in Deutschland pro Person 40 Prozent mehr an Arzneimitteln ausgegeben wird als in den Niederlanden.

Tapeziergrippe finde ich ein wunderbares Wort. Das ließe sich mit behanggriep ins Niederländische übersetzen. Ich wette, wenn man anfängt ein bisschen herumzugraben findet man bestimmt noch mehr solcher Schätze – im Niederländischen genauso wie im Deutschen …

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5 Gabi May 17, 2010 at 09:19

So, wie ich das Wort „krankfeiern“ kenne, wird es genau für den von dir bekundeten Zweifel verwendet. Niemand sagt von sich selbst, daß er krankfeiert. Aber zum Beispiel ein Arbeitgeber oder Kollege kann damit ausdrücken, daß er am Kranksein eines Krankgemeldeten zweifelt, diesem also Blaumachen mit ärztlichem Attest unterstellen.
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7 Tom S. Fox May 20, 2010 at 10:30

Inklusive diverser Vorsorgeuntersuchungen.

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8 alex May 20, 2010 at 10:35

Gut, dass ich dich habe, Tom …

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9 alex May 20, 2010 at 13:09

Gabi,
ich habe tatsächlich auch noch niemanden gehört, der von sich selbst sagt, er würde krankfeiern.

Auch ein schönes deutsches Wort in diesem Zusammenhang finde ich krankschreiben – also der Akt der Krankheitsbescheinigung durch den Arzt. Infolgedessen darf man sich dann krankgeschrieben nennen.

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10 Ynnor August 16, 2010 at 13:45

krankfeiern…tolles wort, muss ich mir merken^^

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