Kaffeezeit

24-04-2010 · 9 comments

in Kultur,Lekker! (Essbares und Rezepte)

Genauso wie die Deutschen trinken die Niederländer gern Kaffee. Nur die Zeiten, an denen sie dies tun, sind unterschiedlich.

Kaffee gehört für viele Niederländer und Deutsche zu einem guten Start in den Tag. Im Schnitt verbrauchen beide Nationalitäten in etwa gleich viel der braunen Substanz: etwa 7 Kilo pro Kopf oder umgerechnet knappe 150 Liter pro Jahr. Das sind schon ein paar Tassen am Tag.

Niederländischer koffie verkeerd - Kaffee verkehrt

In den Niederlanden trinkt man genauso gerne wie in Deutschland zwischendurch mal einen Latte Macchiato oder einen Milchkaffee. Die niederländische Entsprechung zu letzterem ist koffie verkeerd (“falscher Kaffee”). Das verkeerd im Namen bezieht sich auf das Mengenverhältnis: mehr Milch als Kaffee – im Prinzip also ein café au lait.

Wie Latte Macchiato wird koffie verkeerd meistens im Glas serviert. Wer als Deutsche(r) in den Niederlanden einen koffie verkeerd bestellt, darf sich jedoch nicht über das vergleichsweise kleine Glas wundern. Milchschalenformat ist man im Nachbarland nicht gewohnt.

Pünktlich zum Kaffee …

Wird man in Deutschland zum Kaffee eingeladen, handelt es sich eigentlich immer um eine Verabredung am Nachmittag – so ab vier Uhr. Den Begriff koffietijd kennt man in den Niederlanden auch, allerdings bezeichnet man damit die Zeit zwischen 10 und 11 Uhr morgens. Den gemütlichen Plausch am Nachmittag nennen die Niederländer theetijd – selbst wenn sie dann durchaus auch Kaffee trinken ;-)

Kaffeezeit und koffietijd entpuppen sich also gewissermaßen als kulturelle falsche Freunde. Wenn man nicht über die jeweiligen Gepflogenheiten Bescheid weiß, führt das schnell zu Missverständnissen. Ich selbst habe tatsächlich in meiner Anfangszeit in Deutschland eine Freundin an einem Sonntagmorgen aus dem Bett geklingelt, weil sie mich zum Kaffee zu sich geladen hatte. Seit diesem Erlebnis wissen wir beide um diesen kulturellen Unterschied …

Eine typisch niederländische Angewohnheit ist auch der Kaffee nach dem Abendessen. Ich meine hier nicht den Espresso beim Tafeln im Restaurant, der auch in Deutschland durchaus üblich ist, sondern den heimischen Filterkaffee. Spätestens wenn der letzte Teller in der Geschirrspülmaschine verschwunden ist, surrt schon het koffiezetapparaat (die Kaffeemaschine). Trinken tut man diesen abendlichen Kaffee gerne vorm Fernseher, wo er die Acht-Uhr-Nachrichten verdaulicher machen soll.

Kekse auf Ration

Ach übrigens: Dass man bei den Niederländern zuhause zum Kaffee immer nur einen Keks gereicht bekommt, möchte ich bei dieser Gelegenheit gern als Ammenmärchen entlarven (es wird mir nicht gelingen, ich weiss …) Das mag in den calvinistischen Fünfzigern tatsächlich der Fall gewesen sein, hat mit der heutigen Realität jedoch wenig zu tun. Allerdings ist das durchschnittliche Aufgebot an Keksen und Kuchen zum deutschen Kaffee aus niederländischer Sicht schon sehr üppig. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Post.

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1 Harki April 24, 2010 at 17:28

Ach übrigens: Dass man bei den Niederländern zuhause zum Kaffee immer nur einen Keks gereicht bekommt, möchte ich bei dieser Gelegenheit gern als Ammenmärchen entlarven (es wird mir nicht gelingen, ich weiss …)

:mrgreen:

Mir war sogar die Legende neu, und ich will sie unbedingt weitertratschen!

Wieder ein sehr interessanter Artikel, danke. (Zum veränderten Kaffeetrink-Verhalten der Deutschen ließe sich auch einiges sagen, also zu den Themen “obskure Tütenkaffeemischungen”, “Latte macchiato” etc.)
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2 alex April 24, 2010 at 17:41

Mir war sogar die Legende neu, und ich will sie unbedingt weitertratschen

Nur zu ;-)

Und ja, über die heutige “Kaffee-Mode” könnte man in der Tat einiges schreiben…

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3 Harki April 24, 2010 at 21:55

Ich kannte mal jemanden, der bei einer bekannten Kaffeefirma in Bremen gearbeitet hat. Das war zu der Zeit, als die Kaffeepreise gerade so ganz im Keller waren, also so gegen 2004. Und zumindest zu der Zeit waren diese Tütchenmischungen, so ist mir berichtet worden, zusammen mit den Pads sozusagen der Rettungsanker für die Röstereien, weil sich mit Röstkaffee (also “normalem” Kaffee) einfach kaum noch was verdienen ließ. Also hatte diese Mode zumindest damals also auch ihr Gutes. ;-)
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4 alex April 24, 2010 at 22:25

Gerade die Pads (“Senseo”) haben auch die Niederlande im Sturm erobert. Einerseits durchaus praktisch, diese Kaffee-Portiönchen, andererseits kommen sie geschmacklich nicht an “echten Kaffee” heran, finde ich. Aber vielleicht bin ich auch altmodisch – ich mache meinen Kaffee am liebsten mit dem “French Press”-Verfahren…

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5 Harki April 24, 2010 at 23:18

Gerade die Pads (“Senseo”) haben auch die Niederlande im Sturm erobert.

Ah, sieh da!

Und Du hast ja gar nichts über die (traditionelle) holländische Methode der Kaffeezubereitung geschrieben. Daher vermute ich, daß sie sich nicht großartig von der deutschen (also eben Aufgießen oder Filtern) unterscheidet?
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6 alex April 26, 2010 at 11:39

Bevor Senseo (Philips) seinen Siegeszug durch die Niederlande begann kochte man Kaffee tatsächlich meist so wie in Deutschland auch, wobei die Filtermethode die meisten Anhänger hat(te)…

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7 Harki April 26, 2010 at 17:13

Gut, danke für die Bestätigung! :-)
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