Die hochdeutsche Lautverschiebung

Wo Niederländer von einem appel reden, beißen Deutsche in einen Apfel. Und wo man im Niederländischen ik, schaap und zitten sagt, benutzt man in Deutschland ich, Schaf und sitzen. Hinter diesen Beispielen verbirgt sich eine Systematik, die auf die sogenannte hochdeutsche Lautverschiebung (oder: zweite deutsche Lautverschiebung) zurückzuführen ist.

Apfel – Appel

Apfel oder appel?

Hochdeutsch und Niederdeutsch/Niederländisch

Dieser Sprachwandel vollzog sich im frühen Mittelalter und mündete in das Althochdeutsche. Er hat sich über große Teile des späteren Deutschlands ausgebreitet, konnte aber nicht ganz nach Norden vorstoßen. Die Grenze wird in der Sprachwissenschaft die Benrather Linie genannt. Sie trennt den hochdeutschen Sprachraum vom niederdeutschen.

Die Niederlande, die zum niederfränkischen Sprachgebiet gehörten, waren von dem Phänomen ebensowenig betroffen wie der niederdeutsche (plattdeutsche) Norden Deutschlands.

Die Verwandlung

Die zweite deutsche Lautverschiebung wirkte sich vor allem auf die Verschlusslaute p, t und k aus. Aus p wurde nämlich pf oder f, der t-Laut wandelte sich zu z (bzw. ts) oder s und k entwickelte sich zu ch.

Wasser …

Deutsch Niederländisch
p –> pf Pfad, Pferd, Pfeil, Pfannkuchen pad, paard, pijl, pannenkoek
p –> f offen, schlafen, Schiffbruch open, slapen, schipbreuk
t –> z/ts sitzen, Zweifel zitten, twijfel
t –> s das, Wasser, Gruß, müssen dat, water, groet, moeten
k –> ch ich, Buch, flach, auch, machen ik, boek, vlak, ook, maken

… und Brot

Ein anderes Merkmal der hochdeutschen Lautverschiebung ist die Wandlung von d zu t. Wo niederländische Kleinkinder nach moeder und vader schreien, rufen deutsche ihre Mutter und ihren Vater. Niederländer doen etwas, Deutsche tun es.

Noch mehr Beispiele: dood (tot und Tod), dag (Tag), brood (Brot), midden (Mitte)

Wer um solche Gesetzmäßigkeiten weiß, findet mit etwas Experimentierfreude selbst die entsprechenden Wörter in der anderen Sprache heraus. Das klappt meist erstaunlich gut.

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  1. sagt

    Sehr interessant, Alex. In der Schule haben wir das auch irgendwann einmal durchgenommen und als ich anfing, Niederländisch zu lernen, dachte ich mir auch in etwa, dass die Ähnlichkeiten hiermit zu tun haben könnten. Einen Namen konnte ich dem aber auch schon nicht mehr geben. Apropos geben/geven: Was hat es mit b -> v auf sich? Fällt das auch unter diese Lautverschiebung? In diese Kategorie fällt zumindest auch noch leben/leven.

    • sagt

      Hi Susa,
      strikt genommen geht es hier um die Verschiebung von v → b, denn der westgermanische Laut /v/ wandelte sich in den althochdeutschen Dialekten in Richtung /b/, statt umgekehrt ;-). Auch dieser Wechsel gehört zu der hier beschriebenen zweiten deutschen Lautverschiebung.

      Noch ein paar Beispiele:

      geven –> geben
      heffen –> heben
      lof –> lob
      zeven –> sieben
      navel –> nabel

  2. sagt

    Door wat vakanties is me opgevallen dat er iets met de ch => k is gebeurd in o.a. het Duits, Nederlands en Engels. Dwz hoe het precies gegaan is weet ik niet, ik heb er nooit echt over gehoord. Was ook niet mijn vak. Punt is dat de letter k pas heel laat aan ons alfabet is toegevoegd. In het Italiaans bestaat ie officieel nog steeds niet. Die schrijven een h achter een c om er een k van te maken. Denk aan ‘machina’ wat als uitspraak heeft ‘makina’ en dan begrijp je dat een ‘masjiene’ verbonden is met ons woord ‘maken’.

    Die h achter een c is alleen nodig als er een i of e volgt, bij een a, u en o heeft de c al een k-klank. Maar als je van de c voor een a toch een s-klank wilt geven, dan komt er achter een c een i en dat doen we nog wel in Nederland in woorden als ‘provinciaal’.

    Dat we vroeger ch schreven ipv een k is het beste te zien in het woord kerk. In het Duits Kirche en in het Engels Church. Dat terwijl in Duitsland de gemeente Kerken betstaat met plaatsnamen als Aldekerk. In het Engels vind je nog wat plaatsnamen met kirk in de betekenis van kerk. En vervang de ch’s van church door k’s en je hebt vrijwel de uitspraak van kirk te pakken. Daarmee denk ik dat men vroeger in Duitsland Kirke zei, maar door het niet zo te schrijven werd het steeds meer Kirge.

    Dat effect hebben wij met de Nederlandse IJ die oorspronkelijk zonder puntjes was. Dat verklaart waarschijnlijk met de uitspraak waarschijnlyk. Dus met upsilon-klank aan het einde. Verder bestaat in het Italiaans ook geen j, daarvoor gebruiken ze gi.

    Bij de ‘d’ en ‘t’ hoort ook nog de ‘th’. Ik denk dat die laatste de oorspronkelijke letter was en nu nog te vinden in three. In het Duits en Nederlands hebben we hem vervangen door een ‘d’ met drie en drei. Maar denk ook aan father met vader en vater. In alle gevallen gaat het om germaanse woorden. Waarschijnlijk omdat het met de woorden uit het latijn al goed geregeld was tussen schrift en uitspraak.

  3. sagt

    O ja, en zo is uit “pot” “topf” geworden. Toch?

    Altijd al vermoed dat het Duits eigenlijk een verbastering van het Nederlands is.

    • Günter sagt

      Tatsächlich ist Niederländisch, genau wie Kölsch, ein Überbleibsel aus dem Niederfränkischen. Wer sich dafür interessiert und eine halbe Stunde Zeit hat, kann sich das bei belleslettres an Hand des Begriffs “aussen vor” sehr schön erklären lassen. Da werden nicht nur die Lautverschiebungen und die sogenannte “Benrather Linie” erklärt, sondern auch warum Hochdeutsch so heisst uvm. Einfach in dem Bild mit dem BL Logo unten links auf abspielen klicken. Nach ca. 3 Minuten wird’s dann interessant.

      http://www.belleslettres.eu/artikel/aussen-vor.php

        • sagt

          Das Niederländische hat sich aus den ehemaligen niederfränkischen Dialekten entwickelt. In sofern sind die heutigen Sprachen und Dialekte tatsächlich keine “Überbleibsel”, sondern dynamische Weiterentwicklungen. Aber das weiß Günter ja auch ;-)

          • Günter sagt

            Natürlich weiss ich das Alex, Überbleibsel gefällt mir aber, weil es den Zusammenhang mit der gemeinsamen Geschichte herstellt. Schliesslich haben sich die Franken aus Stämmen im Rhein – Maas – Schelde Gebiet geformt, wären also nach heutigen Grenzen, Niederländer, Belgier und Rheinländer (Deutsche).
            Mit Ausnahme der Marksburg und Pfalzgrafenstein, wurden die Burgen am Rhein ja auch weiterentwickelt, trotzdem sehen die meisten sie als Überbleibsel aus dem Mittelalter.
            Interessant finde ich, das die Rheinlande die Lautverschiebung p – pf offenbar so gut wie gar nicht mitgemacht haben, so heissen die Beispiele auf Kölsch:
            Pad = Padd, Paard = Pääd, Pijl = Piel, Pannenkoek = Pannekoche
            Wobei es da je nach Region natürlich lokale Unterschiede gibt, an welchen meist die Geschichte Schuld ist. So habe ich vor kurzem gelesen, das sich die Einwohner des zu Venlo eingemeindeten Tegelen und die Venloer aus geschichtlichen Gründen eigentlich nicht leiden können und aus dem gleichen Grund sogar einen “deutlich unterschiedlichen Dialekt” sprechen. Mir ist das bisher allerdings nicht aufgefallen. :-)

  4. Paul sagt

    Die 2. deutsche Laufverschiebung ist nicht für alle Laute an derselben Grenze nachweisbar.

    Die unterschiedlichen Grenzen sind vor allem im Westen Deutschlands feststellbar – dies wird durch den Rheinischen Fächer beschrieben. Nach Nordosten hin nähern sich die Grenzen an.

  5. Gernot sagt

    Als kleiner Anhang versteht man in dieser zweiten Phase der ‘Hochdeutschen’ Lautverschiebung den Einfluss des Vernerschen Gesetzes bei der Entwicklung des Hoch -bzw ‘Ober’-deutschen aus dem Wandel ‘p’ < 'f ' usw.

  6. Gernot sagt

    Ooops, da wollte ich nur was Anderes meinen! Stimmt. Auf das Grimmsche Gesetz sollte ich mich eben beziehen-:)

    Apropos der “Rheinische Faecher” steht in manchen Linguistik-Artikeln der Terminus Benradt-Linie, um diesen ‘Appel’/'Apfel’ Unterschied anzudeuten. Noerdlich der Linie werde Platt gesprochen, suedlich davon Mitteldeutsch, an fuer sich eine sperrige Nomenclatur, denn “MITTELdeutsch” bedeutet nicht mal das Deutsch was im historischen Mitteldeutschland gesprochen wurde, sondern die deutsche Sprache zwischen dem Nieder-u. dem Oberdeutschen.

  7. Gernot sagt

    Sorry, Alex! Ich habe erstmal den von Gunter verfassten Beitrag schon gelesen und er hat die Benrath-Linie bereits erwaehnt, also war meine Post bloss eine unnoetige Wiederholung, die nichts ergaenzt hat. Pardon)) Bei mir geht’s so manchmal zu husch-husch und erst danach sehe ich ein, den Beitrag haette ich mir ruhig schenken koennenlol

  8. sagt

    Nun, es gibt ja nicht nur die erste und zweite Lautverschiebung – auch sonst hat sich zwischen den beiden Völkern einiges verschoben … Ich denke da an tolerante Betrachtungsweise vieler Dinge, die in Holland erheblich verbreiteter war. War, leider, denn inzwischen gleichen sich Holland und Deutschland wieder an. Eventuell auch bald wieder in der Sprache? Wollen wir es nicht hoffen ;-)

  9. sagt

    Naar aanleiding van dit bericht heb ik zelf wat aanvullends gecomponeerd. Kijk maar of je er wat mee kan. Omdat Webminlog problemen heeft staat het op een tijdelijk blog. Misschien verhuis ik het later.

    • sagt

      Eine schöne, sehr anschauliche Geschichte, mit der Google-Karte!

      Die germanischen Laute þ und ð (ein stimmloses und ein stimmhaftes “th”) wandelten sich in der letzten Phase der 2. deutschen Lautverschiebung in Richtung “d”, und das nicht nur im frühen Deutschen, sondern auch im Niederländischen. So sind zum Beispiel dt. Dorf und ndl. dorp aus einem germanischen Vorläufer thorp hervorgegangen.

  10. sagt

    das ist ja lustig. Ich sitze im Augenblick mit einem internationalem Publikum in Jena im Sommerkurs. Erzählte mir eine Oesterreicherin heute eben über diese Lautverschiebing. Ehrlich gesagt: davon hatte ich noch nie gehört. Oder ich habe in der Schule geschlafen. Aber eben diese österreichische Dame erzählte mir, dass unsere zwei Sprachen sich ähneln würden. Alex, was sagst du dazu? Schöne Grüsse übrigens aus dem schönen Jena.

  11. sagt

    ja guten Morgen, gemeint ist dass die österreichische und die niederländische Sprache auf der gleichen Stufen der Lautverschiebung hängengeblieben ist.
    So hatte ich es zumindestens verstanden.

    • sagt

      Hi! Mit “Österreichisch” kenne ich mich nicht wirklich aus, aber Österreich gehört zum oberdeutschen Sprachgebiet, das die zweite deutsche Lautverschiebung vollständig mitgemacht hat.

      Viel Spaß noch im schönen Jena!

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