In Süd-Afrika tobt gerade die Fußball-Weltmeisterschaft. Ein schöner Anlass, den Blick mal etwas weiter schweifen zu lassen in Richtung Afrikaans. Diese Sprache, die heutzutage von etwa sechs Millionen Menschen in Süd-Afrika gesprochen wird, hat ihre Wurzeln im Niederländischen des siebzehnten Jahrhunderts.
Mitte des siebzehnten Jahrhunderts setzten die Niederländer im äußersten Süden von Afrika Fuß an Land. Die Leute der Verenigde Oost-Indische Compagnie (VOC) unter der Leitung von Jan van Riebeeck gründeten am Kap eine Siedlung. Hier wollten sie frisches Obst, Gemüse und Trinkwasser an Bord nehmen für die lange Seefahrt nach Indonesien.

Jan van Riebeeck geht 1652 am Kap an Land – ein Gemälde von Charles Davidson Bell (1813–1882). Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: Public Domain.
Aus der Siedlung wurde im Laufe der Zeit eine Kolonie. Schiffsleute ließen sich nieder, neue Immigranten kamen aus Europa. Das waren nicht nur Niederländer und Flamen sondern auch Deutsche aus den Grenzgebieten zu Holland und Belgien sowie französiche Hugenotten. Hierzu kamen noch asiatische Sklaven aus portugiesischen Kolonien und die einheimischen Khoikhoi, die von den Kolonisten als Hottentotten – Stotterer – bezeichnet wurden.
Bei dieser bunten Sprachmischung achtete die VOC als Herrscherin des Gebiets sehr darauf, dass in der neuen Kolonie das Niederländische die Amtssprache war. Für Verwaltung, Kirche und Rechtsprechung blieb es das auch bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts, als die Briten in Süd-Afrika die Macht übernahmen und das Englische diese Rolle bekam.
Aus Kap-Niederländisch wird Afrikaans
Bis Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hatte sich jedoch in der gesprochenen Sprache eine eigene Variante entwickelt: das Kap-Niederländische und spätere Afrikaans. Einerseits war diese stark von den süd-holländischen Dialekten von Jan van Riebeek und seinen Mannen geprägt, andererseits war sie durchzogen von den vielen Lehnwörtern vor allem aus den Sprachen der Sklaven.
Tausende weiße Kolonisten niederländischer, flämischer, deutscher und französicher Abstammung – die sogenannten boeren (deutsch: Buren) zogen in den Dreißigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts weg vom Kap in Richtung Norden und Osten. Die Hauptgründe dieses Großen Trecks: Überbevölkerung sowie Unzufriedenheit mit der britischen Besatzung.
Auch wenn die boeren in den Republiken Transvaal und Oranje Vrijstaat einige Jahrzehnte Unabhängigkeit genossen, wurden diese Gebiete Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach den zwei Burenkriegen (ndl. boerenoorlogen) vom britischen Reich einverleibt. Zusammen mit der Kap-Provinz und Natal bekamen die Republiken als Südafrikanische Union Selbstverwaltung. Die Union blieb bis 1961 bestehen. In diesem Jahr zog sich das Land aus der Commonwealth of Nations zurück und gründete die unabhängige Republik Südafrika.
Sprachenvielfalt
Das Afrikaans indes war 1925 neben Englisch und Niederländisch als offizielle Landessprache anerkannt worden. (Das Niederländische verlor den Amtssprachenstatus 1983). Nach Aufhebung der Apartheid 1990 kamen neun offizielle (Bantu-)Sprachen dazu. Diese werden von 75 Prozent der Bevölkerung als Hauptsprache gesprochen.
Quelle: Wikimedia Commons
Afrikaans ist für 15 Prozent der Einwohner Südafrikas die Muttersprache. Damit ist es nach isiZulu und isiXhosa die drittgrößte Sprache im Land. Die restlichen 10 Prozent der insgesamt etwa 45 Millionen Süd-Afrikaner sprechen als erste Sprache Englisch. Auch im Nachbarland Namibia wird Afrikaans gesprochen. Hier fungiert es zudem als Verkehrssprache zwischen den verschiedensprachigen Bevölkerungsgruppen.
Die augenfälligsten Merkmale des Afrikaans
ein Genus, ein bestimmter Artikel
Während es im Niederländischen zwei Kategorien von Substantiven gibt – de-Wörter und het-Wörter, kennen Afrikaanse Substantive nur ein Geschlecht und einen bestimmten Artikel: die. Der unbestimmte Artikel ist ‘n. Die zwei Mehrzahlformen, die am häufigsten vorkommen, sind -e und -s:
die piesang – die Banane
die huis – das Haus
die eggenoot – der Ehegatte
‘n vrou - eine Frau
die vorms – die Formen
die dinge – die Dinge
(Keine) Beugung des Verbs
Verben werden im Afrikaans kaum gebeugt. Für den Infinitiv und die Gegenwart gibt es nur eine Form:
ek loop, jy loop, ons loop, hulle loop
ich laufe (gehe), du läufst, wir laufen, sie laufen
Statt des Imperfekts benutzt man im Afrikaans das Perfekt, um anzugeben, das etwas in der Vergangenheit stattgefunden hat:
ek het geroep – ich rief / ich habe gerufen / ich hatte gerufen
Ausnahmen gibt es bei den Hilfsverben kan, sal, moet, mag, wil und beim Verb wees (sein):
ek was siek – ich war krank
hulle kon vlug - sie konnten fliehen
doppelte Verneinung
Will man im Afrikaans etwas verneinen, benutzt man dafür zwei Elemente. Die Konstruktion erinnert stark an das Mittelniederländische:
Sy het nie geslaap nie – sie hat nicht geschlafen
Internet auf Afrikaans
Mehr als das Niederländische, das viel aus dem Englischen übernimmt, prägt das moderne Afrikaans eigene Wörter für neue Begriffe. Im Bereich Internet sind das zum Beispiel:
| Afrikaans | Niederländisch | Deutsch |
| aflaai | download | Download |
| e-pos | ||
| inmandjie/uitmandjie | postvak IN/postvak UIT | Posteingang/Postausgang |
| aanlyn, gekoppel | online | online |
| varkpos, geraaspos, strooipos | spam, ongewenste mail | Spam |
| blaaier, leser | webbrowser | Browser |
| webwerf, webbladsy, webblaai | webpagina | Internetseite |
| inprop | plug-in | Plug-in |
| tuisblad | homepage, startpagina | Homepage, Startseite |
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{ 6 comments… read them below or add one }
Ah, freut mich wirklich sehr, daß Du was zu dem Thema geschrieben hast! :-)
Völlig neu war mir die Tatsache, daß sich die Buren (und die anderen Afrikaans-Sprecher, es sind ja auch die Farbigen) mehr als die Niederländer bemühen, Anglizismen anzupassen. Das ist wohl auch (und ich meine das ganz wertneutral) charakteristisch für Sprachgruppen, die sich in irgendeiner Form “bedroht” fühlen.
Ich finde es übrigens wirklich faszinierend, wie sehr man eine indogermanische Sprache reduzieren kann. Da ist Afrikaans wohl wirklich der Rekordhalter. ;-) Von drei Kasus runter auf keinen, von acht Fällen runter auf einen und damit keinen, und Verben flektieren auch nicht mehr. Also, ich würde wirklich lieber Afrikaans als Sanskrit lernen! ;-)
Hm, eine persönliche Bemerkung. Als in Plattdeutschland Aufgewachsener fühlt man irgendwie eine brüderliche Verbundenheit mit dem Afrikaans, obwohl man erstmal wenig Hörverständnis hat (weil halt zuviele grundlegende Vokabeln anders sind). Es klingt “vertraut”, “nah”, auch irgendwie noch mehr als das Niederländische… Wie soll ich das erklären? Der Tonfall ist gröber, er klingt ruraler als das sehr zivilisierte, “feinere” (Hoch-)Niederländisch… Völlig subjektiv und vielleicht imaginiert, klar…
Dir vielen Dank noch mal für die Anregung :-)
Dein Gefühl zum Afrikaans kann ich übrigens gut nachvollziehen. Vielen Niederländern (mir zumindest!) dürfte es ganz ähnlich gehen.
Interessant und klingt leicht zu erlernen, dieses Afrikaans. Keine gebeugte Verben nur ein Artikel – ein Sprachschlaraffenland. ;o)
“gekoppel” für “online” find ich witzig… Bist du auch gekoppelt? Ja, klar, bin ich gekoppelt. **lach**
Hallo shan_dark,
die varkpos (“Schweinepost”) und die inprop (das “Hineingepropfte”) finde ich auch sehr gelungen. Sowieso mag ich den kreativen Umgang mit Sprache wie er im Afrikaans stattfindet.
Dagsê Mense
Ek is baie bly om te sien dat daar belangstelling in Afrikaans is.
Hier is iets wat julle dalk interesant sal vind en hoopenlink benut.
Groete André.
http://www.vhs-leipzig.de/index.php?id=37&urlparameter=katid:350;katvaterid:224;katname:Afrikaans;kathaupt:11;knr:C47000H
Dankie für den Link zum VHS-Schnupperkurs Afrikaans in Leipzig, André. Das dürfte sicher den einen oder anderen interessieren.
Schade, dass Leipzig für mich ein bisschen zu weit weg ist, sonst hätte ich gern teilgenommen :-)
Alex
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