Sinterklaas – der niederländische Nikolaus

14-11-2009 · 8 comments

in Kultur,Typisch niederländisch

Heute, drei Wochen vor dem eigentlichen Fest, kommt er – wie jedes Jahr Mitte November – mit seinem Dampfschiff (stoomboot) voller Geschenke in den Niederlanden an. Spätestens ab diesem Tag sind die Niederlande in Sinterklaas-Stimmung.

Sinterklaas

Die Sinterklaas-Feier ist eine alte Tradition, die sich erstaunlich gut hält in der modernen Zeit. Im Mittelpunkt des Geschehens steht eine Gestalt, die zurückgeht auf den griechischen Bisschof Nikolaus von Myra aus dem vierten Jahrhundert, Schutzpatron der Kaufleute, der Seefahrer und der Kinder.

Sinterklaas und Zwarte Piet

Sinterklaas reitet – so weiß es jedes niederländische Kind – auf einem Schimmel bei Dunkelheit über die Häuserdächer und bringt Geschenke und Süßigkeiten. Ihm wird dabei zur Seite gestanden durch die so genannten Zwarte Pieten. Diese schwarzen Helfer in bunter Kleidung klettern durch die Schornsteine und liefern die Päckchen ab, zumindest bei den Kindern, die “artig” gewesen sind ;-)

Der heilige Sankt Nikolaus führt nämlich genau Buch darüber, wer sich übers Jahr anständig benommen hat und wer nicht. Jedes Jahr wieder macht er sich in der dunklen Jahreszeit mit seiner Gefolgschaft aus Zwarten Pieten für die Reise von seiner Residenz in Spanien in die Niederlande und nach Belgien auf.

Von Mitte November an, nach der offiziellen Ankunft von Sinterklaas im Land, stellen die niederländischen Kinder abends regelmäßig einen Schuh in den Hausflur (früher an den Kamin, aber den gibt es heutzutage in den wenigsten Häusern). Oft steckt darin eine selbstgemachte Zeichnung für Sinterklaas oder auch eine Karotte für das Pferd.

Morgens, gleich nach dem Aufwachen, rennen sie erwartungsvoll zu ihren Schuhen um zu schauen, was Zwarte Piet ihnen hineingelegt hat. Meistens sind das Süßigkeiten, Nüsse oder Mandarinen.

Vom Glauben abgefallen

Fast jedes niederländische Kind bis sechs Jahre glaubt an Sinterklaas. Spätestens ab diesem Alter fangen die Zweifel an: Bereits “aufgeklärte” Klassenkameraden plaudern aus dem Nähkästchen, Eltern verplappern sich und irgenwann fällt es dann doch auf, dass man Sinterklaas an so vielen Orten begegnet und er dabei immer ein bisschen anders aussieht …

Ich weiß selbst noch gut wie enttäuscht ich war, als ich hinter den Schwindel kam. Bis dahin war ich nämlich fest entschlossen, bei Sinterklaas als Zwarte Piet anzuheuern. Nicht, wie man meinen könnte, wegen der vielen Süßigkeiten, mit denen ich mich dann jeden Tag vollstopfen könnte. Viel mehr reizte mich die ganze Akrobatik der Pieten, das Klettern, Springen und der Balanceakt auf dem Dach.

Pakjesavond

Sinterklaas ist schon lange kein reines Kinderfest mehr. Der Höhepunkt für Jung und Alt ist der pakjesavond (Päckchen- oder Geschenkeabend), der in den Niederlanden am 5. Dezember stattfindet, also genau genommen einen Tag vor dem eigentlichen Jahrestag am 6.12.

Sinterklaas und Zwarte Piet

Meist am frühend Abend, auf jeden Fall nach Anbruch der Dunkelheit, klopft es an der Haus- oder Wohnungstür. Ein spannender Moment: Die Kinder rennen schnell zur Tür, in der Hoffnung, noch einen Blick auf Sinterklaas und seine Helfer zu erhaschen. Das gelingt aber in den wenigsten Fällen. Zurückgelassen haben die Besucher jedoch einen großen Sack voller Geschenke, der unter Freudenschreien hereingeschleppt wird.

Kreativität gefragt: Surprise und Sinterklaasgedicht

In vielen niederländischen Haushalten, zumindest in denen ohne kleine Kinder, kommen die Geschenke als so genannte surprises (ausgesprochen wie im Französischen) daher. Dabei hat bereits einige Woche vorher das Los bestimmt, wer für wen ein Päckchen vorbereiten muss.

Bei der Surprise steht nicht das eigentliche Geschenk im Mittelpunkt (auch wenn es durchaus um etwas wirklich Schönes gehen kann) sondern die phantasievolle und hübsche Verpackung. Der Brauch lässt sich vielleicht noch am ehesten mit dem deutschen Wichteln vergleichen. Nicht nur in Familien hat die Surprise Tradition. Auch im Freundes- und Kollegenkreis sowie in der Schule ist sie sehr beliebt.

Zu der Surprise gehört auch ein spezielles Sinterklaasgedicht. Jeder Beschenkte muss es, bevor es ans Auspacken geht, laut und deutlich vorlesen. In diesen Episteln wird der Adressat nicht selten wegen weniger vorteilhaften Eigenschaften oder Gewohnheiten (Unordentlichkeit, Vergesslichkeit …) auf die Schippe genommen.

Auch wenn manche Gelegenheitsdichter ganze Abende mit der Schöpfung solcher Sinterklaasgedichte verbringen (ich erinnere mich gut an hektische Tage kurz vor Sinterklaas, an denen sowohl die selbstgebastelte Surprise als auch das zugehörige Gedicht fertig werden musste), folgen die meisten Sinterklaasgedichte einem ziemlich einfachen Reimschema, in dem der Endreim eine wichtige Rolle spielt:

Sinterklaas zat diep te denken
Wat hij Alex toch zou schenken…

Wer mal keine poetische Inspiration hat, kann inzwischen etliche Sinterklaasgedichte-Generatoren im Internet bemühen. Praktisch, wenn es mal schnell gehen muss, aber sowohl Qualität als auch Originalität lassen – nicht verwunderlich – viel zu wünschen übrig. Nützlicher finde ich da die diversen Reimwörterbucher.

Seitdem ich in Deutschland lebe ist Sinterklaas für mich ein bisschen von der Bildfläche verschwunden. Aber manchmal bin ich Anfang Dezember in den Niederlanden und besuche dort Familie und Freunde. Und dann lasse ich mich sofort von der fröhlichen Stimmung und der Vorfreude anstecken.

Fortsetzung folgt…

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1 ongast November 14, 2009 at 16:29

Eine Kleinigkeit: ‘surprise’ klingt auf Niederländisch zwar ungefähr wie auf Französisch, die Mehrzahlform aber nicht ganz, weil das S am Ende ausgesprochen wird. Ansonsten beschreibst Du fast genau die Sinterklaasfeier aus meiner Jugend. Mit einer Ausnahme: ich habe sehr wohl ein Mal gemeint einen Blick auf den ‘Gutheiligmann’ erhascht zu haben – wenn es auch ohne Zweifel das rote Rücklicht eines vorbeifahrenden Autos gewesen sein muss.

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2 alex November 15, 2009 at 12:27

Du hast natürlich recht; danke für den Hinweis :) Mir ging es darum klarzustellen, dass “surprise” (Einzahl) im Niederländischen eher wie im Französischen als wie im Englischen ausgesprochen wird.

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3 Andrea Müller November 17, 2009 at 11:01

Als typisch niederländisch würde ich das nicht sehen. Ich (Jahrgang 1974) bin auch mit dieser Tradition aufgewachsen. Am 6. Dezember kam der Nikolaus in Begleitung seines Helfers Knecht Ruprecht. In seinem goldenen Buch stand, ob man denn auch brav war und böse Kinder bestrafte Knecht Ruprecht mit seiner Rute. An Heiligabend kam dann nicht der Weihnachtsmann, sondern das Christkind.

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4 Lucy van Pelt November 18, 2009 at 16:45

Im Allgäu habe ich als Helfer des Hl. Nikolaus seine Klausen kennengelernt, das sind finstere, fellbekleidete Burschen mit Glocken an den Fußgelenken und am Gürtel, denen man nicht so gern im Dunklen begegnen möchte. Sie schlagen mit ihren Ruten durchaus zu! Aber nur in der Nacht zum 6.12. Am Nikolaustag verteilen sie brav Geschenke.
Wahrscheinlich sind sie mit dem Zwarte Piet verwandt.

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5 alex November 18, 2009 at 22:38

Sinterklaas kommt offensichtlich herum ;-)

Jetzt verstehe ich auch, wieso er schon am 5. Dezember in den Niederlanden Geschenke verteilt: Nur so hat er Zeit, am nächsten Tag in Deutschland aufzuschlagen…

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6 Robin December 2, 2009 at 00:35

Ha Alex, ik vind jouw blog geweldig. Ook wel hilarisch zo nu en dan.
Wij zijn in de Sinterklaassfeer hoor. Hebben staan blauwbekken op de kade en Jonna wil elke avond haar schoen zetten. Ze, ook die van Yrsa, staan ook vanavond weer klaar. En ja, wie weet…. gooit er een pietje iets door de brievenbus zo in de schoenen.
X Robin

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