Niederländer benutzen gerne das Diminutiv: die Verkleinerungsform. Nicht, dass die Dinge in den Niederlanden tatsächlich immer kleiner wären (das ist ein Thema für einen künftigen Beitrag hier auf buurtaal) – häufig benutzt man die Form, um etwas als nett, angenehm oder gemütlich zu kennzeichnen.

lekker met z'n tweetjes met een kopje koffie in het zonnetje

Lekker met z’n tweetjes met een kopje koffie en een koekje in het zonnetje

So trinken die Niederländer mit Vorliebe een kopje koffie (ein Tässchen Kaffee) und verzehren dabei, während sie lekker in het zonnetje (in der Sonne) sitzen, ein koekje (ein Kekschen).

Lekker weertje

Man kann sogar bedenkenlos een koffietje oder een bakkie doen und anschließend een frietje halen. Dazu trinkt man gern een colaatje (eine Cola). Und ein beliebter Spruch um ein Gespräch zu eröffnen lautet lekker weertje hè? (ein tolles Wetterchen, oder?).

Mittagsschlaf-Fans doen een dutje oder een slaapje – Wörter, die im Deutschen ihre Entsprechung in Schläfchen oder Nickerchen finden. Und während die Eltern een ommetje maken (einen kleinen Spaziergang machen) spielen die Kinder verstoppertje (Versteck).

Understatement, Ironie

Das Diminutiv kommt auch als Euphemismus und Understatement zum Einsatz oder um Geringschätzung auszudrücken. So wird der Ausdruck een spuitje geven häufig als Synonym für einschläfern benutzt (het zieke dier een spuitje geven – das kranke Tier einschläfern). Wenn man jemanden koeltjes (von koel – kühl) empfängt, heißt man diese Person nicht gerade herzlich willkommen.

Gebildet wird die niederländische Verkleinerungsform mit Hilfe der Endungen -je, -tje, -pje, -kje und -etje. Die Form mit -je kommt am Häufigsten vor.

huis huisje Haus
lepel lepeltje Löffel
boom boompje Baum
woning woninkje (ohne “g”!) Wohnung
tekening tekeningetje Zeichnung
jongen jongetje (ohne “n”!) Junge

Tussendoortje

In ihrem Verkleinerungsdrang beschränken sich die Niederländer übigens nicht auf Substantive. Sie machen keinen Halt vor Verben, Adverbien, Adjektiven (siehe das obige Beispiel mit koeltjes), Zählwörtern (met z’n tweetjes – zu zweit) und sogar Präpositionen. Das führt zu schönen Wortschöpfungen wie tussendoortje (“Zwischendurch-chen”): ein kleiner Snack für zwischendurch oder twaalfuurtje (“Zwölf-Ührchen”): eine leichte Brotmahlzeit um die Mittagszeit.

Sehr gelungen finde ich auch mobieltje (“Mobilchen”), das sich neben mobiel als eine gängige Bezeichnung für Mobiltelefone durchgesetzt hat. Manchmal taucht in diesem Zusammenhang auch nulzesje (“Null-Sechs-chen”) auf. Das Wort verweist auf die Vorwahl 06- mit der alle niederländischen Handynummern anfangen.

Diesen Spaß am Diminutiv kenne ich in Deutschland eigentlich nur von den Schwaben, die sich in dieser Hinsicht wahrlich nicht vor den Niederländern zu verstecken brauchen. Denn auch die Häuslebauer trinken gern mal zwischendurch ein Tässle Kaffee und essen dazu ein Brötle (Keks) oder Gutsle (Keks oder Süßigkeit) ;-)

Wer noch ein schönes deutsches oder niederländisches Verkleinerungswort kennt … ich höre es gerne.

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